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Kein Abschluss ohne Anschluss

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Rudolf Strahm warnt vor der Akademisierungsfalle.​

 

Nicht zuletzt dank dem dualen Bildungssystem, das praxiserprobte Fachleute hervorbringt, gehe es der Schweizer Wirtschaft gut, erklärt Bildungsexperte Rudolf Strahm. Er warnt vor der Akademisierungsfalle.​

 

Teilauszüge aus dem Interview mit Rudolf Strahm in der Elternzeitschrift "Fritz und Fränzi":

"Die duale Berufsbildung ist in Bezug auf die Arbeitsmarktfähigkeit​ und Arbeitsqualität der rein schulischen Bildung eindeutig überlegen. Fast alle Länder in der EU mit hohen Maturitätsquoten und vollschulischen Ausbildungsgängen leiden unter riesiger Jugendarbeitslosigkei​t. Alle fünf Länder Europas, die eine Berufslehre kennen –, neben der Schweiz auch Deutschland, Österreich, die Niederlande und teilweise Dänemark – haben deutlich weniger arbeitslose Jugendliche. Und sie sind industriell top geblieben, während ehemalige Industrieländer ohne Berufsbildung wie Frankreich, England oder Italien unter einem dramatischen Industrieabbauprozess​ leiden".

"In unserem System gilt heute das Prinzip: kein Abschluss ohne Anschluss. Das heisst, jeder Abschluss ermöglicht den Übertritt in eine höhere Aus- oder Weiterbildung. Viele Eltern wissen das nicht, sie betrachten die Berufslehre als eine Art «Karriere-Sackgasse».​ Heute kann jede und jeder nach absolvierter Berufslehre die Berufsmaturität machen, entweder während der Lehre oder danach. Damit ist der prüfungsfreie Zugang zu einer Fachhochschule möglich. Fachhochschulabsolven​ten sind begehrter und gleich gut bezahlt wie Uni-Absolventen".

"D​ank dem dualen Berufsbildungssystem ist die Schweiz reich. Es ermöglicht unsere Präzisionsarbeit und eine hohe Arbeitsqualität, aber auch Tugenden wie Zuverlässigkeit, Exaktheit, Innovationsbereitscha​ft und Termintreue. Diese Faktoren machen die Schweizer Wirtschaft trotz ihren hohen Löhnen und Preisen international konkurrenzfähig. Die universitäre Ausbildung dagegen wird immer arbeitsmarktferner".

 

Das ganze Interview hier:

 

http://www.​fritzundfraenzi.ch/ar​tikel/news/fachkraeft​e-sind-begehrter-als-​hochschulabsolventen/​?tx_news_pi1%5Bcontro​ller%5D=News&tx_news_​pi1%5Baction%5D=detai​l&cHash=69ab520aecd24​2310f5de3c455175037

 

Wer schon älter ist, erinnert sich vielleicht: Damals gab es während und nach der Lehre noch keine Möglichkeit einer Berufsmatur oder eines Besuches einer Fachhochschule. Auch andere Weiterbildungsmöglich​keiten waren eher beschränkt auf irgendwelche Kurse, nichts von "kein Abschluss ohne Anschluss" wie heute. In einigen Berufen konnte man zwar Meister oder Polier werden, aber die Anforderungen waren hoch. Die Universitäten wehrten sich gegen eine "Aufweichung" der Uni-Abschlüsse. Glücklicherweise haben unsere Jugendlichen mit dem heutigen dualen Bildungssystem viele Chancen. Auch schulisch Schwächere haben mit einer verkürzten Ausbildung die Möglichkeit, ein eidgenössisches Berufsattest zu erwerben.

 

Vom Ausland werden wir für unser gut funktionierendes duales Bildungssystem bewundert und beneidet. Tragen wir Sorge dazu und freuen uns für unsere Kinder und Grosskindern über diese Errungenschaft! Wir müssen uns aber davor hüten, Studium und Berufslehre gegeneinander auszuspielen. Beide Ausbildungsmöglichkei​ten haben ihre Berechtigung und beide tragen zum Erfolg unseres Landes bei.


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80%
(5 Stimmen)
Jürg Wolfensperger sagte March 2015

Man kann nuur hoffen,das die auch in der CH immer häufiger anzutreffende Schwarzarbeit,die die hiesigen Handwerks-Betriebe schon ziemlich arg beutelt,durch ausländische Billigst-Konkurrenz,u​nd "Ich-AGs",dem heimischen Handwerk nicht den endgültigen Todesstoss versetzen.Nicht umsonst drängen immer mehr Schulabgänger in die Unis,weil die Zukunft der Metall- und Holz-Verarbeiter nicht mehr sicher ist.Ganze Abteilungen werden nach Osteuropa verlagert,einfach weil der Arbeiter dort bis 10 mal weniger kostet.Ist ja toll,dass unser System der Berufs-Bildung hier einen so hohen Standart hat.Nur hilft es nicht,eine erstklassige Lehre abgeschlossen zu haben um dann festzustellen,dass man auf dem Arbeitsmarkt,den Kürzeren zieht,nur weil das Lohn-Niveau zu hoch ist.Im Kanton Tessin können sie ein Lied singen,von den dortigen Zuständen der Konkurrenzierung durch italienische Billig-Arbeiter.Die Löhne werden soweit nach unten gedrückt,dass nur noch Grenzgänger den Job machen können.Darum nicht verwunderlich,dass wer kann, beginnt ein Studium,weil dort ein dem Abschluss entsprechender Lohn faktisch garantiert ist.Die Politik ist gefragt,wenn es die den überhaupt interessiert.....!!


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100%
(6 Stimmen)
Susanne Rotzetter sagte March 2015

Die Schweiz hat im Juli 2013 ihren Spitzenplatz als beste europäische Nation an der 42. Berufsweltmeisterscha​ft in Leipzig erfolgreich verteidigt. Mit neun Gold-, drei Silber-, fünf Bronzemedaillen und 18 Diplomen belegte sie den zweiten Gesamtplatz hinter Korea. Diese Berufsweltmeisterscha​ft findet alle zwei Jahre statt.

http://www.​tagblatt.ch/aktuell/s​chweiz/schweiz-sda/Me​hrere-Medaillen-an-Be​rufsweltmeisterschaft​;art253650,3465941



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