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Daniel Graf sagte Mai 2012
Sehr geehrter Herr Ryder
Ich verstehe Ihren Standpunkt teilweise, doch mindestens einen Unterschied zwischen unseren Denkweisen gibt es dennoch!
Schauen Sie, Sie selber präsentieren in Ihrem ursprünglichen Beispiel erschreckende Zahlen, dazu der Club of Rome-Bericht und die Tatsache, dass die Menschheit diesen Planeten mit wehenden Fahnen in den Abgrund reitet – wir wissen es!!!
Und gleichzeitig schreiben Sie von "Pseudo Umweltschutz Hysterie"? Also alles übertrieben, falsch, erlogen, nur um uns Geld aus der Tasche zu ziehen, "zweckgebunden" haben Sie glaube ich auch einmal erwähnt?!
Sie sagen also: Die Probleme sind da, aber der Umweltschutz ist eh nur pseudo-Geschwafel der Grünen, die tun ja eh nichts – ausser Offroader und F1 anprangern. Haben Sie sich einmal überlegt, was die Grünen machen würden, wenn plötzlich jeder Bürger, der bis heute aus Verdruss nicht wählen geht, einfach die grüne Liste einwerfen würden? Wenn die Grünen plötzlich 40, 50, 60% der Stimmanteile hätten? Denken Sie nicht auch, dann würden sie eher Riesenpager und Lohnschere angreifen und abschaffen, als Gokartbahnen und Offroader? Ich bin überzeugt davon!
Mehr Macht bringt mehr Verantwortung und eine Partei, welche sich den Umweltschutz auf die Fahne schreibt und 60% Wähleranteil hat, muss (und will!) diesen konsequent umsetzen, will sie ihre Glaubwürdigkeit und dadurch wiederum ihre Wähler nicht verlieren.
Es geht eh denn Bach runter, früher oder später ist alles aus, also hau’ ich nochmal so richtig auf den Putz und beschleunige das Ganze noch ein wenig, bin ja schon 49 und 40 Jährchen soll die Umwelt gefälligst noch mitmachen – danach ist es mir egal, meine Kinder werden es schon richtig machen und sich auf Kosten andere – anders geht's blöderweise halt nun mal nicht – so lange als möglich ein schönes Leben machen. Für deren Kinder können sie dann selber schauen.
Nach mir die Sintflut! Es ist diese Einstellung, die mir als 20-Jähriger einfach nicht in den Kopf will.
Schauen Sie, auch ich werfe einmal eine Bierdose in einen normalen Abfall, weil keine Alu-Sammelstelle bereitsteht o.Ä. Auch ich lebe in einem Haus, das Energie verbraucht, anstatt irgendwo im Busch. Auch ich esse Fleisch, obwohl ökologisch im Vergleich zu pflanzlichen Produkten völlig unsinnig.
Aber ich fahre kein Auto. Ich verwende Stromsparlampen. Ich lösche alle überflüssigen Lichter. Ich stelle im Büro immer Drucker & Kaffeemaschine ab, wenn ich der Letzte bin. Ich verwende Mehrfachstecker, um alle Geräte gleichzeitig abstellen zu können. Ich trenne meinen Müll (das mit "in der gleichen Tonne landen" müssen Sie mir erklären!) Ich drucke so wenig wie möglich.
Und ich tue noch viele weitere kleine Dinge, die, würde jeder Sie machen, summiert eine grosse Wirkung haben könnten. Würden solche Dinge Sie tatsächlich in Ihrer Lebensqualität einschränken oder Ihre Möglichkeiten, das Leben zu geniessen, verringern? Ich glaube kaum...
Ich möchte selbstverständlich mehr tun, doch das geht meines Erachtens nur über drei Wege:
1. Politik – Deshalb meine Kandidatur für den Kantonsrat für die jungen Grünen. 2. Wirtschaft – Würde es einem Geschäftsimperium gelingen, so mächtig zu werden, dass es Druck auf die gesamte Weltwirtschaft ausüben kann, könnte es Ziele im Sinne der Umwelt durchsetzen. Das wird aber vermutlich niemandem gelingen – ob uns das freuen oder ärgern soll sei dahingestellt... (Buchtipp dazu: Andreas Eschbach: Eine Billion Dollar) 3. Sensibilisierung so vieler Menschen wie möglich – Das versuche ich einerseits mit diesem Blog und andererseits mit kontinuierlichem Mahnen, wenn leicht zu verhindernde "Fehler" begangen werden (leichtsinnige Abfallverbrennung trotz Mülleimer danebe, Glasflaschen zum Spass in den See werfen etc. etc.).
Darf ich mir die Frage erlauben: Was haben Sie in Ihrem Leben aktiv zum Umweltschutz beigetragen? Und woher kommt der ganze Politfrust? Haben Sie aktiv versucht, etwas zu verändern und wurden daran gehindert? Oder sind Sie bloss frustriert, dass Ihnen niemand eine Patentlösung auf dem Silbertablett anbietet, zu der Sie bloss noch "Ja" zu sagen brauchen?
Ich meinerseits gebe zu, dass nicht alle grünen Aktionen sinnvoll sind – 20 Arbeitsplätze zu streichen, um ein paar Gokarts zu stoppen, scheint auch mir etwas übertrieben. Gleichfalls übertrieben scheint mir aber auch die Aussage, ganz Italien jammmere über die Grünen – auch wenn mir durchaus bewusst ist und auch Ihnen bewusst sein sollte, dass effizienter Umweltschutz in der Realität beinahe ausschliesslich über Entbehrungen funktioniert.
Lange Rede kurzer Sinn: Wenn auch nicht alles perfekt läuft bei den Grünen: Sie tun am ehesten etwas für den Umweltschutz, ich unterstütze sie dabei wo ich kann und achte darauf, persönlich im Sinne der Umwelt zu handeln – für mich besser, als über die Grünen abzuwettern und Alu, Plastik und Biomasse in denselben Sack zu werfen!
Dürfte ich Sie zu guter Letzt noch um ein Statement zu meinem Vorschlag betreffend gleiches Co2-Ausstoss-Kontingent und Umweltbelastung als Kostenfaktor bitten?
Mit freundlichen Grüssen,
Daniel Graf
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