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Freitag ist Papitag

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Eine ver­bes­serte Ver­ein­bar­keit von Fa­mi­lie und Kar­riere ist ein wich­ti­ges An­lie­gen – auf­grund des ge­sell­schaft­li­che​n Wan­dels, aber auch aus wirt­schaft­li­cher Sicht. Aus­ser­fa­mi­liäre Kin­der­be­treu­ung soll aber nicht zum Gra­ti­s­ta­rif zu haben sein, son­dern darf die El­tern durch­aus etwas kos­ten. Denn sie pro­fi­tie­ren auf lange Sicht auch da­von, wenn die Er­werbstätig­keit nicht lange un­ter­bro­chen wird.

Seit letztem Sommer sind wir stolze Eltern eines Sohnes. Henri hat unser Leben natürlich gehörig auf den Kopf gestellt. Es ist eine Freude zu beobachten, wie er täglich Neues lernt und die Welt entdeckt. Es war meiner Frau und mir wichtig, dass wir uns die Kinderbetreuung aufteilen – auch wenn es nicht immer einfach ist, die verschiedenen Ansprüche unter einen Hut zu bringen. Dazu haben wir beide unsere Arbeitspensen reduziert. Unter der Woche kümmert sich meine Frau zwei Tage um Henri, zwei Tage ist er in der Kita und an einem Tag drehe ich mit ihm die Runden in St.Gallen. Freitag ist Papitag.

Gesellschaft​licher Wandel und Fachkräftepotenzial

D​ementsprechend habe ich heute einen anderen, persönlicheren Zugang zum Thema «Vereinbarkeit von Beruf und Familie» und messe dem Thema eine noch höhere Bedeutung zu. Die Vereinbarkeit muss aus primär zwei Gründen verbessert werden:

  1. Das Gesellschaftsbild hat sich gewandelt. Das Rollenverständnis zwischen Frau und Mann verändert sich. Nur noch rund 20% der Paare mit Kindern leben das ursprüngliche Rollenmodell (der Mann arbeitet Vollzeit, die Frau ist nicht erwerbstätig). Diese veränderten Realitäten müssen in der Politik aufgenommen werden.

  2. Es ist schlicht eine wirtschaftliche Notwendigkeit: In meinem Beruf stehe ich im ständigen Austausch mit Unternehmerinnen und Unternehmern. Bei ihnen gibt es wohl kaum ein grösseres Thema als der Fachkräftemangel. Und dieser wird sich aus demographischen Gründen weiter verschärfen. Es ist entscheidend, dass das vorhandene Fachkräftepotenzial bestmöglich ausgenutzt wird.

Es gibt viele Massnahmen, die im Zusammenhang mit der Vereinbarkeit genannt werden: steuerliche Abzüge, Kinderzulagen, Mutter- und Vaterschaftsurlaub oder Tagesstrukturen. Doch es ist nicht alles gleich tauglich, die Vereinbarkeit wirklich zu verbessern. So nützt ein gutes Angebot an Fremdbetreuung deutli​ch mehr als ein paar zusätzliche Urlaubstage, die nur eine kurzfristige Hilfe darstellen.

Allumfass​ender Wohlfahrtsstaat?
Viele​ schwärmen vom skandinavischen Modell, mit einem breit ausgebauten und kostenlosen Angebot bei der staatlichen Kinderbetreuung. Aus liberaler Sicht ist das Modell eines allumfassenden Wohlfahrtsstaates für mich nicht akzeptabel. Vielmehr sollte der Staat als erstes die Hindernisse für eine doppelte Berufstätigkeit beseitigen, zu denken ist vor allem an die Heiratsstrafe bei der direkten Bundessteuer. Die Einführung der Individualbesteuerung​ würde mehr Frauen in den Arbeitsmarkt bringen und den gesellschaftlichen Veränderungen Rechnung tragen.

Kosten der Fremdbetreuung lohnen sich
Bei der externen Kinderbetreuung erscheint mir ein Mittelweg angezeigt. Dass der Staat einen Teil mitfinanziert und so gerade einkommensschwachen Familien eine gewisse finanzielle Hilfe bietet, ist richtig. Das Ziel darf es aber nicht sein, allen Familien eine komplette und staatlich bezahlte externe Betreuung zu ermöglichen. Die Eltern sollen einen angemessenen Teil der Fremdbetreuungskosten​ selbst übernehmen. Dies zum einen aus Fairness gegenüber den Familien, die ihre Kinder ausschliesslich selbst betreuen, und zum anderen weil sich gerade bei gut qualifizierten Eltern eine teilweise externe Kinderbetreuung lohnt: Denn dadurch wird eine Erwerbstätigkeit ohne längere Karriereunterbrüche ermöglicht, was sich trotz der hohen Kosten der Kinderbetreuung auf lange Frist lohnt. Denn eine längere Absenz vom Arbeitsplatz wird karriere- und damit lohnmässig in der Regel bestraft. Als Eltern sollte man also auch hier nicht nur die anfallenden Kosten in der Gegenwart, sondern auch die verhinderten Kosten (sprich Lohnausfälle) in der Zukunft betrachten.


Kommentare von Lesern zum Artikel

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20%
(5 Stimmen)
Jan Eberhart sagte April 2020

In Zeiten der Corona-Krisen ist jeder Tag Papi (-oder Mamitag) und man beginnt die Arbeit und die Kollegen vielleicht wieder mehr zu schätzen und dass man genüged Geld für den Alltag und die (viele) Freizeit.

Freizeit​ ohne Geld ist weniger Wert als Freizeit mit Geld.

Vielleicht kommt nun eine gute Zeit für Arbeitgeber, wenn die Arbeitnehmer aus ihrer Wohlstandsblase gelöst wurden und wieder etwas härter vom Schicksal angefasst werden.

So erleidigen sich "Elternzeit" und andere Wohlstandspropramme für goldene zeiten von selbst, wenn die Arbeit und das Gehalt wieder mehr Priorität und Ansehen geniesst.


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63%
(8 Stimmen)
Werner Nabulon sagte March 2020

Aber hallo...kennen sie die Berufe Handwerker?
""1. Das Gesellschaftsbild hat sich gewandelt. Das Rollenverständnis zwischen Frau und Mann verändert sich. Nur noch rund 20% der Paare mit Kindern leben das ursprüngliche Rollenmodell (der Mann arbeitet Vollzeit, die Frau ist nicht erwerbstätig). Diese veränderten Realitäten müssen in der Politik aufgenommen werden.""

Sie wollen also die Frauen dazu bringen, auf dem Bau, in der Industrie, sonstwo, körperliche Schwerstarbeit zu verrichten?
Oder werden diese Arbeiten einfach mal storniert? Weggelassen? Wer macht dann diese Arbeiten?


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75%
(8 Stimmen)
Elsi D. Stutz sagte February 2020

"Dies zum einen aus Fairness gegenüber den Familien, die ihre Kinder ausschliesslich selbst betreuen, u"

Oder weil Menachen ohne Kinder, ihre Hobbys auch nicht von den Steuern absetzen können! Für die der anderen, aber immer und überall solidarisch mit blechen dürfen!?

Statliche​ Kittas für Geringverdinner die mit einem Gehalt nicht durchkommen sind okay. Und mehr braucht es nicht!


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