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Die Schweizer Luftwaffe - ein Witz?

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Nutzlose Kampfjets statt Bildung?

Nutzlose Kampfjets statt Forschung?

Nutzlose Kampfjets statt Landwirtschaft?

So blöd kann doch selbst die Schweiz nicht sein.

 

Die Zwängerei, die Schweizer Luftwaffe müsse mit neuen Kampfjets aufgerüstet werden, weil die Tiger-Flugzeuge veraltet seien, ist immer noch im Gang. Letzteres ist zwar zutreffend aber keine Begründung, dass wir neue Flieger haben müssen. Vor den Nationalratswahlen wollte natürlich kein Politiker gegen Kampfjets sein, um nichtals armeefeindlich zu gelten. Jetzt, nach den Wahlen, beginnen doch wenigstens einzelne die Sache zu hinterfragen. Ob der (einmototorige!!) Gripen wirklich das gelbe vom Ei sei, wagen erste zu zweifeln. Schon die Motorisierung beantwortet das eigentlich von selbst: bei einem Triebwerksausfall steckt die Kiste unweigerlich im Gelände und zwar mit Totalschaden. Kein Wunder, war es die günstigste Variante. Mit so einem Ding kann man die Patrouille Suisse ausrüsten aber keinen ernstgemeinten Luftraumüberwachungs-​Einsatz durchführen, bei welchem es eng werden könnte. Soviel zum Gripen aber warum braucht unsere heutige Luftwaffe überhaupt mehr Flieger?

Geht man dem Einsatzdispositiv der Schweizer Luftwaffe auf den Grund, liest man zum Beispiel folgendes:

Auszug aus einem Faktenblatt der Schweizer Armee - Luftwaffe

"In der Schweiz wird heute der Luftraum permanent (24h/7Tage) passiv überwacht. Dies ist dank FLORAKO und dem Einsatz von Identification Operators (IDO) seit 2005 möglich und der Fall. Allerdings stehen ausserhalb der Bürozeiten keine interventionsmittel zur Verfügung = permanente Luftraumüberwachung ohne Interventionsmittel (PLÜ OHNE). Ein entscheidender Sicherheitsgewinn wäre aber erst dann gegeben, wenn rund um die Uhr auch Interventionsmittel zur Verfügung stehen würden = permanente Luftraumüberwachung mit Interventionsmittel (PLÜ MIT). Dies hätte allerdings einen Mehrbedarf an Personal und Material zur Folge. Da das Primat der Politik gilt, haben allfällige Veränderungen in dieser Hinsicht die politischen Instanzen zu entscheiden."

Völli​g schamlos und emotionslos wird hier von oberster Instanz der Schweizer Luftwaffe erklärt, dass wir "ausserhalb" der Bürozeiten keine Interventionsmittel hätten,um eine Luftraumverletzung zu verhindern. Da sitzt also der Luftraumüberwacher Freitag um 22.00 Uhr mit seiner Red Bull Dose in Genf am FLORAKO (Primärradar), sieht ein suspektes Echo auf dem Schirm und kann nichts weiter tun, als den Vorfall zu protokollieren.

In Sion, Payerne und Emmen gibt es Pikettdienste der Schweizer Luftwaffe. Dabei ist es nicht so, dass dort jemand im Druckanzug auf der Pritsche liegt, nein der Herr Pilot kommt von zu Hause, das Bodenpersonal auch und so dauert die Reaktionszeit für einen Einsatz mindestens eine Stunde! Wer immer für eine Luftraumverletzung gut ist, der ist wahrscheinlich schon gelandet, wenn unsere F/A 18 den Take-off beginnen.

Die Schweiz verfügt über 34 Stück dieser F/A 18. Die machen an Flugshows natürlich einen unwahrscheinlichen Eindruck und wenn der Papi zum Hansli sagen kann "Schau, solche modernen Flugzeuge haben wir in der Schweiz!" dann imponiert das vielleicht dem Hansli, aber sicher nicht den Steuerzahler. Der müsste bessere Gründe genannt bekommen, um eine Erweiterung der Flotte zu genehmigen.

