Sonstige,

Ein Schritt in die richtige Richtung –aber leider nicht mehr

Artikel weiterempfehlen

Stimmen Sie dem Artikel zu?
Melden Sie sich an und bewerten Sie diesen Artikel!
Am 28. Ok­to­ber hat der Bun­des­rat wei­tere Mass­nah­men gegen die weib­li­che Ge­ni­tal­ver­stüm­me​­lung in der Schweiz be­schlos­sen. Das ist ein wich­ti­ger und längst fäl­li­ger Schritt – denn auch in der Schweiz sind viele Mäd­chen und Frauen von der le­bens­be­droh­li­ch​en Be­schnei­dung mit le­bens­lan­gen Kon­se­quen­zen be­trof­fen. Die Zahl der Opfer hat in den letz­ten Jah­ren zugenommen.

2005 hat die Gen­fer Na­tio­nal­rätin und ehe­ma­lige SP-Frau­en-Prä­si­den​­tin, Maria Ber­nas­co­ni, den Bun­des­rat dazu auf­ge­for­dert, sich stär­ker gegen die se­xu­elle Ver­stüm­me­lung von Mäd­chen und Frauen in der Schweiz ein­zu­set­zen. Die Mo­tion wurde da­mals vom Bun­des­rat zur Ab­leh­nung emp­foh­len – mit Ver­weis auf die hohen Kos­ten, wel­che die zu­sätz­li­che Prä­ven­ti­ons- und Sen­si­bi­li­sie­rung​s­mass­nah­men mit sich brin­gen wür­den. Jetzt, zehn Jahre später und nach An­nahme der Mo­tion durch das Par­la­ment, haben un­sere Bun­des­rätin­nen und Bun­des­räte einen Schritt in die rich­tige Rich­tung ge­macht. Der Bun­des­rat un­ter­stützt neu ein Netz­werk, das sich für die Ver­hin­de­rung die­ser für Mäd­chen und Frauen oft le­bens­ge­fähr­li­ch​en Ein­griffe ein­set­zen wird. Die­ses Netz­werk wird durch ver­schie­dene Or­ga­ni­sa­tio­nen auf­ge­baut und soll be­trof­fene Mäd­chen und Frau­en, aber auch Fach­per­so­nen, sen­si­bi­li­sie­ren,​ in­for­mie­ren und be­ra­ten.

Eine Straftat mit lebenslangen Folgen

Seit 2012 ist weibliche Genitalverstümmelung in der Schweiz eine Straftat. Die Beschneidungen, die oft ohne Betäubung und ohne die notwendige Hygiene durchgeführt werden, sind mit grossen gesundheitlichen Risiken verbunden. Gemäss der WHO führt der Eingriff bei zehn Prozent aller Betroffenen sogar zum Tod. Bei der insbesondere in westlichen und nordöstlichen Ländern Afrikas traditionellen Beschneidung werden Klitoris und Schamlippen entfernt, das verstümmelte weibliche Genital wird anschliessend teils zugenäht. Dieser Eingriff soll die Jungfräulichkeit bis hin zur Hochzeit garantieren. Je nach Tradition werden die Nähte vor einer Hochzeit entweder in einem Spital oder durch den Sexualpartner selbst wieder geöffnet. Ein natürliches Sexualleben ist durch diese Verstümmelung unmöglich – das weibliche Geschlechtsteil wird zur Wunde, der Sexualakt ist  mit grossen Schmerzen verbunden. Oft sind die Opfer nicht mehr in der Lage, sexuell etwas zu empfinden – sie sind nahezu kastriert. Den betroffenen Mädchen und Frauen wird damit die sexuelle Selbstbestimmung genommen. Die Genitalverstümmelung ist ein Eingriff in die körperliche Unversehrtheit der oftmals noch Minderjährigen. Dieser ist nicht reversibel und hat lebenslange psychische und physische Folgen. Die weibliche Genitalverstümmelung ist deshalb nicht nur ein Strafakt, sondern auch eine Menschenrechtsverletz​ung.

