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Externe Berater: Zu viele, zu teuer und Vetternwirtschaft!

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Externe Be­ra­ter: Zu vie­le, zu teuer und Ge­fahr von Vetternwirtschaft!

 

„Der Bund kauft jährlich bis zu 700 Mio CHF Wissen und Rat bei externen Experten ein. Oft wäscht dabei eine Hand die andere. Die Bundesverwaltung hat im Jahr 2004 6'100 Expertenmandate ausgegeben. Gemessen an der Lohnsumme kommt auf sieben Bundesangestellte ein auswärtiger Berater oder Experte. Am meisten Geld verschlang der Beizug von externen Informatikern, für die 160 Mio CHF ausgegeben wurde. Nur unwesentlich weniger, nämlich 144 Mio CHF, wurden für politische Beratung und Forschung bezahlt. 18 Mio CHF liess sich der Bund das Engagement von externen PR-Experten kosten, welche in Ergänzung zu den 252 bundesinternen Vollzeitstellen für Öffentlichkeitsarbeit​ die behördlichen Entscheide ins richtige Licht rücken sollten.

 

Die Aufteilung auf Dienststellen (für das Jahr 2004) zeigt, dass die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (Deza) mit 123,4 Mio Ausgaben für Experten weit an der Spitze steht, gefolgt vom Bundesamt für Informatik und Telekommunikation (BIT) mit 76,8 Mio und dem Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft mit  38 Mio CHF.

 

Auffällig viele Mandate kosten gerade so viel, dass sie nicht unter das öffentliche Beschaffungsrecht fallen, welches die Ämter zu einem konkurrenziellen Vergabeverfahren zwingt. Zudem fällt auf, dass jeder sechste „Expertenfranken“ in Aufträge floss, die einem ersten Mandat nachfolgten. Diese Kombination nährt laut der ständerätlichen Geschäftsprüfungskomm​ission (GPK) den Verdacht, dass es in der Verwaltung eigentliche Hoflieferanten gibt, die jeweils unbesehen und quasi automatisch berücksichtigt werden. Gestützt wird diese Vermutung auch dadurch, dass viel Geld auf wenige Empfänger konzentriert blieb. Die Hälfte des gesamten Auftragsvolumens ging an nur drei Prozent der Auftragnehmer.

 

Ei​n schlechtes Licht wirft auch das Phänomen des so genannten „Dezemberfiebers“ auf die Vergabepraxis. Für Mandate mit Beginn im letzten Monat des Jahres wurden pro Tag fünfmal mehr Kosten ausgelöst als in anderen Monaten. Häufig wurden auch bereits Leistungen bezahlt, die erst im Folgejahr erbracht wurden. Der Grund liegt auf der Hand: Die einzelnen Verwaltungsstellen müssen noch ihre verbleibenden Kreditreste ausschöpfen, weil die Kredite ansonsten verfallen und das Geld im nächsten Jahr nicht mehr zur Verfügung steht.

 

Die undurchsichtige Vergabepraxis wird dadurch begünstigt, dass die Departemente den einzelnen Dienststellen viel Spielraum liessen und so selber keinen Überblick über die Beraterverträge hätten. Die Steuerung der Expertenmandate ist ungenügend. Auch kann mit Expertenmandaten ein Personalstopp umgangen werden, indem man für die Arbeit einfach Dritte ausserhalb der Verwaltung engagiere.“(Aus Daniel Friedli, Mittellandzeitung vom 17. Oktober 2006, Seite 3)

 

Ganz allgemein haben Beratungsaufträge der öffentlichen Hand an externe Experten stark zugenommen. Da sie in den Rechnungen von Kantonen und Gemeinden nicht gesondert aufgeführt werden, haben die Politiker keine Transparenz über den Umfang dieser Aufträge. Der überwiegende Teil des Inhalts der Expertenberichte stammt meist aus Angaben der Verwaltung selbst, da nur sie über die entsprechenden Fach- und Detailkenntnisse verfügt. Der Beitrag der Experten ist oft klein. Die Ergebnisse dieser Aufträge wirken denn auch vielfach demotivierend auf die betroffenen Amtsstellen. Verwaltungsinterne Untersuchungen könnten mit viel weniger Aufwand zu gleichen Ergebnissen führen. Das grosse Reservoir an verwaltungsinternen Fachkräften muss unbedingt besser genutzt werden.


Kommentare von Lesern zum Artikel

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100%
(6 Stimmen)
Rainer Selk sagte May 2012

Herr Keller, was Sie da schreiben, ist leider so. Das Vorgehen bei Submissionen geht aber in Richtung Vorbefassung und wäre, käme es auf den Tisch, rechtswidrig. Wo aber kein Kläger, da auch kein Richter. Und so ist es mit vielen Regulatorien: sie verblocken sich selbst.

Für diese Sudiennitis gbit es eigentlich für mich keine Begründung. Das Wissen haben in aller Regel die Verwaltungen selbst, aber der Prophet im eigenen Land will sich mit UNI Titelblättern bestätigen. Das ganze grenze an gigantische Geldverschwendung und ist in weiten Teilen vollkommen idiotisch.


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100%
(15 Stimmen)
Alex Schneider sagte May 2012

Jeder externe Auftrag kann von der zuständigen Amtsststelle irgendwie plausibel begründet werden. Wenn sich die Departementschefs die Loyalität der Amtschefs erhalten wollen, stimmen sie den entsprechenden Anträgen zu. Externe Aufträge haben den touch von Unabhängigkeit. Man kann die Verantwortung für die Resultate nach aussen verlegen. Sie zeigen zudem die Leistungsfähigkeit des eigenen Departements (Umgehung des Personalstopps). Eigentlich ist eine Besserung nur über eine Beschränkung der Budgetmittel für diese Art von Dienstleistungen wirksam. Ausnahmen, welche über diese Grenze hinausgehen, müssten vom Parlament bewilligt werden. Zuerst muss allerdings die Transparenz über diese Aufträge erhöht werden.


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100%
(14 Stimmen)
Urs Gassmann sagte May 2012

Was das „Dezemberfieber“ anbetrifft, so habe ich Gelegenheit zu eigenen
Anschauungen im Berufsleben gehabt: Die Behörden haben wie Idioten
erkleckliche Beträge fast im wahren Sinne des Worts zum Fenster
hinausgeworfen, nur damit das Budget der betreffenden Abteilung
aufgebraucht wird, um eine gleiche Summe fürs nächste Jahr gesprochen
zu erhalten. Dies wiederholt sich jährlich, doch offensichtlich fehlen
Kontrollstellen, welche die unsinnigen Ausgabeposten hinterfragen.



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94%
(16 Stimmen)
Anton Keller sagte May 2012

Ich kann die allermeisten Aussagen bestätigen. Die Beschäftigung von Externen ist jedoch oft nötig, damit ein Departement überhaupt funktioniert. Die Hoflieferanten haben zudem häufig gute Kontakte zu den Auftrageber, so dass sogar Ausschreibungen massgeschneidert ausfallen. Die Politiker werden durch Parteinähe ruhiggestellt und das Controlling scheint sich nur auf formalen Aspekten fokussiert zu sein.


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