Sommerferien in der Schweiz sind eine feine Sache. Der Berner Jura bietet sich an für Wanderungen. Eine solche führte uns über den Mont Soleil ob St. Imier. Auf gut 1200 Metern ü. M. steht seit 1992 auf 20‘000 Quadratmetern eine Solaranlage, die vornehmlich der Forschung dient. Unweit der Solaranlage trifft der Wanderer auf den Windpark der gleichen Gesellschaft. Man kann sich über die Möglichkeiten und Probleme von Photovoltaik und Windenergienutzung informieren und man erlebt – in unserem Fall an einem windreichen Tag – auch das Sausen, das mit diesen Windmühlen verbunden ist. Am 14.08.12 berichtete TeleZüri über den Widerstand von Bürgern der Gemeinde Obersaxen gegen die dort geplante Windenergieanlage der Stadt Zürich. Man sorgt sich um die Natur und befürchtet, dass die Touristen die Gegend meiden könnten, weil sie von Windmühlen verschandelt werde. Die Stadtzürcher Bevölkerung hat das Ziel der 2000 Watt Gesellschaft angenommen. Der Stadtrat will in sogenannt nachhaltige Energieproduktion investieren. Der Wind bläst unbestrittenermassen auf den Bergen stärker als in der Stadt. Offensichtlich haben die Obersaxer aber wenig Verständnis für die ökologischen Anliegen der Städter. „Bei uns nicht“ ist eine bekannte Formulierung, wenn es um die Übernahme von Belastungen geht. Fluglärm, Atommüllendlager, Stauhaltungen und eben auch Windenergieanlagen werden von der Mehrheit als notwendig erachtet, wenn es aber um die Übernahme der entsprechenden Immissionen geht, wehrt sich die betroffene Bevölkerung lautstark. Sankt Florian wird jeweils angerufen, indem ja andere Regionen die Sache übernehmen könnten, wenn sie diese als derart unbedenklich ansehen. Natürlich wollen alle in die Ferien fliegen, wollen alle Strom aus der Steckdose und selbstverständlich wählen auch viele Grün, doch wenn es um die Übernahme von Konsequenzen geht, endet die Liebe. Diese energiepolitische Haltung wird zwangsläufig dazu führen, dass immer mehr Strom im Ausland eingekauft werden muss. Die Franzosen rüsten derweil ihre Kernkraftwerke auf, um den Markt dereinst bedienen zu können. Die Schweiz und ihre Bürger nehmen offenbar willig in Kauf, dass sie immer abhängiger werden vom Ausland – nicht nur was die Energieproduktion angeht. Wir erzeugen beispielsweise noch 42% der bei uns benötigten Lebensmittel selbst. Mir kommt bei solcher Gelegenheit das Gespräch mit einem georgischen Physikprofessor in den Sinn, der mir schilderte, wie die Russen seinem Land jeweils nur wenige Stunden täglich Strom lieferten, um Druck auszuüben. Es könnte sein, dass wir bald aus unseren Kämpfen gegen Windmühlen aufwachen, um festzustellen, dass das Ausland die Schweiz nicht mehr nur finanziell erpresst, sondern auch mit der Kappung von Stromlieferungen. Höchste Zeit, dass wir unsere Probleme selbst lösen!

23%


