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Transparenz und mehr Fairness in der Finanzierung der Politik

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Ein Bei­trag zur Überwindung der Krise der De­mo­krar­tie

Viele Menschen fühlen sich heute ohnmächtig. Sie haben nicht den Eindruck, entscheidend auf die Gestaltung ihrer Lebensumstände Einfluss nehmen zu können. Obwohl dies doch eigentlich genau das ist, was unter dem grossen Begriff der Freiheit recht eigentlich gemeint ist. Viele Menschen fühlen sich viel mehr als Objekte der Entscheidungen anderer und nicht als Subjekte, deren Willen und Überzeugungen wesentlich sind bei der Gestaltung und der Entwicklung der gemeinsamen Lebensgrundlagen.

Analytisch bedeutet dies: Viele Menschen empfinden sich nicht als freie Bür­ger oder als freie Bür­gerinnen, sondern mehr als Opfer der Entscheidungen anderer. Freiheit ist somit zu einem Privileg weniger Privilegierter geworden.

Für die Demokratie bedeutet dies: Sie ist in einer Krise. Denn eine ihrer modernen Grundideen besagt, dass all jene, die von Entscheidungen betroffen sind, am Prozess der Entscheidungsfindung Teil haben können sollten. Die Demokratie sollte all jene Institutionen, Verfahren und Regelungen zur Verfügung stellen, dass die unter freien Menschen natürlichen Konflikte ohne Gewalt ausgetragen, ja dass diese fruchtbar gemacht und in gesellschaftliche Lernprozesse einmünden können.

Die Scheinsouveränität der Bürger in einer ausschliesslich repräsentativen Demokratie in eine echte Souveränität aller zu verwandeln, das war bereits in der oppositionellen Demokratiebewegung der 1860er Jahre das zentrale Anliegen jener, die für die Erweiterung der repräsentativen Demokratie um direktdemokratische Rechte kämpften. Das heisst sie wollten freien Bürgern zwei partizipative Wege zur Verwirklichung ihrer Freiheit eröffnen: Neben der Wahl der Repräsentanten der direkte Weg der Mitentscheidung, beziehungs­weise des Vorschlagsrechtes in der Verfassungs- und Gesetzgebung. Jede Bürgerin und jeder Bürger sollte mit Gleichgesinnten die politischen Instrumente in den Händen haben, um ihrer Überzeugung und ihren Interessen Gehör verschaffen zu können.

Zwar werden derzeit so viele Volksinitiativen und Referenden ergriffen wie selten zuvor in der jüngeren Vergangenheit. Doch dies ist neben den an­ste­henden Wahlen mehr ein Ausdruck des herrschenden gesell­schaft­lichen Problemstaus und der Unfähigkeit von Regierungs- und Parlaments­mehr­hei­t​en ausreichende Mehrheiten für überzeugende Problemlösungen zu entwickeln. Zu viele Bürgerinnen und Bürger empfinden auch die ihnen an sich zur Verfügung stehenden direktdemokratischen Instrumente nicht mehr als ihre politischen Werkzeuge zur Mitgestaltung der wichtigsten Lebensbedingungen.

Dies hat mindestens drei Gründe, von denen einer jetzt endlich politisch – sinnigerweise direktdemokratisch - angegangen werden muss. Einerseits spielen die vorhandenen partizipativen Werkzeuge nicht auf der wichtigsten heutigen politischen Ebene, der transnationalen, europäischen. Um dieses Defizit zu beheben bedürfen wir noch viel Zeit. Andererseits haben sich die Volksrechte dem Volk entfremdet, weil sich zu viele als politische Kon­su­menten und weniger als Akteure empfinden, und wenn doch dem Irr­glau­ben verfallen sind, das alles alleine am besten machen zu können, wo man sich doch in der Politik erst organisieren und mit ähnlich Gesinnten zusammentun muss, bevor etwas verändert werden kann.

Drittens aber, und dieses Manko ist nun endlich sturmreif, wird die Demo­kratie in der Schweiz im allgemeinen und die Direkte Demokratie im beson­de­ren aber heute vom Geld derart beherrscht, dass all jenen, denen nicht viel Geldmittel zur Verfügung stehen – und dies ist immer noch die grosse Mehrheit der Stimmberechtigten – den Eindruck haben, sie können so, ohne viel Geld, auch mit diesen Volksrechten nichts erfolgversprechendes anfangen. Dabei war es doch gerade eine der Urideen der modernen Demokratie, wirtschaftliche oder herkunftsbedingte Macht zu brechen und allen unbesehen ihrer wirtschaftlichen oder geburtsständischen Stellung Machtinstrumente zur Verfügung zu stellen.

