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Landwirtschaftspoliti​k-globale Entwicklungen berücksichtigen

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Landwirtschaftspoliti​k – glo­bale Ent­wick­lun­gen berücksichtigen!     ​                        12.11.2017

Zur Gesetzgebung über die Schweizer Landwirtschaft wird hier nicht Stellung bezogen. Anscheinend kann unser Boden schon heute nur 55% unseres Bedarfs decken. Dagegen sollen mittel- und längerfristige Entwicklungen der Welt skizziert werden, die von der Schweizer Landwirtschaftspoliti​k berücksichtigt werden müssten. Die Daten der verschiedenen internationalen Quellen weichen leicht voneinander ab. Hier werden gerundete Grössenordnungen verwendet. Zu den grossen Themen können nur einzelne punktuelle Beispiele gegeben werden. Es wird mit den Schlussfolgerungen angefangen.

Schlussfo​lgerungen

Die unten skizzierte globale Entwicklung wird zu Engpässen, Abhängigkeiten, Spannungen und Konflikten führen und  müsste beim Entscheid über die längerfristige Landwirtschaftspoliti​k der Schweiz berücksichtigt werden.

Die Menschheit wächst noch jahrelang massiv weiter, überwiegend in Ländern auf unteren Stufen der Entwicklung. Der Konkurrenzkampf um die lebenswichtigen Ressourcen, darunter die landwirtschaftlich nutzbaren Böden, nimmt zu. Gleichzeitig nimmt die für die Lebensmittelproduktio​n verfügbare Fläche in grossem Umfang ab. Zusätzlich kaufen nicht nur grosse Konzerne gewaltige Flächen nutzbaren Bodens auf, sondern seit einigen Jahren sind zahlreiche Staaten (u.a. China, Indien, Saudi Arabien) als Landkäufer in anderen Ländern dazu gestossen, die fürchten, bald ihre Bevölkerung nicht mehr ernähren zu können. Die Länder, die Lebensmittel für ihre Bevölkerung importieren müssen, werden damit vermehrt von diesen Konzernen abhängig. Zudem werden die Lebensmittel und Rohstoffe, die weltweit auf Böden produziert werden, die im Besitz weit entfernter Drittländer sind, wahrscheinlich nur den Völkern dieser Drittstaaten zur Verfügung stehen. Die Preise werden steigen. Grosse Menschen-massen ziehen vom Land, wo sie als Bauern ihre Familien auf bescheidenem Niveau versorgen konnten, in Megastädte, wo sie vollständig von einer genügenden Belieferung mit Lebensmitteln abhängig werden. Regierungen werden vermehrt dafür sorgen, dass dort keine Mangellagen entstehen, und falls nötig Lebensmittel grossmassstäblich importieren bzw. deren Exporte reduzieren. Süsswasser, Vorbedingung der Lebensmittelproduktio​n, wird knapp. Müll an Land und in den Flüssen, Seen und Meeren wird zum Problem und beginnt die dortigen Fische und anderen Lebewesen zu bedrohen – zusätzlich zur Überfischung in vielen Meeren.

 

Bevölkerung​swachstum

Heute bevölkern 7.5 Milliarden Menschen die Welt. In 6 Jahren werden 500 Millionen mehr dazu gekommen sein – und zwar Kinder, vom Neugeborenen bis zum Fünfjährigen. Zusätzlich kommen 320 Millionen Kinder in der gleichen Altersstufe dazu, die die in diesem Zeitraum gestorbenen Menschen ersetzen. Das Bevölkerungswachstum geht zwar zurück, aber nicht so schnell, wie vorausgesagt. So werden in der übernächsten Sechsjahresperiode wahrscheinlich rund 750 Millionen Kindern geboren. Davon werden wieder mehr als 300 Millionen die während dieser Periode gestorbenen Menschen ersetzen und ca. 450 Millionen zusätzliche, die das Bevölkerungs-wachstum​ antreiben  Die zusätzlich zur „Weltgemeinschaft“ stossenden Menschen brauchen auch zusätzliche Nahrung,  Wasser, unterschiedlichste Produkte, Wohnraum, Infrastruktur, Bildung, Berufe und  Energie.

