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Zeit für die Volkspension

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Zeit für die Volkspension

Die BVG-Kommission beantragt dem Bundesrat den Mindestzinssatz bei den Pensionskassen auf von heute 2 auf 1,5 Prozent. Folgt der Bundesrat diesem Antrag, ist das eine Rentensenkung. Grund dafür sind in erster Linie die Wirtschaftskrisen seit 2008.

Schon zum zweiten Mal innert kurzer Zeit gerät der globale Finanzmarkt ins Schlingern. Die Verluste an den Börsen sind nicht nur die Sorge der Börsenhändler und der Spekulanten. Wer einer Pensionskasse angeschlossen ist, und das sind die meisten von uns, hängt mit drin.

 

Widersprüch​liche Anforderungen an die Pensionskassen

Jedes​ Jahr müssen Arbeitnehmende und Arbeitgebende enorme Summen in die 2. Säule einzahlen. Das angesparte Kapital muss auf dem Kapital- und Immobilienmarkt angelegt werden. Dabei müssen die Pensionskassen eine bestimmte Rendite erzielen, damit die Renten gesichert sind. Brechen die Börsenkurse ein, sinkt nicht nur die Rendite, nein das ganze Alterskapital schmilzt dahin und die Kassen geraten in Unterdeckung. Weil dies nicht zulässig ist, müssen sie zu Sanierungsmassnahmen greifen. Neben Beitragserhöhung für Arbeitnehmerinnen, Arbeitnehmer und Arbeitgebern, die gerade in Krisenzeiten problematisch sind, kommt eben eine Erhöhung des Umwandlungssatzes infrage. Das heisst aber nichts anderes als eine Rentensenkung. Dazu hat das Schweizer Volk vor kurzem deutlich Nein gesagt. Mit diesem Nein, ist allerdings das Problem nicht gelöst. Denn Pensionskassensystem ist gezeichnet von einem unauflösbaren Widerspruch zwischen den volatilen Finanzmärkten und dem auf Sicherheit ausgelegten Rentenanspruch.

 

M​arginaler Einfluss der Kapitalmärkte auf die AVH dank Umlageverfahren

Ande​rs verhält es sich bei der AHV. Sie wird mit Sozialbeiträgen der Arbeitgeber und der Arbeitnehmenden sowie mit Staatsbeiträgen finanziert. Die Staatsbeiträge machen rund 30 Prozent aus. In den Jahren 2003 bis 2007 erzielte die AHV regelmässig Überschüsse. Überschüsse fliessen in einen Ausgleichsfonds, damit die Rentenzahlungen auch bei Schwankungen bei den Einnahmen sichergestellt werden können. Die Fondsgelder werden zwar auch an den Finanzmärkten angelegt. Das Gros der Einnahmen gelangt jedoch nicht an den Kapitalmarkt, sondern wird direkt  in Form von Renten ausbezahlt (Umlageverfahren) und fliesst so direkt in den Konsum. Probleme an den Finanzmärkten betreffen die AHV daher nur marginal.

Darum, meine ich, ist es an der Zeit, vom Dreisäulensystem langsam aber sicher Abschied zu nehmen und laut über eine Volkspension nach dem Modell der AVH nachzudenken, bevor es zu spät ist. Ein Umbau vom Dreisäulensystem in eine Volkspension ist ein anspruchsvolles Projekt, das seine Zeit braucht.

Julia Gerber Rüegg  


Kommentare von Lesern zum Artikel

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100%
(3 Stimmen)
Hans P. Grimm sagte September 2011

Und was passiert dann mit meinen angesparten Kapital in der 2. und 3. Säule? Kassiert dies dann der Staat ein?

Ich weiss nicht ob mir das gefallen würde!

Besser währe es, z.B. bei der PK die Wahlfreiheit einzuführen. Heute bin ich gezwungen einer PK anzugehören, wenn diese schlecht gemanagt wird kann ich mich nur ärgern und nichts machen!


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80%
(10 Stimmen)
Werner Nabulon sagte September 2011

Eine AHV/IV funktioniert ja nach dem Umlagerungsprinzip, und hat Probleme, weil zu wenig Gelder rein fliessen, ….

Nach der Einführung des Obligatorischen BVG, vor 20Jahren begann ein Wachstum im Immobiliensektor, die Mieten sind angestiegen weil sehr viele Pensionskassen Immobilien Halter sind, ausserdem konnte man hören, dass in jeder Finanzkrise Gelder verloren gingen an der Börse. (meine Gelder). Gesetze nützen da nichts.

Und weil wir noch eine dritte Freiwillige Säule haben, sei da erwähnt, so mancher der auf seinen Versicherer oder Banker gehört hat verlor ebenso Gelder bei den Finanzkrisen.

Gehö​rt auch hier hin, die Obligatorische Kranken Kasse KK, seither sind die Gesundheitskosten explodiert, ein Heer von Gesundheitsexperten zockt ab.