Wenn aber die Volksrechte von vielen Citoyens und Citoyennes – der französische Begriff für den engagierten Bürger und die engagierte Bürgerin, die gemäss neuer Zürcher Verfassung von Kanton und Gemeinden zu unterstützen sind - gar nicht mehr als ihre Werkzeuge empfunden werden, dann kann die Direkte Demokratie systemisch nicht mehr produzieren, was die Schweiz heute so nötig hat: Sie kann die gesellschaftliche Vielfalt nicht mehr integrieren, sie kann keine gesellschaftlichen Lernprozesse mehr befördern und sie fällt weg als Möglichkeit des Einzelnen, sich mit dem Ganzen, mit dem Staat und der Gesellschaft identifizieren zu können.

Das ist der Hintergrund, weshalb sich gegenwärtig einige engagierte Demokraten so für Transparenz und Fairness im Bereich der Finanzierung der Politik so einsetzen und die Antwort auf die Frage, die NZZ-Redaktor Martin Senti in seinem Leitartikel vom vergangenen Samstag stellte. Wenn die Direkte Demokratie ihre Wirkungen auch in Zukunft entwickeln können soll, dann darf sie nicht in den Geruch der Käuflichkeit geraten, dann braucht es auch hier mehr Transparenz als Voraussetzung dafür, dass der Staat als Akteur im Namen und im Interesse der ganzen Gesellschaft Fairness stiftend aktiv werden kann – eine Idee, die in weniger direktdemokratisch geprägten Ländern Europas übrigens längst selbstverständlich ist.

Deshalb muss die Bundesverfassung um zwei Prinzipien ergänzt werden: Einerseits müssen alle, die politisch wirken – sei es bei Wahlen, Abstimmungen oder im Parlament – die Quellen der dafür notwendigen Geldmittel ab einer bestimmten Höhe (1000 Franken beispielsweise) offen legen. Dies nicht als Selbstzweck, sondern als Voraussetzung dafür, dass der Staat ausgleichend und damit legitimitätsstiftend und fairnessschaffend eingreifen kann: Beispielsweise in dem allen Gruppen, die sich politisch engagieren und ihre Geldquellen in genannter Art offen legen, die kleinen und mittleren Spenden , beispielsweise zwischen 100 und 1000 Franken, verdoppelt werden.

Dies würde die vorhandenen Chancenungleichheiten​ abbauen ebenso wie die Ohnmachtsgefühle gegenüber scheinbar übermächtigen, weil ungleich besser aus verborgenen Geldquellen gespeisten Gegnern. Und dies wäre eine ganz wesentliche Voraussetzung dafür, dass alle aus dem Volk die Volksrechte wieder als ihre Rechte erfahren könnten.

 

Weitere Beiträge finden Sie unter www.andigross.ch


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Kommentare von Lesern zum Artikel

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67%
(6 Stimmen)
Kurt Anton Brugger sagte Februar 2012

Guten Tag Herr Gross, es geht mir wie den Meisten in diesem Blog. Ich höre wohl Ihre Worte, allein mir fehlt der Glaube! Und auf Sie persönlich bezogen: Wasser predigen und selber Wein trinken! Eine Masche auch noch anderer Genossen auf dem nationalen und internationalen Polit-Parkett!

Schon Winston Churchill hat gesagt: Die Schweiz hat die beste, aller schlechten Demokratien. Da Sie uns diese als allgemein schlecht verkaufen wollen, wo doch die Demokratie in der EU lediglich auf dem Papier existent ist, das finde ich "starken Tuback". Nein, Herr NR Gross, ich kann es fast nicht fassen, was Sie uns da vorgauckeln.

Sie und Ihre nationalen Genossen, tun genau das was Sie im Beitrag als undemokratisch beschreiben. Gegen den Volkswillen wollen Sie unser Land vom bilateralen Weg abbringen und in die EU führen. Dafür arbeiten Sie nicht nur im schweizerischen Parlament, sondern auch im EU-Parlament. Einen lukrativen Posten haben Sie sich in Brüssel schon vor Jahren gesichert.

