Bei vielen älteren Personen wird durch das Absterben von Netzhautzellen die Sehfähigkeit beeinträchtigt (sog. Makuladegeneration). Für Menschen über 55 ist die Krankheit eine Hauptursache für Erblindung.
Das US-Pharmaunternehmen Gentech, das heute Roche gehört, entwickelte gegen Darmkrebs das Medikament Avastin und brachte es im Februar 2004 erfolgreich auf den Markt. Ein Darmkrebspatient benötigt alle zwei Wochen 400mg zum Preis von ca. CHF 2'000.
Augenärzte stellten 2004 in den USA fest, dass sich Avastin auch zur Bekämpfung der Makuladegeneration eignet. Pro Anwendung sind nur 1.25mg notwendig. Die Preis pro Anwendung beträgt ca. CHF 6.50.
Roche und Novartis einigten sich 2005, dass Novartis auf der Basis von Avastin das Medikament Lucentis auf den Markt bringt. Lucentis entspricht Avastin, hat aber eine geringere Molekülgrösse.
Die Preis pro Anwendung beträgt nun nicht mehr CHF 6.50, sondern das 50-fache, ca. CHF 330 pro Anwendung.
Sobald Lucentis auf dem Markt erschien, liessen die Aufsichtsbehörden für Medikamente (Swissmedic und Bundesamt für Gesundheit) die Anwendung und Krankenkassen-Abrechnung für Avastin nicht mehr zu.
Sie beriefen sich auf das Prinzip, wonach ein zugelassenes Medikament nur im zugelassenen Anwendungsgebiet abgerechnet werden darf. Das Prinzip hat durchaus seine Berechtigung.
Allerdings nicht ausnahmslos: wenn es eine gleichwertige und (wie hier) 50mal günstigere Behandlungsmethode gibt, muss auch diese zugelassen werden. Davon wollen indessen die Behörden bis heute nichts wissen. Ohne ein entsprechendes Begehren von Roche/Gentech wollen sie nicht aktiv werden.
Auf dieses Begehren kann man in Bern indessen lange warten, würde doch damit eine mit Prämiengeldern grosszügig finanzierte Geldquelle versiegen. Selbstverständlich machen die Pharmafirmen auch keine Studien gegen die eigenen Interessen. Das kann man ihnen nicht verargen.
Bedenklich ist, dass Swissmedic und das Bundesamt fachlich ausserstande sind, selbst Studien zu machen und völlig vom Goodwill der Industrie abhängen. Wie meist im Medikamentenbereich, sind die Behörden auf Erkenntnisse aus dem Ausland angewiesen.
Das nationale amerikanische Institut für Augenheilkunde hat in einer im April 2011 publizierten Studie festgestellt, dass das preisgünstige Avastin bei der Behandlung der Makuladegeneration gleich gut abschneidet wie das vielfach teuerere Lucentis. An der Studie waren ab 2008 an 1200 Patienten beteiligt.
Es ist Sache des eidgenössischen Departementes des Innern zu handeln. Es hat nach Gesetz alle notwendigen Vollmachten. Die Vermutung, dass die Behörden den Pharmafirmen bei der Festsetzung der amtlichen Medikamenten-Preise professionell in keiner Weise gewachsen sind, hat neue Nahrung erhalten. Das gilt es bald zu widerlegen.
Es geht jährlich um einen hohen zweistelligen Millionenbetrag zulasten der Prämienzahler, der leicht eingespart werden könnte. www.eugendavid.ch


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