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«Abzocker»? «Neidkampagne»? Etwas Vernunft wäre nett.

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Der Na­tio­nal­rat ist da­ge­gen, Vergütungen in der Höhe von über drei Mil­lio­nen Fran­ken zusätzlich zu be­steu­ern. Ein Stand­punkt, der es beim Souverän schwer haben dürfte: Das Er­w­erb­sein­kom­men​ pro Haus­halt liegt laut Bun­des­amt für Sta­tis­tik hier­zu­lande um 7000.-- Fran­ken mo­nat­lich.

Der Kanton Zürich legt noch einen drauf: Er will die Reichsten sogar entlasten. Zahlen muss das niemand, so heisst es. Denn durch diese Entlastung der Superreichen kommen sofort mehr Schwerstverdiener nach Zürich. Diese Logik ist in der Tat verlockend: Wir geben faktisch Geld weg, ohne dass das jemand berappen muss, weil wir am Verzicht verdienen.

Man kann dieses Modell weiterspinnen, wenn man will: Demnach könnten, wenn wir mehr Geld ausgeben müssten, um Auto oder Zug zu fahren, schlagartig viel mehr Leute pendeln. Logisch: Der fünfte, unerschwingliche Pendeltag jeder Woche könnte von Leuten ausgefüllt werden, die noch gar nie pendeln wollten, weil ja dann Platz wäre im Zug.

Allein: Nicht alles, was hinkt, ist ein Vergleich. Also zurück zu den Reichen.

Auf einem Podium fürchtete sich ein Zürcher FDP-Politiker diese Woche vor der „unsäglichen Neidkampagne“, mit der die Linke die Entlastung der Superreichen bekämpfen werde. Ich weiss nicht, ob es unsäglicher Neid ist, wenn man der Meinung ist, exorbitante Boni, nota bene wohl kaum je verdient durch eigene, völlig isolierte Arbeit, sondern stets durch die Leistung eines Teams und letztlich ermöglicht durch Standortvorteile, seien per se mit einer stark gestiegenen Verantwortung für die Gesellschaft als Ganzes verbunden. Im Mittelalter war das jedem einigermassen zurechnungsfähigen Landgrafen klar: Wer seine Bauern allzu stark veräppelt, hat irgendwann eine Mistgabel im Gesicht.

Auf der anderen Seite ist aber selbstverständlich auch der SP-Plan unbrauchbar, die ärmeren Bevölkerungsteile Zürichs ganz von Steuern zu befreien. Ebenso unhaltbar wie die These des Herrn Minder, das eidgenössische Parlament habe allein deswegen schon über 23 Bonussteuervorschläge​ beraten, weil die Nationalräte sich damit „nur weitere Sitzungsgelder in der Höhe von 400 Franken pro Tag“ verdienen könnten (20 Miunten, 10.03.11). Wer sowas in die Welt setzt, dokumentiert vor allem profunde Unkenntnis des Parlamentsbetriebs – und nimmt sich selbst zu wichtig.

Sie sind beide blind: Die Neid-Hysteriker wie die Abzockerei-Polemiker.​ Die einen wollen partout nicht einsehen, dass einige wenige Unternehmungen und Spitzenmanager in diesem Land schlicht jedes Mass verloren, ja jeden Anstand vergessen haben. Und die anderen sind zurückgefallen in den Fiebertraum der Überwindung des Kapitals.

Die Wahrheit liegt – wie unoriginell! – in der Mitte. Wir brauchen eine massvolle, schlank geregelte Bonussteuer. Und nein, wir sollten Superreiche nicht entlasten, allein in der vagen Hoffnung, dass es der Mittelstand dann schon nicht berappen müsse. Politik muss mehr zu bieten haben als „alles wird gut“ und Ammenmärchen.


Kommentare von Lesern zum Artikel

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87%
(15 Stimmen)
Anton Keller sagte März 2011

Mir ist unklar, was Minders Abzockerintiative (Eigentumsrechte wahrnehmen) mit der Bonussteuer (Steuer) zu tun hat.

Es ist immer wieder das gleiche Vorgehen: ein berechtigtes Anliegen wie die Minderintative wird mit einem utopischen Anliegen der SP gebündelt. So bringt man dann beide Geschäfte weg. Lasst uns doch einzeln Abstimmen und nicht über "ausgewogene" Päckli.

Zudem könnte sich die CVP doch mal bemühen selbst eine "ausgewogene" Initiative zu starten.



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80%
(25 Stimmen)
Kurt Nünlist sagte März 2011

Ich bin eigentlich überhaupt gegen Steuern, solange mein sauer verdientes Geld nur in Kreisel investiert wird.

Ich selber mache Hundesport und was habe ich vom Steuern zahlen? Notabene zahle ich im Jahr 400 - 500 Fr. mehr als die anderen, ich zahle ja noch Hundesteuern. Aber was wird mir geboten dafür? NICHTS. Nur Auflagen, Ich kann den 20 Hundehalterkurs machen, aber ein Trainingsplatz, zum Beispiel der Fussballplatz, eine Stunde die Woche, keine Chance, ich werde nur überall vertrieben.

Ich bin mir nicht sicher, ob eine Bonisteuer der richtige Ansatz ist. Meiner Meinung nach, sollten die Aktionäre da mehr zu sagen haben. Vielleicht könnte man eine Bonisteuer so kuppeln, dass sie alle einer Firma erhalten müssen. Das heisst, wenn ein Manager eine Raumpflegerin im Lohn drückt, damit er mehr Boni bekommt, so macht das keinen Sinn. Denn nicht er macht Mehrleistung. Meiner Meinung nach sollte es so sein, dass in % alle Angestellten einer Firma die gleichen Bonis bekommen. Mehrleistung und dadurch Mehrertrag, gerecht verteilt auf die Leute, die ihn auch erwirtschaftet haben.


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