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De civitate Dei

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Woran den­ken wir beim Be­griff „Gottesstaat“? Wohl an fin­stre,  bärtige Is­la­mis­ten, die über der Ver­nich­tung des christ­li­chen Abend­lan­des brüten und Selbstmordattentäter auf ihre letzte Reise schi­cken, wenn sie nicht ge­rade in der Mo­schee Hass­pre­dig­ten vom Sta­pel las­sen. Der Iran ist das ide­al­ty­pi­sche Bei­spiel für einen der­ar­ti­gen Got­tes­staat und die Ta­li­ban, übersetzt heisst das of­fen­bar „Religionsschüler“, kämpfen als Got­tes­krie­ger, um einen sol­chen in Af­gha­nis­tan zu er­rich­ten. Das We­sens­merk­mal eines Got­tes­staa­tes ist die Ein­heit von Kir­che und Staat. Jeg­li­ches staat­li­ches Han­deln ba­siert auf Vor­ga­ben der religiösen Texte und die Ver­tre­ter der Re­li­gion neh­men so eine Art Ver­fas­sungs­ge­rich​ts­bar­keit wahr, indem ihnen der letzte Ent­scheid über die we­sent­li­chen staat­li­chen Ent­scheide ob­liegt. Verkürzt ausgedrückt, bricht das religiöse Dogma rechts­staat­li­ches Han­deln. Ein Got­tes­staat kann also nie eine di­rekte De­mo­kra­tie sein, weil ein Volks­ent­scheid nur um­setz­bar wäre, wenn er dem religiösen Dogma nicht wi­der­spricht, was die freie Mei­nung dras­tisch einschränkt. Wir Schwei­zer sind uns im Ur­teil über den Iran ver­mut­lich ziem­lich ei­nig. Nur, um den geht es mir dies­mal nicht. Es er­ging zur Fas­ten­zeit ein Hir­ten­brief aus Chur, er rich­tete sich an die ka­tho­li­schen Kirch­ge­mein­den im Ver­ant­wor­tungs­be­​reich des Bi­schofs Mon­si­gnore Vitus Huon­der. Er ist auch für die Stadt Zürich zuständig. Mon­si­gnore Huon­der er­in­nerte die Gläubigen an die Be­deu­tung des Sa­kra­men­tes der Ehe. Eine sol­che dau­e­re, so sagt die Bi­bel, bis dass der Tod die Ehe­leute schei­det. Nicht vor­ge­se­hen ist, je­den­falls wenn die Ehe im ka­tho­li­schen Ritus ge­schlos­sen und von den Vermählten kor­rekt voll­zo­gen wur­de, die Ehe durch Men­schen zu be­en­den. Wie Bi­schof Vitus selbst fest­stellt, wur­den 2009 47% der Ehen ge­schie­den, heute mehr. Nun müssten die Ge­schie­de­nen, um nicht in Sünde zu le­ben, al­lein blei­ben. Es geht für die ka­tho­li­sche Kir­che nicht, so Bi­schof Vi­tus, einem nach Schei­dung wiedervermählten Gläubigen die Sa­kra­men­te, etwa das Abend­mahl, zu gewähren. Oh­ne­hin könnte sich ein Ge­schie­de­ner nicht in einer ka­tho­li­schen Kir­che wiedervermählen. Au­gus­ti­nus lebte im 1. Jahr­hun­dert nach Chris­tus. Ihm schwebte eine „civitas Dei“, ein Got­tes­staat vor. Von ihm stammt die­ser Be­griff, nicht von den Is­la­mis­ten. Ich bin weit davon ent­fernt, mich über den Ka­tho­li­zis­mus lus­tig zu ma­chen. Wenn schon Ka­tho­lisch, dann ist nichts da­ge­gen ein­zu­wen­den, den Glau­ben kon­se­quent zu le­ben. Ich bin aber be­son­ders froh darüber, dass sich das hehre Ideal von Augustinus‘ Got­tes­staat bei uns nicht als Staats­form fes­ti­gen konn­te. Im Va­ti­kan wurde es um­ge­setzt und Papst Be­ne­dikt XVI ist be­ken­nen­der Au­gus­tia­ner. Die christ­li­chen Grund­werte führen wir im Mun­de, wenn wir uns gegen den Islam ab­gren­zen. Ex­tre­mis­ten gibt es überall.


Kommentare von Lesern zum Artikel

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67%
(3 Stimmen)
Heinz Mahler sagte August 2012

Ich sehe als massivste Beleidigung an wenn von Christlichen Grundwerten gesprochen und wie selbstverständlich suggeriert wird das Menschlichkeit und Vernunft auf "Christliche Grundwerte" basiere.

So etwas unverständliches und widersprüchliches hört man eigentlich nur von Menschen welche mühe haben seinen Mitmenschen Empathie empfinden können. Scheint aber bei der SVP ein weit verbreites Problem zu sein.

