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Krankenkassenreform in der Schweiz

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Bei einer Behandlung im Spital tragen die Krankenkassen nur die Hälfte der Kosten. Die andere Hälfte wird auf die Kantone umgelegt. Wird eine ambulante Behandlung durchgeführt, übernimmt die Krankenkasse hingegen die kompletten Kosten. Dies führt zu ungeliebten Nebenerscheinungen, weshalb angestrebt wird, das Gesundheitswesen in diesem Bereich zu vereinheitlichen. Besonders die Kantone sind von diesem Vorstoß nicht begeistert und fordern ihre Rechte ein.

Der Vorschlag kommt von der Gesundheitskommission​​​ des Nationalrats kurz SGK. Damit sollen primär alle anfallenden Kosten für Behandlungen, sowohl stationär und ambulant, von den Krankenkassen getragen werden. 25,5 Prozent der Nettokosten kommt jedoch als Zuschuss der Kantone. Soweit der Vorschlag, der gerade bei den Kantonen nicht unbedingt für Zuspruch sorgt. Sie fürchten um zu wenig Mitspracherecht und steuerliche Geltendmachung.

Die Kantone haben zwischen den Jahren 2012 und 2015 circa 7,5 Milliarden Franken für das bisherige System ausgegeben. Kommt die einheitliche Finanzierung, wäre dies weder für die Kantone noch für den Versicherer mit zusätzlichen Kosten verbunden. Auch die Versicherungsnehmer haben in keinster Weise einen Nachteil, haben diese auch immer die Möglichkeit einen Krankenkassenvergleic​h in Anspruch zu nehmen. Bei der ersten Abstimmung zum Entwurf stimmten 15 für diesen Vorschlag und nur 7 dagegen. Daher geht es nun in den nächsten Schritt die Vernehmlassung.

Hinte​​​r diesem Vorschlag stecken verschiedene Ziele. Zum einen soll die ambulante Behandlung mehr gefördert werden, da diese häufig günstiger ist. Laut SGK ist es zudem mit diesem System möglich, die Behandlung im Spital mit in die bisherige Versorgung zu integrieren. Auch soll eine Stabilisierung der Anteile der Krankheitskosten, die über Prämien und Steuern laufen, erreicht werden. Eine Einordnung in einen passenden Tarif, der Sache angemessen, steht ebenfalls auf der Zielliste.

Die Idee, dass die Kosten im Gesundheitswesen einheitlich geregelt sind, ist schon älter. Jedoch wurde diese von einer Initiative der Aargauer CVP aufgegriffen. Die Nationalrätin Ruth Humbel brachte die Integration der Behandlung, wie auch die Einheit der Kosten im Jahr 2009 wieder ins Spiel. Die Kantone konnten in der bisherigen Zeit jedoch nicht für diesen Vorschlag gewonnen werden und übten sich in Gegenwehr. Besonders geht es dabei um den Punkt der Mitsprache und der Möglichkeiten der Besteuerung. Es bleibt abzuwarten, ob dieses Gesetzt genehmigt wird und die ambulante Behandlung tatsächlich der stationären Behandlung gleich gestellt wird.

 


Kommentare von Lesern zum Artikel

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75%
(8 Stimmen)
Emil Huber sagte April 2018

Anderer Faktor z.B höher als gesetzlich geforderte Reserven der Krankenkassen, offenbar um möglichst viel Gewinn zu machen:

"Der Bündner Krankenversicherer ÖKK hat das Jahr mit einem Gewinn von 33,5 Millionen Franken abgeschlossen, wie CEO Stefan Schena bestätigt. Der Gewinn lag damit deutlich über dem Budget und dem Vorjahresergebnis. Rund 24 Millionen Franken des Gewinns stammen allerdings aus Kapitalerträgen. Im Versicherungsgeschäft​ hat ÖKK rund zehn Millionen Franken verdient."

https:/​/www.suedostschweiz.c​h/wirtschaft/2018-04-​17/buendner-versicher​er-schreibt-millionen​-gewinn

Es wäre nichts dagegen einzuwenden, würden die KK die Gewinne in Form von Prämiensenkungen weitergeben!

Manch​mal gehen die Investitionen aber auch in die Hose:
Schwarzmalerei​ um Krankenkassen-Reserve​n
saldo 02/2009 vom 3. Februar 2009

"Jahrelang haben die Versicherten zu hohe Krankenkassenprämien bezahlt. Die Kassen konnten so Reserven von 4 Milliarden Franken anhäufen. Jetzt haben sie 800 Millionen davon an der Börse verloren – und drohen mit Prämienaufschlägen bis zu 20 Prozent."

https://​www.ktipp.ch/artikel/​d/schwarzmalerei-um-k​rankenkassen-reserven​/

Dann kommt natürlich auch noch das Allerweltsheilmittel Privatisierung dazu:

Schönheitsop​erationen statt gesunder Kinder
Seit Jahren treibt der Zürcher Gesundheitsdirektor Thomas Heiniger (FDP) seine neoliberale Agenda voran. Mit Erfolg: Ende Oktober entschied der Kantonsrat, das Kantonsspital Winterthur zu privatisieren.
Die bürgerliche Mehrheit im Zürcher Kantonsrat hat Ende Oktober beschlossen, das Kantonsspital Winterthur (KSW) in eine Aktiengesellschaft umzuwandeln und dadurch für private Investoren zugänglich zu machen.

https://ww​w.woz.ch/1645/grundve​rsorgung-in-gefahr/sc​hoenheitsoperationen-​statt-gesunder-kinder​

Und was wollen Investoren? Gewinne sehen, auf Kosten der Kranken, Beweis, dass das Gesundheitswesen zum grossen Geschäft verkommen ist, was tut die Politik dagegen?
Man sucht lieber nach Sündenböcken wie Asylanten, Überalterung etc. das Volk glaubt ja alles.




