Adrian Engler

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February 2013 Kommentar zu
Abzocker-Initiative ist kein Henkerstrick
Die Leier, dass Millionengehälter von Managern durch "Leistung" gerechtfertigt seien und jede Kritik daran "Neid" bedeutet, kennen wir langsam. In einigen Fällen mag das sogar stimmen, aber bei Mario Corti ist das wirklich absurd. Die Hauptverantwortlichen​ für die verantwortungslose Expansionspolitik der Swissair, die zur Pleite führte, sind natürlich andere, aber Corti war auch schon eine gewisse Zeit beteiligt. Worin soll die grandiose Leistung von Corti in der kurzen Zeit zwischen der Übernahme der Swissair-Leitung und deren Pleite bestanden haben? Er leitete keine der dringend benötigten Sanierungs- und Sparmassnahmen ein, er redete die katastrophale finanzielle Lage der Swissair schön und versuchte, den Aktionären Sand in die Augen zu streuen. Dafür kassierte er den Lohn von fünf Jahren im Voraus, so dass er bei der Swissair-Pleite persönlich keinerlei finanzielles Risiko einging, während viele Zulieferer kein Geld bekamen. Es ist sicher gerechtfertigt, dass für Arbeitsstellen mit einem höheren Risiko und mit grösserer Verantwortung auch höhere Löhne bezahlt werden. Ein Verhalten wie das von Mario Corti, der sicherstellen wollte, dass er seine Millionen von Swissair von Anfang an im Trockenen hatte und es nicht mehr auf seine Leistung ankam, ist dagegen sicher in den Augen der meisten Menschen inakzeptabel und schafft falsche Anreize. Die Abzockerinitiative wird generell nicht viel gegen überhöhte Manager-Gehälter ausrichten, da diese oft mit dem Einverständnis der Aktionäre bezahlt werden, aber gegen Extremfälle wie bei Corti, in denen sich Manager so absichern wollen, dass sie auch im Fall des totalen Versagens noch hohe Millionenbeträge bekommen (über Goldene Fallschirme oder eben das Vorausbezahlen von Löhnen) können die Bestimmungen der Abzockerinitiative sehr wohl etwas bewirken.

Ich habe nichts dagegen, wenn erfolgreiche Manager grosser Firmen Boni in Millionenhöhe bekommen. Aber wenn jemand wie Corti für ein kurzes Gastspiel an der Spitze einer Firma, während welchem er trotz der katastrophalen Lage der Firma untätig bleibt und versucht, die Situation schönzureden, Millionenbeträge kassiert, stimmt etwas grundsätzliches nicht mehr.

Bekanntlich ist ein Cousin von Corti Filmproduzent, und er liess Michael Steiner einen Film drehen, in dem Cortis Rolle mit einer völlig absurden Verschwörungstheorie weissgewaschen werden sollte. Gemäss "Grounding" soll nicht das Missmanagement von Corti und seinen Vorgängern für die Swissair-Pleite verantwortlich sein, sondern die bösen Banken, die der maroden Swissair nicht noch mehr Geld nachwarfen. Die Banken sind natürlich ein beliebtes Feindbild für populistischen Volkszorn, aber im Fall der Swissair taten sie das Einzige, was man verantworten konnte - zu verhindern, dass noch mehr Geld in dieses Fass ohne Boden fliesst.


A, einige Leute hätten Steiners Märchen, das nicht den Fakten entspricht, lieber gehabt als die Realität. Die Tatsache ist eben, dass Corti sein Millionengehalt nicht für eine Leistung oder ein Risiko bekam, sondern dass er im Voraus sicherstellt, dass es für ihn keinerlei Risiko gibt und er im Gegensatz zu Zulieferfirmen auch dann nichts verliert, wenn die Swissair nach seiner Untätigkeit tatsächlich pleite geht. Wegen solcher Extremfälle wurde die Abzockerinitiative lanciert, und mir erscheint es sinnvoll, nicht gvenerell hohe Manager-Gehälter, sondern speziell solche Fälle, in denen Manager wie Corti profitieren wollen, ohne im Fall des Scheiterns ein Risiko einzugehen, zu verhindern. Dagegen scheint es. Nicht viele Argumente zu haben, aber wenn es darum geht, den Leuten Sand in die Augen zu streuen, ist Michael Steiner gerne zur Stelle, diesmal mit einem völlig absurden und fakten- und argumentfreuen Film, in dem behauptet wird, die Schweiz würde untergehen, wenn die Abzockerinitiative angenommen wird. Nun gut, wer an das Märchen glaubte, Mario Corti habe selbstlos für die Swissair "gekämpft", glaubt vielleicht auch an das apokalyptische Märchen vom Untergang der Schweiz, für den Fall, dass man solche Exzesse künftig verhindert. Eine Mehrheit wird es zum Glück nicht sein, die daran glaubt.
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