Einfach, schnell und neutral informiert
Abstimmungen, Initiativen > National
Abstimmung 11.03.2012: Buchpreisbindung

-

Weiterempfehlen per:


Die Vorlage möchte die Vielfältigkeit von Büchern in der Schweiz fördern und möglichst vielen Lesern den Zugang zu Büchern ermöglichen. Dies soll durch eine Bindung der Buchpreise geschehen, d.h. die Verleger können die Verkaufspreise von Büchern selbst festlegen. Dagegen wurde das Referendum ergriffen. Dabei wird nicht über die Annahme bzw. Ablehnung des Referendums abgestimmt, sondern über die Wiedereinführung der Buchpreisbindung. Bei einem „Ja“ wird also die Buchpreisbindung angenommen, bei einem „Nein“ abgelehnt.

Dieser Text zeigt auf, wie die Buchpreise heute bestimmt werden, was durch das neue Gesetz konkret geändert wird und was die möglichen Auswirkungen der Buchpreisbindung sind. Abschliessend werden die Argumente für und gegen das Gesetz erläutert.

Ausgangslage

Die Buchpreisbindung wurde 2007 in der Deutschschweiz abgeschafft. Die Räte stimmten allerdings einem parlamentarischen Vorstoss für die Wiedereinführung der Buchpreisbindung zu, welcher schlussendlich 2011 auch angenommen wurde. Daraufhin wurde das Referendum ergriffen, so dass nun am 11. März 2012 über die Vorlage abgestimmt wird.

Heute kann in der gesamten Schweiz jede Buchhandlung über den Verkaufspreis selbstständig entscheiden. Bis 2007 aber hatten die Verleger in der Deutschschweiz eine Verabredung, in der sie den Verkaufspreis festlegten. Erst nach einer Untersuchung der Wettbewerbskommission und dem nachfolgendem Entscheid des Bundesgerichts im Jahr 2007 wurde die Buchpreisbindung abgeschafft. In der Romandie ist die Preissetzung bereits seit Anfang der 90er Jahre frei und im Tessin kannte man nie eine Buchpreisbindung. Der Bund fördert das Buch mit anderen Massnahmen. So betrugen 2008 die jährlichen Mittel zur Buchförderung 203 Millionen Franken.

Was wird geändert?

Bei der Annahme der Vorlage bestimmt der Verleger den Verkaufspreis für alle Bücher in den Schweizer Landessprachen, die in der Schweiz verkauft und eingeführt werden. Ob Internetkäufe von Schweizer Konsumenten auch der Preisbindung unterstellt werden sollen, ist noch unklar. Nicht unter die Buchpreisbindung fallen Zeitungen, Zeitschriften, Musiknoten, kartographische Erzeugnisse und elektronische Bücher (E-Books).

Buchhändler dürfen die Bücher, ausser in Ausnahmefällen, nur noch zum festgesetzten Preis mit einem maximalen Rabatt von 5% verkaufen. Der Preisüberwacher kann aber den Bundesrat verpflichten, eine maximal zulässige Preisdifferenz zum Ausland festzulegen. Die Preisbindung für ein Buch seit es im In- oder Ausland erschienen ist dauert mindestens 18 Monate. Danach kann der Verleger oder Importeur die Preisbindung für beendet erklären.

Auswirkungen

Bei einer Annahme der Buchpreisbindung werden Bestseller und andere Bücher mit hohen Auflagen teurer. Solche mit tiefen Auflagen werden durch die Quersubventionierung günstiger. Das heisst, dass der Mehrgewinn der Bestseller, zu den Büchern mit den tieferen Auflagen fliesst, damit diese günstiger werden.

Argumente der Befürworter

Die Buchpreisbindung soll gemäss den Befürwortern die Vielfalt und Qualität des Kulturgutes Buch fördern und den Schweizer Buchmarkt schützen. Die Buchpreisbindung halte die Buchpreise über das gesamte Sortiment tief. Durch die Quersubventionierung könne auch bei Büchern mit tiefen Stückzahlen ein tiefer Preis garantiert werden. Da bei einem Internetkauf eine Adresse angegeben werden müsse, sei auch eine Online-Preisbindung durchsetzbar.

Vor allem kleinere und mittlere Verlage und unabhängige Buchhandlungen sollen davon profitieren, da sie so die bessere Möglichkeit hätten, ein abwechslungsreiches Sortiment anzubieten. Damit sei ein breiter Zugang für die Bevölkerung gewährleistet, so dass sowohl Autoren, als auch Leser profitieren.