Entschuldigung, aber mehr Zwangssparen will ich nicht!
Bevor ich an eine Volkspension ala DDR oder ex UDSSR denke, stell ich mir lieber vor, mit allen diesen Obligatorischen Kassen aufzuhören.

Scheinbar bewahrheitet sich da ein alter Satz, dass man das Geld besser selber verwaltet als in fremde Hände gibt, Trau schau Wem.



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82%
(11 Stimmen)
Anton Keller sagte September 2011

Die Frage ist nur, ob man dem Staat mehr vertrauen kann. Speziell die EU-Länder gehen mit ihren Pensionsversprechen nicht so vertrauenerweckend um. Interessant wird es, wenn Länder wegen ihren Pensionsversprechen (Rente mit 50 und ähnliches) deswegen nicht mehr Schulden machen können. Wir stehen da kurz davor.


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80%
(10 Stimmen)
Hans Meier sagte September 2011

Woher kommen die AHV-Zahler? Wir haben bereits jetzt zu wenig. Die Pensionskasse ist keins schlechtes Instrument. Der Fehler liegt im fehlenden Wettbewerb der Anbieter. Jeder sollte seine Pensionskasse wählen können. Damit die Gelder langfristig angelegt werden können, jeweils nur alle paar Jahre (so 5 bis 10). Jetzt haben wir Selbstbedienungsystem​ für Finanzhaie.

Vertrauen hab ich weder in die AHV noch die Pensionskasse.


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73%
(11 Stimmen)
Roland Steiner sagte September 2011

Das System der Pensionskassen darf auf keinen Fall ersetzt werden. Man könnte dieses System höchstens verbessern indem man den Markt freigibt. Jeder soll die Pensionskasse frei wählen können. Dadurch entsteht Konkurenzdruck. Somit würde das Problem des Mindestzinssatz wegfallen.
Man könnte den Pensionskassen zusätzlich zugestehen, auch die 3te Säule anzubieten.


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80%
(15 Stimmen)
Roger von Rohr sagte September 2011

So weit soll es kommen, dass sich Arbeit noch weniger lohnt - sozialistischer Einheitsbrei für alle! Letztlich ist es so, dass überall wo Politiker ihre Finger im Spiel haben, es letztlich nur Probleme gibt. Viel besser wäre, wenn die zweite Säule wie die Dritte aufgebaut würde. D.h. jeder spart mit seinem Beitrag und jenem des ARbeitgebers in einer individuellen Stiftung oder Sperrkonto ein Alterseinkommen an. Wir sollten in der Schweiz wieder mehr auf Eingenverantwortung und liberale Werte setzen, es waren diese Werte welche die Schweiz und andere Länder gross und wohlhabend gemacht haben. Der Sozialismus hat bis anhin jedes Land, welches sich ihm verschrieben hat in das direkte wirtschaftliche und kutlurelle Verderben geführt.


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89%
(9 Stimmen)
Markus Thurner sagte September 2011

Wow - meinen Sie das ernst?

Die zweite Säule (in Verbindung mit der AHV und der freiwilligen 3. Säule) ist etwas sehr innovatives im Bereich Pensionen weltweit gesehen. Statt bewährtes und erfolgreiches abzuschaffen, sollten wir bestehendes optimieren:

* Die AHV stellt die Grundsicherung zur Verfügung. Diese ist aktuell zwar dank Einwanderung und guter Wirtschaft super aufgestellt. Die Ängste liegen aber bei der Generation, die in ca. 30 Jahren in die AHV kommen, da die Kinder (sprich Beitragszahler) fehlen. Somit sehe ich die AHV nicht als das Sicherste an, aber wir haben (noch) genug Zeit für einen vernünftigen, langfristigen Übergang zu einer nachhaltig gesunden AHV.

* Die 2. Säule ist fair, indem eingezahltes mit dem ausbezahlten Übereinstimmt. Die Forderung des Volkes ist verständlich, solange die Pensionskassen so viele Gebühren kassieren. Sobald diese in einem vernünftigen Rahmen sind, wird das Volk auch geringere Umwandlungssätze in Kauf nehmen, wenn dadurch das Risiko geringer wird.

* Die 3. Säule ist sehr offen, indem Beitragszahlende aktiv ihr Portfolio (und somit ihr Risiko) bestimmen können. Sprich die Wahl zwischen ungefährer Inflationsanpassung (= 3.-Säule-Sparbuch) oder etwas risikoreicherer Anlage (= für die 3. Säule genehmigter Fonds).

Also was könnte man verbessern?
* AHV: Langfristige, aber flexible Anpassung an künftige demographische Änderungen.
* 2. Säule: Unterstützung des Volkes statt der Pensionskassen.
* 3. Säule: Gesetzlich sicherstellen, dass genehmigte Fonds entsprechend risikoarm sind/bleiben/werden und Leute nicht ihr gesamtes Vermögen aufs Spiel setzen.


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