Die missratene Wirtschaftspolitik der bürgerlichen Mehrheit
„Abzocker, Umweltsünder, Neoliberale – Die fetten Jahre sind vorbei!“. Mit diesem Slogan stieg die JUSO Graubünden 2007 in den Nationalratswahlkampf. Die Geschichte sollte uns Recht geben. Heute, wo wir die Krise als einigermassen überstanden ansehen können, müssen wir uns aber fragen: Sind ihre fetten Jahre wirklich vorbei?
Vor einigen Wochen publizierte der SGB den „Verteilungsbericht“. Unter anderem ist dem Bericht zu entnehmen, dass das bestbezahlte Prozent aller Arbeitnehmenden, die “TopverdienerInnen”, sich immer mehr vom gesamten Lohnkuchen nehmen. Waren es 1997 noch 5.9% aller in der Schweiz ausbezahlter Löhne, sind es 2008 bereits 9.4%, ein Wachstum von 61%! Bezüglich der Vermögen sieht die Situation keineswegs besser aus: Gemäss der CS-Studie zur Vermögensverteilung in der Schweiz besitzt das reichste Prozent mehr Vermögen als die restlichen 99 Prozent der Bevölkerung.
Ja, ihre fetten Jahre sind tatsächlich noch nicht vorbei. Der Zeitgeist ist heute wie gestern durchtränkt von Egoismus und Profitgier. Grund dafür ist aber nicht nur das Fehlverhalten von ManagerInnen, wie uns die Bürgerlichen einreden wollen. Sie prangern die Manger mittels Moral an und wollen damit davon ablenken, dass ihre Wirtschafts- und Finanzpolitik der vergangen Jahrzehnte auf ganzer Linie versagt hat. Ihre Argumentation mittels der Moral und Eigenverantwortung verfolgt noch ein weiteres Ziel: Sie wollen, dass Wirtschaft und Markt vor Mensch und Demokratie stehen. Die Juso fordert deshalb einen Aufbruch für eine neue Wirtschafts- und Finanzpolitik. Dieser soll geleitet sein von Idealen der Demokratie – Freiheit, Gleichheit, Gerechtigkeit und Solidarität. Auch die Wirtschaft hat sich dem demokratischen Prinzip unterzuordnen – Mensch vor Markt!
Deshalb kämpfe ich für:
Freiheit & Gleichheit: Die Mindestlohninitiative
Die Freiheit der Marktradikalen ist im Kern die Freiheit des Marktes. Unsere Freiheit ist eine positive. Eine Freiheit zur Befähigung der Menschen. Unsere Freiheit ist eine Gleichheit an Freiheiten und braucht einen materiellen Boden unter den Füssen.
Die Mindestlohninitiative von Gewerkschaften und SP ist ein erster konkreter Schritt in diese Richtung. Sie gibt der Arbeit wieder ihren Wert zurück und lässt alle vom gemeinsam erwirtschafteten Erfolg profitieren. Ein Mindestlohn ermöglicht die Freiheit überhaupt zu leben. Freiheit, welche nicht gelebt werden kann ist nichts wert. Zusätzlich ist ein Mindestlohn ein Garant für Wachstum. Er steigert die Kaufkraft und letztlich wächst jede Wirtschaft durch Konsum.
Solidarität & Gerechtigkeit: Stopp der Bodenspekulation – Faire Mieten für alle
Die Boden- und Mietpreise sind in den vergangen Jahren explodiert. Dies ist in Graubünden vor allem in den Tourismusdestinationen spürbar. Einheimische können sich das Wohnen praktisch nicht mehr leisten. Der Markt für Boden und Wohnungen muss nicht nur reguliert, vielmehr müssen Boden und Immobilien grundsätzlich dem Markt und damit der Spekulation entzogen werden. Instrumente dafür sind ausreichend vorhanden. Gemeinnütziger Wohnungsbau ist zu fördern, Abschöpfung des Mehrwerts von Planungsgewinnen, die Lex Koller ist beizubehalten. So kann gewährleistet werden, dass Wohnen auch in Zukunft zahlbar bleibt.
Mehr Demokratie: Die 1:12 Initiative
Die 1:12 Initiative der JUSO ist bekannt (Lohnbandbreite von 1 zu 12 für eine Unternehmung) und wurde letzten März eingereicht. „Die grossen Konzerne werden ins Ausland abwandern.“ oder „Diese Initiative bringt einen enormen Standortnachteil für die Schweiz“, dies sind die traditionellen Hauptargumente der Scheindemokraten. Sie kommen immer dann, wenn der Sozialstaat punktuell ausgebaut werden soll oder die ArbeiterInnen gestärkt werden sollen. Genau bei diesem Punkt setzen wir an. Wir fragen: Wer entscheidet, ist es die Wirtschaft oder das demokratische Prinzip? Wir sind entschieden der Meinung: Der Volkswille muss wieder ber jenem der Wirtschaft stehen! Wir stellen die alte Machtfrage der Wirtschaftdemokratie neu!
Diese drei Projekte zeigen auf, wie mehr Demokratie konkret aussieht. Wer bei den Nationalratswahlen JUSO wählt, wählt mehr Demokratie in allen Lebensbereichen – Wirtschaft, Bildung oder Umwelt.


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