Nein, Herr NR Gross, so funktioniert die schweizerische Demokratie nicht. Viele Schweizer haben dieses Spiel längst durchschaut. Jawohl unsere Volksrechte sollen eingeschränkt werden. Darauf hin arbeiten viele Ihrer Gesinnungsgenossen. Während in Deutschland, das Volk immer lauter, erweiterte Volksrechte einfordert, nach dem Vorbild der Schweiz. Ja, Sie haben recht, in den Demokratien in denen die Brüsseler-Zentralregi​erung Einfluss nimmt, werden die Volksrechte beschnitten und der Unmut der Bürger immer grösser.


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33%
(6 Stimmen)
Georg Stamm sagte September 2011

Am ohnmächtigsten in bezug auf demokratische Mitwirkung fühlen sich die Menschen in der EU. Das Dekokratiedefizit der EU im Vergleich zur Schweiz ist immens. Eigenartig deshalb, verehrter Herr Gross, dass Sie als Demokratiefürsprecher​ den Schweizer EU-Beitritt befürworten. Wie kommt das ? Wie ist das möglich ? Ich, mit beschränktem Verstand, verstehe das nicht.


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73%
(11 Stimmen)
August Sommerhalder sagte Juli 2011

Es ist erstaunlich, wie lange es gedauert hat, bis auch die Politik erkannt hat, dass die "Schweizerische Demokratie" - wenn überhaubt, eine gekaufte Demokratie ist, die nahe dem Feudal-Komunismus steht.
Grundsätzlich​ sind alle Subventions-Empfänger​ gekaufte "Demokraten" bezw.
die schamlosesten Sozialfälle. Seit Generationen wird der produktiv arbeitende Steuerzahler von der gekauften SVP-Wählerschaft belächelt.
Als Vermögens-Millionär ist natürlich gut LACHEN.
NB: Landwirtschaft in den Berggebieten mag berechtigt untestützt werden!


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68%
(19 Stimmen)
Franziska Keller sagte Juni 2011

Diesen Artikel aus der FAZ sende ich mit speziell lieben Grüssen an Herrn Nationalrat Gross, dem Mitglied des Europarates, dessen Partei immer noch den EU-Beitritt im Parteiprogramm hat.

http://www.fa​z.net/artikel/C31315/​europa-in-der-krise-z​urueck-zur-nation-304​32025.html


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64%
(22 Stimmen)
Franziska Keller sagte Juni 2011

Sonntagspresse: War heute zu lesen, dass die Junge SVP mit Einverständnis des Parteipräsidenten Brunner ihre "Offenlegungsinitiat​ive" bald lancieren wird.
Bis jetzt scheint diese ohne verdeckte "Gewinnabsichten" zu laufen.
Tja Herr Gross, wird wohl nichts mit dem Finanzausgleich "im Namen der Demokratie...!"


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68%
(22 Stimmen)
Hans P. Grimm sagte Juni 2011

Meine Analyse ergibt; es gibt Menschen die hangen als Politiker am Geldtropf des Staates und möchten diese Segnungen nun für sich vermehren. Die politische Oligarchie lässt Grüssen!

Und das grösste: Wir Arbeiter sollen diese Oligarchen noch weiter und höher finanzieren! Abzocke am laufenden Band!


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69%
(36 Stimmen)
Fritz Kunz sagte Juni 2011

Wenn es Herrn Gross wirklich ernst ist mit Transparenz, könnte er ja mit dem Beispiel vorangehen und sein Spesenkonto offen legen, welches mit Steuergeldern gedeckt wird.


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75%
(24 Stimmen)
Kurt Nünlist sagte Juni 2011

Man würde sich vielleicht etwas freier fühlen, wenn man anstatt unsinnige Gesetze und den Versuch alle gleich zu machen, dem Bürger die Möglichkeit lässt, frei zu sein. Das bedeutet, man lässt dem Bürger mehr Spielraum, die Grenzen sind nicht so eng abgesteckt. Sie arbeiten aber genau in die Gegenrichtung.

Wer will alles regulieren und jeden Schritt überwachen? Ich kann es ihnen einfach sagen: In einer Gemeinde bei der Rot dominiert, fühlt man sich auch weniger frei, als in anderen. Oder in der früheren DDR, weniger als in Amerika usw. Dass das bei ihnen anders aussieht, ist mir klar, sie fühlen sich frei, wenn sie andere regulieren können und sie ihm ihren Willen aufzwingen können. Das Problem ist, der andere fühlt sich dafür nicht mehr frei.


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75%
(16 Stimmen)
Werner Nabulon sagte Juni 2011

Sehr geehrter Herr Andreas Gross,

Bitte gestehen Sie den Bürgerinnen und Bürgern zu, sicher jenen die Wählen und Abstimmen gehen, dass Eigene Erfahrungen und Überlegungen in diese Abstimmungen und Wahlen eingebracht werden.
Und damit unsere Demokratie spannender wird, es zu einer höher Stimmbeteiligung kommt, schlage ich vor, dass man Volksentscheide konsequent umsetzt.

