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Die Wahl der Alternativen Mitte

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Der Ara­bi­sche Frühling, die Eng­li­schen So­zia­lun­ru­hen, die Oc­cupy Be­we­gung und jetzt die gros­sen Ge­winne der Pi­ra­ten in Ber­lin und der Grünliberalen & BDP in den Na­tio­nal­rats­wah­l​en - Es gibt zwi­schen die­sen Er­eig­nisse klare Zusammenhänge: Sie sind Aus­druck einer ge­sell­schaft­li­che​n Neu­or­d­nung - Und ich den­ke, das ist erst der An­fang einer gros­sen Be­we­gung, die auf uns zurollt.

 

Da erheben sich Völker, die Jahrzehnte von einer kleinen Elite regiert wurden - Ben Ali oder Mubarak haben sich mit illegitimen Mitteln an der Macht gehalten und bereichert. England wird erschüttert von Medien-, Abhöhr- und Korruptionsskandalen.​ Einige Wochen später randalieren und plündern Banden von Jugentlichen. Zwei minderjährige Mädchen wurden nach Plünderungen gefragt, ob sie das nicht falsch fänden und antworten ganz selbstverständlich, dass sie dies ja den Reichen nehmen! Das spiele denen doch kaum eine Rolle, Und diese machen das ja genauso (sich illegal zu Bereichern). Und in den USA entsteht eine neue Bewegung der 99% "gegen die Gier" der Wenigen.

 

 

Play,​ but play by the rules!

 

Das Gemeinsame an all diesen Bewegungen ist der Kampf gegen Korruption, Filz, Seilschaften - gegen eine kleine 'Elite', die sich mit illegitimen und oft auch illegalen Mitteln bereichert und an der Macht hält.

 

Anders als früher sind dies weder primär sozialistische noch religiöse Bewegungen: Es geht der Mehrheit der Aktivisten weder um eine Umverteilung oder gar eine Änderung zum Kommunismus, noch um eine grosse gottgewollte Ordnung. Die Mehrheit steht hinter einer freiheitlichen, offenen und demokratischen Gesellschaft.

 

Vie​le verstehen deshalb diese Bewegungen nicht werfen ihnen vor, sie wollten nur besetzen und demonstrieren, haben aber gar keine bessern Lösungen der Probleme - Das ist falsch! Was die Mehrheit dieser Bewegungen will, lässt sich etwa so formulieren: "Nein, wir wollen nichts von Euch - Weder eure Macht, noch euren Reichtum. Wir wollen nur, dass ihr euch ehrlich, fair und transparent verhält! - Spielt nach den Regeln, wie wir alle das auch tun."

 

 

Ursache​ Technologie

 

Als Ursache wird oft die Finanzkrise und jetzt die Staatsverschuldung gesehen und die daraus entstehende neue Armut und die Verteilungskämpfe. Das kann ein Trigger, Auslöser und Verstärker sein, aber es gibt wohl andere viel tiefere Ursachen.

 

Softwar​e automatisiert mittlerweile nicht mehr nur Geschäftsprozesse, sondern findet immer mehr Eingang in die Gesellschaft und das Sozialleben. Durch das Web, Social Media etc verbreiten sich Informationen immer schneller und werden immer unkontrollierbarer. Die Gesellschaft wird viel Transparenter und illegitimes, unethisches oder illegales Verhalten wird immer öfter und schneller aufgedeckt: In diesem Zusammenhang ist Wikileaks und die Bewegung AnonOperation zu sehen - Und in Deutschland zeigte der Fall Guttenberg exemplarisch, was Social Media und das Web in der Gesellschaft und der Politik verändern.

 

Lange Zeit hat man Missbrauch als einen Teil einer freiheitlichen Ordnung akzeptiert. Im Internetzeitalter wird es aber immer schwieriger das System für seine Zwecke zu missbrauchen und immer mehr Missbräuche werden aufgedeckt.

 


Die Alternative in der Mitte

 

Die endlosen Skandale und Affären, die daraus entstanden sind, haben auch politisch tiefe Spuren hinterlassen. Die grossen Regierungsparteien werden immer unglaubwürdiger. Aber anstatt sich nach links oder rechts aussen zu bewegen, suchen viele Wähler die Alternative in der Mitte. Man sucht nicht neue Systeme, sondern nur neue, unverbrauchte Köpfe, die endlich fair und nach den Regeln spielen.

