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Arbeitsplätze im ökonomischen Übergang

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Beginnen wir mit einer The­se: In hun­dert Jah­ren wird es keine Lohn­ar­beit mehr geben.

 

Dass uns interessieren muss, was in hundert Jahren ist, hoffe ich nicht mehr lang erklären zu müssen. Diese Diskussion wurde beim Thema Ökologie zu einem grossen Konsens gebracht. Was wir heute tun und welche Leitplanken wir setzen, bestimmt das Leben zukünftiger Generationen und dabei ist das Thema Arbeitsplätze nicht das Unwichtigste.

 

His​torisch gesehen wurde die menschliche Tätigkeit der Arbeit durch zwei Revolutionen jeweils fundamental verändert: die Neolithische Revolution und die Industrielle Revolution. Die Neolithische Revolution ist der Übergang von der Alt- zur Jungsteinzeit, aus Jägern und Sammlerinnen wurden sesshafte Bauern. Damit wurde erstmals eine kompliziertere Arbeitsteilung möglich, wenn auch noch Selbstversorgung im Vordergrund stand. Erste Dorfkulturen entstanden, wo eine grössere Zahl von Bauern spezialisierte Berufe quer-versorgen konnten. Die Industrielle Revolution war der Übergang von einer agrarischen Wirtschaft zu einer Fabrikationswirtschaf​t, die mit technischen Innovationen dauernd die Produktivität zu steigern suchte. Sinkende Bauernbevölkerung und Verstädterung waren die Folge.

 

Beide Revolutionen verändern die Arbeitssituation. Neolithische Revolution macht eine grössere Zahl von beruflichen Tätigkeiten überhaupt erst möglich und die Industrielle Revolution bewirkt durch technische Innovation Produktivitätssteiger​ungen. Besonders gut zu sehen ist es an den Veränderungen der Grenzproduktivität, was nicht anderes ist als das Verhältnis von zusätzlich geleisteter Arbeit zu zusätzlich eingebrachtem Ertrag. In einer vorindustriellen Agrarwirtschaft musste ein Bauer doppelt so viel arbeiten, damit der doppelte Ertrag eingefahren wird, was einer konstanten Grenzproduktivität entspricht. Mit der industriellen Revolution musste ein Arbeiter weniger als das doppelte arbeiten, damit der Ertrag sich verdoppelt, was als abnehmende Grenzproduktivität bezeichnet. Diese ökonomische Grösse hat nicht zu unterschätzende Auswirkungen. Bei konstanter Grenzproduktivität ist Sklaverei und Leibeigenschaft die kosten-effizienteste Arbeitsform. Bei abnehmender Grenzproduktivität wird Qualifikation und Motivation zu einem wichtigen Faktor, was das Arbeitsverhältnis der Lohnarbeit zum Mittel der Wahl macht.

 

Nun haben wir 250 Jahre Industrielle Revolution hinter uns und es bahnt sich eine neue grosse Veränderung an. Einen Namen hat diese aufziehende Revolution noch nicht, aber ihr Merkmal ist wieder eine Veränderung der Arbeitssituation besonders hinsichtlich der Grenzproduktivität. Dank technischer Innovation wird es bald möglich sein Maschinen zu entwickeln, die sich selber herstellen. Die Automation nimmt einen so hohen Grad an, das menschliches Eingreifen kaum mehr notwendig ist. Die Produktivität kann verdoppelt werden mit beinahe keinem zusätzlichen Aufwand. Dies wäre eine Grenzproduktivität von beinahe Null. Lohnarbeit wird zu einem Phänomen wie es die Sklaverei mit der Industriellen Revolution wurde. Extrinsische Motivation, was der Kerngedanke von Lohnarbeit ist, funktioniert nicht mehr. Kreative Arbeit, die in einer ersten Phase nicht durch Automation ausgelagert wird, braucht intrinsische Motivation, die innere Begeisterung. Künstler z.B. sind selten im Verhältnis ihrer Entlohnung kreativer und wenn in hundert Jahren alle Arbeiten, zu denen Menschen finanziell motiviert werden müssen, durch technische Innovation automatisiert sind, bleibt nur noch kreative, künstlerische, soziale und begeisternde Arbeit mit intrinsischer Motivation. Menschen werden arbeiten, weil sie es wollen, nicht weil sie auf den Lohn angewiesen sind.

 

Mein Vorschlag wäre es diese tiefgreifende Veränderung Replikative Revolution zu nennen.


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