Volkswirtschaftslehre,

Der Ständerat weiss nicht, was Geld ist

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Die grosse Ent­täu­schung der gest­ri­gen Voll­geld-­De­batte im Stän­de­rat war nicht die Ab­leh­nung der In­itia­ti­ve. Das war zu er­war­ten. Der grosse Schock war die flächen­de­ckende Un­kennt­nis über die Ma­te­rie, die ent­schie­den wurde. 

 

«Echte Franken für alle!», «ja zu sicheren Konten» – mit solchen und ähnlichen Slogans wirbt die Vollgeld-Initiative für ihr Kernanliegen. Der schnelle Betrachter denkt: Hier geht es um die Sicherheit unseres Geldes! So dachten auch die Ständeräte, welche die Vollgeld-Initiative ausnahmslos als «Antwort auf die grosse Finanzkrise» verstanden, wie sich Paul Rechsteiner (SP, SG) ausdrückte. Aber selbstverständlich geht es um wesentlich mehr als nur um die Sicherheit unseres Geldes. Es geht um die grosse Gerechtigkeitsfrage, wer Geld, also Kaufkraft, schöpfen kann und zu welchen Bedingungen. Wer Geld herstellen kann, kann kaufen ohne zu leisten, weshalb das Recht der Geldschöpfung historisch immer beim Souverän angesiedelt war. Erst mit der Gründung der Bank of England 1694 wurde privates Geld öffentlich sanktioniert. Seither hat das Geld der privaten Banken förmlich die Welt erobert.

 

Die Unsicherheit ist einer der Geburtsfehler dieses privaten Systems, der auch durch die Zentralbanken nicht beseitigt werden kann. Die Ursache ist leicht zu verstehen: Die Banken schöpfen bekanntlich Geld, indem sie Kredite verleihen. Sie brauchen dazu nicht das Geld der Sparer, sondern schreiben den gewünschten Betrag einfach ins Konto des Kreditnehmers. Dabei, und das ist die grosse Krux dieses Verfahrens, entsteht ein gleich bleibender Betrag neuen Geldes, der in Zirkulation geht und eine mit dem Zins steigende Forderung auf Rückzahlung. Deshalb ist  nie genug Geld im System, um alle Forderungen zu bezahlen. Aktuell steht den globalen Schulden von 217 Billionen Dollar (Institute of International Finance) eine Weltgeldmenge M1 (Bargeld und sofort verfügbare Bankguthaben) von 28,5 Billionen Dollar gegenüber (The World Factbook, CIA). Die Finanzindustrie «löst» das Problem, in dem die Schulden stehen gelassen werden, solange sie bestimmte, immer larger gehandhabte Grenzen nicht übersteigen, indem ständiges Wachstum und kontinuierliche Kreditschöpfung gefördert werden und indem die Zentralbanken private und öffentliche Schuldtitel aufkaufen und damit Geld in Umlauf bringen.

 

Kein einziges Mal wurde in der Ständeratsdebatte die Rechtmässigkeit der privaten Geldschöpfung thematisiert und schon gar nicht die Frage, ob ein solches System überhaupt durchzuhalten ist. Mit der Sicherheitsfrage im Fokus konnte der Ständerat ohne Probleme den Argumenten der Banken folgen, die das bestehende System als funktionierende Ordnung darstellen mit einem Verbesserungsbedarf, an dem auch gearbeitet würde. Und vor allem konnte er sich auf die offene Flanke der Initiative konzentrieren, die von den Initianten nur ungenügend gesichert wurde, die Tatsache nämlich, dass noch kein Land das Vollgeld eingeführt hat. Denn in Volksabstimmungen gewinnen nie die umwälzenden Ideen, und seien sie noch so gut. 

 

Wenn sie schon nicht zu gewinnen ist, dann müsste man von einer solchen Initiative eine breite aufklärende Wirkung erwarten mit der Erkenntnis, dass die Banken den Unsinn selber herstellen, für den sie dann gerettet werden müssen. Denn «die nächste Finanzkrise ist so sicher wie das Amen in der Kirche», wie Ständerat Thomas Minder in der Debatte meinte. Dann möchten wir doch lieber nicht von Politikern mit groben Verständnislücken zu falschen Lösungen geführt werden, sondern von Menschen, die erkannt haben, dass die Geldschöpfung nicht privaten Interessen überlassen werden darf, sondern unter demokratische Kontrolle gehört. Etwas anderes ist einer direkten Demokratie nicht würdig.

 

Mehr dazu in «Im Rat der Ahnungslosen»


Kommentare von Lesern zum Artikel

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57%
(7 Stimmen)
Georg Bender sagte September 2017

Herr Christof Pfluger

Der Link von Emil Huber zu Waren Mosler (Praktiker) und Mitchell (Wirtschaftsprofessor​), könnte Sie wo möglich auch interessieren? Seine Schlussfolgerungen sind dekungsgleich mit meinen Aussagen.