 

In Deutschland hat diese Alternative in der Mitte lange gefehlt. Nun sind es die Piraten, die dieses Vakum ausfüllen und grossartige Erfolge feiern. Als Internetpartei sind sie ja auch Teil derjenigen Technologie, die viele der Affären und Skandale erst aufgedeckt haben und welche die Gesellschaft so grundlegend verändert.

 

In der Schweiz gibt es schon Alternativen in der Mitte, und so feiern GLP und BDP grosse Wahlerfolge. Die Piratenpartei hat sich in der Schweiz (noch) nicht durchgesetzt, weil sie bis jetzt wohl etwas zu brav aufgetreten ist: Sie hat sich zu stark auf das ängstliche Thema Privatsphäre konzentriert und zu wenig auf das mutige Thema der Transparenz. Und sie hat es verpasst, wichtige Zeitströmungen aufzunehmen (Occupy). Wer angepasste Alternativen wollte, der hatte ja die schon viel besser etablierten GLP und BDP gewählt.

 

 

Erst am Anfang

 

Die technologische Entwicklung und Veränderung der Gesellschaft steht erst am Anfang. Das Soziale Web ist noch eine Randerscheinung - erst wenige halten sich regelmässig dort auf. Und auch die Möglichkeiten von Webtechnologie bezüglich Transparenz haben erst wenige in Ansätzen erkannt: Wikileaks und AnonOperation sind erst Vorboten. Wir stehen also wohl erst am Anfang von sehr grossen Veränderungen.


Kommentare von Lesern zum Artikel

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67%
(6 Stimmen)
Werner Nabulon sagte October 2011

Herr Markus Hegi, GLP,

Möglicherweis​e darf der Menschheits-Geschicht​e zugestanden werden, dass sie sich wandelt.
Die Frage auftaucht, Quo Vadis, was bei vielen Ängste auslöst.

Dann darf man zur Kenntnis nehmen, dass auch wir hier in Europa und noch nicht so lange von Monarchien Diktaturen, mit politischen oder religiösen Hintergründen befreit haben, meinen wir zumindest.
Schaut man die Illustrierten, Boulevard Blätter an, sieht man, in Wirklichkeit haben wir uns noch nicht von diesem Personenkult der Promi Anbetung befreit!

Schaut man die Finanz Blätter und Börsen an, sind wir fast bei der Zeit vom goldenen Kalb gelandet, für den schnöden Mammon tun wir doch alles.

Im Gegensatz zu vor ein paar hundert Jahren tanzen nicht mehr nur Adelige und Pfaffen um das goldene Kalb, nein, sie haben zuwachs erhalten von Finanz Fachleuten aller Art und Schattierungen, logisch fehlen da die Kriminellen nicht.
Und eigentlich mischt ja die ganze Gesellschaft mit.
Überall wo wir Töpfe mit Allgemeingeldern äufnen, zum Wohle der Allgemeinheit, heisst es, das ist Sozial, heisst es, muss dieses Geld irgendwie gewinnbringend angelegt werden. Und überall wo es Geld hat, sind jene mit kriminellen Energien zu Stelle. Also werden, wurden Gesetze, und Finanzsysteme entwickelt, angeblich um mit diesen Geldern zu arbeiten, in Tat und Wahrheit aber um abzuzocken.

Sonst funktioniert ja das System nicht. Gewinnt jemand, verliert jemand dafür.

Quo Vadis, niemand weiss das! Ich weiss nur eines, in dem wir Veloständerprobleme lösen, ein riesen Geschrei um unbedeutende Kleinigkeiten und Gesetze machen, so lösen wir keine Probleme.
Dann weiss ich noch, gebt dem Volk Brot und Spiele, dann sind die beschäftigt.



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80%
(5 Stimmen)
Franziska Keller sagte October 2011

Herr Mettler,
"Insofern werden neue Köpfe nur dann die gewünschte Änderung bringen, wenn diese bereit sind, mit verantwortlichen Entscheiden über die bestehenden Machenschaften herauszuragen."
Her​r Hegi,
"Ja, es wird sicher schwierig für die neuen Mitteparteien, die hohen Erwartungen zu erfüllen. Wie sie sagen, wird die Glaubwürdigkeit eine entscheidende Rolle spielen."

Richtig​ . Aber in diesem Prozess steht die Politik, eng verflochten mit der Wirtschaft weltweit noch nicht mal an der Startlinie.

