Ziemlich genau vor einem Jahr habe ich zusammen mit Nationalrat Filippo Leutenegger ein Postulat eingereicht, das den Bundesrat aufforderte, Delikte gegen Leib und Leben prioritär zu behandeln.
Auslöser dieses Postulats waren unter anderem Übergriffe auf Filippo Leuteneggers Söhne. Allesamt schwere Übergriffe, bei denen wir leider zum Schluss kamen, dass der Fahndung nach der Täterschaft bei der Polizei zu wenig Priorität beigemessen wurde.
Dies stand für uns in krassem Widerspruch zur Verfolgung von Parksündern, wo - gemessen an der Banalität des Delikts - vergleichsweise genau hingeschaut wird.
Um dieses Missverhältnis zu korrigieren und Angriffe auf Leben und Leben konsequenter zu verfolgen, braucht es eine klare Vorgabe der Politik, damit die Polizei schwere Straftaten prioritär behandeln kann.
Die Antwort des Bundesrats auf das Postulat war erwartungsgemäss ablehnend. Vielmehr wurde einmal mehr „um den heissen Brei herumgeredet“. Der Bundesrat hat sich mit den von den Postulanten aufgeworfenen Fragen schlicht nicht befasst.
Vergangene Woche wurde der Sohn eines befreundeten Elternpaars zweimal von der Polizei angehalten, weil er in der Dämmerung ohne Licht mit dem Fahrrad unterwegs war. Zweimal erhielten seine Eltern einen Verweis der Polizei und der Sohn wird zwei freie Nachmittage für Verkehrserziehung einsetzen müssen.
Lieber wäre mir gewesen, man hätte den Söhnen Leuteneggers damals unter die Arme gegriffen. Dies wäre verhältnismässig viel wichtiger gewesen.
Fragen nach der Verhältnismässigkeit dürfen demnach immer noch gestellt werden, die Verhältnismässigkeit stimmt noch lange nicht. Oder hat die Polizei wirklich nichts anderes zu tun, als Velolichter zu prüfen?


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