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Bildung, Forschung
Abstimmung 23.09.2012: Bundesbeschluss über die Jugendmusikförderung

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Das Ziel dieser Vorlage ist die Förderung und Stärkung der musikalischen Bildung in der Schule wie auch im ausserschulischen Bereich. Zu diesem Zweck wird ein neuer Artikel in der Bundesverfassung geschaffen, welcher die Förderung der musikalischen Bildung durch Bund und Kantone explizit vorschreibt. Das Volk stimmt nun über diesen neuen Verfassungsartikel ab.

Ausgangslage

Gemäss heutiger Verfassung liegt die Gesetzgebungskompetenz im Bereich Musik grösstenteils bei den Kantonen. Der Musikbildungsbericht vom Bundesamt für Kultur (BAK) vom Jahr 2005 hält fest, dass der Bund keine Massnahmen ergreifen kann, falls die Förderung der Musik durch die Kantone vernachlässigt wird.

Bei der Musikförderung wird zwischen schulisch und ausserschulisch unterschieden. Am 1. Januar 2012 ist das Kulturförderungsgesetz in Kraft getreten, welches unter anderem die Zuständigkeit von Bund und Kantonen im Bereich der ausserschulischen Musikförderung festlegt.

Für die schulische Musikförderung im Kindergarten, auf Primarstufe sowie auf Sekundarstufe I liegt die Zuständigkeit bei den Kantonen, welche die inhaltlichen Standards sowie die Anzahl Lektionen bestimmen. Der Musikunterricht nimmt heute zwischen vier und acht Prozent der gesamten obligatorischen Schulzeit ein (ein bis zwei Lektionen pro Woche). Zusammen mit Sport und Religion machen sie einen Drittel des Ge-samtunterrichts aus und sind vom zeitlichen Aufwand her den Sprachfächern sowie der Fächergruppe Mathematik, Geschichte, Geografie und Naturwissenschaften gleichgestellt.



Abb.1: Anteil Musikunterricht am Gesamtunterricht

Auf Sekundarstufe II (z.B. Gymnasium) liegt der Anteil des Kunstunterrichts (Musik und Bildnerisches Gestalten) bei fünf bis zehn Prozent und kann sogar bis zu 25 Prozent betragen, wenn Musik als Schwerpunkt- oder Ergänzungsfach gewählt wird. Hier kann der Bund über die Maturitätsanerkennungsverordnung (MAV) bzgl. Inhalte und Lektionen mitbestimmen.

In der Berufsbildung wird kein obligatorischer Musikunterricht vorgeschrieben. Kantone können jedoch Freikurse anbieten.

Was wird geändert?

Das wesentliche Ziel der Vorlage ist es, dem Bund mehr Kompetenzen zur Förderung der Musikbildung zu übertragen.

Künftig sollen Kantone und Bund die musikalische Bildung fördern, insbesondere von Kindern und Jugendlichen. Im Rahmen ihrer Zuständigkeiten setzen sich Bund und Kantone für einen hochwertigen Musikunterricht an Schulen ein. Falls keine Harmonisierung der Ziele des Musikunterrichts an Schulen von den Kantonen erreicht wird, soll der Bund Vorschriften erlassen.

Der Bund legt Grundsätze fest, welche den Zugang der Jugendlichen zum Musizieren und die Förderung von musikalisch Begabten betreffen. Die Kantone können dabei mitwirken.

Auswirkungen

Die gesamten finanziellen Auswirkun-gen der Vorlage lassen sich kaum beziffern. Der Bund schätzt jedoch, dass nach Annahme der Vorlage 200 Stellenprozente in der Bundesverwaltung geschaffen werden müssen. Geht man von einem durch-schnittlichen Bruttolohn von rund 115‘000 CHF aus, beliefen sich die jährlichen Mehrkosten auf mindestens 330‘000 CHF.

Bei den Kantonen ist ein bescheidener Personalmehrbedarf zu erwarten, der sich noch nicht näher bestimmen lässt.

Argumente der Befürworter

Beschäftigung mit Musik gehöre zu den am meisten verbreiteten kulturellen Aktivitäten, was die Wichtigkeit dieses Bereichs in der Gesellschaft unterstreiche, und sollte daher ausreichend gefördert werden. Laut Bundesamt für Statistik spielt 1/5 der Bevölkerung ein Instrument, 1/6 ist in einem Chor aktiv, 2/3 besuchen regelmässig Konzerte, 4/5 hören mind. einmal pro Woche Musik und fast die Hälfte der Bevölkerung hat mindestens ein Jahr lang Musikunterricht besucht.