Der Staat als Währungshoheit, braucht kein Rückfluss als Steuern, zur Abdeckung der Gemeinwohlaufgaben. Zuerst die Ausgaben und dann die Einnahmen. Der Rückfluss wird vor allem zur Preisstailität eingefordert.

Dies​es Verstehen ist für die Gesellschaft viel wichtiger, als die Diskussion um die Geldschöpfung, weil damit die Existenzkämpfe und Armut und die Ver wirrspiele der Ökonomen, Politiker und Medien, beendet wären.

Die Fakultät Ökonomie und 90% der Politiker könnte man folgerichtig einsparen?




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33%
(6 Stimmen)
Christoph Pfluger sagte September 2017

Lieber Herr Eberhart
Ich gehöre nicht zu den Initianten, habe aber früh bei der Lancierung geholfen. Und ich halte viele Vorträge, in denen ich das Geldsystem erkläre, auch im Emmental. Ich würde sagen: Die sind mindestens so clever, dass sie sich von den Banken nicht jeden Bären aufbinden lassen, wie die ach s smarten Zürcher.
Aber Sie haben insofern recht, als die Initiative ihr Anliegen suboptimal kommuniziert. Herzlich, C. Pfluger


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50%
(6 Stimmen)
Georg Bender sagte September 2017

Herr Christoph Pfluger

Weisheit: „Wir unterordnen unser endliches Leben und Natur dem unendlich schöpfbaren Geld!“

Die Energien sinnvoll einsetzen?

Der Betrug der Ökonomen, Politiker und Medien wird mit den Verknappungsspielen begangen.

Die Initianten (Huber und Weber) habe ich vor Jahren schon darauf hingewiesen, dass es keine Kundeneinlagen gibt, welche sie zur Kreditgewährung verwenden wollen. Aus der Geldentstehung mit einem Buchungssatz, kann keine Liquidität entstehen. Die Begriffsverwendung (habe ich schon an anderer Stelle mehrfach erläutert) wird zur Irreführung (Betrug) verwendet. Richtig ist: Kundenguthaben!

Ei​genmittel bei den Banken = Schuldengeldbesitz per Gesetz dem Risiko zugeordnet.

Das Bankgiroguthaben (Manöveriermasse = Schneeballsystem) wird einzig und alleine von der SNB mit den Geschäftsbanken mittels Geld- und Offenmarktgeschäften geschöpft und dient vor allem dem Verknappungsspiel. Dieses Volumen bezeichnet der Gesetzgeber, neben dem Bargeld, als gesetzliches Zahlungsmittel und wird für den bankübergreifenden Zahlungsverkehr verwendet.

Daran wird sich in Bezug auf die die Bankbilanz auch mit dem Vollgeld, gar nichts ändern. Im Gegensatz zu heute, wird jedoch die SNB das Delkredererisiko, vollumfänglich in der Höhe der Geldkonti (aus Schulden und SNB-Operationen entstanden) übernehmen müssen. Also eine klare Verschlechterung zu heute, mit einer unvorhersehbaren Auswirkung?

Empfeh​lung an die Initianten:
1. Rückzug der Initiative auf Grund falsch verstandenen Grundlagen (wenn die Grundlagen/Geldsystem​ nicht verstanden werden, so kann das Gesagte nicht stimmen, Konfuzius).
2. Strafverfahren beim Bundesgericht gegen den Gesetzgeber und Ökonomiefakultäten wegen bewusster Irreführung resp. Betrug einleiten.
Begründung: Einerseits ist der Wettbewerbsvorteil bei der Teilnahme in der Finanzwirtschaft und andererseits die Form der AG (Geld wird von den Banken geschöpft = es braucht keine Renditeparasiten), verfassungswidrig.
3​. Strafverfahren beim Bundesgericht gegen den Gesetzgeber wegen bewusster Irreführung resp. Betrug einleiten.
Begründung: Die Abwicklung des Sozialgeldrückflusses​ (Umlageverfahren) über das Erwerbseinkommen steht nicht im Einklang mit dem Geld- und Wirtschaftssystem (Verknappungsspiel beenden). Die Abwicklung des Geldrückflusses (nicht bezahlen) über das Erwerbseinkommen, statt End- Verbrauch und Nutzung, ist ein Paradebeispiel der Unverfrorenheit. Sowohl das Renteneintrittsalter und Demografie, als auch der Generationsvertrag als monetäre Leistung (Junge finanzieren die Alten) sind für die Wirtschaftsleistung nicht massgebend!

Nebenbei: Dieser Gesetzesverstoss wird in allen westlichen Bank- und Geldsystemen begangen. Eigenmittelstärkung durch Umlage von Schuldengeldbesitz. Dummheit oder Schlauheit PUR!

