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Der Wirtschaftskreislauf

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Der Wirtschaftskreislauf ist ein Modell, das vereinfacht erklärt, wie die Wirtschaft eines Landes funktioniert. Im Modell des Wirtschaftskreislaufes gibt es Haushalte und Unternehmen. Die Unternehmen produzieren, während die Haushalte konsumieren. Dabei stellen die Haushalte die Produktionsfaktoren Kapital, Arbeit und Boden zur Verfügung. Die Unternehmen produzieren daraus Güter und Dienstleistungen. Ein einfaches Beispiel ist der Arbeiter, der Ende Monat vom Unternehmen seinen Lohn erhält. Bei diesem Vorgang wird Arbeit gegen Geld getauscht.

Der einfache Wirtschaftskreislauf

Das Modell des einfachen Wirtschaftskreislaufes (vgl. Abb. 1) stellt die wichtigsten Tauschbeziehungen zwischen Unternehmen und Haushalten dar.

Wie jedes ökonomische Modell ist es nicht ein genaues Abbild der Realität. Vielmehr wird die Realität stark vereinfacht dargestellt. Es werden nur die wichtigsten Zusammenhänge gezeigt.

In der Realität gibt es tausende verschiedene Haushalte. Nicht jeder dieser Haushalte gibt gleichviel Geld aus oder besitzt gleichviel Boden. Trotzdem werden alle diese unterschiedlichen Haushalte zusammengezählt und als ein einziger Akteur aufgeführt. Denn sie haben grundsätzlich das gleiche Ziel: Sie bieten ihre Produktionsfaktoren an und erhalten dafür in der Regel Geld, mit dem sie wiederum etwas kaufen können.

Das Gleiche gilt für die Unternehmen. Es gibt die verschiedensten Unternehmen, doch alle erbringen eine Leistung, für die sie Produktionsfaktoren benötigen. So bilden sie das Gegenstück zu den Haushalten.

Haushalte

Die Haushalte treten in diesem Modell als Konsumenten auf und stellen Produktionsfaktoren zur Verfügung.

Als Konsumenten geben sie ihr Geld aus, um Güter und Dienstleistungen zu kaufen.

Sie besitzen aber auch die Produktionsfaktoren Boden, Arbeit und Kapital. Diese stellen sie den Unternehmen gegen ein Entgelt zur Verfügung. Wenn sie beispielsweise nicht ihr ganzes Geld ausgeben möchten, können sie dieses auch den Unternehmen verleihen. In diesem Fall wird das Geld als Produktionsfaktor genutzt, um neue Güter herzustellen.



Abb. 1: Der einfache Wirtschaftskreislauf (Geld- und Güterströme) in Anlehnung an Brunetti (2009)

Unternehmen

Im einfachen Wirtschaftskreislauf gibt es neben den Haushalten nur noch die Unternehmen. Diese produzieren Güter und Dienstleistungen, welche sie dann den Haushalten verkaufen.

Ein Blick auf Abbildung 1 zeigt, wie dies funktioniert. Der Pfeil von den Haushalten zu den Unternehmen mit der Bezeichnung „Arbeit, Kapital und Boden“ bezeichnet die Produktionsfaktoren. Die Haushalte stellen diese den Unternehmen zur Verfügung, damit diese ihre Produkte herstellen können. Das fertige Produkt verkaufen die Unternehmen dann an die Haushalte. Dies symbolisiert der Pfeil, welcher von den Unternehmen zu den Haushalten führt und mit „Güter und Dienstleistungen“ bezeichnet ist.

Güterströme (inkl. Produktionsfaktoren)

Für die Herstellung von Gütern benötigt ein Unternehmen gewisse Ressourcen. Diese heissen allgemein Produktionsfaktoren. Im Modell des Wirtschaftskreislaufes gibt es die drei Produktionsfaktoren Arbeit, Kapital und Boden. In anderen ökonomischen Modellen gibt es auch andere Einteilungen. Dies hängt immer davon ab, welche Fragen man beantworten möchte und welche Annahmen für das Modell getroffen wurden.

Der Produktionsfaktor Arbeit betrifft das bereits erwähnte Beispiel der Lohnzahlung. Die Menschen arbeiten für ein Unternehmen und erhalten als Gegenleistung am Ende des Monats den Lohn ausbezahlt.

Den Produktionsfaktor Kapital erhalten die Unternehmen von den Haushalten in Form eines Kredites ausgeliehen. Nach einer festgelegten Zeitdauer müssen die Unternehmen den geliehenen Betrag plus die Zinsen („Nutzungsgebühr“) an die Haushalte zurückzahlen.

Den Produktionsfaktor Boden verpachten die Haushalte an die Unternehmen. Im Gegenzug erhalten die Haushalte dafür Pachtzinsen.

