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Die Griechenland-Krise: Das Warum und das Wohin

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Griechenland droht den gan­zen EU-Raum mit sich in den Schul­den­ab­grund zu reis­sen. Un­ter­des­sen hal­ten An­gela Mer­kel und ihr Kol­lege Sar­kozy jede Woche eine Kri­sen­sit­zung und bin­den neue Spar­pa­kete an Rettungsschirmchen, die schlus­send­lich nur den ei­ge­nen Privatbanken zugutekommen. Doch dass dies den Teu­fels­kreis nicht durch­bre­chen wird, ist mitt­ler­weile allen klar.

 

Der Anfang vom Ende

Während den ersten Jahren der EU florierte die Wirtschaft in allen Ländern. Die Produktivität stieg und allerorts wurden die Steuern auf die hohen Einkommen und Unternehmen gesenkt. (von 21% auf heute 8.7%) Dies ging solange gut bis 2007 die Finanzkrise über die Volkswirtschaften hereinbrach. Erst dann wurde ersichtlich: Deutschland führte über Jahre hinweg eine rigorose Tieflohnpolitik. Die unteren und mittleren Einkommen gingen real zurück (!!), obwohl die Produktivität zur gleichen Zeit 10% stieg. Die restlichen EU Staaten passten die Löhne dem Wachstum an, konnten aber genau deshalb nicht mehr mit Deutschland mithalten. Ihre Währung entwerten konnten sie aber auch nicht. Und eine politische Union, die solche Missstände entschärfen könnte, gibt es nicht.

 

Im Abwärtsstrudel

Die Welt rettete ihre Privatbanken mit hunderten von Milliarden von Franken und die Staaten versanken in Schulden. Griechenland steckte im Schlamassel. Sparen war angesagt: Löhne und Renten wurden bis heute schon fast halbiert, es gab Massenentlassungen und ein Verscherbeln der  Infrastrukturen (z.B. Strom und Wasser). Doch dies löste Panik aus! Die Leute kauften nichts mehr und ohne Konsum stürzten auch viele andere Wirtschaftszweige mit in den Abgrund.

Klar. Griechenland hatte es versäumt die Steuern bei seinen Bürgern und Unternehmen einzutreiben. Das verschlimmerte die Krise enorm. Doch dass allein Griechenland schuld sei und „auf zu grossem Fuss lebte“, stimmt nur bedingt. Der Staatsapparat beschäftigt in der Tat fast 25% aller GriechInnen. Das ist vergleichsweise viel. Vergleicht man aber die gesamten Staatsausgaben (Staatsquote) mit anderen Ländern, so liegt Griechenland im Mittelfeld. Ja sogar hinter Skandinavien, Deutschland oder Frankreich. Dies kann kaum die Hauptursache für den Schuldenberg sein.

Wenn nun Merkel und Sarkozy die nächsten Tranchen des Rettungsschirms nach Griechenland schicken, landet dieses direkt bei den privaten Banken im eigenen Land. Bei diesen hat Griechenland nämlich seine Schulden, die es mit horrenden Zinsen abbezahlt. Das heisst nichts anderes, als dass deutsche Steuerzahler schon wieder ihre Privatbanken freikaufen, während sich diese weiterhin Boni in Millionenhöhe auszahlen. Dies ist eine systematische Verteilung von unten nach oben, was sich auch in Zahlen niederschlägt: Noch nie gab es so viele Millionäre in Europa wie heute! Gleichzeitig sinken die unteren Löhne rasant. Die europäischen Länder haben 10 Billionen Schulden – allein die reichsten 10% der EU-Bewohner besitzen 7.5 Billionen. Natürlich ist es verkürzt zu behaupten, dies sei die Wurzel aller Probleme. Doch es sind zweifelsohne die zwei Seiten der Medaille.

 

Wie weiter?

Was die Südstaaten von Europa jetzt brauchen ist ein Marshall-Plan. Investitionen in die Infrastruktur können Jobs schaffen und gleichzeitig Land und Leuten etwas Gutes tun. Nur wenn die Bevölkerung Geld hat, kann sie damit die Wirtschaft wieder ankurbeln.

Auch brauchen wir öffentlich-rechtliche​ Ratingagenturen und Banken. Es kann nicht sein, dass private Banken über das Schicksal ganzer Länder richten und diesen dann Kredite, die sie sehr günstig bekommen (1.5%), zu unbezahlbaren Zinsen (18%) weiterverleihen. Zusätzlich braucht es endlich eine Finanztransaktionsste​uer um die Spekulationen in den Griff zu bekommen.
Aber vor allem müssen wir die Reichen & Supperreichen, sowie die Unternehmen endlich wieder zur Kasse beten. Sie sind zu einem grossen Teil mitverantwortlich für diese Krise. Es wäre ein Verbrechen sondergleichen, wenn wir das reichste 1% erneut auf Kosten aller anderen abkassieren liessen.


Kommentare von Lesern zum Artikel

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0%
(1 Stimme)
Hans P. Grimm sagte März 2012

anz wichtige Einkäufe!

Während private Gläubiger Griechenland die Schulden erlassen und das Volk den Gürtel immer enger schnallt, zeigt sich Athen wenig sparsam: Die Regierung hat 2010 Kriegsmaterial über eine Milliarde Euro gekauft.




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0%
(2 Stimmen)
Stefan Kirchgraber sagte Februar 2012

Danke für Ihr Engagement - bitte auch zu meinem Wohle.

http://www.​vimentis.ch/dialog/re​adarticle/politische-​fehlentscheide---waru​m-passieren-sie/



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67%
(3 Stimmen)
Hans P. Grimm sagte Februar 2012

Die Griechen müssten nur die Alters- und IV-Renten an gestorbene stoppen, schon würde pro Jahr in etwa 2 Milliarden gespart!

