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Seit dem tra­gi­schen Un­fall im ja­pa­ni­schen Fu­kus­hima überschlagen sich nicht nur die schlech­ten Nach­rich­ten, son­dern auch die po­li­ti­schen For­de­run­gen. Viel­mehr wäre aber Be­son­nen­heit ge­fragt. Hek­tik und Ak­ti­vis­mus sind bei der­art an­spruchs­vol­len Fra­ge­stel­lun­gen schlechte Be­glei­ter. Dies schliesst ja klare po­li­ti­sche Po­si­tio­nie­run­gen​ nicht aus.

Seit den kantonalen Wahlen in Basel-Land, Zürich und Luzern geistert der Begriff „Fukushima-Effekt“ herum, was offenbar die Phantasie und Kreativität gerade mit Blick auf die nationalen Wahlen vom Herbst zu stimulieren scheint. Dabei gehen zwei ganz fundamentale Betrachtungen vergessen: Erstens steht am Ursprung der ganzen Diskussion eine tragische Katastrophe in Japan, deren Konsequenzen noch in keiner Weise absehbar sind und die riesiges menschliches Leid und gigantischen wirtschaftlichen Schaden hinterlassen wird. Zweitens hat Fukushima zwar die Bedeutung einer sicheren Energieversorgung schonungslos aufgezeigt, aber es besteht keinerlei Anlass, nun überhastete Entscheide zu fällen.

Es gilt vorerst zu akzeptieren, dass sich die Ausgangslage deutlich verändert hat und der Zeitpunkt für einen koordinierten und kontrollierten Ausstieg aus der Kernkraft gekommen ist. Die politischen Haltungen und Einschätzungen bezüglich Machbarkeit und notwendiger Zeit für den Ausstieg aus der Kernkraft mögen unterschiedlich sein; aber die Tatsache, dass die Schweiz keine neuen Kraftwerke bauen soll, müsste inzwischen klar konsensfähig sein. - Dies ist nicht zu verwechseln mit populistischen Forderungen nach sofortigen Abschaltungen.

Gefra​gt sind tragfähige Lösungen ein, die einen geordneten Ausstieg ermöglichen - ohne Stromlücke, ohne zusätzliche Abhängigkeit vom Ausland und ohne Negativeffekte auf das Klima. Solche Lösungsansätze fundieren sinnvollerweise auf verschiedenen Säulen wie beispielsweise der Förderung von erneuerbaren Energien, der Erhöhung der Energieeffizienz, aber auch der Förderung von Forschung und Entwicklung.

Die BDP fordert in einer Motion die Einsetzung einer Expertenkommission, welche fachliche Konsenslösungen für die Zukunft der schweizerischen Energieversorgung erarbeitet und vorschlägt. Das Modell der Expertenkommission hat sich bereits in der Thematik "too big to fail" bewährt. Dieser Expertenkommission ist es gelungen, einen Konsens unter Fachleuten verschiedener Anspruchsgruppen zu erreichen. Die Frage nach der zukünftigen Energieversorgung in der Schweiz dürfte volkswirtschaftlich mindestens so bedeutend sein wie die Fragestellungen rund um "too big to fail". Es ist deshalb sinnvoll, auch hier das Gespräch mit Fachleuten zu suchen, damit sich letztlich die Politik an Empfehlungen orientieren kann, die breit abgestützt, fachlich fundiert und machbar sind. Als Mitglieder der Expertenkommission sind Vertreter aus Wirtschaft (Angebots- und Nachfrageseitig), Forschung, Natur-/Umweltschutz und Bundesverwaltung zu berücksichtigen.

Die​ durch die Katastrophe aufgeworfenen Fragen in der Schweiz sind ernst und bedeutend. Deshalb sollten die politischen Parteien und Kräfte die Herausforderungen mit der notwendigen Sachlichkeit und Sorgfalt – und soweit wie möglich gemeinsam – anpacken. Ein von Wahlkampf geprägter Wettlauf, wer sich am schnellsten und am meisten um die Energieproblematik kümmert, bringt keine nachhaltigen Lösungen.


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Kommentare von Lesern zum Artikel

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100%
(2 Stimmen)
Alex Schneider sagte Juni 2011

Geld für Ökostrom nur für Kapazitätsausbau bei erneuerbaren Energien verwenden!
Wenn nur der Strom der be­ste­hen­den Ökostrom-Kapazitäten (Was­ser­kraft, Win­d-, Son­nen- und Bio­ga­s­ener­gie) teu­rer an Ökostrom-Kunden ver­kauft wird, haben wir nichts ge­won­nen. Diese Kapazitäten wer­den auch ohne neue Ökostrom-Kunden ge­nutzt und er­neu­ert. Die jetzt ein­set­zende zusätzliche Nach­frage nach Ökostrom muss zwin­gend über den Bau von neuen An­la­gen der er­neu­er­ba­ren Ener­gien ab­ge­deckt wer­den, damit der Um­stei­ge­ef­fekt spürbar wird.



