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Aufhebung des Krankenkassen-Obligat​oriums: Verantwortungslos

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Das Ge­sund­heits­we­sen in der Schweiz ist in Bezug auf die Qualität und auf die Verfügbarkeit sehr gut. Eine der­art gut aus­ge­baute Ge­sund­heits­ver­sor​­gung hat ihren Preis, was aber das ra­sante Kos­ten­wachs­tum der letz­ten Jahre nicht recht­fer­tigt.

Mit der Managed Care-Vorlage vom vergangenen Sonntag hat das Schweizer Stimmvolk eine mögliche Massnahme zu Kostenreduktionen deutlich verworfen. Dies ist ohne Wenn und Aber zu akzeptieren, darf aber keinesfalls als generelle Absage an weitere Reformen verstanden werden. Namentlich die steigenden Krankenkassenprämien belasten die Schweizer Haushalte schmerzlich und belegen immer wieder die vordersten Ränge bei den Sorgenbarometern.

Di​e nun von der SVP zur Diskussion gebrachte Aufhebung des Krankenkassen-Obligat​oriums ist aber klar abzulehnen. Alle Einwohnerinnen und Einwohner der Schweiz sollen Zugang zu den Grundleistungen des Gesundheitswesens haben. Ein Abkehr von diesem Grundsatz ist aus gesellschaftlicher Sicht verantwortungslos und würde zudem die Sozialkosten in die Höhe schnellen lassen.

Ebenso ist die Forderung der SP nach einer staatlichen Einheitskasse abzulehnen, weil sie kein einziges der wesentlichen Probleme lösen würde.

Es braucht also konstruktive Lösungen, welche die Kosten unseres Gesundheitswesens reduzieren, ohne dieses grundsätzlich in Frage zu stellen. Themenfelder dazu gibt es genug:

-        Stärkung der Hausarztmedizin

-   ​     Stärkung und Ausbau der Spitexdienste

-     ​   Verbesserter Risikoausgleich der Krankenversicherer bei der Grundversicherung

- ​       Verbesserte Kommunikation zwischen den involvierten Partnern im Gesundheitswesen bei gleichzeitiger Gewährleistung von Datenschutz und Privatsphäre

-      ​  Deutlich verbesserte Koordination zwischen den Kantonen im Bereich der Spitzenmedizin

-    ​    Stärkung der Eigenverantwortung, beispielsweise mit spürbar höheren Franchisen

 

Die deutliche Ablehnung von Managed Care bedeutet kein Reformstopp, aber die Abschaffung der obligatorischen Grundversorgung ist keine Reform, sondern wäre eine Demontage unseres Systems.

 


Kommentare von Lesern zum Artikel

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60%
(40 Stimmen)
Thomas Steffen sagte Juni 2012

Herr Landolt, die Lösungsvorschläg, welche Sie her aufwerfen diskutiert man nun schon seit Jahrzehnten und nichts passiert. Anstatt alles in Frage zu stellen würde die BDP gut daran tun, MACHBARE Lösungen, welche Mehrheitsfähig sind auf die Beine zu stellen.

Die anderen Parteien kritisieren kann jeder.

Mir gefällt zB die Eur 50 Fixpauschale bei Arztbesuchen (angewandt in Deutschland). Dann würde das Arztpilgern für jedes Bobo und Wehweh endlich aufhören. Zudem werden ab sofort die Medikamentenpreise aus Bern diktiert. Ab sofort kostet ein Medikament in der Schweiz nicht mehr als im Ausland.

Damit diktieren wir der Pharma nicht die Preise, sondern wir setzen den künstlichen Preiserhöhungen für Medikamente in der Schweiz einen Riegel.

Aber eben, Herr Landolt, das ist halt ein heisses Eisen an dem sich keine Partei die Finger verbrennen will. Aber irgend eine Partei muss damit anfangen. Wie wär's mit der BDP ?


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64%
(39 Stimmen)
Sägesser Barbara sagte Juni 2012

Der Wettbewerb unter den Versicherern wird doch dazu führen, dass schlechte Risikos wie z.B. (potenzielle) Krebskranke, Menschen mit Geburtsgebrechen etc. keine Chance mehr hätten und die Gesundheitskosten selber berappen müssten. Das amerikanische Gesundheitssystem zeigt(e) dies doch auf! Wenn zudem der Sozialdienst eingreifen muss, so wird sich zuerst das Vermögen der Betroffenen und zuständigen Lebenspartner/Familie​nmitgliedern entsprechend mindern bevor vom Sozialdienst und oder IV überhaupt Geld fliesst. So meine Befürchung und Teil-Erfahrung. Wer dies den Bürgern zumuten will - unter Beachtung der heutigen Krankheitsfälle - darf ruhig für die Abschaffung des Obligatoriums sein und hoffen, dass er niemals von irgendeiner Krankheit oder Gebrechen betroffen sein wird.


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57%
(44 Stimmen)
Arne tvedt sagte Juni 2012

Der Vorschlag ist nur auf den ersten Blick verantwortungslos. So der Staat (die Solidargemeinschaft) eine "bare bones" Grundversorgung garantiert wäre der Ausstieg aus dem KVG nicht verantwortungslos sondern sinnvoll um einen echten Wettbewerb der Versicherer zu fördern, und dies - die "bare bones" Grundversorgung - braucht nicht mehr kosten als die heutige Regelung, und ja, "bare bones" = bis auf die Knochen abgespeckt.


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