Durch die arabische Revolution ist nun auch Bewegung in den Palästinakonflikt gekommen. Nicht zuletzt auf Grund des Sturzes des Mubarak Regimes beginnen sich Prämissen zu ändern, was die Meinung all jener Experten mit Lügen straft, die immer behauptet haben, die Sache der Palästinenser spielte für die Protestbewegung keine Rolle. Zuerst haben Ende April die Fatah und die Hamas eine Vereinbarung unterzeichnet, die den Weg für eine palästinensische Einigung ebnet. Damit könnte die Spaltung der Palästinenser überwunden werden, was den Weg zu Friedensverhandlungen entgegen der Lesart des Westens begünstigt, weil man, wie Uri Avnery treffend sagt, mit einem halben Palästina nicht verhandeln kann. Viel wird von der EU abhängen, die vornehmlich durch Deutschland blockiert wird.
Letzte Woche öffnete Aegypten zusätzlich den Grenzübergang in den Gazastreifen in Raffah, auch wenn noch mit Schikanen verbunden. Damit wiederum könnte sich die Situation des Gazastreifens dank halbwegs normalem Warenzufluss alsbald entscheidend ändern und der jeder Humanität spottende Gefängniszustand Gazas endlich ein Ende finden.
Die Rede Obamas vor anderthalb Wochen zur arabischen Revolution hat erstaunlich wenig Resonanz ausgelöst. Immerhin hat die G8 inzwischen einen beachtlichen Finanzplan geschnürt, der allerdings nur dann wirkungsvoll wird, wenn er zu echten Investitionen nicht zuletzt in Bildung und Sozialem führt und den demokratischen Prozess auch wirklich begünstigt. Gleichzeitig wollte Obama Netanyahu sichtlich zuvorkommen und die Fortsetzung des palästinensischen Friedensprozesses auf der Basis der 67er Grenzen anmahnen, bei Garantierung „sicherer Grenzen Israels“, verbunden mit Landabtausch. Wenig genug angesichts der viel umstritteneren Fragen Ostjerusalem und Rückkehrecht, der Kernforderung der Palästinenser. Vor dem vereinigten Kongress rückte dann allerdings Netanyahu Tage später die Dinge wieder vollends zu Recht. Er sprach zwar rhetorisch auch von schmerzlichen Zugeständnissen - der Aufgabe einiger Siedlungen - aber im Gegensatz zu Obama als Ausnahme. Letztlich führte er Obama unter ständigen Ovationen geradezu vor: längst geht es im Nahen Osten nicht mehr um eine Pax Americana, deren Ende auch global längst eingeläutet ist. Vielmehr gilt die Pax Israeliana, eine grossisraelische Lösung, die gegen jede Erneuerung im arabischen Raume steht. Warum diese im Interesse der USA sein soll, ist nicht einsichtig.
Im September steht in der UNO die Anerkennung des palästinensischen Staates an. Jene Staaten im Westen, die seinerzeit den Kosovo problemlos anerkannt haben, darunter zuvorderst die Schweiz, werden grosse Schwierigkeiten bekunden, zu begründen, warum sie diese Anerkennung entgegen Nationen Lateinamerikas, Afrikas und Asiens nicht unterstützen. Für den Friedensprozess wäre es ein klarer Schritt nach vorne – unter Aegide der UNO nota bene.
(Erstpublikation: Basler Zeitung, 31.05.2011)


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