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Delfin-Infarkt im Nationalrat

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Sommersession und Ab­stim­mungs­sonn­ta​g sind passé. Wich­tige The­men wie die Ab­gel­tungs­steuer mit Deutsch­land, die Re­vi­sion des Asyl­ge­set­zes, flan­kie­rende Mass­nah­men zur Personenfreizügigkeit​ und die Ent­wick­lungs­zu­sam​­men­ar­beit der nächsten vier Jahre stan­den im Na­tio­nal­rat auf der Trak­tan­den­lis­te. Hef­tig wurde über Ve­lo­helmpf­licht der Kin­der und „Für eine starke Post“ gestritten.

Doch kein Thema hat ein so enormes Echo erzielt wie die Gesetzesrevision des Tierschutzgesetzes, bei der es eigentlich um einige kleinere Anpassungen gegangen wäre. Meine Mailbox füllte sich mit Schreiben der Tierschutzverbände, der zoologischen Gärten, der Lobbyisten Pro und Contra. Was war der Grund? Mit einem Antrag der GLP-Vertreterin wurde ein Delfin- und Robbenverbot beantragt. Dieses mutierte schlussendlich auf Antrag von Ständerätin Bruderer zu einem Delfinimportverbot. So haben wir Stunden über Delfine gestritten, von denen es genau drei Exemplare bei uns gibt.

Auch der Elefant liebt es durch die Savanne zu wandern. Wird er der nächste sein? Zoologische Gärten fürchten weitere Verbote. Das Übereinkommen über die Biodiversität verpflichtet „Programme der wissenschaftlichen und praktischen Bildung und Ausbildung einzurichten für die Erkennung, Erhaltung und nachhaltige Nutzung der biologischen Vielfalt“. (Artikel 12 verpflichtet die Vertragsstaaten „to (a) Establish and maintain programmes for scientific and technical education and training in measures for the identification, conservation and sustainable use of biological diversity and its components and provide support for such education and training for the specific needs of developing countries”).

Diese Verpflichtung kann aber nur erfüllt werden, wenn man den Zoos die Haltung der populären Grosstiere, die als Botschafter für ihre Arten und Lebensräume wirken, nicht sukzessive verbietet.

Es ist daher unverhältnismässig und zeugt von wenig Rechtsverständnis, dass aufgrund tatsächlicher oder vermuteter Missstände im Connyland generelle Verbote ausgesprochen werden. Umso weniger, als die Untersuchungen, die zum Tod von zwei Delfinen führten, noch nicht abgeschlossen sind. Im April konnten wir von einem grossen Delfinsterben im Golf von Mexico lesen. Kurz darauf wurde über ein riesiges Delfinsterben im Pazifik vor den Küsten Perus berichtet. Und auch im Schwarzen Meer kam es zu einem bedauerlichen Delfinsterben. Wer kennt die Ursachen?

Die im Tierschutzgesetz verankerte Bewilligungspflicht für das gewerbsmässige und private Halten von Wildtieren ist das adäquate Mittel, um Tierhaltungsproblemen​ zu begegnen. Schlussendlich handelt es sich um ein Tierschutz- und nicht um ein Tierverbotsgesetz. Wieder einmal hat Willkür und Populismus gesiegt. Schade!


Kommentare von Lesern zum Artikel

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94%
(18 Stimmen)
Georg Stamm sagte June 2012

Als promovierter Zoologe muss ich den Beitrag von Frau Riklin kommentieren. Es ist irrwitzig, wenn der NR mit 200 Mitgliedern stundenlang über das Halten von wenigen Delfinen debattiert (aktuell gebe es nur noch 3 im Connyland). Die Haltung anderer Grosssäuger wie die erwähnten Elefanten, Giraffen, Löwen usw., die es viel häufiger in Tierparks gibt, scheint niemanden im NR zu kümmern. Ebenso ist die Haltung von Kaninchen (davon gibt es tausende) selbst nach neuerem Tierschutzgesetz weit entfernt von einem artgerechten Status. Nun hat also der NR auf Antrag der roten StR Bruderer ein Importverbot von Delfinen beschlossen. Dies, obwohl die Todesursache der Connyland-Delfine unbekannt ist. Man muss das als populistischen, ideologisch-sturen Beschluss bezeichnen. Dabei ging vergessen, dass Tierparktiere eine erzieherische Funktion gerade für Kinder haben. Diese lernen Tiere wie eben auch Delfine auf diese Weise bewundern und schätzen. Solche Kinder haben später vielleicht ein offeneres Ohr für Tierschutzanliegen und -organisationen. Das gilt durchaus auch für Erwachsene.

