Liebe LeserInnen
Sie sind Teil einer unglaublich bewegten Zeit. Die Augen Ihrer Umwelt sind so offen, wie schon lange nicht mehr, die Ohren sind gespitzt, weiter denken scheint wieder möglich zu sein! Vielleicht erleben wir gar einen historischen Wendepunkt, vielleicht werden unsere Enkel in der Schule mal lernen, das so ca. anfangs 21. Jahrhundert die Epoche der Energiewende begonnen habe…
Es zeigt sich, dass sich mit der Finanz- und Wirtschaftskrise eine dritte Krise abzeichnet: die Energiekrise. Und alle drei haben miteinander zu tun. Nur dank dem schier unendlichen Reichtum an Öl, das sich zwar v.a. am Äquator und an den Polkappen befindet, aber praktisch ausschliesslich im Norden konsumiert wird, konnte sich ein Wirtschaftswachstum entwickeln, der geschichtlich einmalig ist. Diese Energie überbot alles Denkbare, war so intensiv und gleichzeitig so immens billig (billiger als Wasser!), dass man Häuser baute, die gleichzeitig beheizt und gekühlt werden müssen, Fahrzeuge hervorgebracht, die eine Tonne wiegen um 100kg Mensch zu befördern, unzählige Gegenstände produzierte, die davor eigentlich niemand brauchte und Produktionsrozesse begünstigte, die unverständlich anmuten (z.B. wird eine Jeans mit chinesischer Baumwolle in der Türkei und in Indien verwebt, in Kasachstan geschnitten und mit italienischem Reissverschluss in der ganzen welt verkauft).
Die Verknappung des Öls, des Erdgases, der Kohle zwingt uns zum Umdenken oder ersetzen. Das erste ist vermutlich die Lösung, das zweite nicht machbar. Auch wenn wir Uran trotz Fukushima und ungelöster „Entsorgung“ verwenden würden, die Reichweite ist weit vom Öl entfernt.
Also: Umdenken… und das heisst, dass die Zukunft im Erneuerbaren liegt. Nur eine Kreislaufwirtschaft, die möglichst nahe am Menschen ist, hat eine Chance unsere Bedürfnisse zu befriedigen. All die Verschwendung, die die heutigen Finanz- und Wirtschaftsregeln als „wirtschaftlich“ bezeichnen, entpuppen sich als zeitlich befristete Versprechen und sind dümmliche Lügen. Wir müssen unsere Kindern beibringen, dass eben doch nicht alles jederzeit und grenzenlos verfügbar ist und wir müssen gleichzeitig feststellen, dass wir zu lange an diese Verheissungen geglaubt haben.
Wir haben Glück! Wir können noch was tun, wir haben es in der Hand. Sie und ich. Alle. Wir müssen das Geschenk, offene Ohren und Augen zu haben, entgegen nehmen und weiter denken, als nur an den Preis, an die kurzfristige Befriedigung. Und schon handeln wir so, dass es nachhaltig wird, als uns zufriedenstellt, ohne jemanden dabei was weg zu nehmen und ohne unsere Kinder mit unlösbaren Entsorgungsaufgaben zu belasten. Wir werden spüren, dass wir damit wieder mehr auf den Boden der Realität kommen, vielleicht weniger gestresst sind und uns, wenn es uns kalt wird, näher zum Anderen setzen, als einfach nur die Heizung anzustellen…
Ich wünsche Ihnen reiche Erfahrungen und einen goldenen Herbst (der kostet gar nichts…)
Herzlich Geri Müller



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