Pascal Kesseli GLP

Pascal Kesseli
Pascal Kesseli GLP
Wohnort: Gams
Beruf: Informatikingenieur
Jahrgang: 1987


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Abtreibungsinitiative​ – Vier Lügen auf einen Streich
Was haben Unkraut und Anti-Abtreibungsfanat​iker gemeinsam? Richtig, sie beide kommen einfach immer wieder, egal wie oft sie gejätet oder vom Volk abgestraft werden. Vor nicht einmal zehn Jahren

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Kandidaturen

Kandidatur:

Wahlkreis: Kanton St. Gallen
Liste: Junge Liste der Grünliberalen JGLP
Listenplatz: 12
Bisheriger Sitz: Nein
Wahltermin: 23.10.2011
Ergebnis: Nicht gewählt


Dafür setze ich mich ein

+ Für eine starke Wirtschaft, die wirklich allen dient.
+ Für mehr Sicherheit und Zusammenarbeit.
+ Für echte Freiheit, und den Schutz dieser Freiheit vor politischen und wirtschaftlichen Mächten.
- Gegen parteipolitische Machtspiele, die unserer Wirtschaft und unserer Beziehung zum Ausland schaden.
- Gegen einen Beitritt zur EU.





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Meine neusten Kommentare

Mai 2012 Kommentar zu
Abtreibungsinitiative​ – Vier Lügen auf einen Streich
> Dann beginnt das Leben eines Menschen, nicht vorher und auch nicht nachher.

Uff. Haben Sie auch nur einen Absatz weiter gelesen?

> Zu Beginn sind alle Zellen des Prä-Embryos noch undifferenziert, "totipotent". Es ist noch unbestimmt, aus welchen sich der Embryo und aus welchen sich die Plazenta entwickeln wird. Bis zum 5. Tag sterben etwa 60% der Blastozysten spontan ab und werden bei der Menstruation ausgestossen. Niemand würde dies als Tod von "Menschen" bezeichnen.

Aus dem Grossteil dieser Zellen, die Sie schon als menschliches Leben ansehen, wird lediglich eine Plazenta. Ist also die Plazenta ein menschliches Wesen?

Die Einstellung, dass das Leben mit der Empfängnis beginnt, bedeutet, dass für Sie jede einzelne Zelle ein vollständiges menschliches Wesen ist. Folglich bin ich ein Mörder, wenn ich mir die Mandeln entferne, den Blinddarm operiere oder mir ein Haar ausreisse. Mir fehlen die Worte, zu beschreiben, wie unendlich weit hergeholt das ist.

> Die meisten Frauen die abgetrieben haben, taten dies nach langem Abwägen und häufig mit Schuldgefühlen.

Ah​, ja. Schlichtweg frei erfunden. Studien mit ungewollt schwangeren Frauen haben ergeben, dass die Entscheidung zum Abbruch nicht häufiger bereut wird oder zu psychischen Problemen führt, als das mit anderen bedeutsamen und schwierigen Entscheidungen der Fall ist. Dabei konnte sogar explizit aufgezeigt werden, dass die Entscheidung, das Kind zu behalten, ebenso häufig zu psychischen Problemen und Depressionen führt: http://1.usa.gov/HvC8​0w

> Ich möchte schlicht keine Abtreibungen mitfinanzieren.

Nu​n, mit "möchten" ist es aber schlichtweg nicht getan. Da müssen Sie - verzeihen Sie den Kraftausdruck - verdammt noch mal mehr bieten.

Wenn es also um Moral- und Wertvorstellungen geht, konzentriere ich mich lieber auf geborene, lebendige Menschen. Ungeborene, nicht empfindungsfähige Zellen daran zu hindern, sich weiter zu entwickeln, kann ich mit meinem Gewissen problemlos vereinbaren. Mindestens genausogut wie ich Milliarden von Spermien mit einem Kondom daran hindere, die Eizelle jemals zu erreichen und sich so ebenfalls zu einem Menschen zu entwickeln.

Was ich aber nicht mit meinem Gewissen vereinbaren kann, ist, wenn eine 19-jährige Studentin wegen eines geplatzten Kondoms ihr Studium abbrechen muss. Oder ein 14-jähriges Mädchen das Kind ihres Kinderschänders zur Welt bringen muss. Ich weiss, nennen Sie mich verrückt, aber meine Priorität liegt tatsächlich eher bei diesen Fällen als bei den frisch geteilten Zellen, die ich noch unter dem Mikroskop kaum finden könnte.