Die Zahl der Betroffenen nimmt zu

Gemäss Schätzungen des Bundes sind dennoch rund 15‘000 Mädchen und Frauen, die in der Schweiz leben, davon betroffen oder gefährdet. Die Zahlen sind in den letzten Jahren stark gestiegen: 2001 ging man beispielsweise von 6600 Betroffenen aus, 2010 von 10‘700. Dass die Anzahl der betroffenen Frauen und Mädchen in den letzten Jahren so stark angestiegen sind, ist durch die zunehmenden Asylgesuche aus Ländern wie Eritrea oder Somalia zu begründen. In diesen Ländern sind 90 bis 100 Prozent aller Frauen beschnitten. Aber nicht nur Frauen, die in die Schweiz einreisen, sind beschnitten. Beschneidungen werden auch in der Schweiz durchgeführt – illegal und tabuisiert. Über die Praktiken in der Schweiz ist nur wenig bekannt.

Auch ich habe mich in den letzten Jahren immer wieder für eine verbesserte Präventionsarbeit und Informationskampagnen​ zu diesem Thema eingesetzt1. Dass der Bundesrat ein Netzwerk, das sich gegen die weibliche Genitalverstümmelung einsetzt und die Sensibilisierung dafür mitunter auch bei medizinischen Fachpersonen stärkt, ist sehr zu begrüssen. Gleichermassen hat der Bundesrat eine wichtige Frage nicht beantwortet:  Wer bezahlt die Angebote des neu einzurichtenden Netzwerkes? Welche Rolle übernimmt hier der Bund? Ich schliesse mich deshalb der Meinung verschiedenster Fachorganisationen wie beispielsweise Terre des Femmes an: Sie begrüssen den Entscheid des Bundesrates, fordern aber auch mit Nachdruck eine nationale Strategie, Datenerhebung, Monitoring und Evaluation zur Bekämpfung der weiblichen Genitalverstümmelung.​ Der Bund muss dabei eine Leadfunktion einnehmen. Nur so können wir der weiblichen Genitalverstümmelung in der Schweiz effektiv und langfristig begegnen.

1 Beispiels​weise mit einer Anfrage an den Bundesrat (Nulltoleranz bei FGM, 2015) oder einer Interpellation zu Präventionsmassnahmen​ (Female Genital Mutilation. Präventionsmassnahmen​ des Bundes, 2013).


Kommentare von Lesern zum Artikel

Information zur Abschaltung der Kommentarfunktion

Der Verein Vimentis hat sich entschieden, die Kommentarspalte zu den Blogs zu schliessen. In der folgenden Erläuterung erfahren Sie den Grund für diesen Entscheid.

Der Blog, und dazu gehört auch die Kommentarspalte, sind ein wichtiger Teil der Diskussionsplattform von Vimentis. Gleichzeitig sind Werte wie Respekt, Anstand und Akzeptanz für den Verein von grösster Wichtigkeit. Vimentis versucht diese Werte selbst einzuhalten, sowie auch auf der Website zu garantieren.

In der Vergangenheit wurden diese Werte in der Kommentarspalte jedoch regelmässig missachtet, es kam immer wieder zu nicht tolerierbaren Aussagen in den Kommentaren. Das Löschen dieser Kommentare ist heikel und zudem mit grossem Aufwand verbunden, welcher der Verein nicht stemmen kann. Zusätzlich können die Kommentare praktisch anonym verfasst werden, weswegen eine Blockierung der jeweiligen Personen unmöglich wird.

Folglich hat der Verein Vimentis entschlossen, die Kommentarfunktion abzuschalten und nur den Blog stehen zu lassen. Der Blog erlaubt es Personen weiterhin, sich Gehör zu verschaffen, ohne sich hinter einem Pseudonym zu verstecken. Die Änderung sollte die Blog-Plattform qualitative verbessern und all jenen Personen ins Zentrum rücken, welche Interessen an einer sachlichen Diskussion haben, sowie die oben erwähnten Werte respektieren.




100%
(3 Stimmen)
Beat Murer-Renggli sagte January 2016

Sehr geehrte Frau Feri

Vielen Dank für die sachliche Auslegeordnung zu diesem leidigen Thema. Bei der aktuell zur Abstimmung kommenden Durchsetzungsinitiati​ve ist daran zu erinnern, dass diese im Gegensatz zu den Beschlüssen des Parlamentes die Genitalverstümmelung unter zahlreichen weitern Deliktstatbeständen nicht zur Ausschaffung führt.


Verstoss melden
Ihre Meinung dazu?
Melden Sie sich an und bewerten Sie diesen Kommentar!



