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Mindestlohn [...] wer denkt an die Landwirtschaft?

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Ich bin ein Sohn eines Gemüsegärtners und hatte auch das Vergnügen als Kind im hei­mi­schen Be­trieb mit­zu­ar­bei­ten. Trotz­dem bin ich kein klas­si­scher Bau­ern- und Land­wirt­schafts­ver​­tre­ter.

Wir haben, obwohl die Saläre in der Landwirtschaft für schweizer Verhältnisse tief sind, die höchsten Löhne in Europa. Schon heute ist der bezahlte Lohn rund 9x höher als der Mindestlohn in Rumänien (Standart für die Landwirtschaft). Selbiges gilt auch für Deutschland, das mit rund 4 Euro auch nicht gerade der Renner ist.

Sollte der Mindestlohn kommen, würden die Löhne in der Landwirtschaft massiv ansteigen – mit fatalen Folgen! Diese Mehrkosten könnten nicht auf dem Konsumenten abgewälzt werden, das Schweizer Gemüse oder Früchte wie Schweizerfleisch würde zu teuer werden.

Die Bauern und vorallem die Gemüsegärtner müssten noch mehr Rationalisieren oder den Betrieb einstellen. Normales Gemüse nicht Bio währe zu teuer. Mit einem Mindestlohn von CHF 4'000.-- in der Landwirtschaft können sich nur noch die obere Mittelschicht Schweiz​erprodukte leisten.

Da die Schweizer Landwirtschaft schon heute sehr gut technisiert ist, könnten keine oder nur kleine Einsparungen getroffen werden. Kurz: Mit dem Mindestlohn würde die Lebensmittelproduktio​n zu teuer und zu unerschwinglicher werden, für die Heimische Konsumenten sowie für den Export.


Kommentare von Lesern zum Artikel

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50%
(6 Stimmen)
Lars von Limaa sagte April 2014

Preispolitik der CH Grossverteiler

Ich​ bin dieser Tage nach längerer Zeit mal wieder in einem MMM gewesen. Da ich die Preise einigermassen kenne, hat es mich umgehauen, was da gewisse Produkte in aller Stille aufgeschlagen haben. Genau diese Preispolitik wäre einen eigenen Blog wert.


Spargelanb​au im Fribourgischen

Ges​tern wurde im SRF ein Spargelanbaugebiet im Fribourg gezeigt und ich glaubte meinen Augen nicht zu trauen. Die lassen doch tatsächlich jede Spargelstange durch einen Scanner laufen, der dann die Ware nach gerade, krumm, dick und dünn usw. in die Packungsgrössen zuweist. Möchte nicht wissen, was eine solche Anlage wohl kosten mag, samt nach gelagerten Verpackungsmaschinen.​ Das alles geschieht, weil man, wie der Bauer sagte, seit einigen Jahren wieder einen Markt in der Schweiz für dieses Produkt hat, dessen Ernte und Absatz mehr als wetterabhängig ist.


Mindestlohn versus Preise im Ausland

Wenn nun auch hier CHF 4000.- bzw. Fr. 22.- / Std. bezahlt werden müssen, muss man nicht lange überlegen, wie solche Spargel dann wohl ausgepreist werden müssen, damit das noch rentiert. Dann kommt die CHF 4000.- Dame an der MMM Kasse dazu, vorher noch die Dame im Lager zu CHF 4000.-, die auffüllt usw. Das ist also eine Kostenkette, die auf ein Endprodukt aufschlägt. Folge: südbadener Spargel zu EURO 12 / KG werden dann plötzlich billigst und sehr preiswert.

In Deutschland spricht man nun von einem Mindestlohn von EURO 8.50 = ca. CHF 10.- p. Std. Hier soll CHF 22.- staatlich festgeschrieben werden.


Teuerung​sbugwelle als Kette plus MwSt Wünsche des Staates

Staatliche​ festgeschriebene Löhne gab es nur in den sozialistischen Ländern, mit allen bekannten Langzeitpleitefolgen.​ Das wird eine Teuerungsbugwelle erzeugen, die n. m. W. bisher noch niemand durchgerechnet hat.

Kommen dann noch die netten Wünschen von Herrn Berset zur Erhöhung der MwSt. um 2% und Frau Leuthart Wünsche zur Erhöhung der MwSt. zur Finanzierung der SBB als Folge von FABI wird es richtig nett.

Von den Budgetauswirkungen in den öffentlichen Haushalten wollen wir schon garnicht sprechen, denn das wird mit jeder Garantie zu Steuererhöhungen führen, umso mehr als der staatlich dann nötige Kontrollaufwand zur Durchsetzung der Mindestlöhne nicht nur gravierende Ausmasse annimmt, sondern eben auch noch via Steuern zu berappen sein wird.