Sie sagen, die Initiative sei nur ein kleiner Einschnitt, ein winziger Schritt? Ich sage, sie ist ein erster Schritt in eine völlig falsche Richtung. Wenn wegen dieser Initiative auch nur eine einzige Frau in der Schweiz aufgrund finanzieller Probleme gegen ihren Willen zu einer Geburt gezwungen wird oder auf eine billigere, unsichere Form der Abtreibung zurückgreifen muss, dann wird mir mein Gewissen in der Tat ein paar schlaflose Nächte bereiten. Und zwar weit mehr, als es ein paar einzelne Zellen jemals könnten.
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Mai 2012 Kommentar zu
Abtreibungsinitiative​ – Vier Lügen auf einen Streich
"Abtreibung um jeden Preis"? Ich bin mir nicht ganz sicher, was Sie damit meinen.

Die Argumentationen um die Abtreibung beschränken sich meist darauf, strengere Regulationen für Schwangerschaftsabbrü​che zu fordern (engere Fristen oder Verbot), oder aber für die bestehende, liberale Lösung einzustehen (gegen Verbote, für aktuelle Fristenregelung).

​Aber Gruppen, die "Abtreibung um jeden Preis" fordern, gibt es eigentlich nicht. Was soll das überhaupt bedeuten? Dass jedes Kind, gewollt oder ungewollt, um jeden Preis abgetrieben werden müsse? Der Begriff "um jeden Preis" macht hier nicht wirklich viel Sinn.
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Mai 2012 Kommentar zu
Abtreibungsinitiative​ – Vier Lügen auf einen Streich
> Alle übrigen Ablaufe haben weder einen klaren Anfang noch ein klares Ende.

Falsch. Vom biologischen Standpunkt her haben wir da sehr viele Informationen. Zum Beispiel ist bekannt, dass echte, biochemische Hirnströme erst ab dem 6. Monat auftreten und vorher kein "Bewusstsein" im eigentlichen Sinne vorhanden ist. Alle weiteren Fakten dazu können Sie z.B. hier nachlesen: http://bit.ly/Mazhwr


Die Grenze bei der 12. Schwangerschaftswoche​ ist also bereits äusserst vorsichtig und meiner Meinung nach sehr bewusst und sinnvoll gewählt. Von Willkür kann keine Rede sein. Wenn man nun noch bedenkt, dass die allermeisten Abbrüche sogar weit vor diesem Zeitpunkt stattfinden, ist es einfach nur lächerlich, bei der Abtreibung so ganz nebenbei von "Kinder töten" zu sprechen, wie Sie es in Ihrem Kommentar getan haben.

Der Grund, wieso ich es für unnötig halte, diese Frage immer wieder aufs Neue zu beantworten, ist klar: Das Schweizer Volk hat das bereits vor etwa zehn Jahren getan, und zwar mit einer überwältigenden Mehrheit von erst 72.2% und dann 81.7%. Diese Abstimmung beinhaltete übrigens auch explizit die Aufnahme des Schwangerschaftsabbru​chs in die GV: http://bit.ly/HO4tjv


Daraus schliessen sich zwei Dinge: Erstens dürfen Sie getrost davon ausgehen, dass die allermeisten Schweizer eine so frühe Abtreibung nicht für "Mord" oder "Kinder töten" halten. Und zweitens stellt sich diese Initiative explizit und direkt gegen den Volkswillen von 2002, denn die Aufnahme dieser Leistungen in die GV war Teil der Vorlage. Jede Partei, welche diese Vorlage unterstützt, darf also nie wieder behaupten, auch nur einen Pfifferling auf den Volkswillen zu geben.

Darum kann ich es nur noch einmal betonen: Woher Ihre Moralvorstellungen kommen, hinterfrage ich gar nicht. Ebensowenig wie bei den Zeugen Jehovas. Weshalb diese Bluttransfusionen ablehnen, ist mir persönlich egal und sie haben jedes Recht dazu. Aber keinesfalls werden wir basierend auf diesen Vorstellungen irgendwelche Leistungen für die Allgemeinheit ausschliessen. Es ist ein Unterschied, ob man persönlich keinen Schwangerschaftsabbru​ch durchführen würde oder ob man verlangt, dass die Allgemeinheit keinen finanziert.

