Die Bevölkerung in der Schweiz sei 2009 nur um 1,1% angewachsen, konnten wir Ende 2010 den Zeitungen entnehmen, als wollte uns jemand mit schlechtem Gewissen die offenbar nicht mehr so stark ansteigende Bevölkerungsdichte der letzten Jahre geradezu als Fortschritt verkaufen. Passiert man belebte Orte in Ballungszentren, so beschleicht mittlerweile nicht Wenige von uns das ungute Gefühl, sich bald in einer Minderheit zu befinden. Offiziell weist die Schweiz einen Ausländeranteil von 21% aus, rund eine halbe Million haben wir in den letzten Jahren mit Pässen ausgestattet, dazu kommen geschätzte 100 000 ohne Papiere und offizielle 70 000 Asylbewerber, sowie unzählige unter anderer Kategorie verwaltete Personen, deren Wegweisung hapert. Seit Inkrafttreten von Schengen verzeichnet man 62% mehr illegale Einwanderung. Doch jenseits aller Statistiken wähnt man sich allmählich an der Grenze der Belastbarkeit. Irgendwie ist in den letzten Jahren die Illusion, der Staat würde uns eine einigermassen gesteuerte und erlesene Zuwanderung zumuten, verflogen.
Regelmässig sind in den letzten Jahrzehnten die entsprechenden Gesetze vom Volk verschärft worden. Die rechtlichen Grundlagen, falschen Asylanten und integrationsdefizitären Ausländern konsequent die Verlängerung der Aufenthaltsbewilligung zu verweigern, wären vorhanden. Stattdessen werden die Fälle verwaltet, hinausgeschoben, geduldet.
Aussichtsreichste Einwanderungsmöglichkeit für Nicht-EU-Bürger bleibt nach wie vor der Weg über das Asylrecht. Wer mit einem abgewiesenen Gesuch nicht das Land verlässt, hat gute Chancen, nach Jahren des Ausharrens sich der Ausreisepflicht zu entziehen. In keinem anderen Rechtsgebiet setzen sich Beteiligte gegen Geist und Buchstaben der rechtlichen Grundlagen so offensichtlich hinweg. Rechtmittelmöglichkeiten stehen gegen jeden Entscheid offen, damit lässt sich allemal ein Bleiberecht erstreiten, weil je nach Interpretation das Argument des eingetretenen Masses an Integration, eine Rückkehr nicht mehr zumutbar sei, verfängt. Und dann liegt bald einmal der Antrag auf Familiennachzug auf dem Pult des Migrationsamtes.
Einwanderung muss unsere sozialen Systeme dauerhaft stärken und nicht schwächen, muss uns bereichernd und intelligenter machen. Wir haben in der Schweiz hunderttausende willkommene Ausländer, die uns kaum je Probleme bereiten. Unser Land würde sich zur faden und langweiligen Insel verkommen, unsere Wirtschaft lahmgelegt, wenn plötzliche alle Ausländer wegfielen. Niemand hat etwas dagegen, dass eine gesuchte Arbeitskraft mit seiner Familie hierher zieht, aber die unqualifizierte Migration samt Familiennachzug kann in dieser Form einfach nicht endlos so weitergehen. Die grossen Konsequenzen aus der Masseneinwanderung ohne Qualitätskontrolle stehen uns wohl noch bevor.



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