Wie kann man dagegen sein, dass die, die mehr als die meisten verdienen und mehr als die meisten besitzen, steuerlich nicht auch noch privilegiert werden? Es ist unverständlich, wie die Initiative zum Schreckgespenst hoch stilisiert wird. Vom Ende des Föderalismus wird geredet. Dabei wird mit dieser Initiative der Föderalismus gestärkt, Kantone und Gemeinden verfügen weiterhin über ihre Steuerpolitik, einzig Mindestsätze für Spitzenverdiener und Vermögende wären vorgeschrieben. Wird die Initiative angenommen, müssten nur rund ein Drittel der Grossverdiener, die vornehmlich in den Kantonen Zug und Schwyz logieren, mehr Steuern zahlen. Das sind 0,2 Prozent aller Steuerpflichtigen. Und bei den Multimillionären wären es 1,2 Prozent, die bei einem Ja am 28. November eine höherer Steuerrechnung bekämen. Es handelt sich also um winzige Minderheiten, die durch die Initiative etwas zu verlieren haben, die dann soviel zu bezahlen hätten wie in andern Kantonen. Nichtsdestotrotz kursiert die Behauptung, die Mindestsätze würden den Standort Schweiz schwächen und es sei damit zu rechnen, dass Reiche ins Ausland abwandern. Mit dem Effekt, dass am Ende alle mehr Steuern zahlen müssten. Das ist Humbug. Wenn die höchsten Einkommen privilegiert werden, blutet der Mittelstand. Auch mit den 22 Prozent Einkommenssteuern auf Jahreslöhnen von über 250`000 Franken ist die Schweiz Spitze in der Liste der Niedrigststeuerländer. Wo wollen die Reichen denn hin? Nach Rumänien, Bulgarien oder Polen, die wenigen Länder, die weniger Steuern verlangen als die Schweiz? Tiefe Steuern für Superreiche machen die Schweiz nicht zum Paradies. Rechtssicherheit, hohes Ausbildungsniveau, intakte Infrastruktur, wunderbare Landschaften und einzigartige Lebensqualität sind mindestens so attraktive Standortfaktoren, die für die ganze Bevölkerung Lebensqualität bedeuten.
Die Initiative ändert also nichts an der internationalen Attraktivität der Schweiz, sie bewirkt nicht, dass alle mehr Steuern bezahlen müssen und sie bedeutet auch nicht das Ende des Föderalismus. Die Initiative «Für faire Steuern. Stopp dem Missbrauch beim Steuerwettbewerb.» sorgt für Ausgleich und macht die Schweiz im Innern einfach gerechter.


33%