Den Parteien nun noch den Vorschlag machen, konsequent Ihre selbst definierte Parteipolitik umzusetzen, und diese nicht gleich mehrmals im Jahr zu ändern, schreib ich jetzt doch so als Tipp.
Macht Parteien glaubhafter und wählbarer.



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79%
(14 Stimmen)
Markus Thurner sagte Juni 2011

Eine Lösung ganz ohne Gesetz: Wenn eine Partei ihre Parteispenden freiwillig offen legt, dann werden die anderen Parteien in den Zugzwang kommen. Hauptsächlich, weil Transparenz von den Bürgern geschätzt wird, weil dies vermutlich bei den nächsten Wahlen belohnt wird und weil die Medien durch Berichterstattung über diese Transparenz die anderen Parteien implizit unter Druck setzt.


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79%
(29 Stimmen)
Emil Huber sagte Mai 2011

Zitat: "Viele Menschen fühlen sich heute ohnmächtig. Sie haben nicht den Eindruck, entscheidend auf die Gestaltung ihrer Lebensumstände Einfluss nehmen zu können."
Wie wahr, das sehe auch ich so.
Aber: Ironischerweise ist es gerade neben der Wirtschaft die SP, welche durch neue Gesetze und Regelungen die Lebensumstände in einschränkender Weise bestimmt.
Beispiele?​ Da hätten wir mal Harmos, welches den Eltern vorschreiben will, dass ihre Kinder bereits mit 4 Jahren eingeschult werden sollen.
Man hält die Eltern offenbar nicht für fähig, dies selbst zu entscheiden.
Das ist ein einschränkender Eingriff in die Familie, die SP war und ist dafür!
Dann kommt das Zwangs KVG Piller / Dreifuss, womit wir schulmedizinisch zwangsversichert sind. Will jemand naturheilkundliche Behandlung darf er das selbst berappen. Man sprach auch gar schon von Zwangsimpfumgen (FDP).
Wohin sind wir gekommen, wenn wir nicht mal über die persönlichsten Dinge wie Körper, Seele, Geist, Leben und Tod mehr selbst entscheiden können, dann haben wir eine Diktatur!
Auch im Wohnbereich sind wir, wenn wir nicht gerade ein eigenes Haus haben, durch vorsintflutliche Bestimmungen in Mietverträgen, z.B Verbot von Haustieren, in der Lebensführung eingeschränkt
Und natürlich will die SP Spitze in die EU, wo inzwischen jedem klar werden sollte, dass diese ein demokratiefeindliches​ Gebilde ist, welches noch mehr Einschränkungen in die persönliche Freiheit bringt.

Ich meine diese Einschränkungen wird man kaum nur durch Offenlegung der Parteispenden bekämpfen können, wenn man wirklich für die Einwohner politisiert ist das auch weniger eine Geldfrage, sonder eher eine Frage des richtigen Engagements.

Gut, es wäre interessant zu wissen wer z.B der SP Parteispenden macht, bei der SVP weiss man es ja bereits zu Teil, bei der FDP lässt sich vermuten.

Nur bringt Transparenz auch Probleme, wenn man z.B erfährt,dass Firma XY z.B der SVP spendet werden Linke dort keine Aufträge mehr vergeben, umgekehrt Rechte nicht mehr den Firmen, welche Links unterstützt haben, dies sollte man bedenken und am Schluss hat man nur Geschirr zerschlagen ohne etwas für die Demokratie erreicht zu haben.


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63%
(57 Stimmen)
Anton Keller sagte Mai 2011

Glauben Sie, dass ich mich von den Linkskriminellen belästigen lassen will, nur weil ich mehr als 1000 Fr. gespendet habe? Und wo ist das der Datenschutz? Da können wir die einzelnen Stimmabgaben auch direkt im Internet veröffentlichen. George Orwell grüsst. Und umgehen lässt sich das System mit der Zwischenschaltung von NGO's. Ich spende einfach dem Verein für XY.


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85%
(41 Stimmen)
Willy Burgermeister sagte Mai 2011

Seien Sie mir nicht gram, Herr Gross, aber hier nehmen Sie den Mund schon ein bisschen voll.