Aber ich sehe es schon auch so das Religion und auch politische Dogmen ein grosses gesellschaftliches Problem ist. Islam,Christen, Juten-tum usw. unterscheiden sich nicht wesentlich.



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67%
(6 Stimmen)
sagte August 2012

Man darf die katholische Kirche nicht mit dem Christentum verwechseln. Wussten Sie übrigens, dass das Bistum Chur, wo besagter Huonder amtet, im Jahr 936 von Sarazenen überfallen und geplündert worden ist? Das geschah im Rahmen der islamischen Expansion.

Ich betrachte Religionen als frühe Instrumente politischer Machthaber um politische Macht zu legitimieren. Herrschende Klassen legitimierten ihre Macht über die Massen mit göttlicher Auserwählung, göttlicher Abstammung, damit dass sie Propheten oder Sprachrohre Gottes waren oder mit göttlicher Gnade oder gar damit selber eine Gottheit zu sein. Die Pharaonen z.B. oder die frühen römischen Kaiser waren Staatsgötter. Christliche Kaiser legitimierten ihre Herrschaft und Standesgesellschaften​ mit göttlicher Gnade. Wer unten war, war eben ein armer Sünder, wer oben war genoss die Gnade und Liebe Gottes. Auch in Indien wurde das Kastensystem, welches der Standesgesellschaft ähnelt, religiös legitimiert. Frühe Staaten hatten einen Staatsgott, der das Herrschaftssystem legitimieren und die Moral der Bevölkerung gewährleisten sollte. Die Herrscher sagten was Gesetz ist, behaupteten es sei göttliches Gesetz und drohtem jedem, der dagegen verstiess mit der Hölle oder anderen schlimmen Strafen göttlicher Natur. Bei einfachen Bauerngesellschaften funktionierte das hervorragend. Gebildet waren die herrschenden Klassen und der Klerus. Das einfache Volk hatte daran zu glauben oder zu sterben. Erst die Reformation schuf ein bisschen Abhilfe als Leute wie Luther und Zwingli begannen die Bibel in die Muttersprache der Menschen zu übersetzen, denen sie gepredigt wurde. So begannen die Leute endlich einmal zu verstehen was in der Bibel stand und mussten nicht mehr einfach alles glauben was ihnen die Priester erzählten. Dann kamen die Aufklärungs-Philosoph​en, welche Gesellschafts- und Herrschaftsmodelle hinterfragten, es gab die französische Revolution, die einen Herrscher von Gottes Gnaden hinwegfegte und es kam die Aufklärung. Im 19. Jahrhundert wurden in der Schweiz Klöster geschlossen und es gab eine liberale Bewegung im Land, der wir letztlich die Gründung unseres Bundesstaats zu verdanken haben. Die religiös-konservative​n katholischen Kräfte kämpften im Sonderbundskrieg von 1847 noch für den alten Staatenbund.

Doch auch heute noch meinen religiöse Führer, sie müssten der Gesellschaft sagen wo es langgeht. So meint halt ein zölibatärer katholischer Priester er müsse verheirateten Ehepaaren die Leviten lesen sofern diese sich scheiden lassen möchten usw. usf.

Ich finde, dass hierzulande jeder selbst schuld ist, wenn er sich freiwillig religiösen Geboten unterwirft. In anderen Ländern haben die Leute jedoch oft keine freie Religionswahl und müssen glauben, wenn sie leben wollen.


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69%
(16 Stimmen)
Stefan Pfister sagte April 2012

Monsignore Huonder ist nicht die Schweiz und nicht das Christentum. Er ist eine Einzelfigur, deren Meinung von manchen geteilt wird, von (hoffentlich vielen) andern nicht.

Einzelne Hassprediger sind auch nicht der Islam, sondern vertreten Meinungen, die von manchen geteilt werden, von anderen nicht.

Frage an den Blogautor: stimmen Sie mir da zu?


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50%
(10 Stimmen)
Karl Müller sagte April 2012

Die Religionsgemeinschaft​en sind so etwas wie Vereine. Die Vereinsfreiheit garantiert, dass die Vereine ihre internen Verhältnisse frei gestalten können, solange diese nicht im Widerspruch zu staatlichen Regelungen stehen. Ein Verein kann beschliessen, dass gewisse Vergünstigungen von einem bestimmten Verhalten der Mitglieder abhängen. Wer mit den Vereinsstatuten nicht einverstanden ist, hat drei Möglichkeiten: sich mit Gleichgesinnten zusammen tun und eine Aenderung der Statuten erwirken, einem andern Verein beitreten oder selber einen neuen Verein gründen.
Diese Möglichkeiten stehen auch den Katholiken offen. Es gibt also keinen Grund zur Klage.


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