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Im Kampf gegen die Kinderprostitution

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Christine Egers­ze­gi-O­brist hofft, dass stren­gere Mass­nah­men gegen Kin­der­pro­sti­tu­ti​on Kin­der und Ju­gend­li­che bes­ser schützen. Ge­rade Kin­derpor­no­gra­fie​ im In­ter­net sei eine Ge­fahr, die auch straf­recht­lich an­ge­gan­gen wer­den müsse.


Der ungarische Staatsminister für soziale Integration war kürzlich in der Schweiz und kritisierte, dass bei uns die Prostitution bereits ab 16 Jahren erlaubt sei. Er beschwerte sich, dass der Nachtzug aus Budapest nach Zürich immer sehr gut besetzt sei mit Bandenführern und jungen Frauen. Viele dieser Mädchen hätten gefälschte Papiere und wären tatsächlich erst 14 oder 15 Jahre alt. Sie würden mit falschen Versprechungen in die Schweiz gebracht und müssten dann - oft unter Druck oder Gewalt - ihren jungen Körper verkaufen. Vom Geld selber bliebe fast nichts. Er stellte fest, dass für ihn eine 16-Jährige noch eine Minderjährige sei, für die Schweizer Gesetze offensichtlich nicht.

Das gesetzliche Schutzalter in der Schweiz liegt bei 16 Jahren. Ab diesem Alter können Jugendliche ihr Bild für pornografische Zwecke zur Verfügung stellen und Sex gegen Geld anbieten. Bezahlte sexuelle Kontakte – wenn beide damit einverstanden sind, sind ab 16 Jahren nicht strafbar. Im Vergleich zu andern Ländern ist das eine eher liberale Regelung. Sie gab immer wieder zu reden, weil auf dem Strassenstrich ganz junge Mädchen - vor allem aus Osteuropa - keine Seltenheit sind.

 

Nun will der Bundesrat die Kinderprostitution wirksamer bekämpfen. Dazu hat er im August eine Revision des Strafgesetzbuches in die Vernehmlassung geschickt. Neu soll käuflicher Sex mit 16- und 17-jährigen Jugendlichen unter Strafe gestellt werden. Und zwar nicht die Prostituierten sollen bestraft werden, sondern ihre Freier. Vorgeschlagen wird eine Freiheitsstrafe von bis zu 3 Jahren. Bis heute ist die Schweiz eines der wenigen Länder Europas, wo käuflicher Sex mit solchen Jugendlichen nicht strafbar ist. Damit schliesst der Bundesrat eine Lücke im Strafgesetz.

Schutz bei der Kinderprostitution ausdehnen

Ausserdem will man auf Bundesebene endlich auch den Schutz bei der Kinderpornografie ausdehnen. Die Kinder und Jugendlichen sollen bis zum vollendeten 18. Lebensjahr vor der Mitwirkung bei sexuellen Darstellungen geschützt werden. Wer solche Filme oder Gegenstände mit sexuellen Handlungen oder Gewalttätigkeiten herstellt, einführt, lagert, anbietet oder erwirbt soll mit Freiheitsstrafen bis zu 5 Jahren bestraft werden. Hoffen wir, dass diese strengen Massnahmen Kinder und Jugendliche vor sexueller Ausbeutung besser schützen können.

Verschiedene​ Vorstösse im Parlament forderten diese Verschärfung des Strafrechts schon lange. Das wäre auch Bedingung, um der Europarechtskonventio​n zum Schutz von Kindern vor sexueller Ausbeutung und sexuellem Missbrauch beizutreten. Das ist das erste internationale Instrument, das die verschiedenen Formen sexuellen Kindesmissbrauchs umfassend für strafbar erklärt. Sie verpflichtet die Vertragsstaaten den sexuellen Missbrauch von Kindern, Kinderprostitution, Kinderpornografie und die erzwungene Teilnahme von Kindern an pornografischen Vorführungen unter Strafe zu stellen.

Als meine Kinder noch im Schutzalter waren, fand ich es als Mutter eine der schwierigsten Aufgaben ihnen mitzugeben, sie dürfen nie in ein fremdes Auto steigen, oder sie dürften nie mit jemandem mitgehen, der ihnen Süssigkeiten verspricht. Einerseits musste ich sie misstrauisch machen gegen Unbekannte, andrerseits wollte ich doch, dass sie aufgeschlossen und freundlich gegenüber andern Menschen sind. Dieser Spagat fiel mir nicht leicht.

