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Das Mass ist voll

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Das neuste SV­P-I­ni­tia­tiv­chö​r­bli ü­ber­quillt vor wurm­sti­chi­gen Ar­gu­men­ten. Die Be­gren­zungs­i­ni­ti​a­tive ü­ber­schrei­tet ein­mal mehr jede Grenze , v.a. die­je­nige der Sach­lich­keit.

Die Initianten wollen das Personenfreizügigkeit​sabkommen mit der EU abschaffen. Sie sprechen keine Sekunde lang darüber, wie wichtig dieses für die Schweizer Wirtschaft und Gesellschaft ist.

Dem Initiativtext entnehmen wir, es sei der Personenfreizügigkeit​ zu verdanken, dass einheimische Arbeitsplätze gefährdet seien, ältere Leute ihre Stelle verlören, Wohnraum knapper würde, die Mieten und Hauspreise stiegen, Züge, Strassen und Schulen unsicherer würden und über die Hälfte der Sozialhilfebezüger Ausländer seien.

Da wird so ungefähr alles ins Chrättli gelegt, was bei Wutbürgern für einhelliges Kopfnicken sorgt. Die Initianten tun sich sichtlich schwer damit, Äpfel von Birnen zu unterscheiden. Als Bauerntochter kann ich da gerne etwas nachhelfen:

Erstens: Wir sprechen über die Personenfreizügigkeit​ mit der EU. Nicht über Asylbewerber oder Flüchtlinge, nicht über Nordafrika oder Eritrea. Ausserdem hat sich die Einwanderung der Arbeitnehmenden aus der EU in den letzten fünf Jahren halbiert.

Zweitens: Die Schweiz braucht Fachkräfte aus dem Ausland. Nicht erst seit der Personenfreizügigkeit​ mit der EU, sondern schon immer. Und nicht nur Grosskonzerne, sondern vor allem auch Spitäler, Pflegeinstitutionen, KMU, wie das Baugewerbe, Hotels oder Restaurants würden ohne ausländische Arbeitskräfte gar nicht funktionieren. Die Landwirtschaft übrigens auch nicht: Viele Betriebe überleben nur, weil sie Hilfskräfte aus Polen, Rumänien oder Bulgarien engagieren, die ihnen die Tiere versorgen, den Krautstil ernten und die Güllegrube leerpumpen.

Drittens:​ Die Schweiz profitiert seit 15 Jahren von Vorteilen der Personenfreizügigkeit​ mit der EU. Für die Unternehmen hat sich die Suche nach Talenten vereinfacht. Und seit 2010 wurden 600‘000 Stellen neu geschaffen. Die inländische Erwerbsquote ist seit Anfang des Jahrzehnts gestiegen.

Viertens: Die Schweizer Einkommen sind seit 2002 um durchschnittlich 1,1% gewachsen. Das Lohngefälle zwischen europäischen Einwanderern und hiesigen Arbeitnehmenden ist bei vergleichbaren Rahmenbedingungen nach wie vor unbedeutend.

Fünftens​: In der Schweizer Wirtschaft gehen in den nächsten zehn Jahren eine Million Menschen in Rente und nur eine halbe Million Erwerbstätige rücken nach. Damit fehlen etwa 500'000 Personen. Jene Unternehmer, die auch in Zukunft bestehen wollen, werden ihren älteren Schweizer Mitarbeitern Sorge tragen.

 Die «Volksinitiative für eine massvolle Zuwanderung» ist anmassend. Natürlich wollen wir die Einwanderung gezielt steuern und kontrollieren. Aber das richtige Mass dafür finden wir nur, wenn wir differenzieren. Zwischen den verschiedenen Arten von Einwandernden und zwischen den Aufgaben, die daraus entstehen.

Personen aus dem EU-Raum, die bei uns einer Arbeit nachgehen, tragen die Schweizer Wirtschaft entscheidend mit. Ausserdem sind sie massgeblich an der Finanzierung unserer Altersvorsorge beteiligt. Sie sind Teil unseres Wohlstands und darum auch Teil unserer Gesellschaft.

Wenn wir die Personenfreizügigkeit​ zur EU aufkündigen, kappen wir die für die Schweiz überlebenswichtige Mobilität von Personen, Talenten und Erfahrungen. Und wir schneiden uns den bilateralen Weg selber ab.

Wir sägen am Ast auf welchem wir sitzen…


Kommentare von Lesern zum Artikel

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54%
(24 Stimmen)
Dany Schweizer sagte Vor 27 Tagen

Fakt ist aber, dass wir keine Verbindung mit der EU brauche, die nur dazu da ist, der Wirtschaft Türen und Tore zu öffnen. Dank diesem Verhalten karren wir alle unsere Produkte bald über die ganze Welt, obwohl wir diese hier umweltfreundlicher herstellen könnten.

Und dann.... aber erst dann, sehe ich ein, warum man unbedingt auch die Menschen über die ganze Welt scheuchen muss. Denn genau dann benötigen wir die Arbeitskräfte (nicht Fachkräfte), welche dank der EU unsere CH überrennen.

Hört doch endlich auf, mit dem "geschwafel" wie gut die EU sei. Im gleiche Atemzu will man Umweltfreundlich sein? Jede Globalisierung (dank der EU) produziert immer noch mehr Umweltverschmutzung, weil die effektiven Profiteure der PFZ ist nicht das Volk, sondern Multiinternationale Konzerne.

Aber scheinbar hat die Politik immer noch nicht begriffen, dass man multikulturelle Verbindungen im Masse betreiben sollte. Und nicht wie Sie das möchten mit der grossen Kelle.

Ja... Wir sägen uns mit der EU tatsächlich den Ast ab, auf dem wir sitzen. Nicht weil wir wirtschaftlich ins Hintertreffen geraten könnten, sondern weil die Herumkarrerei, Menschenherumschieber​ei unseren Planeten zerstören wird.

Aber Sie versuchen immer noch das Volk für blöd zu verkaufen, statt endlich am Ursprung der Probleme anzupacken.

Wir könnten Umweltschutz und gute Lebensqualität verbinden, wenn wir nicht unsere Superintelligenten Politiker hätten, die immer nur für die Wirtschaft schauen. Bis irgenwann kein Mensch mehr da ist, welcher die Wirtschaft am Laufen hält. Denn Ihre SuperKollegen aus den Multikonzernen, schaffen keinen effektiven Nutzen für die Menschen. Sie schaden den Menschen nur und versuchen hier erneut davon abzulenken.


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