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Krankenkassen - Quo Vadis?

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Mit der Wahl von Alain Ber­set (SP) in den Bun­des­rat, dem ihm zu­ge­teil­ten De­par­te­ment des In­ne­ren, hat nun wie­der die­selbe Par­tei das Sa­gen, wenn es um un­sere So­zi­al­ver­si­che­r​un­gen geht, die da­mals das neue KVG eingeläutet hat, ein So­zi­al­ver­si­che­r​ungs­ge­setz, das uns heute viel Sorge be­rei­tet.

 

Zu meiner Tournée à travers la campagne der Krankenkassen verwende ich einiges an Zahlenmaterial, das ich auf Anfrage vom Bundesamt für Statistik freundlicherweise zur Verfügung gestellt bekam.

 

Bis ende 1995 waren die Krankenkassen unter dem damaligen KUVG (Kranken- und Unfallversicherungsge​setz) sowohl in der Grundversicherung, als auch in den Zusatzversicherungen dem Sozialversicherungsge​setz und somit dem Bundesamt für Sozialversicherungen unterstellt.

Das KUVG wurde 1912 ins Leben gerufen und die Revision dessen per 1.1.1964 in Kraft gesetzt.

 

In der Grundversicherung haben die Krankenkassen - im Gesammtschweizerische​n Durchschnitt - in den Jahren 1990 bis 1995 folgende Monatsprämien erhoben:

 

ab 1.1.1990   Fr.   84.30

ab 1.7.1992   Fr.   95.90

ab 1.1.1993   Fr. 105.95

ab 1.1.1995   Fr. 106.50

 

Die damaligen Prämienerhöhungen waren moderat.

Gründe dafür waren:

Die Subventionierungen durch Bund und Kantone waren weit höher als heute.

Die Krankenkassen (ein gewinnorientiertes Arbeiten war durch das damalige KUVG verboten) haben die Gewinne aus den Zusatzversicherungen zur Quersubventionierung der Grundversicherung heran ziehen können.

Die aus der Grundversicherung zu bezahlenden Pflichtleistungen waren durch das Gesetz reglementiert, haben allerdings freiwillige Leistungen (Brillenbeiträge, Beiträge an  Nichtpflichtleistunge​n ect.) zu gelassen die wohl einzigen Möglichkeiten der Krankenkassen sich gegenseitig Wettbewerb zu machen.

 

Im Jahre 1994 wurde das von der SP und ihrer damaligen Bundesrätin Frau Ruth Dreifuss lancierte, neue KVG (Krankenversicheungsg​esetz) durch eine Volksabstimmung mit 51,8% knapp angenommen. Im Vorfeld der Abstimmung wurde dem Volk von Frau Dreifuss weis gemacht, die Prämien würden sich generell senken. Ein Versprechen, das nicht eingehalten werden konnte.

 

Folgende Zahlen zu den Prämienerhöhungen in der Grundversicherung (Bezug immer auf die Erwachsenenstufe ab Alter 26 J. und immer als gesamtschweizerischer​ Durchschnitt) liegen vor:

 

ab 1.1.1996   Fr.  173.10 (das ist eine Erhöhung um 61.5% gegenüber dem Vorjahr.

Ich unterlasse es an dieser Stelle, sämtliche Jahre aufzulisten und beschränke mich auf einige Zwischenschritte mit Angabe der Prämienentwicklung in % zu 1995:

 

ab 1.1.2000   Fr. 211.70     Erhöhung seit 1.1.1995 =  198.77%

ab 1.1.2005   Fr. 290.20     Erhöhung seit 1.1.1995 =  272.48%

ab  1.1.2008  Fr. 314.60     Erhöhung seit 1.1.1995 =  295.39%

ab 1.1.2010   Fr. 351.10     Erhöhung seit 1.1.1995 =  392.67%

ab 1.1.2012   Fr  382.00     Erhöhung seit 1.1.1995 =  358.68%

 

Die Gründe für diese enorme Prämiensteigerung um 358% innerhalb von 16 Jahren können nixht nur der Kostenentwicklung des Gesundheitswesen im Leistungsbereich zugeschrieben werden, obwohl auch hier die Zeit nicht still gestanden ist.