Mit Hilfe dieser Produktionsfaktoren können die Unternehmen alle benötigten Güter und Dienstleistungen produzieren. Diese verkaufen sie wiederum an die Haushalte. In Abbildung 1 symbolisiert dies der Güterstrom-Pfeil mit dem Namen „Güter und Dienstleistungen“.



Abb. 2: Der erweiterte Wirtschaftskreislauf (nur ausgewählte Geldströme) in Anlehnung an Brunetti (2009)

Geldströme

Ein Tausch besteht aus einer Leistung und einer Gegenleistung. Eine dieser Aktionen erfolgt meist in Form von Geld. Auf der einen Seite bezahlen die Unternehmen für die Nutzung der Produktionsfaktoren. Auf der anderen Seite kaufen die Haushalte Güter und Dienstleistungen und bezahlen diese mit Geld.

Der erweiterte Wirtschaftskreislauf

Der einfache Wirtschaftskreislauf ist schnell zu verstehen, da er nicht sehr kompliziert ist. Durch seine Einfachheit kann er jedoch nicht alle wirtschaftlichen Phänomene erklären. Aus diesem Grund gibt es den erweiterten Wirtschaftskreislauf. Dieser baut auf dem einfachen Wirtschaftskreislauf auf.

Neben den beiden Akteuren Haushalte und Unternehmen kommen neu noch der Staat, die Banken und das Ausland hinzu. Dadurch sind auch mehr Güter- und Geldströme möglich. In Abbildung 2 müsste es richtigerweise zwischen allen Akteuren einen Pfeil für den Geldstrom und einen Pfeil für den Güterstrom geben. Beispielsweise gilt der Güterstrom von den Unternehmen zu den Haushalten aus Abbildung 1 immer noch. Würde man alle diese Pfeile einzeichnen, wäre die Grafik jedoch unübersichtlich. Aus diesem Grund sind in Abbildung 2 nur einige ausgewählte Geldströme eingezeichnet. Jeder dieser Geldströme hat einen Güterstrom in entgegengesetzter Richtung. So gibt es beispielsweise beim Pfeil „Zahlung für Importe“ noch einen Güterstrom mit der Bezeichnung „Importe“. Dieser Pfeil ist jedoch nicht eingezeichnet, da in Abbildung 2 nur Geldströme eingezeichnet sind.

Unterscheidung wirtschaftlicher Transaktionen

Es gibt einseitige und zweiseitige Transaktionen. Bis jetzt haben wir immer zweiseitige Transaktionen betrachtet und diese als Tausch bezeichnet. Bei einer zweiseitigen Transaktion tauschen zwei Akteure eine Leistung und eine Gegenleistung aus.

In der Realität gibt es aber auch einseitige Transaktionen. In einem solchen Fall erhält jemand eine Leistung, ohne dafür etwas zu geben beziehungsweise ohne eine (direkte) Gegenleistung zu erbringen. Ein anderer Name für einseitige Transaktionen ist „Transferzahlungen“. Viele dieser Transferzahlungen macht der Staat. So unterstützt er beispielsweise bedürftige Menschen mit Sozialhilfe. Dies ist eine der Transferzahlungen des Staates an die Haushalte. In der Abbildung 2 sind diese durch den Pfeil „Transferzahlungen (sozialer Ausgleich)“ dargestellt.

Staat

Der Staat ist ein neuer Akteur im erweiterten Wirtschaftskreislauf. Dadurch wird es neu möglich die verschiedenen Tätigkeiten des Staates zu erklären. So können die im vorherigen Abschnitt erwähnten Transferzahlungen im Modell integriert werden. Der Staat gibt jedoch noch für andere Tätigkeiten Geld aus. Welche Ausgaben dies sind, wird im Kasten Profi-Wissen erklärt.

Damit der Staat Geld ausgeben kann, benötigt er auch eine Einnahmequelle. Dies sind Steuern, welche auch in Abbildung 2 eingezeichnet sind. Dadurch zeigt sich auch die spezielle Rolle, die der Staat in der Wirtschaft eines Landes einnimmt. Auf der einen Seite darf nur er Steuern erheben. Auf der anderen Seite verlangen die Bürger vom Staat, dass er gewisse Aufgaben (beispielsweise den Unterhalt der Schweizer Strassen) wahrnimmt.

Banken und Finanzinstitute

Neue Akteure im erweiterten Wirtschaftskreislauf sind auch Banken und Finanzinstitute. Denn in der Realität vergeben die Haushalte die Kredite nicht selber an die Unternehmen. Vielmehr nehmen die Banken eine Vermittlungsfunktion zwischen den Haushalten und den Unternehmen ein.

