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Internationale Einsätze: Element der Sicherheitspolitik

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Am 6. Juni 2011 hat der Na­tio­nal­rat der Verlängerung des Swiss­coy-Ein­sat­zes​ der Schwei­zer Armee zu­ge­stimmt. Die­ser wich­tige Ent­scheid fällt mit der For­de­rung des Ständerats zu­sam­men, dass die Armee nicht auf die ungenügende Grösse von 80‘000 Mann schrump­fen darf; und mit dem Be­stre­ben bei­der Räte, den Ti­ger-­Tei­ler­satz (TTE) früher als vom Bun­des­rat vor­ge­schla­gen zu be­schaf­fen.

 

Inmitten dieser richtungsweisenden und für die Sicherheit der Schweiz wichtigen Beschlüsse nimmt derjenige zur Verlängerung des Swisscoy-Einsatzes eine wenig beachtete, aber umso bedeutsamere Stellung ein. Seit nunmehr bald 12 Jahren stellt die Schweiz der NATO-geführten KFOR im Rahmen eines UN-Mandats Truppen Offiziere, Unteroffiziere und Soldaten zur Verfügung. Dieser Schweizer Beitrag zur Stabilisierung des während Jahren bürgerkriegsgeplagten​ Balkans steht in einer Reihe mit verschiedenen weiteren Einsätzen ziviler und militärischer Natur, mit welchen die Schweiz auf internationaler Ebene an friedenserhaltenden Bemühungen beteiligt ist. Dazu gehören auch UN-Militärbeobachter in Ländern wie Korea, Spezialisten für die humanitäre Minenräumung, Polizeiausbildner oder Liaison&Monitoring-Te​ams.

 

Seit dem Ende des Kalten Krieges, noch verstärkt nach der Jahrtausendwende und beschleunigt durch den Übertritt vom Industrie- in das Informationszeitalter​, erlauben es die globale Vernetzung und die grenzüberschreitende Wirkung von Konflikten und Terrorismus keinem einzigen Land mehr, alleine für seine Sicherheit besorgt zu sein. Die Neutralität als wichtiger Eckpfeiler unseres Landes schützt uns nicht vor Problemen wie beispielsweise den Auswirkungen von Flüchtlingsströmen aus Kriegsgebieten oder der Bedrohung durch die Proliferation von Massenvernichtungswaf​fen und deren Trägersystemen: hier ist nicht nur Kooperation innerhalb der Schweiz gefragt, sondern auch Kooperation auf der internationalen Ebene.

 

Diese Kooperation bedingt Eigenleistungen der Kooperierenden, also Beiträge aller Beteiligten. Die Schweiz kann nur davon ausgehen, dass ausländische Staaten und Armeen im Konfliktfall an einer Kooperation interessiert sind, wenn die Schweizer Armee bereits in Friedenszeiten und insbesondere bei der Krisenbewältigung mit angemessenen Beiträgen (Katastrophenhilfe, friedensunterstützend​e Operationen) ihre Solidarität und Einsatzbereitschaft bezeugt. Mit der Swisscoy erbringt die Schweiz eine dieser wichtigen Eigenleistungen, mit denen die Schweiz und ihre Armee auch international identifiziert wird: die Fähigkeiten der Schweizer Offiziere, Unteroffiziere und Soldaten im Bereich von Wiederaufbau, Ausbildung, Stabsarbeit und Lufttransport sind weitum bekannt und geschätzt.

 

Doch die internationalen Einsätze sind auch und fast noch mehr für die Schweizer Beteiligten „profitabel“. Mit längerdauernden Engagements erhalten viele Schweizer Offiziere, Unteroffiziere und Soldaten die Möglichkeit, auf internationalen „Parkett“ Erfahrungen zu sammeln, sich mit Angehörigen befreundeter Streitkräfte auszutauschen und selber auch die Schweiz nach aussen zu präsentieren. Gerade in Zeiten einer zunehmenden Diversifikation möglicher Bedrohungen für unsere Sicherheit und europaweit schrumpfender Verteidigungsbudgets kann es nur von Vorteil sein, die Vorgänge innerhalb befreundeter Streitkräfte zur Kenntnis zu nehmen und darüber hinaus in die eigenen Überlegungen einzubeziehen. Auch für Schweizer Berufsoffiziere sind Auslandkommandierunge​n im Rahmen von Austauschprogrammen oder Funktionen innerhalb internationaler Stäbe und Kommandi von grosser Bedeutung. Sie resultieren nicht nur in einem formidablen Know-how-Transfer, sondern zeigen unseren Teilnehmern auch Stärken und Schwächen sowohl befreundeter, als auch unserer eigenen Armee auf.

 

Damit sich die Schweiz möglichst flexibel und in einem breiten Rahmen bei multinationalen Friedensoperationen engagieren kann, wäre es zweckmässig, ein qualitativ und quantitativ breites Spektrum von Einsatzmitteln und Möglichkeiten zu schaffen. Dabei wird man nicht darum herumkommen, Strukturen zu erweitern oder neue zu schaffen, die einen nachhaltigen Einsatz erlauben; beispielsweise Helikopterformationen​, die integral über das nötige Personal für Einsatz und Instandhaltung verfügen oder ein rasch verfügbarer Stab auf Stufe Bataillon/Brigade.