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64%
(11 Stimmen)
Alex Schneider sagte April 2011

st die bürgerliche Mehrheit in der Schweiz unfähig vorauszudenken?

Er​dbeben und Hochwasser waren schon vor dem Atom-Crash von Fukushima eine Bedrohung für die AKWs in der Schweiz. Dass sich die politische Mehrheit in der Schweiz immer erst bewegt, wenn ein Anstoss vom Ausland her kommt – siehe auch das Bankgeheimnis – ist ein Zeichen für mangelnde Sensibilität und Voraussicht.


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50%
(24 Stimmen)
Attiva Govorit sagte April 2011

Der Auftakt in den Wahlkampf ist bereits lanciert - Fukushima! Ob es jedoch alle so ernst mit dem Atomausstieg meinen gilt es abzuwarten... Ich denke es ist wichtig, dass wir den PolitikerInnen mal zeigen, wieviele Menschen in der Schweiz eigentlich gegen neue Atomkraftwerke sind. Falls Ihr auch ein Zeichen setzen möchtet müsst ihr unbedingt am Menschenstrom gegen Atom mitlaufen. Wird eine grosse Sache!


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67%
(15 Stimmen)
Peter Oberholzer sagte April 2011

Sehr geehrter Herr Nationalrat Landolt

Die Politik soll auf die Ereignisse in der Welt reagieren. Insbesondere bei diesen tragischen Ereignissen in Japan. Die Parteien GPS, GLP und SP haben sich bereits seit mehreren Jahren mit der Thematik beschäftigt. Meines Erachtens sollen die drei Parteien unter guten Voraussetzungen ihre Zukunftsperspektiven in der Energiepolitik präsentieren. Zusätzlich sind die neuen Risikoprüfungen wesentlich. Von den anderen Parteien werden klare Aussagen und Plausibilitätsprüfung​en zu diesen Konzepten erwartet. Als liberal denkender Bürger sehe ich in dieser Weise eine gewisse Aufgabenteilung. NICHT jede Partei muss zu jedem Thema ihre eigenen Erfindungen darlegen.

** Mit Blick auf die Wahlen liegt die folgende Thematik im Bürgerinteresse **
Wer eine der Mitteparteien wählt, wird mit hoher Wahrscheinlichkeit in den nächsten Jahren zusehen, wie seine gewählten Volksvertreter das GRÖSSTE WIRTSCHAFTSVERBRECHEN​ DER SCHWEIZERISCHEN GESCHICHTE unterstützen oder dem nachtrauern. Die Einleitung des Buches «Das Einwanderungsland Schweiz» wurde im November 2010 an alle 246 Parlamentariern versendet Der Inhalt gilt als akzeptiert. Die zahlreichen Antwortbriefe wurden aufmerksam gelesen.

Die folgenden Textpassagen stehen wörtlich in dieser Bucheinleitung:
«Die GRENZE DER RECHTSSTAATLICHKEIT wird in vielen Fällen in juristischer und politischer Sicht überschritten.» und weiter
«Der Fall UBS wurde als grösster Fall von Vergehen in der schweizerischen Wirtschaftsgeschichte​ betrachtet und ist klein gegenüber den von der Bundesregierung und einigen Teilen des Parlaments GESCHÜTZTEN UNWAHRHEITEN in Bezug auf den Arbeitsmarkt. Die unschuldige Betroffenheit von unzähligen inländischen Personen ist die direkte Auswirkung der Handlungsweise.»

Im Internet ist die erwähnte Einleitung des Buches zugänglich: http://www.arbeitsfri​eden.ch/buch unter BUCHVORSTELLUNG IN PDF-FORMAT.


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79%
(33 Stimmen)
Patrick Vögelin sagte April 2011

Herr Landolt muss uns auch sagen warum man die Gelder für erneuerbare Energien blockiert. aber die Schuld auf Fukushima zu schieben ist das eine wobei ganz zu verneinen ist es ja nicht das stimmt aber bitte Herr Landolt seien Sie einmal ehrlich wirds nicht langsam Zeit uns von den AKW s zu verabschieden ?


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53%
(34 Stimmen)
Georg Stamm sagte April 2011

Was M. Landolt schreibt ist der Tragweite des Problems angemessen. Fast alle möchten nach Fukushima einen möglichst schnellen Atomausstieg. Gerade heute lese ich aber im Tages-Anzeiger, dass der CH-Stromverbrauch 2010 um 4% zugenommen habe, nicht nur aber auch wegen der ungebremsten Zuwanderung. Wie soll da der Ausstieg funktionieren ? Der würde nur klappen wenn massiv gespart (oder mehr importiert) würde. Und genau das Sparen findet nicht statt. Da sind ganz neue Politiken gefragt, ganz neue Investitionsanreize für Private und Investitionen durch Kommunen. Und diese Diskussion sollte in der Tat konsensorientiert geführt werden. Das ganze ist eine sehr kreative Herausforderung für Politiker aller Stufen !


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