100%
(6 Stimmen)
Felix Kneubühl sagte December 2015

Zuerst habe ich Ihren Blog und alle Kommentare durchgelesen. Präventionskampagnen nützen wahrscheinlich nichts, weil diese Praktik ist in gewissen Gesellschaften so streng verwurzelt, dass es den betroffenen Frauen es verunmöglicht überhaupt davon etwas ausserhalb ihrer Familie zu kommunizieren. Die Dunkelziffer ist unglaublich hoch. Beim sexuellen Missbrauch von Kindern ist dies genauso. Es geht nicht darum, dass diese Frauen 'dumm' wären und deswegen durch die Terres des Femmes aufgeklärt werden müssten, sondern die betroffenen Frauen wissen um ihr Leid bescheid und werden gesellschaftlich noch zusätzlich unter Druck gesetzt, nicht als Verräterin der Familie dazustehen. Wenn betroffene Frauen in diesem Zusammenhang Anzeige erstatten, schwebt sie in Lebensgefahr durch ihre eigenen Familienangehörigen. Genitalverstümmelung ist eine Straftat und mit Körperverletzung im Vorsatz gleichzusetzen. Ausserdem muss die Strafverfolgung wie beim sexuellen Missbrauch von Kindern auch ohne Anzeige gewährleistet sein. Es liegt aber auch an den schulärztlichen Diensten mit den Strafverfolgungsbehör​den besser zusammen zu arbeiten.


Verstoss melden
Ihre Meinung dazu?
Melden Sie sich an und bewerten Sie diesen Kommentar!



86%
(7 Stimmen)
Gilbert Hottinger sagte November 2015

@ Yvonne Feri,

Die skandalösen Praktiken der Beschneidungen und Zwangs-Verheiratungen​ sind leider ein Tabu und werden gross-mehrheitlich einfach verschwiegen. Ich finde es darum gut, dass Sie sich damit endlich befasst haben. BRAVO.

Schutz der Mädchen und Frauen vor Genitalverstümmelunge​n;

https://www.vim​entis.ch/d/dialog/rea​darticle/schutz-der-m​aedchen-vor-genitalve​rstuemmelung-id-schwe​iz-/


Verstoss melden
Ihre Meinung dazu?
Melden Sie sich an und bewerten Sie diesen Kommentar!

79%
(14 Stimmen)
Jürg Wolfensperger sagte November 2015

Ich nehme nun mal an,dass solche Vorkomnisse mehrheitlich aus den orientalen Kulturen zu uns gebracht wurden.Da das eine sehr intime Angelegenheit ist,sind Massnahmen dagegen wohl nur schwierig durchzusetzen.Das gilt ja auch für weitere Bereiche der von linker Hand gesteuerten Gleichberechtigung von Mann und Frau.Ausgerechnet das zum grossen Teil von linker Hand gesteuerte Migrations-Problem der Anpassung fremder Kulturen an unsere freiheitlichen Ordnungen,wird nun zum Politikum hochstilisiert.Logisc​h,das mit diesen Kulturen auch neue zusätzliche Arten der Unterdrückung der Frau zu uns "schwappen".Dazu gehören die altertümlichen Kleidervorschriften,d​enen sich diese orientalen Frauen unterziehen müssen.Frauen dürfen dem Mann nicht in die Augen sehen...Frauen begrüsst man ohne Händedruck....im Vollkleidebadeanzug ins Schwimmbad...!..und eben noch dazu ganz schlimme weitere Massnahmen,der sexuellen Missbräuche und operativen Eingriffe.Die Frage ist schon,wie gross ist der Mut unserer Behörden,die bei uns geltenden Gesetze auch in diesen Kulturkreisen durchzusetzen!Zweifel​ sind sehr wohl angebracht!Wie oft habe ich schon in den Zeitungen davon gelesen,dass Gewalt gegen Frauen vermehrt polizeilich verfolgt werden soll.Gilt das nur für die alteingesessenen Bürger dieses Landes?..oder gilt das auch für diese orientalen Zuwanderer,wo es einfach einer "Tradition" entspricht,Frauen zu schlagen,und zu demütigen?Greift man da wirklich hart durch???..längst hat man sich doch mit dieser Parallell-Gesellschaf​t abgefunden! ...man redet gern darüber,diskutiert ein bisschen...jedoch,wen​n es um
reale Tatsachen geht,schweigt man lieber!..gerade linke Kreise verweisen dann gerne auf Akzeptanz anderer Gewohnheiten und Kulturen.Soll ich nun den Beitrag von Frau Feri ernst nehmen?..würde es gerne tun...!!...doch allein,...mir fehlt der Glaube...!


