Gesellschaft > Sonstiges,

Die gefährliche Haltung

Artikel weiterempfehlen

Stimmen Sie dem Artikel zu?
Melden Sie sich an und bewerten Sie diesen Artikel!

Wer sich über ACTA schlau ma­chen will, erfährt in zahl­rei­chen Blogbeiträgen und Zei­tungs­ar­ti­keln,​ dass die­ses Ab­kom­men das Ende des In­ter­nets be­deu­tet. Lei­der be­ru­fen sich die meis­ten Quel­len auf ver­al­tete In­for­ma­tio­nen, die auf­grund der in­trans­pa­ren­ten Art der Ver­hand­lun­gen in Um­lauf ka­men. Viele Be­haup­tun­gen sind des­halb falsch. Ich ver­su­che, in die­sem Bei­trag etwas Ord­nung zu schaf­fen.

Eins vorweg: Ja, ACTA birgt Gefahren, die man ernst nehmen muss. Die vorgegebene Richtung ist bedenklich und ausserdem total weltfremd. Das Internet hat alles geändert, unser Urheberrecht ist kaputt; es dient weder der Gesellschaft noch den meisten Kulturschaffenden. Allerdings hat sich eine riesige Industrie um das Konstrukt «Geistiges Eigentum» gebildet. Was einst die Kultur fördern sollte füllt heute die Kassen von Sony und Universal. Diese Marktriesen fordern eine unverhältnismässige Überwachung und Verfolgung der Internetuser, weil ihr Goldesel CD an Altersschwäche leidet. Das darf natürlich nicht das Ziel sein. Wir brauchen ein neues Urheberrecht. Dabei soll die Kultur, also die Beziehung zwischen der Gesellschaft und den Kulturschaffenden, im Vordergrund stehen. IFPI, MPAA und RIAA sind dabei eher zweitrangig, denn sie sind die Vertreter einer Industrie, die den Hals nicht voll kriegt. Die Content-Mafia eben.

Soviel dazu. Was hat das nun mit ACTA zu tun? Nun, ACTA will Teile unseres aktuellen Urheberrecht zementieren. Wer ACTA unterschreibt, nimmt sich die Freiheit, ungehindert ein vernünftiges und modernes Urheberrecht zu erarbeiten. Doch genau das wäre angebracht: Ein demokratischer Prozess unter Einbezug der Interessenvertreter. Offen und transparent. Kurz: Das Gegenteil von ACTA.

Immer mehr werden die Interessen von IFPI und co. auf den Stellenwert unserer Grundrechte wie die Meinungsfreiheit angehoben. Ein Trend, der leider schon länger anhält. Manchmal müssen die Freiheiten bereits heute den finanziellen Interessen der Unterhaltungsindustri​e weichen; wenn z.B. Frankreich den Bewohnern Internetverbot erteilt, weil sie Musik getauscht haben (HADOPI). Entgegen vieler Blogposts und unvorsichtig recherchierten Zeitungsartikeln ist in ACTA das Konzept «notice and take down» aber nicht vorgeschrieben. Auch ist die Providerhaftung keine zwingende Bestimmung. Doch es sind gebilligte Massnahmen. Unterstützen wir diesen Vertrag, unterstützen wir auch die darin festgeschriebene Haltung. Und diese Haltung läuft darauf hinaus, das Internet und seine Inhalte zu kontrollieren. Uns allen die Freiheit zu rauben.

Was oft vergessen geht: ACTA besteht aus mehr als «nur» dem oft diskutierten Internetkapitel. Im Abkommen geht es auch um Patente und Marken. Die Erklärung von Bern hat heute diesbezüglich auf ein weiteres Problem hingewiesen:

Das plurilaterale Handelsabkommen ACTA bedroht nicht nur die Meinungsfreiheit im Internet sondern auch den Zugang zu lebenswichtigen Generika in Entwicklungs- und Schwellenländern. Unter dem Vorwand, Medikamentenfälschung​en zu bekämpfen, könnten Generika beim Grenzübertritt beschlagnahmt werden, wie in Europa bereits geschehen. Anlässlich des morgigen weltweiten Protesttags gegen ACTA unterstützt die EvB die Forderung an die Schweizer Regierung dieses antidemokratische und Menschenrechte beschneidende Abkommen zurückzuweisen.

