Artikel geschrieben für die heutige BaZ zur absehbaren Frauenmehrheit im Bundesrat
Die FDP- und SP-Frauen haben die Parlamentarierinnen zu einem historischen „Get-Together“ bei Kaffee und Kuchen eingeladen, weil nach dem 22. September endlich eine Frauenmehrheit im Bundesrat herrsche. Gibt es tatsächlich etwas zu feiern? Nein. Oder jedenfalls nicht deswegen. Ich kann das Gejammer rund um Gleichberechtigung und Frauenmehrheiten nicht mehr hören. Die Gleichstellung ist schon lange erreicht und kehrt ins Gegenteil. Jene Frauen, die sich an vorderster Front für die Gleichstellung einsetzen, sind diejenigen, die sich ganz aktuell gegen die Anpassung des Frauen-Rentenalters von 64 auf 65 wehren.
Diese Feministinnen treiben zusammen mit ihren Artgenossinnen in den Verwaltungen ihr Gleichstellungsunwesen - in den Städten, den Kantonen und beim Bund: Es gibt Gleichstellungsbeauftragte, Gleichstellungspreise, Sprachleitfaden für „geschlechtergerechte Sprache“. In Bundesbern umfasst dieser sage und schreibe 192 Seiten. Fussgängerstreifen, Arztpraxis, Lehrerzimmer müssen geschlechtsneutralen Begriffen weichen und werden zu Zebrastreifen, Praxis für Allgemeinmedizin, Pausenzimmer.
Im Bundeshaus gibt es ein Frauenzimmer (das ich noch nie gesehen habe), Gender Mainstreaming ist heute eine Studienrichtung, Männer wurden aus den Schulzimmern verdrängt, Knaben müssen bereits in der Schule über Geschlechterbewusstsein und „die neue Rolle des Mannes“ diskutieren. Letztes Jahr fand eine fünfteilige Veranstaltungsreihe zu den Themen «Wahre Helden», «ganze Kerle», «neue Väter» statt. Diskutiert wurde darüber, dass Buben und junge Männer von heute vielfältige Lebensentwürfe haben. Dass alte Rollenmuster aufbrechen und keine Orientierung mehr bieten. Es wurde die Frage erörtert, was Männer bewegt, wenn das Mann-Sein von einer Schablone zu einer Gestaltungsaufgabe wird? Organisiert wurden diese Veranstaltungen von den Fachstellen für Gleichstellung von Frau und Mann Basel-Landschaft und Basel-Stadt und dem Zentrum Gender Studies der Universität Basel. Zudem vergeben beide Basel jährlich ihren „Chancengleichheitspreis“.
Sieben Bundesrätinnen wären wohl das ersehnte Ziel. Weit sind die Feministinnen davon nicht mehr entfernt: Am 22. September gibt es eine Frauenmehrheit im Bundesrat.
Ich will Frauen und Männer im Bundesrat, die sich für unser Land, für unsere Demokratie, für unsere Bürger einsetzen. Unabhängigkeit, Freiheit und Sicherheit müssen ihre Ziele sind. Dies sind übrigens nicht einfach die Wahlthemen der SVP, sondern die Werte unserer Bundesverfassung.
Überzeugende Frauen in der Regierung zu haben, ist eine gute Sache. Doris Leuthard macht in ihrem Präsidiumsjahr doch eine viel bessere Gattung, als es Hans-Rudolf Merz im letzten Jahr tat. Sie wirkt glaubwürdig, hat Ausstrahlung und repräsentiert die Schweiz vorteilhaft. Das könnten nicht alle Frauen, die zur Wahl stehen oder bereits im Gremium sitzen. Dies hat nichts mit dem Geschlecht, aber viel mit der Persönlichkeit zu tun. Es braucht Frauen in der Politik. Es gibt gute Frauen in der Politik. Aber zu viele Frauen in einem Gremium sind nicht erstrebenswert. Das führt zu Zickenkrieg – so denken viele Leute, auch Frauen! Man kann dies abstreiten, sich darüber entsetzen oder schönreden. Man kann es auch nicht erklären, es ist einfach so. Männer haben andere Schwächen.
Im Übrigen hätte es das Parlament schon früher in der Hand gehabt, eine Frauenmehrheit in den Bundesrat zu wählen: Hätte es im Jahr 2000 Rita Fuhrer (statt den von der SVP nicht nominierten Samuel Schmid) und 2003 Christine Beerli (statt Hans-Ruedi Merz) gewählt, und hätte die CVP Ruth Metzler gegen Joseph Deiss antreten lassen, wären zusammen mit Micheline Calmy-Rey die Frauen in der Mehrheit gewesen. Auch wenn die linken Frauen damals mit Pfannendeckeln auf die Strasse gingen: Ihre Vertreterinnen haben nicht die Frauen gewählt.
Am 22. September müsste es eigentlich um die Frage gehen: Wählen wir die besten Personen in den Bundesrat? Doch diese Frage wird erst dann beantwortet werden können, wenn die Wahl durch das Volk und nicht mehr durch das Parlament erfolgt.



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