Jährlich sterben etwas mehr als 50 Millionen Menschen. Setzt man das in Bezug zur Weltbevölkerung von 7.5 Milliarden, so ergäbe das eine durchschnittliche Lebensdauer von 150 Jahren. Aber wir werden ja gar nicht so alt. Wie erklärt sich das? Weil ein grosser Teil der Menschheit jung ist. Dazu kommt, dass die Menschen in entwickelten Staaten heute so viel länger leben, d.h. später sterben als die Vorgängergenerationen​, und auch die anderen Ländern diesbezüglich aufholen. Einige Beispiele zeigen das:

In der Schweiz sind von 7.5 Mio  Einwohnern 15.6% in der Gruppe der jungen Menschen bis zu  den 14-jährigen und 16.3% sind älter als 64, gehören zu den „Alten“. Die Europäischen Union hat unter ihren 509.3 Mio. Einwohnern 15.4% junge und 17.3% alte Menschen in den oben definierten Altersgruppen.

Dagege​n sind von 85.3 Mio. Ägyptern 31.4% in der Gruppe  der Jungen, und nur 4.8% bei den über 64-jährigen, in  Äthiopien sind von 93.9 Mio Menschen 46.1% in der jungen Gruppe und nur 2.7% in der der Alten. In Bangladesh gehören von 163.6 Mio. Einwohnern 34.6%  zu den Jungen und 4% zu den Alten. Bei den 1.22 Milliarden Indern ist das Verhältnis 31.1% zu 5.3%. Niger ist der Extremfall. Von seinen 17 Mio. Einwohnern sind 49.6% in der Gruppe der bis zu 14-jährigen, und nur 2.3% über 64-jährig.

Auch die Fruchtbarkeitsrate, d.h. die Anzahl lebendgeborener Kinder pro Frau ist ausschlussreich. Einige Beispiele:  

Schweiz 1.5,   Russland 1.6,    China 1.6 (Einkindpolitik),  Afghanistan  5.5,  Bangladesh 2.5,    Burundi 6.0,   Eritrea 4.2,   Guinea 5.0,   Kongo Kinshasa 5.0,    Mali 6.2,    Mosambik 5.3,  Nigeria 5.3,   Pakistan 2.6,   Philippinen 2.6,  Sambia 5.8,   Südsudan 5.5,  Uganda  6.0,  V.A. Emirate  2.4. Niger, eines der ärmsten Länder,  ist auch hier an erster Stelle, mit ca. 7 Kindern pro Frau. (Quelle: www.welt-auf-einen-bl​ick.de/...).

Der grosse Anteil der 1-14-jährigen und der kleine Anteil der über 64-jährigen in vielen Entwicklungs- und Schwellenländern zeigt, dass das Bevölkerungswachstum noch lange weitergehen wird. Die Jungen werden mehrere Kinder haben und die Alten länger leben. Zudem hat Präsident Erdogan die Türkinnen soeben aufgefordert, 5 Kinder zu haben, um den Vormarsch des Islams in Europa zu fördern.

Megaverstädt​erung

Die Städte werden immer grösser. China hat fast 200 Städte mit mehr als einer Million bis zu mehreren Millionen Einwohnern, so hat Chongqing 33 Mio, Tokyo ist mit 36 Mio. die bevölkerungsreichste Stadt der Welt. In vielen Megastädten weltweit sind ganze Quartiere in der Hand von kriminellen Banden und Drogenkartellen. In den grossen Slums der Megastädte leben die bitterarmen Menschen. Da in wenigen Jahrzehnten die dannzumal mehr als 10 Milliarden Menschen in Megastädten wohnen werden, wird deren Versorgung eine Hauptaufgabe. China fördert aktiv den Umzug der Bauern in die Städte und importiert schon heute grosse Mengen von Nahrungsmitteln. So soll es z.B. 2012 mit 2.3 Millionen Tonnen Reis aus Pakistan, Thailand, Vietnam viermal mehr Reis importiert haben als 2011.