Wussten Sie, dass von den 33 F/A 18 genau deren acht operativ einsatzfähig sind? Weil es an Piloten mangelt, die das komplexe Spielzeug zu operieren in der Lage sind! Kaufen wir den Gripen haben wir für 53 statt 34 Kampfflugzeugen keine Piloten. (Anm. Diese Informationen habe ich von einem Aviatikexperten, der sich sowohl in der Flugsicherung als auch bei der Luftwaffe auskennt und nicht aus der Weltwoche.)

Aus dem Faktenblatt geht weiter hervor:

"1.1. Machbarkeit einer permanenten Luftraumüberwachung

Ein entscheidender Sicherheitsgewinn für die Schweiz wäre aber erst dann gegeben, wenn rund um die Uhr auch Interventionsmittel zur Verfügung stünden (PLÜ MIT). Dies hätte einen Mehrbedarf an Personal und Material zur Folge.

Abklärungen zur Machbarkeit einer permanenten Luftraumüberwachung mit Interventionsmitteln (PLÜ MIT) haben folgendes gezeigt (basierend auf Erfahrungen mit passiver PLÜ):

Zu Rand- und Nachtzeiten sowie an Wochenenden (also während ausserhalb der Flugbetriebszeiten der Luftwaffe) wäre monatlich mit ca. drei Interventionen zu rechnen Hauptanlässe für Interventionen: Unerklärte und unerklärliche Abweichungen vom Flugplan (Flugweg) und Lost-Comm (Nicht-Beantworten von Funksprüchen oder Unerreichbarkeit von Flugzeugen)."


1.2. Kosten
Um das Projekt PLÜ MIT umsetzen zu können, müssten rund 75 neue Stellen (davon 11 mit Piloten Know-how) im Bereich V und jährlich rund 15 Mio Franken gesprochen werden. Diesen Zahlen basieren auf folgender Berechnungsgrundlage (aus dem Jahr 2007):

PLÜ MIT ab Ende Flugdienst Vortag bis Beginn Flugdienst am Folgetag bzw. an Wochenenden bis Beginn Flugdienst Montagmorgen;
- zwei F/A-18 in Alarmbereitschaft mit Minimalbewaffnung (Kanone und Flares);
- 30 Minuten Reaktionszeit;
- ziviler Ausweichflugplatz (Genf);
- Sequenzielle Bereitstellung;
- Keine Permanenz im Bereich Kabelfanganlage-Piket​t und Schneeräumung.
- Im Falle eines Ausführungsentscheide​s ist mit einer Implementierungszeit von ca. drei Jahren zu rechnen."

Du grüne Neune! Was für eine Erkenntnis!

In der Zusammenfassung heisst das eigentlich nichts anderes, dass die Luftwaffe erst was taugt, wenn sie auch eingesetzt werden kann. Auf diesen weisen Schluss wäre ich nie gekommen.

Ausser dem Argument, dass wir mit unserer Luftwaffe den Luftraumschutz während des WEF durchführen habe ich noch nie ein weiteres Argument gehört, warum unsere Armee Jets braucht. Im zweiten Weltkrieg war das noch anders, da wäre es vielleicht noch denkbar gewesen, dass wir irgend einen Teutonen auf Kollisionskurs mit uns abgeschossen hätten. Aber die Zeiten haben geändert, liebe Politiker! Es kommen heute keine Agressoren mehr aus fremden Lufträumen. Und falls doch, und wir sowieso nichts machen können, dann brauchen wir erst recht keine neuen Jets!

Zu den Kosten:

Rund 750 Mio müssten die einzelnen Departemente einsparen, wobei sowohl intern gespart werden müsste als auch bei der Vergabe von Leistungen. Ersteres bedeutet doch wohl ganz klar Stellenabbau in der Bundesverwaltung. Genau das brauchen wir jetzt noch in einem wirtschaftlich schwierigeren Umfeld. Denn es kann nicht die Umstellung auf Migros-Budget Kaffee sein, der die Departemente finanziell entlastet. Das geht nur mit Streichung von Stellen.