Seien Sie gegrüsst Georg Bender










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75%
(4 Stimmen)
jan eberhart sagte September 2017

Fazit: Das Vollgeld gehört in die Universität, nicht vor das Stimmvolk.

Ein grossel Teil der Wähler wird nur Bahnhof verstehen und folgerichtigt ein Nein in die Urne werfen.

Was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht.

Insofern muss so etwas von einer internationalen Organisation/Zentralb​ank(en) kommen, nicht von einem Kleinstaat.

Ich möchte mal die Initianten sehen, wie sie einem Bauern aus dem Emmental das Vollgeld erklärlich machen wollen.

Das ist nun wirklich die beste technokratische Abstimmung der letzten Zeit. Ich hoffe doch, man braucht in Zukunft keinen Universitätsabschluss​ um die Vorlagen verstehen zu können.




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40%
(5 Stimmen)
Georg Bender sagte September 2017

Herr Pfluger

Ich habe eine andere Sicht auf diese Initiative:

Frage:​ Gehe ich recht in der Annahme, dass auch die Initianten das bestehende System der zwei Buchgeldarten nicht verstehen können?

Ihre Behauptung wonach die Bankbilanzen nicht ausgeglichen sind (Ihr Crashbuch), kann ich nicht nachvollziehen. Es ist nur logisch, dass bei der Buchgeldschöpfung (Zahlen in der Bankbuchhaltung) keine liquiden Mittel entstehen (Einlagen), um die Kundenguthaben auszugleichen. Dieser von Ihnen angemahnte Vorgang ist auch nicht notwendig, weil dass Geldsystem im Bankensystem integriert ist. Vergleichen Sie den bankübergreifenden Zahlungsverkehr und Sie werden Ihren Denkfehler erkennen können?

Als profunder Kenner des Geldsystems, wissen Sie genau, dass es keine Sichteinlagen geben kann, sondern nur Guthaben als Kehrseite der Bank- Kredite und Investitionen (Eigengeschäfte im Geldspielwarenmarkt und Immobilien).

Das von der ZB mit den GB mittels Geld- und Offenmarktoperationen​ geschöpfte gesetzliche Zahlungsmittel (Schneeballsystem = Multiplikator) dient dem bankübergreifenden Zahlungsverkehr für das von den GB mit ihren Kunden geschöpfte Giralgeld! Die Höhe der Guthaben bestimmt also die ZB alleine! Einlagen sind nicht möglich, weil nicht durchgängig! Dieses Geld verbleibt im Geldhaus SNB!

Diese verfassungswidrige Geldschöpfung (gesetzliche Zahlungsmittel) durch die Zentralbanken muss wegen Wettbewerbsübervortei​lung verboten werden. Auch die Form der AG! Das Vollgeld stoppt diesen Betrug nicht! Dies wäre eine wirkliche Geldsystemreform!


Das Geld ist Mittel zum Zweck und steckt in den Produkten resp. Leistungen. Die Existenzkämpfe und Armut sind also Ökonomen und Politiker gemachte Phänomene. Ein glasklarer Betrug (Offizialdelikt)!

​Beim Vollgeld würde die ZB die Delkredererisiken der Geldkontoguthaben übernehmen. Die Banken können keine Kredite aus Einlagen gewähren, weil das Umgekehrte ist richtig! Wenn nun ein Kunde sein Geldkonto in ein Anlagekonto umlegt (nicht einlegt) entsteht bei dieser GB ein Guthaben, welche die Bank als Kredit verwendet. Was passiert wenn der Kunde, sein Geld wieder als Geldkonto geführt haben möchte?
Genau! Die ZB muss dieser Bank ein Kredit gewähren. Geldmengenerhöhung nach Lesart Vollgeld verzögert. Das Delkredererisiko hat die ZB! Ein Kredit kann bekanntlich nur mit einer Neuverschuldung reduziert werden, es sei denn die Geldmenge nehme ab (Vernichtung des Geldes)!

Ist das Vollgeld nun ein weiterer Betrug an der Öffentlichkeit? Wer sind seine Auftraggeber?





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40%
(5 Stimmen)
Georg Bender sagte September 2017

Bedenklich: Die Parlamentarier beraten das Vollgeld, ohne das bestehende System verstehen zu können. Deren Denkvermögen reicht scheinbar dazu nicht aus (Prof. Mitchell) um sich von dem Irrglauben zu verabschieden, dass Geld (Schulden) aus Kapital und Ausgaben aus Einnahmen entstehen. Der Mensch ist ein Wunder, er kann leben ohne geboren zu sein.


Ich nenne diesen Vorgang schlicht und einfach Betrug an der Öffentlichkeit. Sie gehören bestraft!

Könnten Sie das Geldsystem verstehen, die Rentenreform (Rückfluss Umlageverfahren) würde über das Endprodukt (End-Verbrauch oder Nutzung) abgewickelt. Es würden Arbeitsplätze, kreiert über das System Erwerbseinkommen, wegfallen.



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