Es ist noch längst nicht klar und akzeptiert, dass man was einst moralisch/ethisch richtig war, wieder aus der Mottenkiste holen, zu neuem Leben erwecken und zeitgemäss weiterentwickeln soll.
Die Motivation dahingehend aktiv zu werden fehlt weitgehend. Wo sie jedoch vorhanden ist, wird sie blockiert.
Verantwor​tungsloses auf schnellen Profit ausgelegtes Handeln zieht sich durch alle Bereiche, in unserer Gesellschaft, gerade und vor allem auch in den unlauteren Gefilden der Politik.

Die sogenannte neue Mitte bildet da keine Ausnahme. Einige der Parteien die sich unter dieser Marke neu ordnen wollen (?) haben sich bis anhin bereits als unglaubwürdige Player nach unfairen Regeln erwiesen.

Andere stehen jetzt davor sich ganz neu in einer gut etablierten Struktur der politischen Filzwirtschaft als neue Kräfte/Köpfe beweisen zu müssen und dabei das in sie gesetzte Vertrauen einer noch kleinen Zahl von Wählern zu bestätigen. In einer gut geölten Intrigenmaschinerie eine Herkulesarbeit.

"​Sollten sie das nicht schaffen, dann werden sich die Wähler wohl nach neuen Alternativen umsehen ..."

Sofern vorhanden, wenn nicht, werden die jetzigen "Neue Mitte-Wähler" sich wieder den alten Parteien zuwenden - oder vielleicht wegen totalem Vertrauensverlust gegenüber einer nicht mehr volksverbundenen, ihren wirklichen Auftrag nicht mehr erfüllenden, Form von Landesregierung in den Ausstand treten.

Keine Regierung - Kein Staat - Keine Steuern - Keine Bürger, es scheint nicht mehr so unmöglich zu sein, dass ganze Völker ihre Regierungen "entlassen"!

Des​halb stehen Politiker aus allen Reihen heute auch in unserem Land vermehrt unter Druck sich wieder daran zu erinnern, dass sie sich in erster Linie den Bürgern ihres Landes gegenüber zu bewähren und zu verantworten haben. Durchaus auch in ihrem eigenen Interesse übrigens.


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100%
(5 Stimmen)
Samuel Mettler sagte October 2011

"Ebenso frage ich mich, ob innerhalb der alten Systeme ein faires nach den Regeln spielen überhaupt noch möglich ist."

Das Problem liegt weniger im System oder in den Randbedingungen, als in uns Menschen. Wenn es akzeptiert und gesellschaftsfähig wird, dass man sich auf Kosten von andern bereichert und niemandem über sein Verhalten Rechenschaft schuldig ist, dann sind Tür und Tor für Zustände, wie wir sie erleben offen.

Wenn aber jeder auf seiner Ebene ehrlich entscheidet und in diese Entscheide auch seine Verantwortung gegenüber Mitmenschen, Staat und Natur berücksichtigt, ist (theoretisch) eine Änderung möglich.

Insofern werden neue Köpfe nur dann die gewünschte Änderung bringen, wenn diese bereit sind, mit verantwortlichen Entscheiden über die bestehenden Machenschaften herauszuragen.


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75%
(8 Stimmen)
Franziska Keller sagte October 2011

"Die endlosen Skandale und Affären, die daraus entstanden sind, haben auch politisch tiefe Spuren hinterlassen. Die grossen Regierungsparteien werden immer unglaubwürdiger. Aber anstatt sich nach links oder rechts aussen zu bewegen, suchen viele Wähler die Alternative in der Mitte. Man sucht nicht neue Systeme, sondern nur neue, unverbrauchte Köpfe, die endlich fair und nach den Regeln spielen."

Herr Hegi, ich würde gern glauben, dass die "neuen Köpfe" tatsächlich fair und nach den Regeln spielen wollen - aber in Bezug auf die BDP habe ich aus diversen bekannten Gründe starke Zweifel ob in dieser Kleinpartei fairplay vorgesehen ist.
Falls die GLP sich aus taktischen Gründen allzu sehr mit der BDP einlassen sollte würde das der Glaubwürdigkeit welche die GLP bis jetzt durchaus hat sehr schaden.

Ebenso frage ich mich, ob innerhalb der alten Systeme ein faires nach den Regeln spielen überhaupt noch möglich ist.

Neuer Wein in alten Schläuchen? Ob die alten Schläuche nicht mit ihrem modrigen Geruch den neuen Wein ziemlich schnell verderben werden?

Ihr Enthusiasmus in Ehren. Aber ich denke mein Misstrauen ist durchaus berechtigt.





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