Die Stellungnahme der Piratenpartei zum "Trojaner Federal" hat mich in ihrer Schärfe schon erstaunt: "Die Piratenpartei ist empört und fordert personelle Konsequenzen. ...".
Mittlerweile verstehe den Aufruhr teilweise, falls der Einsatz des Trojaners wirklich so leihenhaft war wie Denis Simmonet in seinem Blog schreibt. Andererseits soll der Trojaner ja nur in 4 Fällen vor dem 1.1.11 zum Einsatz gekommen sein - Wir stehen also noch ganz am Anfang dieser Ermittlungsmethode.
Überwachung und verdeckte Ermittlungen sind ein starker Eingriff in die Privatsphäre und nur sehr restriktiv einzusetzen. Es gibt aber Fälle, da machten diese Methoden Sinn oder sind die einzigen Möglichkeiten, um Verbrechen zu verhindern.
Dann stellt sich natürlich die Frage nach den besten Mitteln zur Überwachung. Und da hat ein Trojaner, sofern er richtig eingesetzt wird, einige Vorteile: Vor allem wegen der Möglichkeit, jede Sitzung zu speichern. Im Unterschied zu anderen Überwachungsmassnahmen lässt sich nämlich jede einzelne Aktion der Ermittler, sowie alle erhaltenen Überwachungsdaten des Trojaners abspeichern und steht auch dem Richter zur Verfügung.
Ein Vergleich dazu: Wie wir ja in Hollywood Filmen gesehen haben, könnte ein Polizist zu einer Hausdurchsuchung Drogen mitbringen, diese dann selber 'verstecken' und dann wieder finden. Oder, vielleicht näher an der Realität: Ein Polizist 'sah' etwas mit eigenen Augen, der Verdächtige sah dies aber ganz anders, und es steht Aussage gegen Aussage.
Mit einem Trojaner könnte es nun so sein (um bei den beiden Beispielen zu bleiben), dass Kameras bei Hausdurchsuchungen und Polizeieinsätzen immer dabei sind. Jeder Winkel und jede Aktion auch der Polizei wird dokumentiert. Da gibt's dann keine Situationen mehr, in welchen der Richter "Aussage- gegen Aussage" bewerten muss, sondern er kann sich sein eigenes Bild machen.
Ein Trojaner, richtig eingesetzt, überwacht nicht nur Kriminelle, sondern auch die Arbeit der Ermittler - er liefert damit viel "objektivere" Daten und die Gefahr von Missbrauch oder von Missinterpretationen seitens der Ermittler ist stark verringert.
Sollten wir Webys, IT-Geeks, Piraten etc da nicht, anstatt den Einsatz generell zu kritisieren, vielmehr darauf hinarbeiten, dass Trojaner auf die richtige Weise eingesetzt werden? Dass also eine rechtliche Grundlage dazu geschaffen wird? Und dass vor allem festgelegt wird, dass jeder Trojaner eine vollständige Audit Funktion haben muss, also alle Sitzungsdaten abgespeichert?


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