Ihre Prämie gibt Ihnen für die GV wohl etwa gleich viel Mitbestimmungsrecht wie Ihre Stimme Ihnen an der Urne gibt. Und da sind Sie einfach massiv und endlos in der Unterzahl, wenn Sie glauben, dass Schwangerschaftsabbrü​che moralisch nicht vertretbar seien. Was letztlich auch Ihr gutes Recht ist - aber definitiv keine Basis, eine Anpassung der GV in irgendeiner Weise zu fordern.
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Mai 2012 Kommentar zu
Abtreibungsinitiative​ – Vier Lügen auf einen Streich
Nanu, ist das nun ein Argument gegen Schwangerschaftsabbrü​che per se? Ich bin immer wieder überrascht, wie schnell diese Versicherungs-Farce doch der eigentlichen Motivation hinter der Initiative weicht.

Wenn Sie Schwangerschaftsabbrü​che generell verbieten lassen möchten, dann seien Sie bitte ehrlich und argumentieren Sie auch so. Aber das Volk unter dem Vorwand dieser Versicherungsmasche täuschen zu wollen ist einfach nur unlauter und heuchlerisch.
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Mai 2012 Kommentar zu
Abtreibungsinitiative​ – Vier Lügen auf einen Streich
> Ist es doch gar keine Krankheit oder?

Sie gehen davon aus, dass die GV nur für Krankheiten aufkommt. Ein Hauptargument der Initianten und schlichtweg nicht wahr – wie so manches an dieser Initiative. Dazu vielleicht ein Zitat aus dem Leistungskatalog der Grundversicherung:


"Die Grundversicherung deckt die Risiken "Krankheit" und "Unfall" ab. Wer durch seinen Arbeitgeber bereits gegen Unfall versichert ist, kann die Unfalldeckung ausschliessen."
Que​lle: http://bit.ly/HNm3V2


Die GV deckt also grundsätzlich einmal Krankheiten, Verletzungen und jede andere, unerwünschte körperliche und die Gesundheit beeinträchtigende Veränderung ab. Die Deckung für Unfälle und Verletzungen kann zwar durch den Arbeitgeber ins UVG übergehen, unterliegt dort aber sogar strengeren und weitreichenderen Richtlinien. Eine Schwangerschaft stellt, wenn man kein Kind bekommen möchte, also eine ausserordentliche körperliche Veränderung und Belastung dar, die mit einem einfachen Eingriff vermieden werden kann. Eben exakt die Art von Leistung, die in die GV gehört.

> Wenn zwei miteinander Sex haben müssen jene sich auch das "Risiko" bewusst sein. Unvorsicht und fahrlässiges Handeln wird nicht von der Allgemeinheit getragen.

Wenn jemand im Winter Ski fährt, muss jener sich auch des Risikos bewusst sein. Für unvorsichtig eingefangene Lungenentzündungen sollte die Allgemeinheit nicht haften müssen.

Wenn Sie mit Fahrlässigkeit und Selbstverantwortung argumentieren, ist jede Leistung ein Ausschlusskandidat. Sich dabei explizit und ausschliesslich auf den Schwangerschaftsabbru​ch zu konzentrieren, ist reine Heuchelei. Dann wäre eine "Initiative zum Ausschluss fahrlässig verursachter Kosten" nämlich die einzig ehrliche Variante für Sie.

> Auf Grund Ihrer Redegewandtheit wage ich es zu behaupten dass Ihnen sicher noch andere Wörter als Unkraut in den Sinn gekommen wären.

Nun, die Metapher war eigentlich dem Frühling geschuldet. Und der Tatsache, dass die Initianten, obwohl das Volk mit der Abstimmung 2002 den Schwangerschaftsabbru​ch explizit in die GV aufgenommen hat - das war Teil desselben Gesetzestextes -, sich nun erneut direkt gegen den Volkswillen stellen und diesen Aspekt wieder herausnehmen möchten. Alle Jahre wieder dieselben mühseligen Fragen zu beantworten und erneut abstimmen zu müssen, dass Schwangerschaftsabbru​ch legal und von der GV gedeckt sein soll, erinnerte mich eben an die mühselige Arbeit beim Unkraut jäten.
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Mai 2012 Kommentar zu
Abtreibungsinitiative​ – Vier Lügen auf einen Streich
> Ich finde es eine Frechheit die Befürworter der Initiative "Anti-Abtreibungs-fa​natiker" zu nennen.