Richtig, Demokratie darf nicht als Freibrief für die Beschränkung bürgerlicher Freiheiten verstanden werden. Demokratie soll die Politik vom Machbarkeitswahn heilen, sie soll den Staat einschränken und bremsen, setzt sie doch die Zustimmung der Regierten voraus.

Nun, ein Blick in das SP-Wahlprogramm offenbart aber einen unglaublichen Geltungsdrang. Kaum eine Partei greift mit solcher Vehemenz in die individuellen Rechte und Freiheiten der Bürger ein wie die Sozialdemokraten.

​Nur wer weniger Staat wagt, kann auch mehr Demokratie wagen.

Bringt ein Beitritt zur EU uns Bürgern und Wählern mehr Freiheit? In der EU werden wir Zeuge eines grässlichen Regulierungswahns. Nichts bleibt unbeackert und keine Auge trocken. Überall mischt sich die Bürokratie ein.

Überall – auch in der Schweiz – wird versucht, uns einzutrichtern, dass staatliche Behördenmitglieder bessere und klügere Menschen wären mit blauem, statt mit rotem Blut, die Gutes von ausserhalb in die Niederungen dieser Welt hineinzaubern.

Zu oft geht es Politikern nicht mehr darum, herauszufinden, was die Bürger wollen, wo sie der Schuh drückt und zwickt, sondern darum, was die Bürger sollen. Das „Volk“, das verkörpert doch in den Augen vieler Politiker das Unberechenbare, das grundsätzlich Fehlerhafte. So überrascht es nicht, dass sich staatliche Institutionen in zweifacher Hinsicht umtriebig zeigen: Sie geben das Geld ihrer Bürger mit vollen Händen aus, und, sie machen ihnen überall Vorschriften.



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73%
(40 Stimmen)
Franziska Keller sagte Mai 2011

Herr Gross, nachfolgend der zweite Abschnitt in Ihrem Kommentar:

"Für die Demokratie bedeutet dies: Sie ist in einer Krise. Denn eine ihrer modernen Grundideen besagt, dass all jene, die von Entscheidungen betroffen sind, am Prozess der Entscheidungsfindung Teil haben können sollten. Die Demokratie sollte all jene Institutionen, Verfahren und Regelungen zur Verfügung stellen, dass die unter freien Menschen natürlichen Konflikte ohne Gewalt ausgetragen, ja dass diese fruchtbar gemacht und in gesellschaftliche Lernprozesse einmünden können."

Diese Demokratie-Krise gibt es in der Schweiz nicht. Jedem Bürger dieses Landes ist es problemlos möglich seinen politischen Willen kundzutun. Jedem Bürger dieses Landes ist es ausserdem möglich sich zur eigenen Information und Entscheidungsfindung zu informieren wo immer und worüber er will. In unserem Land haben wir das Recht unsere Meinung frei zu äussern, privat - öffentlich - an der Abstimmungsurne etc.!

Unsere umfassenden demokratischen Rechte werden zwar manchmal kurz in Frage gestellt. Zum Beispiel wenn Abstimmungsresultate gewissen Politikern, Bundesräten, anderen leitenden Angestellten im Auftrag des Volkes, sowie Mitgliedern in bestimmten Vereinigungen nicht ins Konzept passen - und diese in der Folge finden, man müsse künftig das Initiativrecht des Volkes beschneiden, weil das Volk nicht mehr mündig sei die richtigen Entscheidungen an der Urne zu treffen!

Das sind Angriffe auf unsere verfassungsmässigen demokratischen Grundrechte, die in der Tat die direkte Demokratie dieses Landes in eine Krise führen könnten.

Zum Glück haben die erwähnten staats- und demokratiefeindlichen​ Attacken dieser Personen bis anhin nur dem Ruf der Betreffenden massiv geschadet und deren Vertrauens- und Glaubwürdigkeit arg in Frage gestellt. Sie werden allgemein in ihrem "furchtlosen Bemühungen um demokratische Gerechtigkeit in der Schweiz" wohl nie mehr ganz ernst genommen (milde ausgedrückt!).

In diesen Sinne, Herr Gross: Netter Versuch!




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23%
(26 Stimmen)
Hans Meier sagte Mai 2011

@Herr Ryter zitat von ihne "...Ein Bonus von 40 Millionen ist meiner Meinung nach schon Menschenverachtend vor allem gegenüber den Mitarbeiter im selben Betrieb." Aber Sie wollen natürlich nicht wissen welche Partei die von ihnen verhassten Bonimanager unterstützen. Und wer hat da mehr Gewicht: Der Wähler oder der Bonimanager?



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