Doch heute scheint es mir für die Eltern noch schwieriger: Sie haben nicht nur den Schulweg oder die Strasse zum Fussballplatz, auf denen Gefahren lauern könnten, sondern immer mehr hört man von Leuten, die per Internet versuchen mit Kindern in Kontakt zu treten, um sie zu sexuellen Handlungen zu motivieren oder zu einschlägigen Treffen einzuladen. Das sind neue Herausforderungen, neue Gefahren, die auch strafrechtlich angegangen werden müssen.

 

Autorin: Christine Egerszegi-Obrist



Kommentare von Lesern zum Artikel

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82%
(11 Stimmen)
Franziska Keller sagte September 2011

Frau Egerszegi, ich zitiere Sie:
"Doch heute scheint es mir für die Eltern noch schwieriger: Sie haben nicht nur den Schulweg oder die Strasse zum Fussballplatz, auf denen Gefahren lauern könnten, sondern immer mehr hört man von Leuten, die per Internet versuchen mit Kindern in Kontakt zu treten, um sie zu sexuellen Handlungen zu motivieren oder zu einschlägigen Treffen einzuladen. Das sind neue Herausforderungen, neue Gefahren, die auch strafrechtlich angegangen werden müssen."

Und ich frage Sie: Was soll das? Während Sie sich so treuherzig zu diesem Thema äussern leben wir in Zeiten, in denen die verdeckte Fahndung von Beamten in Kinderchats aus schlecht erklärten Gründen plötzlich für rechtlich nicht zulässig erklärt und (zumindest vorübergehend) aufgehoben wird!
Ausserdem ist die Kinderpornografie im Netz im Laufe einiger Jahre zum perversesten mutiert zu dem die Menschheit fähig scheint und alle Versuche etwas wirklich nützliches dagegen zu unternehmen laufen ins Leere.
Trotz Verboten und Möglichkeiten strafrechtlich dagegen vorzugehen, ist es anscheinend nicht möglich in unserer Gesellschaft die Kinder besser vor den triebgesteuerten kranken Irren zu schützen, die ihre sexuellen Triebe nur noch an ihnen körperlich unterlegenen, wehrlosen Kindern ausleben können und das sogar noch als Kavaliersdelikt betrachten.
Warum nützen die bereits bestehenden Verbote nichts? Was steht einer gezielten Verfolgung der Täter entgegen? Wer blockiert?
Diese Fragen müssen beantwortet werden, dann erkennt man vielleicht warum das Strafrecht in diesem Bereich so schwierig anzuwenden ist.


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47%
(15 Stimmen)
Christoph Reuss sagte September 2011

Dieses himmeltraurige Phänomen wurde erst durch PFZ und Schengen ermöglicht. Dieselbe Partei, die für PFZ und Schengen ist, spielt sich nun als "Problemlöserin" des damit erst geschaffenen Problems auf! Mangels anderer "Argumente" für den Stimmenfang. Aber dann der SVP vorwerfen, "die Probleme nur zu bewirtschaften, statt zu lösen"...

Wenn die Schweiz ihr Gesetz ändert, wird das den kriminellen Zuhältern schnurzegal sein, also das Problem nicht lösen! PFZ und Schengen gehören gekündigt, das würde das Problem (und viele andere auch) wirksam abstellen, aber da macht die FDP niemals mit!

Und nun fordert ausgerechnet die "liberale" FDP mehr Gesetze und Einschränkungen! Zynisch könnte man da sagen, gerade die FDP müsste doch _für_ die Kinderprostitution sein, denn das ist doch _Personen-Freizügigke​it_, _Freier(-)Markt_ und Liberalismus in höchster Vollendung! Da werden selbst die Schwächsten zum Freiwild, zur käuflichen Ware degradiert, ohne Handelshemmnisse "grenzenlos" importiert und zu Dumpingpreisen auf den Markt(platz) geworfen, zur "Befriedigung einer Nachfrage" und zwecks Bereicherung von ein paar Bonzen. "Geiz ist geil" im wahrsten Sinne -- die Folgekosten und -Schäden (bis hin zur AIDS-Welle, Freihandel in Viren) soll dann gefälligst die Allgemeinheit blechen! 8-(



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76%
(21 Stimmen)
sagte September 2011

Meiner Ansicht nach braucht es, insbesondere aus liberaler Sicht, keine Gesetzesänderung. Zwangsprostitution ist in der Schweiz bereits verboten und wird strafrechtlich verfolgt. Zudem dürfen sich 16 und 17 Jährige ohne Zustimmung ihres gesetzlichen Vertreters nicht prostituieren. Eine Erhöhung des Schutzalters von 16 auf 18 ist somit unnötig.