Der NR-Entscheid betr. Delfinimportverbot muss deshalb als unausgegoren und nicht wirklich im Interesse der Delfine bezeichnet werden.


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91%
(11 Stimmen)
Roger Seglias sagte June 2012

Sehr geehrte Frau Ricklin

Ich kann Ihnen nur Beipflichten. Solange in den Weltmeeren Delphinpopulationne solchen Massensterben ausgeliefert sind, kann man nicht mit gutem Gewissen behaupten, die Tiere könnten da wirklich Artgerecht leben. Ein Importverbot auszusprechen, scheint mir zwar eine zum Schutz der Tiere gut gemeinte tat der Verantwortlichen zu sein - aber eben: scheint. Ob sie es wirklich ist, ist eine ganz andere Frage.
Von grossen Walarten weiss man, dass sie zwischen pazifischen Gewässern rund um Hawaii und den Nordpolargewässern hin-und her 'pendeln'.
Was Delphine betrifft, bin ich da zuwenig über die tatsächlichen Verhältnisse informiert, nehme aber auch da an, dass die Tiere mitunter grosse Strecken zurücklegen. Andrerseits ist aber von Buchten bekannt, dass Delphin - und zwar immer die selben Gruppen, sich da regelmässig aufhalten. Desshalb gehe ich davon aus, dass das zurücklegen grosser Entfernungen bei Delphinen zwar genauso auftreten kann wie bei andern Walarten, dass es aber nicht zu den artenspezifischen Merkmalen dieser Tiere gehört.
Aus diesem Grund kann bei Delphinen, die in grosszügigen Aquqrien gehalten werden, wohl kaum von nichtartgerechtem Haltung gesprochen werden.

Das Importverbot suggeriert letztendlich, dass das Züchten mit hier bereits vorhandenen Tieren erlaubt ist - eine sehr gefährliche Sache, da eine Zuczht niemals auf gerade mal drei Tieren gründen darf. Für soclhe Vorhaben ist es unerlässlich, mit andern, ausländischen, Delphinariwen Tiere austauschen zu können, um Inzuchten zu vermeiden. Aber gerade das wird unterbunden - und damit eine der wichtigsten Möglichkeiten zu artgerechter Haltung.


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50%
(16 Stimmen)
Heinz Mahler sagte June 2012

Wenigstens hatten die Politiker mit dem Delphin Verbot etwas zu tun und konnten damit ihre Kosten und Spesen rechtfertigen.


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56%
(9 Stimmen)
Werner Nabulon sagte June 2012

Sehr geehrte Frau Kathy Riklin,
Wie recht sie haben mit ihrer formulierung.Und auch Herr Werner Widmer hat recht mit seinen Ansichten.
Mich persönlich macht werder ein Zoo, noch ein Zirkus mit Tiernummern, noch ein Delphinarium besonders glücklich, wenn ich das ansehe. Ja, als Eltern geht man lebendige Wild-Tiere ansehen, die Kinder freuts, und selber steht man, egal wie viel Mühe sich ein Zoo auch macht, etwas befremdet vor den Gehegen.
Hingegen kommt mehr Freude auf, wenn man an der Nordsee zuschauen darf, wie Heuler aufgezogen und später in die Wildnis entlassen werden.
Gleiches in einer Vogelschutzwarte, ...
Möglicherweise kommen die Menschen so langsam aber sicher zur Überzeugung, dass Wildtiere (so lange sie keine medizinische Hilfe und Pflege brauchen) effektiv in der Wildnis oder riesigen Naturschutzparks am besten aufgehoben sind.
Die frühere Idee der Zoo's war ja nebst Jagdfieber Trophäen und Pelzmäntel und Voodoo Potenzsteigerung mitverantwortlich, dass man Wildtiere überhaupt gejagt hatte.



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93%
(14 Stimmen)
Werner Widmer sagte June 2012

Richtig Frau Rickli, tausend von Tierarten sind bereits ausgestorben oder stehen vor dem Aussterben. Zoos sind die wohl einzige Möglichkeit solche Tierarten auch für unsere Nachkommen zu erhalten und vor dem totalen Verschwinden zu retten.


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