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Die Zukunft des Arztberufes als freier Beruf

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Das Jahr 2010 löste eine leb­hafte De­batte über die freien Be­ru­fen aus. Nicht nur weil der Schwei­ze­ri­sche Ver­band freier Be­rufe (SVFB) – ihm gehören 15 Stan­des­or­ga­ni­sa­​tio­nen mit rund 85'000 Mit­glie­dern an – sein 20jähriges Jubiläum ge­fei­ert hat, son­dern weil auch die Volks­i­ni­tia­tive «Ja zur Hausarztmedizin» mehr Staate und eine verstärkte Re­gu­lie­rung un­se­res Be­rufs for­dert: Wird damit das Ende der Frei­be­ruf­lich­keit​ eingeläutet?

Als Vizepräsident der FMH und des SVFB stelle ich mir natürlich Fragen zur Zukunft unseres Berufstandes. In den letzten 20 Jahren sind die freien Berufe immer stärker unter Druck geraten: Die Vervielfachung der staatlichen Regelungen, die zunehmende Kommerzialisierung unserer Gesellschaft und die Öffnung der Grenzen haben die identitätsstiftenden Grundlagen dieser Berufe – Verantwortungsbewusst​sein, Qualifikation, Selbstregulierung, Qualität und persönliche Erbringung der Leistungen – tiefgreifend verändert. Der neue Trend, den Angestelltenstatus und den Schutz des Staates in den Vordergrund zu stellen, wirkt sich auf die Identität der Ärztinnen und Ärzte aus. Es wird mehr Sicherheit verlangt, was jedoch in der Regel weniger Freiheit bedeutet. Der gegenwärtigen Reformen (Spitalfinanzierung, integrierte Versorgung) verlangen von den Ärztinnen und Ärzten mehr Eigenverantwortung und unternehmerisches Denken. Ist diese Entwicklung mit den Erwartungen der neuen Generation von Ärztinnen und Ärzten vereinbar?


Kommentare von Lesern zum Artikel

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93%
(15 Stimmen)
Rainer Selk sagte April 2011

Als Nichtarzt meine Meinungsäusserung:


Dank Tarmedtarif haben wir die Patientenbehandlung im ‚5 Minutentakt’, was sicherlich auf die Kosten drückt, und die Qualität der ‚Behandlung’? Und Tarmed will weitere Veradministrierung. Ein Hausarzt muss die Rechnung aufmachen, ob es sich – bei den ebenfalls kostenaufwendigen – PraxisgehilfInnen noch ‚rechnet’.

Und nun kommen 2 weitere Entwicklungen daher:

Das ‚managed Care’ System, übersetzt ‚geführte Betreuung’, ebenfalls via Tarmed. Da wird man dann einer Reihen von Fachärzten zugewiesen. Wie in der Schule fehlt dann der Klassenlehrer, also der die Person überblickende Hausarzt. Bei ‚managed care’ ist zu befürchten, dass jeder Arzt genau sein Teil macht, aber nicht mehr: das nennt man dann ‚digital’ ohne ‚analogen’ Gesamtbezug!

Dann kommt der Ruf nach einer Einheitskasse. Nicht auszudenken, bis die sich nur mal organisiert und ihre Computerprobleme gelöst hat!

Solche Konstrukte neigen dann zur Beamtenhaftigkeit. Zusammen mit dann ‚beamtengeführter Betreuung’ wird sich der Bürger in allerkürzester Zeit für die unter Garantie abnehmende Effizienz ‚bedanken’, aber ganz sicher mehr Prämie bezahlen müssen, schon wegen der 'attraktiven' Anstellungsbedingunge​n!!

Werden die Hausärzte ‚kaputt’ gemacht, wird es sehr schwer werden, dieses System wieder aufzubauen. Man muss sich in Europa nicht weit umschauen, um diesem Unsinn abzuwinken.



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67%
(15 Stimmen)
Rudolf Mohler sagte April 2011

In seinem Beitrag stellt Ignazio Cassis Fragen, die er eigentlich als Vizepräsident des SVFP beantworten sollte ...

Darüberhinaus beklagt er gesellschaftliche Entwicklungen, die er in seiner nur leise angetönten, aber immerhin wahrnehmbaren Einschätzung als falsch bewertet, weil sie zu einer Abschnürung des Arztberufes als freier Beruf führen könnten.

Es gibt aber noch ganz andere Entwicklungen, die wohl für die künftige Ärztegeneration viel stärkere Einflüsse auf die Entscheidung zur freiberuflichen Tätigkeit ausüben werden. Es sind dies Entwicklungen in der Medizin selbst. Dazu gehören immer weiter getriebene ärztliche Spezialisierungen, immer höher gehängte medizinbetriebliche Anforderungen und der rasche und nachhaltige Wandel im Kreise der Berufsausübenden, den man auch anschaulicher als 'Feminisierung der Medizin' bezeichnen kann.

An vielem davon ist die FMH nicht unbeteiligt. Und die Volksinitiative "Ja zur Hausarztmedizin" ist ebenfalls nicht in Berner Büros von regulierungswütigen Bundesbeamten entwickelt worden.

Deshalb reibe ich mir schon die Augen, wenn der Vizepräsident der FMH solche Zusammenhänge in seinem Blog-Beitrag nicht einmal antippt.


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