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Der Bund soll seine Fehler selber berappen!

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Unbestritten ist, dass in un­se­rem Land die Krankenkassenprämien für zahl­rei­che Fa­mi­lien eine grosse fi­nan­zi­elle Be­las­tung sind. Lei­der stei­gen diese jährlich deut­lich an, sehr oft mehr als die ei­gent­li­che Teue­rung und – was noch unverständlicher ist – oft auch über der ef­fek­ti­ven Kos­ten­stei­ge­rung im Ge­sund­heits­be­reic​h. Zwi­schen 1996 und 2011 sol­len viele Per­so­nen in un­se­rem Land sogar zu wenig oder zu viel Prämien be­zahlt ha­ben. Un­glaub­lich, aber wahr! Mit einer Teil­re­vi­sion des Kran­ken­ver­si­che­r​ungs­ge­set­zes will der Bun­des­rat nun die in der Ver­gan­gen­heit ent­stan­de­nen kan­to­na­len Überschüsse und De­fi­zite teil­weise aus­glei­chen.

 

Für mich ist klar, dass die Prämien in Zukunft kostendeckend sein sollen und sich keine Defizite mehr akkumulieren dürfen. Diese Zielsetzung ist jedoch klar zu trennen von einer rückwirkenden Korrektur der zwischen 1996 und 2011 bezahlten Prämien. Eine solche schafft nicht nur neue Ungerechtigkeiten, sondern läuft auch dem Gebot von Treu und Glauben zuwider.

 

Es ist offensichtlich, dass der Bund die Hauptverantwortung für das Malaise trägt. Er hat es unterlassen, die gesetzlichen Bestimmungen so auszugestalten, dass es gar nicht erst zu Differenzen wegen zu viel bzw. zu wenig bezahlter Prämien kommen konnte. Darüber hinaus hat er die vorhandenen aufsichtsrechtlichen Spielräume nicht genutzt, die Fehlentwicklungen zu unterbinden. Schliesslich hat er sogar noch mit politischer Absicht in die Prämiengestaltung der Krankenversicherer eingegriffen. Wieso nun die Kantone mit einem negativen Prämiensaldo für diese Versäumnisse büssen sollen, ist nicht einzusehen!

 

14 Kantone, nämlich AG, AR, AI, BL, FR, GL, GR, NW, SH, SZ, SG, UR, VS und ZG, die drei Bundesratsparteien SP, CVP und SVP, die Grünen, diverse Verbände (u.a. santésuisse, economiesuisse, Schweizerischer Gewerbeverband, Schweizerischer Bauernverband und Pro Familia) haben in der breit angelegten Vernehmlassung der Absicht des Bundesrates eine Abfuhr erteilt. Ohne Erfolg! Vor wenigen Tagen veröffentlichte der Bundesrat seine Botschaft, mit der er diese "Ungleichbehandlung der Versicherten" teilweise rückgängig machen will. Insgesamt sollen 55 Prozent der zwischen 1996 und 2011 zu viel einbezahlten Prämien an die Versicherten zurückfliessen. Dafür aufkommen sollen jene Personen, die in den letzten Jahren zu wenig bezahlt haben.

 

Wenn die politische Linke, die Krankenversicherer und die Wirtschaftsverbände zusammen mit der Mehrheit der Kantone aus Überzeugung für die gleiche Sache kämpfen, dann muss wirklich sehr viel faul sein am Vorschlag des Bundesrates. Für mich ist die Lösung klar: Der Bund soll hin stehen, seine Fehler ausbügeln und jenen, die zu viel bezahlt haben, das Geld zurückgeben! Wer seine Hausaufgaben nicht macht, muss die Konsequenzen selber tragen. So einfach ist das.


Kommentare von Lesern zum Artikel

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100%
(1 Stimme)
Paulsen Jens sagte März 2012

Wettbewerb funktioniert im Gesundheitswesen nur bedingt, weil, wenn beispielsweise jemand eine Blinddarmentzündung hat, dieser dann gewöhnlich nicht zuerst 7 Offerten einholt und erst nachher zum Arzt seiner Wahl geht.
Vileleicht wäre eine obligatorische Grundversicherung die bessere Wahl, die nur das abdeckt, was einen wirklich ruinieren kann, also beispielsweise längere Spitalaufenthalte und gewisse Krankheiten? Wer mag, kann sich ja dann zusätzlich noch privat gegen alle möglichen Zipperlein versichern.
Die jährlichen Bürokratieorgien mit abmelden, anmelden, neuer Vertrag, neue Versicherungskarte usw. wäre hiermit ebenfalls unnötig.


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27%
(11 Stimmen)
Carlo Meyer sagte Februar 2012

Einkommensabhängiger Selbstbehalt.

Bis 11% des Einkommens eines Haushalts (Anteil der Gesundheitskosten am BIP) muss jeder selbst bezahlen, bevor er in Genuss von Versicherungsleistung​en kommt.

Dann gibt es Wettbewerb durch die Leistungsbezüger und nicht mehr durch korrupte Anbieter.


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56%
(18 Stimmen)
Rainer Selk sagte Februar 2012

BR EWS monierte Anfangs 2011 die zuviel eingenommenen Steuern und schob die Schuld BR Merz zu. Welche furchtbares Problem. Und das hat sie nun erneut am Hals. Diesmal ist sie aber selbst schuld.

Pro Memoria: der Bund sind wir alle. Die KK Kosen müssen verringert werden, egal wie. Sie dürfen nicht quersubventioniert werden, sonst werden die Kostentreiber subventioniert.

Ic​h höre von verschiedenen Aerzten massiv zunehmend die Klage, dass Patienten einfach die Rechnungen nicht bezahlen, die sie bis vor Kurzem noch von ihrer K'kasse erstattet bekamen. Neuerdings gbit es zunehmend Patienten, die ihre KK Prämie nicht bezahlen und damit aus der Leistung der Krankenversicherungen​ herausfallen. Diese sperren demzufolge auch die Leistungen. Damit stossen wir an ein Paradigma, denn auch der Arzt müsste die Hilfe verweigert, auch das Spital und auch Kantone dürfen nicht - wie im Falle Luzern - einfach einen Sockel von ca. 5000 Personen akzeptieren, die nicht bezahlen.

Es wird Zeit, dass sowohl auf Kosten- wie auch auf Patientenseite Ordnung gemacht wird. Wenn überall nur mit Geld zugepflastert wird, kommt der Moment, an dem es kracht!!


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