 

Lagen die Gesamtkosten im Gesundheitswesen im Jahr 1995 noch bei Fr. 35‘759,4 Mio.,

so sind sie bis zum Jahr 2008 auf Fr. 58‘453.4 Mio., um Fr. 22‘694 Mio. angestiegen, einer Kostenentwicklung von 163.46%.

Vergleichen​ wir die Kostenentwicklung mit der Prämienentwicklung (bis 2008), sehen wir, dass die Prämien unverhältnismässig höher gestiegen sind, als die Kosten.

 

Dies ist auf verschiedene Gründe zurück zu führen, alle detailliert anzuführen, würde diesen Blog sprengen:

 

Weniger​ Subventionen von Kanton und Bund an die Krankenkassen

 

Aus​bau Leistungen aus der Grundversicherung

 

Mehr Leistungsangebote durch die Leistungserbringer (Ärzte, Spitäler ect. ect.) Ich denke hier beispielsweise daran dass in der Diagnostik an Stelle der früher üblichen Röntgendiagnose heute viel mehr die wesentlich teureren Computertomographen (CT) und die Magnetresonanz (MRI) eingesetzt werden.

 

Scharfe Trennung der Grundversicherung von den Zusatzversicherungen.​ Die Grundversicherung untersteht dem Sozialversicherungsge​setz KVG und muss von allen Kassen in jedem Leistungsbereich gleich und strickte eingehalten werden. Gewinnorientiertes Arbeiten ist untersagt, währenddessen die Zusatzversicherungen unter dem Privatversicherungsre​cht VVG, stehen, was bedeutet, dass jede Kasse diese sowohl in Leistung, Prämien und Ausschluss hoher Risiken, frei ist. 

 

Die Kassen haben in den Zusatzversicherungen das Recht, diese in Aktiengesellschaften oder Genossenschaften zu organisieren, Gewinne zu erwirtschaften und Dividenden aus zu richten. Eine Quersubventionierung der Grundversicherung durch Gewinne in den Zusatzversicherung ist nicht mehr möglich und verboten.

 

Möglich​e Massnahmen zur Kosteneinsparung sind in erster Linie ein Schritt zurück zum alten System unter dem KUVG, das bis zum 31.12.1995 Gültigkeit hatte. Grundversicherung und Zusatzversicherungen sind wieder unter einem Hut zu vereinen und somit die Quersubventionierung zu ermöglichen und ein Gewinnorientiertes Arbeiten mit Ausschüttung von Dividenden zu verbieten.

 

Aufgeg​leist sind auch Fallpauschalen in den Spitälern und Kliniken Was von einigen Kassen allerdings schon vor knapp 20 Jahren mit einzelnen Privatkliniken ausgehandelt wurde, soll künftig für alle Spitäler und Kliniken Gültigkeit haben.

 

Von Manadged-Care halte ich wenig, dieses System bringt kaum Kosteneinsparungen, dafür den Nachteil für Patienten, ihren Arzt nicht mehr frei wählen zu können. Weshalb, darüber lässt sich gut und gerne ein separater Blog erstellen. 


Im Übrigen ist auch dies bereits vorhanden, Vorreiter war die damalige ZOKU-Krankenkasse, die durch Fusion mit OSKA und SBKK zur SWICA wurde und heute 27 Gesundheitszentren à la Manadged-Care ihr Eigen nennt. Idee beim Manadged-Care ist eine Anstellung der Ärzte mit einem Fixlohn. Um allerdings kostensenkende Wirkung zu erreichen, müsste der heutige Ärztetarif (Tarmed) völlig umgebaut und angepasst werden und es wäre ein Schritt hin zur Verstaatlichung des Gesundheitswesens. 

