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BTS-OLS – und was kommt als Nächstes?

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Man stelle sich vor, der frisch­ge­ba­ckene Schwei­zer Cup­sie­ger Vol­ley Am­ris­wil trägt ein Heim­spiel der obers­ten Spiel­klasse aus. Sie wol­len den Match eben­falls be­su­chen und stre­ben per Velo Ihr Ziel an. Sie haben Glück: vor der Sport­halle sind viele Veloabstellplätze noch frei, während die letz­ten Fans, die mit dem Auto her­an­fah­ren, teil­weise 100 Meter und mehr vom Ort des Ge­sche­hens ihre Ka­rosse in die Wiese stel­len müssen. Ist das nicht eine Zu­mu­tung?

 

Das Beispiel ist real, kann aber auf beliebige andere Örtlichkeiten übertragen werden. Worauf ich hinaus will: rund 300 Zuschauerinnen und Zuschauer haben das gleiche Ziel, fahren teilweise aus dem selben Quartier weniger als ein Kilometer zum Sportanlass und bewegen damit einzeln jeweils mindestens anderthalb Tonnen, ohne auch nur einen Gedanken darauf zu verschwenden, ob nicht eine andere Fortbewegungsart möglich, geschweige denn sinnvoll wäre oder ob man allenfalls die beiden Kollegen noch mitnehmen könnte. Warum sollte man auch? Das Auto steht geduldig vor der Haustür, man steigt ein, dreht den Schlüssel und ab geht’s. «Von der Haustür zur Autotür» ist vielen von uns in Fleisch und Blut übergegangen.

 

Was​ das mit BTS und OLS zu tun hat? Mehr als man zunächst annehmen würde. Selbstverständlich sind diverse Branchen auf eine leistungsfähige Strassen-Infrastruktu​r angewiesen. Selbstverständlich gibt es immer wieder Situationen, wo die 4 Räder mit Verbrennungsmotor eine unschlagbare Transportlösung darstellen und einfach praktisch und angemessen sind. Und selbstverständlich sind Massnahmen entlang der bestehenden Thurtalachse nötig. Dennoch sollten wir eine Einschätzung des auf Destinationsentwicklu​ng spezialisierten Strategieberaters Daniel Fischer nicht einfach so in den Wind schlagen. Er bescheinigte vor kurzem anlässlich des Euregio-Tourismusforu​ms dem Thurgau touristisch ein «enormes Potenzial» bei den natürlichen Voraussetzungen.

 

Diesen Trumpf sollten wir nicht leichtfertig verspielen, indem wir eine Schnellstrasse bauen, die einerseits den Oberthurgau mit dem westlichen Kantonsteil verbinden, aber keine Transitstrecke sein soll. (Wo bleibt da die Logik?) Anderseits soll sie die geplagten Strassenanwohner der regionalen Zentren entlasten, wo doch für die Städte Frauenfeld, Kreuzlingen, aber auch Amriswil bekannt ist, dass zwei Drittel Quell-/Zielverkehr sind, den man kaum auf eine Umfahrung bringen wird. Und gerade in Amriswil wird wenig dafür getan, dass Automobilisten und Automobilistinnen auf Fahrten ins Zentrum verzichten – im Gegenteil: In Kürze soll eine neue Tiefgarage im Zentrum entstehen.

 

Anfang​ Januar hat Regierungsrat Kaspar Schläpfer in einem Interview bekannt, dass es zu BTS/OLS keinen Plan B gäbe. Einspruch: es gibt ihn, den Plan B. Er liegt bereit auf dem Tisch der Umweltverbände. Die sogenannte Verbandsvariante setzt auf lokale, bedürfnisgerechte Umfahrungen – in Weinfelden zum Beispiel auf eine Südumfahrung auf einer teilweise tiefer gelegten Dufourstrasse, da im Umfeld der Firma Model, aber auch der angrenzenden Grossverteiler der meiste Verkehr generiert wird. Plan B beinhaltet aber auch flankierende Massnahmen wie Anreize für gemeinsame Fahrten zur Arbeit, für Konzepte wie «Teilen statt Besitzen», für verbesserte kombinierte Angebote von MIV und öV sowie für Ideen wie «Duschen statt Parkplätze» am Arbeitsplatz.

 

Ein​e Ablehnung von BTS/OLS in der geplanten Form und ein flexibler, modularer, massvoller Ausbau der bestehenden Achsen (Verbandsvariante) würde dem Anspruch auf den immer wieder zitierten schonungsvollen Umgang mit der wertvollsten Thurgauer Ressource, der weitgehend intakten Landschaft, gerecht und liesse nebenbei auch touristisch für den Raum Bodensee/Seerücken alle Optionen offen. Mit der ach so schlechten Verkehrsanbindung des Oberthurgaus kann es übrigens nicht so schlimm stehen, ist doch mit der AFG der grösste Arbeitgeber des Thurgaus in Arbon domiziliert.

 

Eine​ Schnellstrasse mit verbessertem Anschluss an die täglichen Staus, mithin an den drohenden Verkehrskollaps des Zürcher Wirtschaftraums, würde den Thurgau jedoch seiner Einzigartigkeit berauben. Der Thurgau ist und bleibt ein Randkanton, und das ist auch eine Chance. Wir sollten sie nutzen.

 

P. S. Im Herbst 2003 wurde das zweispurige Teilstück Hinwil-Fuchsbüel – Schmerikon (A 53, Oberlandautobahn) eröffnet. Jetzt, nach knapp 10 Jahren, wird bereits ein Ausbau auf 4 Spuren gefordert…

 

 


Kommentare von Lesern zum Artikel

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86%
(7 Stimmen)
J. Nyffeler sagte April 2012

sehr geehrter Herr Brägger
Gibt es auch einen Plan B für Biker und Bikerinnen, die den Wald zerstören???



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