Schlussendlich werde laut den Befürwortern das Kulturgut Buch durch eine Buchpreisbindung optimal gefördert, ohne dass es den Staat einen einzigen Subventionsfranken koste.

Argumente der Gegner

Eine Buchpreisbindung würde dem Schweizer Buchmarkt schaden. Durch die überteuerten Preise würden Schweizer Konsumenten vermehrt im Ausland kaufen. Der Schweizer Markt schotte sich so selbst ab und schade dem Buch als Kulturgut, da durch die höheren Preise weniger gelesen werde. Vor allem Studierende und Schüler hätten die Preisdifferenz der Überteuerung bei festgelegten Preisen zu tragen.

Zudem würden Bücher schon heute zu 90% importiert. Damit würden in erster Linie ausländische Grossverlage auf Kosten der Schweizer Konsumenten profitieren, da sie den Gewinn durch die höheren Preise in der Schweiz für sich abschöpfen könnten. Weiter sei die angestrebte Online-Preisbindung nicht umsetzbar.

Schlussendlich werde gemäss den Gegnern das Kulturgut Buch bereits heute stark gefördert. Durch die Buchpreisbindung soll die Bücherbranche lediglich vom Wettbewerbsprinzip ausgenommen werden.


Literaturverzeichnis [ ein-/ausblenden ]


Text weiterempfehlen:  

Vimentis Publikationen zu diesem Thema
Jetzt informiert bleiben!

Jetzt ein­tragen und im­mer ein­fach und sch­nell infor­miert sein!

Tra­gen Sie jetzt Ihre E-Mail­adres­se ein und wir infor­mieren Sie sobald ein neuer Text von Vimentis zu aktuellen poli­tischen Themen er­scheint. Damit sind Sie im­mer auf dem laufen­den.

Text bewerten:

Sie haben den Text gelesen?
Bitte bewerten Sie ihn, damit wir unsere Qualität weiter sichern können. Danke!

Neutralität:
Einfachheit:
Gesamthaft:
Verbesserungsvorschläge / Feedback
optional
 
Zusammenfassung

Ziel der Vorlage

Durch die Buch­preis­bin­dung soll das Kul­tur­gut Buch und des­sen Viel­falt ge­för­dert und der Schwei­zer Buch­markt ge­schützt werden.

Wichtigste Änderungen

  • Verleger kön­nen für alle Bü­cher in den Schwei­zer Lan­des­s­pra­chen, die in der Schweiz ver­kauft oder ein­ge­führt wer­den, fixe Preise be­stim­men.
  • Buchhändler dür­fen einen Ma­xi­mal­ra­batt von 5% gewähren.

Argumente dafür

  • Die Viel­falt und Qua­li­tät des Kul­tur­gu­tes Buch soll ge­för­dert und damit ein brei­ter Zu­gang für die Leser ge­schaf­fen werden.
  • Die Buch­preis­bin­dung halte die Buch­preise über das ge­samte Sor­ti­ment tief. Für Bü­cher mit tiefe­ren Auf­la­gen könne so eben­falls ein güns­ti­ger Preis ga­ran­tiert werden.
  • Die Kul­tur­för­de­rung durch die Buch­preis­bin­dung koste den Staat kei­nen ein­zi­gen Subventionsfranken.

Argumente dagegen

  • Eine Buch­preis­bin­dung schade durch die hohen Preise dem Schwei­zer Buchmarkt.
  • Bücher wür­den heute zu 90% im­por­tiert. Von der Preis­bin­dung wür­den daher in ers­ter Linie aus­län­di­sche Gross­ver­le­ger profitieren.
  • Das Kul­tur­gut Buch werde be­reits heute stark ge­för­dert. Die Bü­cher­bran­che soll le­dig­lich vom Wett­be­werb­s­prin­zip aus­ge­nom­men werden.

Positionen

Ein „Ja” emp­feh­len: Bun­des­rat und Parlament

Ein „N­ein” empfehlen:

Kommentare von Lesern zum Artikel

[ Neuen Kommentar verfassen ]

Noch keine Beiträge vorhanden. Schreiben Sie den ersten!

Neuen Kommentar verfassen

Sie müssen als User, Newsletter-Abonnent oder Gönner von Vimentis oder bei Facebook registriert sein, um auf diese Seite zugreifen zu können. Bitte loggen Sie sich ein oder registrieren Sie sich kostenlos:

Auf Vimentis direkt einloggen..
 
 ... oder mit Ihrem Facebook-Account
 
E-Mailadresse:
Passwort:

Haben Sie Ihr Passwort vergessen?