Dann noch Sparen bei der Bildung? bei der Forschung? Unserem Kapital von morgen für eine Wirtschaftsleistung welche in Zukunft vermehrt ohne Gewinne aus Beihilfe zu Steuerbetrug auskommen muss? Sparen bei der Landwirtschaft? Wenn wir das ganze Bio-Theater abschaffen können wir sicher Millionen sparen aber ich zweifle, dass das erstens ausreichend ist und zweitens undbedingt sein muss, nur damit ein paar fluggeile Offiziere ihren Kick bei 5 G und auf Flight Level 400 kriegen können. Die sollen in einen Simulator sitzen, wenn sie das wollen.

Schlussforde​rung:

Kein Verlust von Arbeitsplätzen, nur weil wir unbedingt neue Jets haben möchten

Keine Einbussen bei Bildung wegen der Anschaffung neuer Jets

Keine langsamere Forschung, weil die Mittel wegen Kampfjets fehlen.

Jetzt sind die verantwortungsvollen Parlamentarier gefragt um diesen intergallaktischen Unsinn zu stoppen. Aber subito, bitte!

 

Was man der Schweizer Luftwaffe aber durchaus attestieren muss ist, dass sie bei einem anderen Tätigkeitsgebiet, für welche sie auch zuständig ist, einen sehr guten Job macht. Bei SAR (Search and Rescue - Suchen und Bergen) nämlich. Dort leistet sie seit Jahren einen hervorragenden Job. Aber eben: dazu braucht man Super Pumas und andere Helis und Transportflugzeuge, aber sicher keine Kampfjets.

 


Kommentare von Lesern zum Artikel

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43%
(7 Stimmen)
Werner Nabulon sagte February 2012

Danke Herr Chris Steinegger,
Dass Sie sich die Mühe gemacht haben, aus einer Anderen Perspektive das Thema Luft Waffe Schweiz zu beleuchten.
Was wir schlussendlich tun sollen, Fragen über Fragen.
Eines ist aber klar, gilt für alle Bereiche der Armee, ja eigentlich für alles auch Bildung, überhaupt was wir im Leben so machen.

Wer zu etwas JA sagt, der soll das auch ganzheitlich durchziehen. Wer ja zu einer Armee sagt, muss sich im Klaren sein dass es etwas kostet und zwar viel kostet.
Wie bei einem Autokauf, sorry leasing, nach dem Kauf folgt der Unterhalt, der Service, eben auch die Ausbildung des Fahrers.




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55%
(11 Stimmen)
Hans P. Grimm sagte February 2012

Ich bin auch gegen nutzlose Kampfjet.

Darum muss der Bundesrat nutzvolle Flieger kaufen!

Ob diese jetzt oder besser in ca 5..8 Jahren zu kaufen sind, darüber lässt sich diskutieren! Ich psrsönlich denke, dass wir noch einige Jahre zuwarten könnten!


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57%
(23 Stimmen)
Peter Meyer-Wartmann sagte February 2012

Tatsache, die Zeilenumbrüche sind störend. Zudem, die Umfrage wird über eine Suggestivfrage geführt, weshalb die Antworten kaum ernst zu nehmen sind. Bereits die Fragestellung impliziert, dass

a) die Kampfjets bis jetzt nutzlos waren und
b) weitere Kampfjets sowieso nutzlos sind

Ich komme vielleicht wieder, wenn die Absicht, die dahinter steckt etwas besser verpackt ist. Und tschüsssss


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50%
(26 Stimmen)
Hammond Winton sagte February 2012

Der Text ist mit derart vielen fehlgesetzten Zeilenumbrüchen kaum lesbar, weshalb ich ihn nur schnell überflogen hab.

Seit wann zählt ein Schrotthaufen (der höchstwahrscheinlich bereits recycelt wurde) auch zu den aktuell einsetzbaren Schweizer Kampfflugzeugen?
Pre​ssemitteilung vom 7. April 1998 www.admin.ch/cp/d/199​8Apr8.174659.9197@idz​.bfi.admin.ch.html
O​der haben Sie breits wieder einen F/A-18 für die Schweiz gesponsert?

Und wenn Kampfflugzeuge mit einem Triebwerk immer noch gefährlich wären, dann wären beispielsweise vom wohl kaum mehr als 4'457 einmotorige F-16 Fighting Falcons produziert worden. Und auch der F-35 Lightning II sowie Gripen NG wären ansonsten mit zwei Triebwerken ausgestattet worden...


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