Auch nicht daran denken mag ich an die dann folgenden Nebenkostenabrechnung​en bei Mieten und Immobilien, denn die werden auch sprunghaft ansteigen.


Schle​ichende Teilenteignungsvorste​llungen

Und Herr von Wildenstein lanciert die Meinung, das auch ein Landwirtschaftsbetrie​b eben Anteile seines Eigentum an temporäre Mitarbeiter abtreten soll, könnte er die Fr. 22.- nicht bezahlen. Das wäre dann der Gang in die Kolchose, in der allen alles angeblich gehört, aber niemand die Verantwortung trägt. Zahlen diese angedachten Eigentumsanteiligen dann auch einen Teil der Investitionen und bäuerliche Verluste?! Oder bezahlt sich das von selbst?


Fazit


Mann wird sich durch diese linke Mindestlohnmogelpacku​ng den eigenen Ast absägen, auf dem man glaubt sitzen zu können. Das ist vollkommen abzulehnen.



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(5 Stimmen)
Lars von Limaa sagte April 2014

Die Spargeln haben es Ihnen offenbar angetan, Herr von Wildenstein?

Zu Ihrer Kenntnis, ich gehe jedes Jahr auf ein grosses Erdbeerfeld und pflücke dort meine Beeren selbst.

Bezahlen darf ich dann bei der Dame aus der Slowakei, die jedes Jahr für einige Monate dort ist. Mit dem in der Schweiz verdienten Geld hat sie sich ihr Studium verdient, nicht mit einem Stipendium!

Und sie sagt, sie komme gerne, denn der Lohn stimme und die Behandlung sei nicht nur fair, sondern auch familiär und freundlich, so ganz unausgebeutet.


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40%
(5 Stimmen)
Willi Wild sagte April 2014

"Sollte der Mindestlohn kommen, würden die Löhne in der Landwirtschaft massiv ansteigen – mit fatalen Folgen! Diese Mehrkosten könnten nicht auf dem Konsumenten abgewälzt werden, das Schweizer Gemüse oder Früchte wie Schweizerfleisch würde zu teuer werden."

Natürlich​ entstehen durch den Mindestlohn Mehrkosten, Herr Merkli. Die hat man bisher durch Unterbezahlung vermieden, d. h., die Landarbeiter/innen und die Sozialämter (Steuerzahler) hatten bisher das Geschäftsrisiko zu tragen, als ob sie die Eigentümer der Betriebe wären.

Wenn die Betriebe den Mindestlohn nicht bezahlen können, müssen sie halt den Angestellten in der Höhe des Fehlbetrags Eigentumsanteile ihres Betriebes überschreiben.


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(8 Stimmen)
Heinz Mahler sagte May 2012

Bei der Landwirtschaft sehe ich das etwa gleich wie in der übrigen Industrie, es gibt ja kaum noch Webereien, Schneiderreien, Schuhmacher usw. trotz dem eine Jeans im laden schnell Fr. 100.- kostet. Gedruckt wird ja auch schon in China, und Arbeitnehmer durch ganz Europa herumgeschikt. Warum soll es für Landwirte aus rein sentimentalen Gründen es Ausnamen geben ?


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50%
(6 Stimmen)
Heinz Mahler sagte May 2012

Bezüglich Behindertenwerkstätte​n sind diese nicht wirtschaftlich, diese kosten den oder die Kantone und IV pro Tag zwischen 70-140 Franken im Tag pro Arbeitsplatz. Das ist natürlich kantonal unterschiedlich, in manschen Kantonen erhielt der Arbeitgeber auch mal 2000-3000 Franken pro Monat wenn er einen IV Rentner beschäftigte. Egal wie Produktiv die Person war.


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60%
(10 Stimmen)
Sägesser Barbara sagte March 2012

Interessanter Beitag, Herr Merkli. Scheint, dass man betr. Mindestlohn je nach Gebiet doch noch genauer hinschauen muss. Doch könnte es nicht sein, dass Dank "höheren Subventionen" dann Steuererhöhungen anstehen, wenn diese Lohnkosten nicht direkt an den Konsumenten abgewälzt werden sollten? Wieviele Bauern genau, würde dies denn betreffen, sind heute unter dem Mindestlohn? Denke dank zumindest teilweise Eigenversorgung dank Garten und Tierhaltung müssen zumindest Bauern nicht die gleiche Menge im Geschäft einkaufen wie andere. Oder irre ich mich da? Wie auch immer, mehr Geld im Portemonnaie = grössere Konsumsmöglichkeiten,​ was wieder um die Wirtschaft ankurbeln könnte....


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