Aber für die Griechen sind diese Renten ihrer gestorbenen Eltern ein Anrecht, wie sie meinen.

Andere Kultur, andere Ansichten!


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50%
(2 Stimmen)
Stefan Kirchgraber sagte Februar 2012

Jetzt sollte die Juso bzw. die SP nur noch möglichst vor den Wahlen gegen einen asozialen EU-Beitritt mobil machen, dann sollte sich Ähnliches in der Schweiz doch verhindern lassen. Mein Ziel ist möglichst rasch eine rot-grüne Mehrheit, national wie kantonal.

http://w​ww.welt.de/debatte/ar​ticle13841150/Europa-​laeuft-Gefahr-die-Dem​okratie-zu-verspielen​.html



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80%
(5 Stimmen)
Jeannette Wulkow- Nyffeler sagte Dezember 2011

Sehr geehrter Herr Angelo Zehr
Dafür bekommt Griechenland
400 M1A1-Abrams-Panzer von den USA. Bezahlt werden sie letztlich mit Steuergeldern aus den EU-Staaten.

Neben den Panzern hat Griechenland auch wegen 20 amphibischen Truppentransportern angefragt. Der Bedarf an diesen Fahrzeugen wird auf 75 bis 100 geschätzt.

Im vergangenen Jahr hat Deutschland 223 von der Bundeswehr ausgesonderte Panzerhaubitzen geliefert. Griechenland - also letztlich der EU-Steuerzahler - hat dafür zehn Millionen Euro gezahlt.

Vor einigen Wochen hat das griechische Parlament auch einem Vertrag zum Kauf von Munition für die aus Deutschland gelieferten Leopard-2A6-HEL-Panze​r zugestimmt. Es geht dabei um 12.000 Granaten.

Zahlen kann Griechenland natürlich nicht!
Wieviel Geld sendet die Schweiz dafür?????


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71%
(7 Stimmen)
Hans P. Grimm sagte November 2011

Wenn man die Korruption in den Südstaaten insbesondere in Griechenland kennt erstaunt es nicht, dass mit Einführung des Euros alle am Troge standen und sich mit Geld versorgten. Es gab Euros fast gratis, in der Drachmenzeit waren die Zinsen auf Geld gross mit Einführung des Euros klein.

Zum Dank für Gegenleistungen, oder Verwandte, bekamen viele Griechen Staatstellen ohne Arbeit, sie sitzen, wie viele erzählen, ihre Stunden ab und Kassieren ein gutes Gehalt dafür.

Dann zahlen die meisten Selbstständigen bis jetzt keine Einkommenssteuern, alle lassen sich ab 52 pensionieren, kassieren Pensionen und IV für ihre toten Verwandten (im Jahr ca. für fast 10 Milliarden Euro!).

Nun soll der Slowake-Pensionär der eine Rente von 500 Euro bekommt seinem griechischen Pensionär der 1500 Euro bekommt die Pension finanzieren.

Der Deutsche der mit 67 in Rente gehen darf, darf die Griechen finanzieren
der ab 52 in Rente geht, zum Dank dafür Demonstrieren und Streiken die Griechen!

Will Griechenland überleben, mit Euro der Drachmen, müssen sie sich in den Arsch kneifen, die Ärmel hinterlitzen und anpacken, auch sollten alle ehrlich Steuern bezahlen und Renten für Tote sind zu streichen! Anders geht es nicht.

Aber ehrlich gesagt sehe ich da Schwarz


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80%
(10 Stimmen)
Christoph Reuss sagte Oktober 2011

Zitat AZ: "Was die Südstaaten von Europa jetzt brauchen ist ein Marshall-Plan. Investitionen in die Infrastruktur können Jobs schaffen und gleichzeitig Land und Leuten etwas Gutes tun."

Das bräuchte knallharte Austeritätsmassnahmen​ à la IWF, damit das Geld nicht einfach versickert. Ich finde es doch seltsam, dass ausgerechnet ein JUSO-Kandidat mit dem (ultra-neoliberalen und -kapitalistischen) IWF übereinstimmt...

W​as es wirklich zuerstmal bräuchte: Den Euro-Ausstieg Griechenlands (das die Euro-Kriterien von Anfang an nicht erfüllte!), um die Währung der Wirtschaftsstärke anzupassen. Aber das kann eine EU-Turbo-Partei ja nicht zugeben. Stattdessen will sie die Schweiz in denselben Topf werfen!



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67%
(3 Stimmen)
Pavel K sagte Oktober 2011

Weiss eigentlich jemand, was mit dem griechischen Erdöl und Erdgas aus den Siebzigern passiert ist, siehe DER SPIEGEL 12/1974 - "Flamme aus dem Wasser"?

Zitat: Bohrungen und Tests hätten den Nachweis für "bedeutende Vorkommen von Erdöl guter Qualität und großer Mengen von Naturgas" in Griechenland erbracht.

Es kann nicht beides stimmen, die `Griechische Krise´ und `Griechenlands Inseln schwimmen auf Öl.´


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80%
(5 Stimmen)
Hans Meier sagte Oktober 2011

Hauptursache ist die mangelnde Wettbewerbsfähigkeit der südlichen Länder gekoppelt mit eine starren Arbeitsmarkt. In Griechenland ist das ganze zudem mit einer grassierenden Korruption gekoppelt. In Italien zahlt ebenfalls niemand Steuern.
Ich sehe da nur eine Lösung:
- Bekämpfung der Steuerhinterziehung
​-Bekämpfung Korruption / Mafia
- Arbeitsmarktreformen

- Lohnverzicht
- Schuldenschnitt (das heisst unsere Banken, Versicherungen, PK, AHV etc… verlieren das Geld)



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