Für eine kritische Auseinandersetzung mit ACTA empfehle ich den Artikel der Tageswoche und Philippe Wampflers «ACTA kurz erklärt».

Heute ist es so weit! Auf Facebook haben über 600 Personen zugesagt, in Zürich an den internationalen Protesten teil zu nehmen. Für spontan Entschlossene hier noch einmal die Daten: Samstag, 11.02.2012, ab 13:00 Uhr auf dem Helvetiaplatz in Zürich. Die Kundgebung ist bewilligt und es haben bereits Redner zugesagt; unter anderem Nationalrat Balthasar Glättli. Schau unbedingt vorbei und bring deine Freunde mit!

 


Kommentare von Lesern zum Artikel

Information zur Abschaltung der Kommentarfunktion

Der Verein Vimentis hat sich entschieden, die Kommentarspalte zu den Blogs zu schliessen. In der folgenden Erläuterung erfahren Sie den Grund für diesen Entscheid.

Der Blog, und dazu gehört auch die Kommentarspalte, sind ein wichtiger Teil der Diskussionsplattform von Vimentis. Gleichzeitig sind Werte wie Respekt, Anstand und Akzeptanz für den Verein von grösster Wichtigkeit. Vimentis versucht diese Werte selbst einzuhalten, sowie auch auf der Website zu garantieren.

In der Vergangenheit wurden diese Werte in der Kommentarspalte jedoch regelmässig missachtet, es kam immer wieder zu nicht tolerierbaren Aussagen in den Kommentaren. Das Löschen dieser Kommentare ist heikel und zudem mit grossem Aufwand verbunden, welcher der Verein nicht stemmen kann. Zusätzlich können die Kommentare praktisch anonym verfasst werden, weswegen eine Blockierung der jeweiligen Personen unmöglich wird.

Folglich hat der Verein Vimentis entschlossen, die Kommentarfunktion abzuschalten und nur den Blog stehen zu lassen. Der Blog erlaubt es Personen weiterhin, sich Gehör zu verschaffen, ohne sich hinter einem Pseudonym zu verstecken. Die Änderung sollte die Blog-Plattform qualitative verbessern und all jenen Personen ins Zentrum rücken, welche Interessen an einer sachlichen Diskussion haben, sowie die oben erwähnten Werte respektieren.




80%
(15 Stimmen)
Mark A. Saxer sagte February 2012

In der Tat: Wir bräuchten ein vernünftiges und modernes Urheberrecht, und wir sollten es in Ruhe und mit Bedacht erarbeiten. Das Internet stellt eben komplizierte Fragen, auch das ist ein Beispiel.


Verstoss melden
Ihre Meinung dazu?
Melden Sie sich an und bewerten Sie diesen Kommentar!



100%
(17 Stimmen)
Heinz Mahler sagte February 2012

Danke für die Info.
Das Internet wird leider immer mehr von den Geschäftemachern kontrolliert, das zeigt schon Google welche Suchresultate unterdrückt.
Interessant ist das gegen Betrug und Massenwerbung nicht oder kaum nennenswert vorgegangen wird, aber ein Teeny das seine Musik herunter lädt gleich besuch von der Polizei bekommen soll.

Auch ist die Markteinschränkung stossend, z.b. download von Inhalten welche nur in den USA möglich sind. Leider sind die unfairen Einschränkungen ein langsamer Prozess welche sich die Abzocker mit Geld erkaufen können.


Verstoss melden
Ihre Meinung dazu?
Melden Sie sich an und bewerten Sie diesen Kommentar!

Seite 1 von 1