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Fazit: Mit einem Verband für internationale Einsätze mindestens in Bataillonsgrösse (wie im Sicherheitspolitische​n Bericht beschrieben) kann die Schweizer Armee einen glaubwürdigen Beitrag an die internationale Friedenssicherung und Konfliktbewältigung leisten und diesen unter einem Mandat der UNO oder der OSZE für akute Krisenherde zu Verfügung halten. Damit stellen wir sicher, dass sich unsere Partner unserer Kooperation bewusst sind und generieren gleichzeitig einen enormen Mehrwert für die Qualität unserer Armee und derer Angehörigen.


Kommentare von Lesern zum Artikel

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50%
(4 Stimmen)
Heinz Mahler sagte November 2011

Mich nimmt mal wunder wer sich so für blöde verkauft und an der Seite der Gesetzlosen US Amerikaner mit dem vorwand der Terrorismusbekämpfung​ Praebenda sichernl und sich freiwillig für nichts erschiessen.lässt. Wünsche noch viel Spass beim Einlochen der Dienstverweigerer.


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67%
(6 Stimmen)
peter frei sagte September 2011

Sehr geehrte Frau Eichenberger,

Schw​eizer Soldaten haben im Ausland nichts verloren. Die NATO ist eine reine Geldvernichtungsmasch​inerie und mischt sich in fremde angelegenheiten ein.


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82%
(11 Stimmen)
Thomas Niedermann sagte September 2011

Es gibt auf der Welt Probleme und man soll mithelfen diese zu lösen. Soweit einverstanden. Die Frage ist deshalb was ist der besondere Beitrag der Schweiz mit ihrem geschichtlichen Hintergrund und unter den Stichworten Neutralität, Rotes Kreuz, Völkerrecht und dergleichen.

Die Politiker haben die Schweiz völlig falsch positioniert. Es ist unsinnig auch noch ein paar Soldaten zu schicken nur dass die Schweiz auch dabei war.
Deshalb sollte man keinerlei Soldaten ins Ausland in den Einsatz schicken. Egal was und ohne Ausnahme ! Die Armee jetzt umbauen damit wir sogar grosse Teile ins Ausland senden können ist total falsch. Die Armee braucht das Ausland nicht und das Ausland unsere Armee nicht !

Dafür leistet die Schweiz leistet ihren Beitrag in Gebieten die sie besonders gut kann und bündelt dort ihre Kräfte. Themen gibt es genug. Beispielsweise haben wir das zentrale Archiv der Verminungen in der Schweiz. Nach jedem Regenfall werden wieder Minen in geräumte Gebiete geschwemmt und wer seinen Acker trotzdem bestellt ist immer in Gefahr. Noch heute werden in Nordafrika Leute durch Minen aus dem Rommelfeldzug verletzt.
Die Verteilung von Nahrungsmitteln in Katastrophengebieten ist auch eines der Themen dass die Schweiz verstärkt angehen könnte. Insbesondere was Logistik und Organisation betrifft. Wenn man schon Geld ausgeben will, dan kann man auch das Rettungshilfekorps mit Helikopter ausrüsten.


Mit einer klaren Positionierung würde:
1. Den Betroffenen besser geholfen
2. Die Mittel effizienter eingesetzt
3. Die Schweiz dort helfen wo nur sie es kann, weil sie eben keine Soldaten schickt
3. Das Ansehen der Schweiz steigen


Mehr Schweiz bitte!


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78%
(23 Stimmen)
Hans P. Grimm sagte September 2011

Ich denke, dass unsere Armee im Ausland nichts zu suchen hat.

Keiner konnte mir erklären, wesshalb unsere Soldaten sich für die Mafia im Kosovo einsetzen soll. ist Mädchenhandel, Drogen- und Organhandel so wichtig, dass man da unsere Söhne dafür verheizen muss?


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81%
(26 Stimmen)
Karl Müller sagte September 2011

Mit den internationalen Einsätzen ist es so eine Sache. Wenn man sich in die Händel anderer Leute einmischt, muss man damit rechnen sich eine blutige Nase zu holen. Oder auch schlimmeres.


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79%
(14 Stimmen)
Karl Müller sagte September 2011

Zwischen der Neigung internationale Einsätze zu befürworten und der Neigung dem Miltärdienst abzulehnen, gibt es einen interessanten Zusammenhang:

Viel​e Befürworter der internationalen Einsätzen sind Gegner der Militärdienstpflicht,​ sie propagieren den Zivildienst und/oder die Abschaffung der Armee.
Das heisst im Klartext: Wenn Schweizer in fremden Diensten sterben, so sollen es doch bitte die Söhne anderer Eltern sein. Das ist durchaus vernünftig, wenn auch ein wenig egoistisch.
Sobald es die ersten Toten gibt, wird es weniger Freiwillige geben. Der Ruf die Auslandeinsätze für obligatorisch zu erklären, werden noch lauter werden.

Diese Vorwürfe richten sich (vermutlich) nicht gegen Frau Eichenberger. Ich kenne Ihre Haltung zum Zivildienst und zur Armeeabschaffung nicht.


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