Das Jahr 2010 löste eine lebhafte Debatte über die freien Berufen aus. Nicht nur weil der Schweizerische Verband freier Berufe (SVFB) – ihm gehören 15 Standesorganisationen mit rund 85'000 Mitgliedern an – sein 20jähriges Jubiläum gefeiert hat, sondern weil auch die Volksinitiative «Ja zur Hausarztmedizin» mehr Staate und eine verstärkte Regulierung unseres Berufs fordert: Wird damit das Ende der Freiberuflichkeit eingeläutet?
Als Vizepräsident der FMH und des SVFB stelle ich mir natürlich Fragen zur Zukunft unseres Berufstandes. In den letzten 20 Jahren sind die freien Berufe immer stärker unter Druck geraten: Die Vervielfachung der staatlichen Regelungen, die zunehmende Kommerzialisierung unserer Gesellschaft und die Öffnung der Grenzen haben die identitätsstiftenden Grundlagen dieser Berufe – Verantwortungsbewusstsein, Qualifikation, Selbstregulierung, Qualität und persönliche Erbringung der Leistungen – tiefgreifend verändert. Der neue Trend, den Angestelltenstatus und den Schutz des Staates in den Vordergrund zu stellen, wirkt sich auf die Identität der Ärztinnen und Ärzte aus. Es wird mehr Sicherheit verlangt, was jedoch in der Regel weniger Freiheit bedeutet. Der gegenwärtigen Reformen (Spitalfinanzierung, integrierte Versorgung) verlangen von den Ärztinnen und Ärzten mehr Eigenverantwortung und unternehmerisches Denken. Ist diese Entwicklung mit den Erwartungen der neuen Generation von Ärztinnen und Ärzten vereinbar?

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