Musikunterricht beeinflusse die Entwicklung des Menschen positiv, denn Musik fördere Gemeinschaft, Teamgeist, Disziplin und strukturiertes Denken. Musik sei zudem kulturübergreifend und völkerverbindend.

Gemäss Studien (ua. Bastian, Jäncke, Spitzer) sei die Verschiebung der Unterrichtsschwerpunkte zugunsten der Musik richtig und wichtig. Mehr Musikunterricht würde zu einer ausgeglicheren Ausbildung führen, da Musik heute als „Randfach“ oft gegen „Wissensfächern“ zu kurz käme.

Musik würde mit der Verankerung in die BV die gleiche Bedeutung erhalten wie Sport, was richtig wäre, denn ein gesunder Körper brauche auch einen gesunden Geist.

Die Begabtenförderung würde gestärkt. Die finanzielle, ideelle und schulische Unterstützung von Begabten wäre gewährleistet.

Argumente der Gegner

Die Bildungshoheit der Kantone habe sich bewährt und sollte auch die Musikbildung betreffend beibehalten werden. HarmoS sorge für eine Harmonisierung auch im Musikunterricht. Damit würden inhaltliche Ziele und Standards vereinheitlicht, wodurch eine hohe Qualität der Musikbildung sichergestellt würde. Dies tangiere die Bildungshoheit der Kantone nicht.

Die Förderung der Musikbildung sei bereits ausreichend. Im Jahr 2007 gab es 400 Musikschulen, welche kantonal und kommunal sowie mittels Schulgelder finanziert wurden. Insgesamt wurden 260‘000 Schüler von 12‘500 Lehrpersonen ausserschulisch betreut.

Das Kulturförderungsgesetz schaffe bereits eine umfassende Rechtsgrundlage für die Musikbildung. Daher sei eine Verankerung in der BV nicht nötig. Der Kulturförderungsartikel in der BV reiche vollkommen aus und es brauche keinen eigenen Artikel für die Musikbildung.

Die Anzahl Lektionen für Musikunterricht an den Schulen würden vollkommen ausreichen. Musikunterricht sei im Gesamtunterricht gemessen an den Lektionen angemessen vertreten.

Wenn der Artikel dem Bund erlaubt, Massnahmen der Kantone im Schul-bereich finanziell zu unterstützen, wären die Mehrkosten beim Bund ungewiss und könnten erheblich sein. Das Gleiche gilt für die Kantone.


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Zusammenfassung

Ziel der Vorlage

Die mu­si­ka­li­sche Bil­dung in der Schweiz soll stär­ker ge­för­dert werden.

Wichtigste Änderungen

Bund und Kan­tone för­dern die mu­si­ka­li­sche Bil­dung, ins­be­son­dere bei Kin­dern und Jugendlichen.

Bund und Kan­tone set­zen sich für einen hoch­wer­ti­gen Mu­sik­un­ter­richt an Schu­len ein.

Bund legt Grund­sätze fest, wel­che den Zu­gang der Ju­gend­li­chen zum Mu­si­zie­ren sowie die För­de­rung von mu­si­ka­lisch Be­gab­ten betreffen.

Argumente dafür

  • Beschäftigung mit Musik sei sehr ver­brei­tet und deren För­de­rung des­we­gen wichtig.
  • Musik hat po­si­ti­ven Ein­fluss auf die Ent­wick­lung des Menschen.
  • Die För­de­rung von Be­gab­ten würde gestärkt.

Argumente dagegen

  • Die Bil­dungs­ho­heit der Kan­tone habe sich be­währt und dürfe nicht tan­giert werden.
  • Die För­de­rung der Mu­sik­bil­dung sei be­reits ausreichend.
  • Die Mehr­kos­ten beim Bund seien un­ge­wiss und könn­ten er­heb­lich sein.

Positionen

Ein "Ja" emp­feh­len: Bun­des­rat und Parlament

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Kommentare von Lesern zum Artikel

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67%
(6 Stimmen)
Hans Zumstein sagte August 2012

Gut möglich, dass diese Initiative scheitert weil sie nebst der Streichung des Eigenmietwerts den Abzug von Unterhaltskosten zulässt. Für mich wäre die fairste Lösung, auf B E I D E S zu verzichten: Streichen des Eigenmietwerts u n d der Unterhaltskosten! Bin überzeugt, dass eine Initiative für die Abschaffung des "unsäglichen" Eigenmietwerts kombiniert mit der Streichung des Abzugs für Schuldzinsen und Unterhaltskosten dann akzeptiert würde.
Auch hier gilt, und das schreibe ich als Stockwerkeigentümer, dass man auch da nicht den "Batze", das Brot und das Wechselgeld gleichzeitig bekommt!


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