Der Rücktritt von Peter Spuhler sowie die gesundheitlichen Probleme von Natalie Rickli und Martin Bäumle sorgen für Schlagzeilen. Die Medien berichten täglich über die Grenzen des Milizsystems und die Arbeitsbelastung von uns Parlamentsmitgliedern. - Wem helfen diese Schlagzeilen? Müsste man dies alles nicht etwas differenzierter betrachten?
So ist im Fall von Peter Spuhler ein Rücktritt nach über 13 Jahren Tätigkeit im Nationalrat per se schon mal verständlich und legitim. Als Eigentümer und Chef eines internationalen Grossunternehmens war für ihn die Milizpolitik schon immer eine Gratwanderung. Denn das Milizsystem lässt zwar eine Berufstätigkeit zu, aber nicht ohne Abstriche. Peter Spuhler ist und war diesbezüglich ein (willkommener) Sonderfall, aber er ist nicht repräsentativ für das ganze Parlament. Dass er sich jetzt in wirtschaftlich schwierigen Zeiten vollumfänglich seiner Firma widmen will, zeichnet ihn als verantwortungsvollen Vollblut-Unternehmer aus. Für das Parlament ist er aufgrund seiner prägnanten und glaubwürdigen Wirtschaftspolitik sicher ein Verlust. Aber die Schweiz wird deswegen nicht untergehen; und Peter Spuhler wäre jetzt mit Sicherheit der Erste, der mir hier zustimmen würde.
Anders verhält es sich bei Natalie Rickli und Martin Bäumle. Wenn starken Persönlichkeiten wie ihnen plötzlich die Energie ausgeht und sie gesundheitliche Probleme bekommen, dann stimmt das nachdenklich, und es ist ihnen von Herzen gute Besserung und baldige Erholung zu wünschen. - Aber auch hier sollte man sich davor hüten, nun das gesamte Parlament als ‚gesundheitlich gefährdet‘ zu betrachten.
Es gibt (leider!) in allen Berufsgruppen immer wieder Leute, die an ihre gesundheitlichen Grenzen stossen – aus unterschiedlichsten Gründen. Zahlreiche Leute arbeiten hart, stehen unter grossem psychischem und physischem Druck, verdienen wenig und sind aus existenziellen Gründen auf ihre Arbeit angewiesen, auch wenn ihnen diese nicht viel Freude bereitet. Darüber wird generell zu wenig gesprochen; und wenn solche Leute einen Burnout oder einen Schwächeanfall erleben, schreiben die Medien nicht in Grossbuchstaben darüber. All dies ist in unserer Gesellschaft zu wenig bekannt und auch zu wenig anerkannt.
Wenn also die Beispiele von Natalie Rickli und Martin Bäumle nun einen Beitrag leisten, um das Bewusstsein für die Grundproblematik zu schärfen, dann ist das gut und kann auch anderen Betroffenen helfen. Wenn aber die Diskussion nur auf die Parlamentarier reduziert wird, dann schiesst sie am Ziel vorbei. Denn bei uns Parlamentariern ist festzuhalten, dass wir dies alles freiwillig tun. Wir wollten diese Ämter und haben dafür kandidiert. Natürlich ist die Belastung hoch, aber wir geniessen auch sehr viele gesellschaftliche Privilegien und sind besser bezahlt als viele andere Arbeitende.
Das soll die Ernsthaftigkeit der gesundheitlichen Probleme von Natalie Rickli und Martin Bäumle auf keinen Fall reduzieren. Aber man darf dabei die Augen vor einem weit verbreiteteren Problem nicht verschliessen. Und dafür sind wir Milizparlamentarier nicht unbedingt die Beispiele mit der höchsten Aussagekraft.


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