Aussenpolitik,

Die zwei Gesichter der Globalisierung

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„Der gegenwärtige Glo­ba­li­sie­rungs­p​ro­zess bringt un­aus­ge­wo­gene Er­geb­nisse her­vor, so­wohl in­ter­na­tio­nal als auch in­ner­staat­lich. Zwar gibt es po­si­tive Wohl­stands­ef­fek­te​, aber zu viele Länder und Men­schen blei­ben davon aus­ge­schlos­sen. Sie haben auch kaum oder gar kei­nen Ein­fluss auf die­sen Pro­zess. Aus Sicht der überwältigenden Mehr­heit der Frauen und Männer hat die Glo­ba­li­sie­rung ihre ein­fa­chen und be­rech­tig­ten Er­war­tun­gen hin­sicht­lich auskömmlicher Arbeitsplätze und einer bes­se­ren Zu­kunft für ihre Kin­der nicht erfüllt. Viele von ihnen leben in der Un­si­cher­heit einer Schat­ten­wirt­schaft​ ohne for­male Rechte und einer Reihe armer Länder, die sich am Rande der Welt­wirt­schaft mit Mühe und Not über Was­ser hal­ten. Selbst in wirt­schaft­lich er­folg­rei­chen Ländern hat die Glo­ba­li­sie­rung für man­che Ar­beit­neh­mer und Ge­mein­schaf­ten ne­ga­tive Fol­gen ge­zei­tigt. In­zwi­schen schärft die Re­vo­lu­tion in den glo­ba­len Kom­mu­ni­ka­ti­ons­t​ech­no­lo­gien das Be­wusst­sein für diese Ungleichheiten…diese glo­bale Un­aus­ge­wo­gen­heit​ ist mo­ra­lisch un­an­nehm­bar und po­li­tisch untragbar.“ (World Com­mis­sion on the So­cial Di­men­sion of Glo­ba­li­za­tion, 2004)

 

„Die Globalisierung mag einigen Ländern geholfen haben, das BIP mag dort zugenommen haben, aber trotzdem haben die meisten Menschen davon nicht profitiert. Die Globalisierung droht reiche Länder mit armen Menschen hervorzubringen. Welches sind die Gründe?

  1. Die Spielregeln der Globalisierung sind unfair, da sie auf die spezifischen Interessen der fortgeschrittenen Industrieländer zugeschnitten sind.
  2. Die Globalisierung stellt materielle Werte über andere Werte wie etwa die Sorge um die Erhaltung der Umwelt oder um den Schutz des Lebens selbst.
  3. Die Instanzen, die die Globalisierung massgeblich gestalten, haben den Entwicklungsländern einen Grossteil ihrer Hoheitsbefugnisse genommen, so dass sie in Schlüsselbereichen, die das Wohl ihrer BürgerInnen beeinflussen, keine selbständigen Entscheidungen mehr treffen können. In diesem Sinne hat die Globalisierung die Demokratie untergraben.
  4. Während​ die Befürworter der Globalisierung behaupten, alle Menschen würden wirtschaftlich profitieren, finden sich in den Entwicklungs- wie in Industrieländern zahlreiche Belege dafür, dass es viele VerliererInnen gibt.
  5. Der vielleicht wichtigste Punkt: Das Wirtschaftssystem, das den Entwicklungsländern aufgenötigt – in einigen Fällen sogar regelrecht aufgezwungen – wurde, ist unangemessen und oftmals äusserst schädlich. Globalisierung sollte nicht gleichbedeutend sein mit Amerikanisierung der Wirtschaftspolitik oder der Kultur, aber genau dies ist oft der Fall und sorgt für erheblichen Unmut.

 

Die Globalisierung hat sowohl bei den grössten Erfolgen als auch bei einigen Misserfolgen eine Rolle gespielt. China hat zum Beispiel die Globalisierung umsichtig und klug genutzt: Es hat seine Märkte nur langsam für Importe geöffnet und blockiert noch heute den Zufluss von „vagabundierendem“, spekulativem Geld. China verzeichnet kontinuierliche Wachstumsraten von über 7 Prozent jährlich. Die traurige Wahrheit aber ist, dass, ausserhalb Chinas, die Armut in den Entwicklungsländern in den letzten 20 Jahren zugenommen hat. Etwa 40% der Weltbevölkerung von gegenwärtig 6,5 Milliarden Menschen leben in Armut. Die Zahl der Menschen, die in extremer Armut leben, hat sich seit 1981 fast verdoppelt: von 164 Millionen auf 316 Millionen. Historisch betrachtet ist Afrika von der Globalisierung am stärksten ausgebeutet worden. In fortgeschrittenen Ländern mildert der Staat die Armut über Renten-, Erwerbsunfähigkeits-,​ Kranken-, Sozial- und Arbeitslosenversicher​ungen. In den Entwicklungsländern ist der Staat in der Regel zu arm, um ein Sozialversicherungssy​stem aufzubauen.“ (Aus Joseph Stiglitz: Die Chancen der Globalisierung, Seite 26-31)

 


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