 

Eine neue Einheitskrankenkasse ist völlig Sinnlos und dürfte zu einem erneuten Prämienschub führen, nur schon deshalb, weil eine eigene, neue Infrastruktur aufgebaut werden müsste. (Es glaubt wohl niemand, dass die heute bestehenden Krankenkassen ihre Infrastruktur für ein solches Projekt zur Verfügung stellen würden).

Ganz abgesehen davon wird ein solches Gebilde schwerfällig und benötigt zudem im genau gleichen Masse Angestellte, Kaderangestellte, Subdirektoren, Vizedirektoren, Regionaldirektoren nebst der Generaldirektion. Denk man dies durch, mit etwas Wissen, wie eine Grossfirma aufgebaut ist, wird man unweigerlich zur gleichen Erkenntnis kommen, wie ich.

Kommt dazu, dass im Bereich der Leistungserbringung alle Kassen dasselbe zu bezahlen oder abzulehnen haben und auf diese Weise die Idee einer Einheitskrankenkasse wenigstens in diesem Bereich bereits existiert.


Wenn Einheitskasse, sollte man lediglich im Bereich Prämien ansetzen und die durch einige Kassen angebotenen Billiglösungen, die es darauf abzielen, junge, gesunde Risiken anderen Kassen abzuwerben, unterbinden. Dieses Vorgehen einzelner Kassen verstösst gegen das Solidaritätsprinzip.


 Und all denen, die sich auf das Modell der SUVA beziehen sei gesagt, dass die SUVA nicht die einzige Unfallversicherung der Schweiz ist. Bei SUVA müssen sich Berufsgruppen mit hohem Unfallrisiko (z.B. Bau, Maschinenindustrie ect.) versichern, Berufsgruppen mit kleinem Unfallrisiko (z.B. kaufmännische Gewerbe, Handel ect.) sind der SUVA nicht unterstellt und frei in der Wahl ihres Unfallversicherers.

 


Kommentare von Lesern zum Artikel

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25%
(4 Stimmen)
Ulrich Rutz sagte Vor 3 Tagen

Ausgezeichneter Artikel! Auf der facebookseite www.facebook.com/mana​gedcare und www.facebook.com/frei​earztwahl sind viele Infos zu Managed Care gesammelt, Links zu den Statistiken und unzensierte Beiträge von Befürwortern und Gegnern der Vorlage. Einfach auf Gefällt mir drücken und mitlesen. Alle sind herzlich willkommen! Diskutieren oder lesen Sie mit.


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100%
(2 Stimmen)
Werner Widmer sagte Vor 11 Tagen

Sehr gut Frau Habegger, endlich wieder jemand der das Kind beim Namen nennt. Vielleicht haben die Frauen dazu mehr Mut? Dass wir - und jedes andere Land - nicht von Politikern regiert werden, sondern von ganz anderen Vereinigungen sollte langsam jedem klar werden.


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88%
(8 Stimmen)
August Sommerhalder sagte Vor 14 Tagen

Hochachtung an Herrn Stoffel! Zum Ersten nenne ich das ausführliche Information und sorgfältige Rechersche - Bravo! Solche Kommentare kann man Guten Gewissens als vorzüglich bezeichnen. Weiter So! - Herr Stoffel.


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80%
(5 Stimmen)
Roland Steiner sagte Februar 2012

Ja Herr Stoffel, sie haben recht. Um unser Gesundheitssystem zu sanieren muss endlich etwas unternommen werden. Die aktuelle Pflästerlipolitik führt nicht zum Ziel. Hier mein Vorschlagden ich zur Diskusion stellen möchte:

-Die Gesundheitsversorgung​ wird in der Schweiz über 50 unterschiedlich spezialisierte Spitäler gesammtheitlich sichergestellt. Dort werden alle planbaren grösseren Eingriffe und die Weiterversorgung von grösseren Notfällen durchgeführt.

-Für​ Notfälle sollen Notfallstationen gesammtschweizerisch so verteilt sein, dass eine von diesen von jedem Ort in der Schweiz innert vernünftiger Zeit erreicht werden kann. Dazu könnten z.B. ehemalige Spitäler zu Ärztezentren umgebaut werden. Dort währen mehrere Hausärzte mit einer gemeinsamen Infrastruktur tätig die auch gleichzeitig die Notfallversorgung gewährleisten würden.

