Machen wir ein Gedankenexperiment:
Wenn wir keine Angaben zu den Wahlabsichten einer Personen hätten, wären wir dann in der Lage, eine Person, die uns sonst Auskunft gibt, in ihrer Neigung zu den Wahlen 2011 zu durchschauen? Die Regressionsanalyse sagt: Ja. Ihre Anwendung für Schweizer Wahlen kommt zum Schluss, ja, je nach Partei.
Die Logik dieser Untersuchung, die im Wahlbarometer regelmässig verwendet wird, lautet wie folgt: Wie gut kann man eine abhängige Variable aufgrund unabhängiger schätzen? Abhängige Variable ist im vorliegenden Fall die Wahlabsicht, die unabhängige die getesteten kurz-, mittel- und langfristigen Determinanten der Parteientscheidung.
Das Ergebnis des Tests lautet: Wählende der SVP und der SP erkennt man recht gut. Wählende der BDP bleiben aber ein Geheimnis. Das hat jedoch nichts mit der Unzulänglichkeit von Befragungen zu tun, vielmehr mit dem Muster der Wählerschaften. Jenes der beiden Polparteien in der Schweiz kennt man hinreichend, das von FDP, CVP, GPS und GLP ist einigermassen bekannt, und das der BDP ist wohl zu wenig gefestigt, um verallgemeinert werden zu können.
Die SVP-Wählenden erkennt man am besten an ihren Antworten zur Wirtschafts- und Migrationspolitik, an ihren Urteilen zu den Wahlkämpfen der Parteien, an ihrer Position auf der Links/Rechts-Achse, an der Note für Toni Brunner und am Misstrauen in den Bundesrat. Optimiert werden kann die Erkennung, wenn man alle Informationen gleichzeitig hat.
Wählende der SP wiederum finden vor allem die SP-Wahlkämpfe gut. Sie identifizieren sich mit dem Parteiprogramm, in der EU-Frage, bei Wirtschaftsthemen, wenn es um die Migration oder um die Umwelt und Energie geht. Für sie ist auch Christian Levrat eine positiver Dreh- und Angelpunkt. Selbst sind sie klar links, befürworten einen starken Staat und vertrauen dem Bundesrat.
Auch Wählende der FDP erkennt man in erster Linie programmatisch. In Migrationsfragen, bei Vorschlägen gegen die Arbeitslosigkeit, zur Verbesserung der Wirtschaft allgemein, wenn es um Finanzen geht oder um das Gesundheitswesen. Auch die Liebe zur Schweiz, die Leitlinie in ihrem Wahlkampf, bietet FDP-Wählenden positive Anknüpfungspunkte. Weniger klar ist das beim Personal der Partei, beim Wertehimmel, den der Freisinn heute vertritt, und bei Gesamturteil über den Bundesrat.
CVP-Wählende stehen wie SP-Wählende zum Wahlkampf ihrer Partei. Die Familienpolitik ihrer Partei einigt sie, schade nur, dass sich die anderen dafür nicht interessieren. Neuerdings schaffen auch die Umwelt- und Migrationsfrage Anknüpfungspunkte. Christoph Darbellay übrigens auch. Darüber hinaus finden sie aber, man soll ob allem Aktivismus das Materielle nicht vergessen und einen Schwerpunkt bei einer wirtschaftsfreundlich ausgerichtet Politik haben.
Für die GPS-Wählerschaft ist die Umweltpolitik massgeblich und sie identifiziert sich mit dem eigenen Wahlkampf. Sie will eine linke Partei wählen, für die Ökologie eine Ideologie ist, und sie hofft auf eine offene Schweiz, die sich von der SVP abgrenzt.
Die GLP-Wählenden sind da pragmatischer. Ihr neuer Auftritt ist ihnen wichtig. Ihr Umwelt-/Energieprogramm auch. Die Schweiz soll offen für Neues sein; Ökologie der Ökologie willen ist für sie passé.
Wie gesagt, die BDP-Wählerschaft ist und bleibt das Rätsel der Wahlforschung in der Schweiz. Zwar weiss man, was die Wählenden im Schnitt verdienen, wo sie wohnen und wie alt sie sind. Doch unterscheidet sie das kaum von anderen Parteien in der Mitte und etwas rechts davon. Licht ins Dunkel werden hier Einschätzungen zu den BundesrätInnen respektive der Regierungszusammensetzung bringen.


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