Das Schutzalter 16 ist ohnehin eine willkürlich definierte Altersgrenze, die mit der biologischen Geschlechtsreife eines Menschen nichts zu tun hat. Es ist paradox, wenn Politiker einerseits die Senkung des Stimmrechtsalters von 18 auf 16 fordern und dann andererseits wiederum eine Erhöhung des Schutzalters von 16 auf 18 fordern. Was soll denn nun gelten? Sind 16 Jährige nun mündig oder nicht?

An Frau Egerszegi: Bitte teilen Sie dem ungarischen Staatsminister für soziale Integration mit, dass wohl bereits etwas in Ungarn schief gelaufen sein muss, wenn Zuhälter und junge Frauen massenweise mit dem Zug in die Schweiz reisen. Dieser Minister soll erst mal vor der eigenen Türe wischen ehe er uns Schweizern sagen will, wie wir unsere Gesetze ausgestalten sollen. Von unseren Politikern erwarte ich etwas mehr Landesverteidigung in dieser Hinsicht. Es ist gschämig wenn Schweizer Politiker immer gleich umfallen wenn ein ausländischer Politiker mit Vorwürfen oder Drohungen kommt. Die EU-Staaten haben wohl im Moment grössere Probleme als die Schweiz. Das qualifiziert EU-Politiker mit Sicherheit nicht Schweizern Vorwürfe zu machen.

Prostituti​on von über 16 Jährigen in einem Atemzug mit Kinderpornografie zu nennen halte ich für falsch. Da es es komplett verschiedene Dinge sind. Kinderpornografie ist, soweit ich informiert bin, wie Zwangsprostitution zu Recht bereits verboten.

Was bereits verboten ist, muss nicht nochmals mit einem neuen Gesetz verboten werden.


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65%
(17 Stimmen)
Werner Nabulon sagte September 2011

Frau Christine Egerszegi-Obrist, FDP Kanton Aargau so viel ich weiss,

Eigentlich brauchen wir in der Stadt Zürich um es einmal etwas im Ton vom Kantönli Geist zu schreiben, weder die Freier aus anderen Kantonen, sondern diese Kantone sollen selber dafür besorgt sein, genügend Angebote für Ihre Freier zu schaffen.

Und weiter brauchen wir auch keine Ausserkantonalen Politikerinnen und Politiker, die sich bis zu Stadt Präsidenten wählen lassen, um die einst so schöne und floriende Limmat Stadt Zürich in einen Grün Roten Zoo zu verwandeln.

So, ist zwar etwas kleinlich, aber wer seine Wiesen und Wälder vermisst, soll doch wieder in den Kanton, Ort gehen, wo das vorhanden ist.



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92%
(12 Stimmen)
Werner Nabulon sagte September 2011

Gut, das heisst nicht gut, der ungarische Staatsminister für soziale Integration weiss also, dass der Nachtzug aus Budapest nach Zürich immer sehr gut besetzt sei mit Bandenführern und jungen Frauen, welche mit illegalen Papieren reisen.
Man könnte jetzt auf die Idee kommen, der Ungarischen Behörde eine Auflage zu machen, bessere Personen Kontrollen durchzuführen, aber das geht im Zuge der PFZ anscheinend nicht.
Dass Wir hier in der Schweiz das Schutzalter auf von mir aus 20 oder gar 25Jahre erhöhen für Gewerblichen Sex, plus genauer hinschauen auch bei den Freiern, dies hätten wir schon längst tun müssen.
Dass jetzt aber eine Stadt Zürich hingeht und Sex Boxen aufstellt, dass Banden aus dem Osten generell weiter den Strassen sprich Boxenstopp Sex betreiben können, wird das Problem Strassenstrich nicht lösen.
Gut, sprich nicht gut, im Zuge der Neuen Massnahmen die Abgestimmt wurden für ein Autofreies Zürich, werden diese AG, SO, SZ, ZG, SG, TG, SH, BE, GR, AI und AR, BS BL und wenigen ZH Fahrzeuge sowieso etwas Probleme bekommen, aus Ihren Kantonen überhaupt noch per Fahrzeug an den Strassenstrich zu kommen.
Man könnte hier auch die Frage stellen: Ist es gut mit Staaten die PFZ zu pflegen, die offensichtlich von der internen Korruption durch Banden unterlaufen sind?



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