Verstoss melden
Ihre Meinung dazu?
Melden Sie sich an und bewerten Sie diesen Kommentar!

92%
(13 Stimmen)
Georg Stamm sagte November 2015

Diese Beschneidung von Mädchen oder Frauen ist überall, in der Schweiz oder in Afrika, inakzeptabel. Sie wird wohl immer gegen den Willen des armen Opfers stattfinden und ist Teil des männlichen Hegemonismus der Frau gegenüber. Gut, dass das hierzulande eine Straftat ist (erst seit 2012 !!). War vorher diese Körperverletzung durch die sog. "Religionsfreiheit" gedeckt ? Da könnte man wirklich nur den Kopf schütteln. Leider werden nur die wenigsten Verstümmelungen zur Anzeige kommen. Das verhindert die Angst der meist Jugendlichen. Und der Eingriff wird wohl durch die Eltern gedeckt - eine schwierige Situation für das Opfer.


Verstoss melden
Ihre Meinung dazu?
Melden Sie sich an und bewerten Sie diesen Kommentar!



65%
(17 Stimmen)
Gilbert Hottinger sagte November 2015

@ Frau Feri,

1. Gegen Ihren Block gibt es mit Sicherheit nichts einzuwenden, als dies, dass es doch schon lange einen Strafartikel gibt, welcher diese Art von Körperverletzung ganz klar unter Strafe (Gefängnis) stellt.

2. Und die jährlich in die tausenden gehenden Zwangsverheiratungen,​ die in der Schweiz von Migranten & Flüchtlingen vollzogen werden, die ebenso gegen die EMRK verstossen, und dagegen ebenso nichts unternommen wird zum Schutze dieser, ja man kann es so definieren, dermassen versklavten Menschen.

3. Indem wir so etwas seit Jahrzehnten dulden, machen wir uns mitschuldig.

4. Wenn insbesondere Ihre Partei eine Willkommenskultur so fremder, zurückgebliebener Kulturen betreibt, müsste sich gerade die SP in der Konsequenz auch viel aktiver dafür einsetzen, durch wirkliche Integration eines Umdenken an die Zivilisation, dass die im Vorgang beschriebenen Straftatbestände, gerade in der Schweiz, nicht mehr möglich werden.


Verstoss melden
Ihre Meinung dazu?
Melden Sie sich an und bewerten Sie diesen Kommentar!



92%
(12 Stimmen)
Manfred Eberling sagte November 2015

Schon allein wegen diesen Gesetzes-vergehen, die nicht mal geahndet werden, (geschweige denn richtig bestraft werden) würde ich mich fast zu Tode schämen, in einer solchen Regierung zu sitzen und das üppige Salär einzustreichen!


Verstoss melden
Ihre Meinung dazu?
Melden Sie sich an und bewerten Sie diesen Kommentar!

77%
(13 Stimmen)
Peter Müller sagte November 2015

Schön, Frau Feri, dass sie keine anderen Probleme haben. Ich beneide sie!
Gibt es nicht schon Gesetze die Körperverletzung verbieten. Ach ja die gibt es, aber keine angemessene Strafen, wenn mal jemand wegen Körperverletzung angeklagt wird.


Verstoss melden
Ihre Meinung dazu?
Melden Sie sich an und bewerten Sie diesen Kommentar!

71%
(14 Stimmen)
Paul Rohner sagte November 2015

Ivonne Feri, schön dass Sie sich in der Sache einsetzen wollen. Nur sollte auch Ihnen bekannt sein, dass nicht Sie und mutige Mitkämpferinnen und Mitkämpfer in der Sache was zu sagen haben. Das Sagen haben jene "Einwanderer" ob wirkliche oder unwirkliche Flüchtlinge, die auch Ihre Partei mit herzlichem Willkommensgruss empfängt und hätschelt. Die "Einwanderinnen" haben dazu nichts zu sagen, obwohl es in der Sache Gesetze gibt. Genau gleich ist es in Sachen Zwangsheiraten, zum grossen Teil von Minderjährigen Mädchen. Die Behörden wissen um wen es sich da handelt, tun jedoch nichts. Auch hier haben wir nichts Hilfreiches zu sagen.


Verstoss melden
Ihre Meinung dazu?
Melden Sie sich an und bewerten Sie diesen Kommentar!

Seite 1 von 1