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50%
(6 Stimmen)
Giorgio Plaz sagte April 2018

Die Hauptursache für die Fantasieprämien der Krankenkassen hat ein Arzt auf Politnetz meiner Ansicht nach sehr anschaulich erklärt:
http://www.​politnetz.ch/artikel/​23565-krankenkassenpr​aemien-das-sorgenkind​/kommentar/425062


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63%
(8 Stimmen)
Karlos Gutier sagte April 2018

Nun ist das Problem, dass man unerhört hohe KK-Prämien zwangsweise zu bezahlen hat.
Wenn man bestimmte Leistungen oder Medizin braucht, heisst es immer öfters, dies ist nicht KK-Pflichtig und muss selber bezahlt werden. Da muss ich einen Grossteil meines Einkommens der KK abliefern und darf meine Behandlung selber bezahlen, das finde ich toll.


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70%
(10 Stimmen)
jan eberhart sagte April 2018

Im Grunde ist doch jeder froh, dass man ohne Frage der nach der Finanzierung eine Behandlung bekommt und man sich keine Sorgen machen muss, dass die Krankenversicherung nicht zahlt oder man Schulden machen muss.

Wenn man Krebs hat, möchte jeder die bestmöglichste Behandlung, egal wie teuer.

Jeder wird alt und einmal kank und nicht jeder ist Millionär und zahlt sowas aus der Portokasse.

So ein System kostet eben.


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56%
(9 Stimmen)
jan eberhart sagte April 2018

Wenn man die modernste Spitzenmedizin, Unsinn wie homöopathie oder jeder Kanton sein Universitätsspital mit der besten Spezialabteilung will, kostet das eben Geld.

Wer dafür protestiert, dass sein Spital in der Nähe auch weiterhin alles anbietet, muss dies bezahlen.

Mit der Überalterung und den steigenden Kosten in diesen Bereich wird es auch nicht billiger werden.

Zu viele Interessenträger haben weiterhin den Wunsch, sich maximal zu bereichern. Der Kantönligeist begünstigt den Wunsch auch ein supermodernes Spital zu besitzen im eigenen Kanton.


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33%
(9 Stimmen)
Georg Bender sagte April 2018

Den Zahler-Mythos entschlüsseln, zeigt auf die korrekte Lösung. SRF Arena diskutiert auf dem Wissen aus betreuter Bildung (Betrug)! Es fehlt kein Geld. Wenn Bereiche im Lebensunterhalt nachhaltig ansteigen, muss die Kaufkraft erhöht werden. Die Ersparnisanteile in gewissen Erwerbseinkommen sind das Krebsgeschwür des Kapitalismus! Die einseitige Verteilung kann nicht mit Angebotssenkung beantwortet werden:
Die Vorstellung, dass der Staat noch bei Trost ist, wenn er die Wirtschaft verpflichtet, Geld für eine Bedingungslose Grundsicherung bereit zu stellen, es also ohne Gegenleistung auf Antrag verteilt ist mit den gelehrten Alltagserfahrungen unvereinbar. Mit diesen müsste also mit grosser Radikalität gebrochen werden. Und die Bedingungslose Grundsicherung, auch Helikoptergeld genannt, ist hier nun ein besonders plastisches Beispiel, dasselbe gilt für die direkte Staatsfinanzierung über die Notenbank.

Kleine Veränderung statt großer Reform
Eines aber wäre sicher zu erwarten: Wenn die Bürger verstehen würden, dass der Staat als Schöpfer des Geldes so viel davon erzeugen kann wie er braucht, um das Gemeinwohl zu fördern, dann wären einige Politikmaßnahmen sicher bei der Bevölkerung sehr unpopulär. Schon heute ist die Austeritätspolitik mächtig unpopulär. Wenn die Bevölkerung allerdings wüsste, dass sie unnötig ist, da der Staat keiner Budgetrestriktion unterliegt, wäre sie politisch nicht mehr realisierbar.
Natürl​ich – all dies bedeutet nicht, dass der Staat unbegrenzt Geld ausgeben soll – und ausgeben kann! Ein Staat kann nur die Güter erwerben, die ihm seine Bürger gegen die Landeswährung bereit sind zu verkaufen. Wenn nichts mehr verkauft wird, kann auch der Staat sein Geld nicht mehr in Umlauf bringen. Zahlt der Staat immer höhere Preise, um doch noch an Güter zu gelangen, kann es zu unerwünscht hohen Inflationsraten kommen.




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