Da das Initiativkomitee aus denselben Gruppierungen besteht, die 2002 jede Form von Abtreibung generell verbieten lassen wollten, halte ich diese Bezeichnung für durchaus angebracht. Wenn Sie keine moralischen Bedenken zur Abtreibung hegen und die Initiative dennoch befürworten, ist das eine sehr seltene Einstellung und von der obigen Bezeichnung natürlich ausgenommen.

> Es ist aber eine Tatsache dass, ein Kondom heute in der Migros z.B noch 42 Rappen kostet. (siehe auf der Homepage von migipedia.ch)

Ich halte nicht viel von Leerargumenten. Wenn wir dieser Logik folgen würden, müssten wir wohl auch Leistungen für Lungenentzündungen ausschliessen, weil Vitaminpräparate ja äusserst günstig sind. Und natürlich wären auch sämtliche Kardiobehandlungen zu streichen, weil fettarmes Essen ja ebenfalls günstig verfügbar ist.
Wie günstig und zuverlässig Vorbeugung ist, hat auf die Übernahme der Behandlungskosten nie einen Einfluss – warum sollte es also beim Schwangerschaftsabbru​ch so sein?

> Und genau deshalb verstehe ich nicht weshalb es Frauen geben soll die einfach in der (Entschuldigen Sie) Gegend herumvögeln und die Allgemeinheit danach die Abtreibung finanzieren soll.

Nein, ich entschuldige nicht. Genau diese despektierliche Haltung ist nämlich die Ursache allen Übels. Die Idee, dass ungewollte Schwangerschaften vor allem durch verantwortungsloses „Herumvögeln“ entstünden, ist blanker Humbug. Zu den häufigsten Ursachen zählen nämlich immer noch Erbrechen, kurzzeitiger Durchfall oder aber auch schlichtweg verrutschte oder geplatzte Kondome.

Wenn also Ihr einziges Argument ist, dass nebst diesen nicht-selbstverschuld​eten Fällen auch manche Frauen durch Fahrlässigkeit ungewollt schwanger werden, schlage ich vor, die Behandlungskosten für Lungenentzündungen ebenfalls komplett auszuschliessen, weil manche Menschen fahrlässig ohne Kappe im Winter rausgehen.

All diese Selbstverantwortungs-​Argumente sind letztendlich an den Haaren herbeigezogen und lassen immer die Frage offen, weshalb Fahrlässigkeit im Alltag oder Sport ein derart minderes Vergehen sein soll als ein verrutschtes Kondom beim Geschlechtsverkehr. Die simple Antwort führt einen dann eben doch zur Tatsache zurück, dass der Löwenanteil der Befürworter aus der Ecke der strikten Abtreibungsgegner argumentiert.

> P.S. andere Leute die vielleicht nicht ganz Ihrer Meinung entsprechen als Unkraut zu bezeichnen, finde ich persönlich ein sehr hohes Niveau.

Sie mögen von meinen Metaphern halten, was Sie wollen. In den zahlreichen Debatten zu diesem Thema sind mir die farbigen Euphemismen für „Anti-Abtreibungsfana​tismus“ schlichtweg ausgegangen.
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Mai 2012 Kommentar zu
Abtreibungsinitiative​ – Vier Lügen auf einen Streich
Zeugen Jehovas müssen Bluttransfusionen ebenfalls mit ihren Krankenkassenprämien mitfinanzieren. Schliessen wir also Bluttransfusionen auch bald aus unserem Leistungskatalog aus?

Moralvorstell​ungen einzelner, ob religiös oder anderwärtig motiviert, haben keinen Einfluss auf den Leistungsumfang der GV. Entscheidend ist nur, welcher Eingriff für welchen Umstand am sichersten, billigsten und effektivsten ist.

Ein Gynäkologe, der diese Eingriffe entgegen dem Wunsch und dem Wohl seiner Patientinnen nicht durchführt, handelt fahrlässig und riskiert mit dem Verweigern von Notfall-Abtreibungen sogar deren Leben. Es kann also nicht mehr als recht sein, dass solchen Personen der entsprechende Facharzttitel verweigert wird. Ebensogut könnte man ja von einem Berufsverbot für Polizisten sprechen, die aus Gewissensgründen niemanden einsperren wollen.
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