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Geniessen Sie die Leichtigkeit des Nichtkandidierens

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„Sie können sich das Wer­be­ma­te­rial spa­ren – ich habe Sie be­reits gewählt.“ Das sagen mir die Leute immer öfters, wenn ich am frühen Mor­gen Kau­gummi oder Scho­ko­lade zu­sam­men mit einem Flyer oder einem Wett­be­werb ver­tei­le. Ein Auf­stel­ler ist das im­mer. Blen­den lasse ich mich da­durch natürlich nicht. Aber im­mer­hin spüre ich, dass Leute mich wählen.

Rund 50‘000 Stimmen muss ich als Sozialdemokrat im Kanton Bern ergattern, damit ich gewählt werde. Und ob der Vorstellung dieser Zahl weicht meine zwischenzeitliche Euphorie wieder einer grossen Skepsis. Schreiben wirklich 50‘000 Leute meinen Namen auf den Wahlzettel?

Der Partner einer erfahrenen Exekutivpolitikerin beschrieb mir die letzten Tagen vor dem Wahltermin wie folgt: Fast stündlich würden Zweifel aufkommen. Hier höre man Leute, die irgendwo etwas Ungutes aufgeschnappt hätten, da sei man wieder frustriert wegen eines taktischen Fehlers. Oder man hört von jemand anderem, es stehe sehr gut. Kurz: die letzten paar Tage vor den Wahlen seien ein riesiges Auf und Ab. Exakt so erlebe ich das. Niemand weiss etwas Genaues. Alle reden viel.

Keine Kandidatin und kein Kandidat hat die Gewissheit, dass sie oder er gewählt oder wiedergewählt wird. Konkret erleben also alle dasselbe Auf und Ab in der Schlussphase des Wahlkampfs.

Für die Leserin und den Leser dieses Blogs heisst das: Lehnen Sie sich zurück und geniessen Sie die Leichtigkeit des Nichtkandidierens. Nur einen minimen Druck sollen Sie verspüren - nämlich, dass Sie den Wahltermin nicht verpassen.


Kommentare von Lesern zum Artikel

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100%
(1 Stimme)
Kurt Anton Brugger sagte October 2011

Grüezi Herr Aebischer, ihr neuester Beitrag ist schon fast philosophisch. Aber klar Ihre Sichtweise auf die Kandidaten (Erstkandidaten), mit Bezug auf die emotionale Anspannung, sicher richtig. Sie selber haben das Privileg als Mitarbeiter des SF, mit starker Präsenz am Bildschirm, schon vor der Kandidatur einen hohen Bekanntheitsgrad zu besitzen.Das bedeutet einen sicheren Basiswert an Stimmen von Wechsel- und Sympathie-Wählern. Also einen klaren Vorsprung zu jedem anderen Kandidaten Ihres Kantons für den Sie sich zur Wahl stellen.
Aber Ihnen ist sicher auch bekannt, diejenigen die Sie wählen werden, haben eine hohe Erwartungshaltung in Ihre Person. Diese "Hypothek" müssen Sie mit konsequenter politischer Linie abarbeiten, um einen hohen %-Satz zu Stamm-wählern werden zu lassen. Eine anspruchsvolle Aufgabe!
Ihrem Kollegen von der mitte-rechtspartei ist dies nach jahrelanger Arbeit gelungen. Als Alt-68er (mit happigem Linksdrall) hat er vom "Saulus zum Paulus" mutiert, und ist jetzt daran die zürcher Goldküste zu erobern.
Aber jetzt zurück zu Ihnen. Ob Ihr Rezept "Kaugummi+Schokolade​" oder die Wählerschaft (die Sie gewinnen müssen) zum "Zurücklehnen" (Nichtstun) auffordern, der "Weisheit letzter Schluss" ist, wage ich zu bezweifeln. Volksvertreter brauchen eine Stammwählerschaft, mit der Sie eine verschworene Gemeinschaft bilden, basierend auf gegeseitigem Vertrauen. Dies zu erreichen ist knallharte Aufbauarbeit. Ihre Stammwähler bilden Ihre "Fan-Gemeinde"(sofe​rn Politik überhaupt mit Sport zu vergleichen ist), die Sie konsultieren müssen,und nicht enttäuschen dürfen. Einseitige Orientierung an den Partei-Oberen genügt nicht.Es steht Ihnen eine Menge Arbeit bevor, wenn Sie die "Vorschuss-Lorbeeren​" (aus den TV Auftritten)für Ihre neue Karriere nutzen wollen. Und vergessen Sie die Genossen von der Werkbank nicht (sie haben die SP zu dem geamacht was sie heute ist), abgehobene Intellektuelle tummeln sich schon genügend in der Partei "des arbeitenden Volkes".
Aus Respekt für einen Schweizer, der bereit ist sich der Mühsal politischer Auseinandersetzungen zu stellen, für ein bisschen mehr soziales Prestige, aber hoffentlich auch um die Schweiz voran zu bringen, wünsche ich Ihnen viel Erfolg. Meine persönliche Erwartungshaltung an die SP, sie muss wieder auf den Pfad zurück finden, der Vor-Hubacher-Zeiten. Damals stand Ihre Partei für sozialen Frieden, Arbeitsfrieden (Frieden zwischen den Sozialpartnern), Mitbegründer des Wohlfahrtstaates Schweiz. Zuverlässigkeit in der Partnerschaft für eine gemeinsame, zukunftsorientierte Politik in unserem Land zeichnete die damalige SP aus. Die klassenkämpferischen Parolen einiger Politologen, Soziologen, nicht mehr geerdeten "Polit-Experten" sind nicht zielführend. Gruss und viel Gfreut's K.Brugger


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38%
(8 Stimmen)
Christoph Reuss sagte October 2011

Zitat: "wenn ich am frühen Mor­gen Kau­gummi oder Scho­ko­lade zu­sam­men mit einem Flyer oder einem Wett­be­werb ver­tei­le."

Was ist denn das für ein Demokratie"verständn​is" -- dass man Stimmen mit Kaugummi und Schokolade "kaufen" kann!? Sollten nicht die Argumente überzeugen?

Den Vogel abgeschossen hat mal ein SP-Kandidat in meiner Stadt, indem er _Beruhigungstee_ verteilte. Damit hat er ja eingestanden, dass die Leute sich über seine Politik zuviel aufregen mussten.



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