So kann ein Haushalt sein Geld auf die Bank bringen und erhält von der Bank im Gegenzug Zinsen. Die Bank nimmt das Geld und gibt es als Kredit an die Unternehmen weiter. Für den Kredit müssen die Unternehmen ebenfalls Zinsen zahlen. Diese sind höher als die Zinsen, welche die Haushalte erhalten. Mit der Differenz zwischen diesen beiden Zinssätzen verdienen die Banken ihr Geld.

Wenn also eine Person ihr Geld auf die Bank bringt, investieren es die Banken in die Unternehmen. Aus diesem Grund wird in der Volkswirtschaftslehre vereinfacht gesagt, dass Sparen auch Investieren bedeutet.

Ausland

Der letzte neue Akteur ist das Ausland. Dieser kommt hinzu, da in der Realität jedes Land in irgendeiner Form Handel mit anderen Ländern betreibt. Auch hier wird das Ausland, das aus vielen verschiedenen Ländern und unterschiedlichen Handelspartnern besteht, als Einheit zusammengefasst. Genauere Informationen, weshalb Länder Handel betreiben, finden sich im Artikel über die komparativen Vorteile des Handels.

Import

In der Abbildung 2 ist der Geldstrom „Zahlung für Importe“ eingezeichnet. Dieses Geld wird an ein ausländisches Unternehmen überwiesen, damit man im Gegenzug das importierte Gut erhält. Der entsprechende Güterstrom „Importe“ ist zur Vereinfachung in Abbildung 2 nicht eingezeichnet. Neben Haushalten können auch Unternehmen (oder der Staat) Güter importieren. Häufig werden Güter aus dem Ausland importiert, die es in der Schweiz nicht zu kaufen gibt oder im Ausland billiger sind. Beispiele dafür sind die Bestellung von Büchern über das Internet oder der Einkauf im angrenzenden Ausland.

Neben Gütern können auch Produktionsfaktoren importiert werden. Ein solches Beispiel sind deutsche Staatsangehörige, welche in die Schweiz kommen, um zu arbeiten. In diesem Fall wird aus Deutschland der Produktionsfaktor Arbeit importiert.

Export

Der Export ist das Gegenteil des Imports. So werden Güter und Dienstleistungen (oder auch Produktionsfaktoren) gegen Geld ins Ausland geliefert. Berühmte Beispiele für die Schweiz sind Schokolade, Käse und Schweizer Uhren.

Wie bei den Importen können auch bei den Exporten Produktionsfaktoren gehandelt werden. Die Schweiz ist ein relativ reiches Land. Dies führt dazu, dass die Schweizer über viel Kapital verfügen. Dieses Kapital muss jedoch nicht nur in der Schweiz angelegt werden. So kann ein Haushalt beispielsweise ausländische Aktien kaufen. Eine andere Möglichkeit besteht darin, dass die Bank das von den Haushalten einbezahlte Geld nutzt, um auch Kredite an ausländische Unternehmen zu vergeben.


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Profi-Wissen

Staatsausgaben

In Ab­bil­dung 2 ist er­sicht­lich, wie sich der Staat fi­nan­ziert. Er er­hält von den Haus­hal­ten, den Ban­ken und den Un­ter­neh­men Steu­er­zah­lun­gen. Doch wofür gibt der Staat das Geld wie­der aus? Die fol­gende Auf­lis­tung zeigt, wel­ches die gröss­ten Aus­ga­b­e­pos­ten sind. Hier­bei gilt es zu er­wäh­nen, dass die Aus­ga­ben des Bun­des, der Kan­to­ne, der Ge­mein­den sowie der öf­fent­li­chen So­zi­al­ver­si­che­rungs­haus­hal­ten ent­hal­ten sind. Die Daten stam­men aus dem Jahr 2009.

  • Soziale Si­cher­heit 39.2 %
  • Bildung 17.4 %
  • Verkehr & Nach­rich­ten­über­mitt­lung 8.9 %
  • Öffentl. Ord­nung & Si­cher­heit 7.7 %
  • Allgemeine Ver­wal­tung 7.2 %
  • Gesundheit 6.1 %
  • Volkswirtschaft 4.2 %
  • Finanzen und Steu­ern 3.5 %
  • Umweltschutz & Raum­ord­nung 3.1 %
  • Kultur, Sport und Kir­che 2.6 %

Es zeigt sich, dass ein gros­ser Teil der Aus­ga­ben auf Trans­fer­zah­lun­gen im Be­reich der so­zia­len Si­cher­heit ent­fal­len. Diese bein­hal­ten unter An­de­rem die Ar­beits­lo­sen­ver­si­che­rung, die In­va­li­den­ver­si­che­rung und die Kran­ken­ver­si­che­rung.

(Quel­le: BFS - Sta­tis­ti­sches Le­xi­kon der Schweiz)

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