-Die frei werdenden Einrichtungen und auch das Personal könnten weiterverwendet werden. Da unsere Bevölkerung immer älter wird, wird der Bedarf an entsprechenden Einrichtungen und Fachpersonal immer grösser.

Das Gute an meinem Vorschlag ist auch, dass sich durch die Spezialisierung die Qualität des schweizerischen Gesundheitssystems verbessern würde.





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80%
(10 Stimmen)
Anton Keller sagte Februar 2012

Vor 20 Jahren haben wir 3x weniger bezahlt als heute. Wir sind aber nicht 3x gesünder geworden.

Interessant sind jeweils die Quervergleiche: Selbständigerwerbende​ Informatiker versus angestellte Informatiker, Kanton Basel Stadt versus Kanton Basel Land etc.

Irgendwie scheint es zu korrelieren, dass dort wo Linksgrün die Verwaltung übernommen hat sehr hohe Krankheitskosten anfallen. Die beste und preiswerteste Medizin für das Gesundheitswesen wäre folglich die linksgrünen Regierungen zu ersetzen.


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88%
(8 Stimmen)
Rainer Selk sagte Februar 2012

Meine Herren, es ist m. E. bereits 5 nach Zwölf. Korrekturmassnahmen werden immer härter.... aber es geht kein Weg daran vorbei, dass die kommen MÜSSEN.

Eigenartig​, dass neuerdings von SP Hardlinern in der Presse gesprochen wird. Oder muss man besser sagen: Realitätsgewinnern? Es wäre zu hoffen!


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91%
(11 Stimmen)
Bea Habegger sagte Februar 2012

Stimme Ihnen gänzlich zu auch wenn ich keine Statistikenfreundin bin. Statistiken werden immer von denen in Auftrag gegeben, welche ihre Interessen "vermarkten" wollen. Ich denke in unserem Gesundheitsystem wird erst dann etwas ändern (wenn überhaupt), wenn BAG und Politiker aufhören als verlängerte Arme der Pharma zu handeln. Der Beispiele gibt es immer mehr. Unlängst wurde z. B. gross propagiert: Jede/r 2. Schweizer/in ist zu dick. Einige Tage später: Experten, TV-Sendungen, man sei nun soweit und es gäbe neue Techniken, Magenbänder usw. BAG und Gesundheitspolitiker springen jedesmal auf solche "Propagandazüge/bzw.​-märchen" auf. Seit einiger Zeit und in immer kürzeren Abständen wird offensichtlicher, man will dem Volk schlechte Gewissen, Angst und Panik einreden, denn es gibt zuweilen kein lukrativeres Geschäft. Nicht zu vergessen ist auch, dass die Pharma viel zu viel Macht hat. Beispiel, Novartis drohte vor nicht langer Zeit mit Personalabbau in der Westschweiz, was geschah, Steuergeschenke usw. Wer bezahlt das? Das Volk mit dem Geld, welches dann eben für die Gesundheit fehlt. Die Krankmacherlobby siegt derzeit immer wieder und das auf dem Buckel des höchsten Gutes.

Vorausschaund kann man so etwas kaum nennen, das ist kurzfristiges Denken in hohem Ausmass, man macht das Volk krank um es auszunehmen, merkt aber nicht dass eine kranke Gesellschaft längerfristig immer teuerer wird. Das ganze Gerede von Prävention ist deshalb ein Witz, denn die Volkswirtschaft betreibt mit diesem Verhalten einzig Prävention für einen einzigen Wirtschaftszweig die Pharma/bzw. Krankmacherlobby.

​Es ist fünf vor 12 dass die Politiker aufhören mit lobbyieren. Denn sonst können sie sich ihre Gagen längerfristig "abschminken", welche sie von einem gesunden Volk erhielten, denn sie leben von den Steuern eines gesunden Volkes und nicht das Volk von den Krankrednern.


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