Aus dem Radio tönt eine männliche Stimme, die fürsorglich tönt und sagt: „Das wird jetzt es bitzeli weh thue“. Der Akzent ist offensichtlich deutsch und dann folgt das Dröhnen eines elektrischen Abbauhammers. Wofür Werbung gemacht wird, weiss ich nicht mehr. Bemerkenswert erscheint mir aber die Tatsache, dass der Zahnarzt deutscher Herkunft bei uns bereits so normal ist, dass dem Radiohörer sofort klar ist: Das ist ein Zahnarzt. Diese Woche meldete sich eine Organisation unter dem Namen Medicus Mundi und forderte, dass die Schweiz vermehrt eigenes Gesundheitspersonal ausbilden müsse, statt solches zu importieren. Die Einwanderung erfolge oft aus Ländern, die selbst zu wenig Pflegepersonal hätten. Tatsächlich scheint es auch in Deutschland inzwischen einen Ärzte- und Pflegepersonalmangel zu geben, wie auch im Rest von Europa. In der Schweiz ist per 01. Januar diesen Jahres der Zulassungsstopp für Arztpraxen gefallen. Im Parlament fand sich keine Mehrheit mehr, um diese Massnahme zu verlängern, die insbesondere von den Kantonen befürwortet wurde, um ein Steuerungsmittel zur Reduktion von Gesundheitskosten zu haben. Medicus Mundi schätzt, dass in der Schweiz ca. 5000 Personen zu wenig im Gesundheitswesen ausgebildet werden. Es geht hier nicht nur um Ärzte, sondern auch um Pflegefachleute und andere Berufe aus dem Gesundheitswesen. Es besteht also ein erheblicher Bedarf. Gegenwärtig ist der Gesundheitsbereich eine der wenigen Wachstumsbranchen in der Schweiz. Wir merken das unter anderem an den steigenden Krankenkassenprämien. Andererseits waren wir auch noch nie in der menschlichen Geschichte so gut umsorgt und noch nie wurden Menschen in Mitteleuropa so alt wie heute. Die Möglichkeiten der Medizin werden verbessert, die Technik macht Fortschritte – und auch die Ansprüche der Patienten steigen. Andererseits sind die Arbeitsbedingungen im Gesundheitswesen auch nicht mehr so goldig. Insbesondere beklagten die öffentlichen Spitäler im Kanton Zürich in einem Manifest bereits im Jahr 2009 die Abwanderung von Ärzten in die Praxis oder Privatkliniken. 30% der Ärzte seien Ausländer, vornehmlich Deutsche, während die Abschlüsse von Humanmedizinern in der Schweiz von 2000-2009 von 800 auf 600 jährlich zurückgegangen seien. Von den Studierenden seien 70% Frauen, die den Beruf frühzeitig verliessen oder Teilzeitarbeit suchten. Die Medizin ist eine positive Kraft, die nicht nur Kosten verursacht, sondern die Lebensqualität verbessert. Die Ausbildung von möglichst viel eigenem Gesundheitspersonal sollte forciert werden, damit möglichst viel Nutzen auch für unsere Bevölkerung anfällt. Dazu muss in die Ausbildungsinfrastruktur investiert werden. In Zürich dräut die Sanierung des Universitätsspitals. Das wird es bitzeli weh tun, aber der Arzt sollte wieder Dialekt sprechen.
Ausländer-, Migrationspolitik > Integration & Einwanderung, Januar 2012
Es tuet es bitzeli weh
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Kommentare von Lesern zum Artikel
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83%(6 Stimmen) |
Karl Müller sagte Januar 2012 "Von den Studierenden seien 70% Frauen, die den Beruf frühzeitig verliessen oder Teilzeitarbeit suchten." Ein Medizinstudium ist sehr teuer. Soviel ich weiss eine Million pro Arzt. Die Studienplätze sind knapp und begehrt. Wenn dann die ausgebildeten Aerzte nicht 100% arbeiten so ist das störend. Wie wäre es, wenn die Aerzte die Kosten für ihr Studium zurück zahlen müssten. Aber nur dann, wenn sie in einem Jahr nicht 100% arbeiten. Nach der einfachen Formel: Studienkosten * (100% - Beschäftigungsgrad) / 40 Wer in einem Jahr 100% arbeitet, bezahlt also nichts. Wer 0% arbeitet, bezahlt 1/40-stel der Studienkosten. 40 = 65 - 25, also die typische Dauer der Berufstätigkeit eines Arztes. |
0%(1 Stimme) |
Roland Steiner sagte Januar 2012 Wir können noch lange über dieses Thema diskutieren. Leider sind aber unsere Politiker nicht bereit, dieses Problem zu erkennen und die entsprechenden Massnahmen zu treffen. Somit hat das schweizer Volk nur eine Alternative: http://www.ecopop.ch/joomla15/index.php?option=com_content&task=view&id=319&Itemid=330&lang=de -Damit wird dieses Problem automatisch gelöst und unsere Wirtschaft wird gezwungen, die Ausbildung für die benötigten Fachkräfte wieder seber in die Hand zu nehmen. -Zusätzlich sinkt die Arbeitslosigkeit und viele Resourcen die in diesem Bereich blokiert sind können endlich wieder zum Wohle der ganzen Schweiz eingesetzt werden. -Die Chancen, dass IV-Bezüger wieder in die Arbeitswelt integriert werden steigen. -Auch das Thema Minimallohn wäre vom Tisch, da das System von Angebot und Nachfrage auch bei der Resource Arbeitskraft wieder im Gleichgewicht ist. usw.... usw... |
56%(9 Stimmen) |
Hans Meier sagte Januar 2012 Ich stehe hinter ihrem Beitrag. Wir sollten das Personal selber ausbilden. Vor allem da nicht nur bei den Ärzten sehr viele Interessenten mangels Ausbildungsplätze zurückgewiesen werden. Nun brauchen Sie allerdings noch Ihre Partei zu überzeugen. Aber wahrscheinlich stossen Sie da mit Ihren "linksextremen" Gedanken auf Granit. |
![]() 38%(13 Stimmen) |
Stefan Pfister sagte Januar 2012 Das Grundproblem ist die "Geiz-ist-geil"-Mentalität, die vor allem im rechtsbürgerlihcen Lager auszumachen ist. Ärzte in der Schweiz ausbilden kostet. Medizinstudenten sind die teuersten Studenten überhaupt. Ärzte aus dem AUsland importieren ist da viel günstiger. Dass Herr Siegenthaler/SVP nun die Ärzte wieder in der Schweiz ausbilden will, ist erfreulich. Ich bin gespannt, ob das in seiner Partei mehrheitsfähig ist und wie er und seine Partei reagieren, wenn die Rechnung präsentiert wird. Ob sie dann auf diesem Kurs bleibt, oder ob dann das Lied vom Sparen und von den teueren Akademikern angestimmt wird, die "dem Staat auf der Tasche liegen". |
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