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Mit Steuer auf Kohlenstoffemissionen​ gegen Klimaerwärmung

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Es ist zu be­zwei­feln, dass in­ner­halb des Kyo­to-­Mo­dells ein Ab­kom­men er­reicht wer­den kann, das für die USA und für die Entwicklungsländer an­nehm­bar ist. Es gibt keine all­ge­mein an­er­kann­ten Grundsätze für die Zu­wei­sung von Nut­zungs­rech­ten.

 

Es ist jedoch ein alternatives Modell für die Minderung der Emissionen denkbar, eines, das sich stärker auf den Marktmechanismus stützt und daher bei den USA vielleicht eher Anklang findet. Sämtliche Aktivitäten, bei denen Treibhausgase anfallen, sind mit externen Kosten verbunden, welche diejenigen, die diese Aktivitäten betreiben, nicht bezahlen. Deshalb emittieren sie ja auch zu viel. Die einfache Lösung: Die Emissionsverursacher tragen sämtliche Kosten für die von ihnen angerichteten Umweltschäden.

 

Di​eses Modell lässt sich dadurch umsetzen, dass man alle Länder der Erde dazu bringt, eine gemeinsame Steuer auf Kohlenstoffemissionen​ zu erheben (das heisst, die externen Effekte der Emissionen zu besteuern) beziehungsweise, was aufs Gleiche hinausläuft, eine Steuer auf Erdöl, Kohle und Gas in einer Höhe zu erheben, die den Emissionen entspricht, die bei ihrer Verbrennung freigesetzt werden. Firmen und private Haushalte würden auf diese Steuer mit einem sparsameren Verbrauch reagieren und dadurch ihren Schadstoffausstoss senken. Die Steuer müsste so hoch angesetzt werden, dass die dadurch weltweit eingesparten Emissionen den gemeinsamen Zielvorgaben im Kyoto-Protokoll entsprächen. Aber das Emissionsniveau könnte durchaus von Land zu Land schwanken, je nach den Umständen des Einzelfalls. So dürfte beispielsweise ein Land mit sehr heissem Klima mehr Energie für Klimaanlagen verbrauchen als ein Land mit gemässigten Temperaturen.

 

Wo liegt dann der Vorteil? Das Modell vermeidet die Festsetzung nationaler Zielvorgaben, die deshalb so problematisch ist, weil sich die Situation in jedem Land anders gestaltet. Die Festlegung von Emissionszielen ist so umstritten, weil das Zugeständnis hoher Emissionsquoten ein geldwerter Vorteil ist – ein Umstand, der mit der Einführung des Emissionshandels noch augenfälliger geworden ist.

 

Mit einer gemeinsamen Steuer würden diese Probleme umgangen. Jedes Land würde die Einnahmen aus der Steuer behalten und müsste das Geld nicht an ein anderes Land abführen. Damit sind die mit der Senkung des Schadstoffausstosses verbundenen Kosten relativ gering. Das Land insgesamt könnte sogar besser dastehen; die Einnahmen aus der Kohlenstoffsteuer liessen sich dazu verwenden, andere Steuern, etwa auf Ersparnisse, Investitionen oder Arbeit, zu senken und dadurch die Wirtschaft anzukurbeln, so dass der Nutzen der Kohlenstoffsteuer die Kosten weit überträfe. Ein solches Vorgehen stünde ausserdem mit einem allgemeinen ökonomischen Grundsatz im Einklang: Es ist besser, Unerwünschtes (wie Schadstoffemissionen)​ zu besteuern als Erwünschtes (wie Ersparnisbildung oder Arbeit).

 

Natürlic​h wird die Energiewirtschaft in den meisten Ländern gegen ein solches System Sturm laufen. Vielleicht lässt sich dies nur mit der Androhung von Handelssanktionen durchsetzen. (Aus Joseph Stiglitz: Die Chancen der Globalisierung, 2008, Seiten 230-232)

 

Um negative Verteilungseffekte (Zusatzbelastung der Armen) zu vermeiden, sollte eine Rückerstattung eines Teils der Steuererträge pro Kopf der Bevölkerung erfolgen.


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Kommentare von Lesern zum Artikel

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50%
(2 Stimmen)
Alex Schneider sagte Januar 2012

@Alle
Es ist eben kein Emissionshandel vorgesehen, da es keine allgemein anerkannten Grundsätze für die Zuweisung von Nutzungsrechten gibt.
Der Ertrag der Steuer auf Kohlenstoffemissionen​ kann verschieden verwendet werden: Rückerstattung pro Kopf (z. B. über Entlastung der Krankenkassen-Kopfprä​mien für die Grundversicherung), Subventionierung der neuen Energien, Reduktion der Mehrwertsteuer, etc..


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67%
(3 Stimmen)
Christoph Reuss sagte Januar 2012

Neoliberale "Widersprüche"/Abzo​cke

Einerseits will Stiglitz und seine Neoliberalen unnötig riesige Tonnagen an Nahrungsmitteln/Tierf​utter um die halbe Welt transportieren (s. anderer Blogtext), andererseits will er die CO2-Emissionen besteuern. Hat er gedacht, die 40-Tönner, Frachter und Cargoflugzeuge fahren mit Solarzellen? Oder will er die Transporte dann mit atomgetriebenen Flugzeugträgern durchführen?

Einer​seits will Stiglitz und seine Neoliberalen überall "weniger Staat, weniger Bürokratie", andererseits will er eine riesige Erfassungsbürokratie zu Emissions-Besteuerung​ und Emissionen-Handel.


Wie lassen sich diese Widersprüche erklären? Die neoliberalen Börsenspekulanten verdienen am meisten am "Carbon-Trading"! So wie sie mit Nahrung "spielen", auch wenn das Millionen in den Hunger(tod) treibt, so "spielen" sie mit Carbon-Emissionen. Auch wenn die Emissionen dadurch eher erhöht werden.



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80%
(5 Stimmen)
Roland Steiner sagte Januar 2012

Dieser Emissionshandel und alle ähnlichen Abgaben bringen leider nicht die gewünschten Effekte.
Schlussendlich werden mit solchen Abgaben nur wieder Systeme erhalten die nicht produktiv für die Gesellschaft sind.
Hauptsächlich sind es Umverteilungssysteme die das meiste Geld selber auffressen und den Rest nicht bedarfsgerecht einsetzen.


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100%
(4 Stimmen)
Thomas Fahrni sagte Januar 2012

Grundsätzlich sind Lenkungsabgaben ein probates Mittel um unerwünschtes Verhalten zu reduzieren. Allerdings sollten die Erträge an die Suche von Alternativlösungen gebunden sein (was dem Einwand von Herr Steffen entgegen kommt.
Sie nennen zwei Punkte, die dieser Idee wenige Chancen lassen:
«(...),dass man alle Länder der Erde dazu bringt, (...)»
«natürlich wird die Energiewirtschaft in den meisten Ländern gegen ein solches System Sturm laufen.»




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75%
(4 Stimmen)
Thomas Steffen sagte Januar 2012

Wir müssen aufhöhren Steuern auf etwas zu erheben, was nicht erwiesenermassen zur Klimaerwärmung beiträgt. Stattdessen sollten wir lieber Mittel und Wege finden wie man die Verbrennung von Kohle und Erdöl effizient, kostendeckend und vorallem gewinnbringend kompensieren könnte.

Die Steuer hat nur zum Effekt, dass man a) jetzt einen neue Steuer hat und b) die Gewissheit das sich nichts ändert, da man ja dafür Steuern zahlt und der Staat will nichts ändern, denn dann hätte er die Steuern nicht mehr.








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