Verlust und Aufkauf landwirtschaftlicher Böden, Verlust von Wäldern

 Auf der anderen Seite gehen jährlich 100‘000 Quadratkilometer landwirtschaftlicher Böden durch Überbauung, Vergiftung, Erschöpfung, Erosion, Vordringen der Wüsten verloren. So hat China in den ersten 30 Jahren seit der Reform von 1978 und der Umwandlung zu einer Wirtschaftsmacht 200‘000 Quadratkilometer seiner landwirtschaftlichen Nutzfläche verloren. Es braucht 1.12 Millionen Quadratkilometer, um seine gegenwärtige Bevölkerung zu ernähren – aber die wächst auch – und hat nur noch 1.2 Millionen Quadratkilometer. Von 2005-2013 wurden dort auf 6.3 Millionen Quadrat-kilometern 100‘000 Bodenproben untersucht. 20% der landwirtschaftlichen Böden erwiesen sich als verseucht, grossenteils durch Schwermetalle, teilweise weit über einem noch tolerierbaren Grenzwert. So liest man in der chinesischen Presse immer wieder, dass riesige Mengen von vergiftetem Getreide vernichtet werden mussten (2012 z.B. 12 Mio. Tonnen). 

Laut NZZ Folio 11 von 2012 befanden sich schon damals landwirtschaftliche Böden der Fläche Westeuropas entsprechend in den Händen grosser Konzerne. Vermehrt sind Konzerne aus nichtwest-lichen Staaten zu den Käufern oder langfristigen Pächtern dazu gestossen. Seit einigen Jahren kaufen oder pachten aber auch  Staaten, z.B. China, die Golfstaaten,  Indien, Japan, die Niederlande, Saudi Arabien, Südkorea und andere teilweise sehr aggressiv weltweit grosse, gute landwirtschaftliche Böden, da sie befürchten, bald ihre Bevölkerung nicht mehr ernähren zu können.  Schon vor dem Umsturz von 2014 in der Ukraine haben sich drei grosse US Konzerne 20'000 Quadratkilometer der dort verfügbaren weltweit fruchtbarsten Schwarzerdeböden von den insgesamt 320‘000 verfügbaren gesichert und zusätzlich noch Saatgutfirmen, Getreidelagerhäuser und Teile des Getreideverladehafens​ übernommen. Seither sind dort auch China und andere Länder als Käufer aufgetreten. Laut Swissaid produziert ein brasilianisch-japanis​cher Konzern in Mozambique auf 90‘000 Quadratkilometern Reis und Mais für den Export und ein libanesischer Konzern in Rumänien auf 65'000 ha Lebensmittel und Fleisch für den Export u.a. in den Mittleren Osten. Mehr als die Hälfte des landwirtschaftlich nutzbaren Bodens der Philippinen soll sich bereits in fremden Händen befinden und in Deutschland 70% des Bodens nicht mehr den Bauern gehören, die ihn bewirtschaften. Laut der britischen OXFAM sollen allein seit Beginn unseres Jahrhunderts bis 2015 zusätzlich zu den bereits in fremden Händen befindlichen landwirtschaftlichen Böden weitere 200 Mio. Hektaren aufgekauft oder gepachtet worden sein. (Zum Vergleich: Die EU verfügt über 185 Mio. ha. landwirtschaftlich nutzbaren Bodens). Waren früher vor allem Afrika, Südamerika und Asien Ziele der globalen Landkäufer, so findet heute auch in Europa ein grossmass-stäblicher Aufkauf statt.

In Madagaskar gab es eine Regierungskrise, nachdem bekannt geworden, dass eine Fläche in der Grösse Belgiens verkauft werden solle. Um durch die schiere Grösse der Flächen nicht zu viel Aufmerksamkeit zu erregen, soll China angefangen haben, z.B. in Zimbabwe, einzelne Farmen aufzukaufen, nachdem es bisher, wie die anderen Käufer, riesige Flächen erwarb.

Die Konzerne bauen sehr grosse, effizient bewirtschaftete Plantagen auf, auf denen Nahrungsmittel vorwiegend für die reichen Länder, oft aber Pflanzen für die Treibstoffherstellung​ oder Tiernahrung für unseren luxuriösen Fleischkonsum oder Gummi oder andere Rohstoffe für die Industrie produziert werden. Dagegen werden die Staaten, die weltweit grossmassstäblich Land aufkaufen, mit den dort produzierten Produkten in Zukunft vordringlich ihre Megastädte versorgen, anstatt sie in Dritt-änder zu exportieren. Millionen von Bauernfamilien verlieren ihre Lebensgrundlagen und bevölkern die Megastädte mit ihren Slums.

Jährlich werden rund 90‘000 Quadratkilometer Wald abgeholzt. Zudem sah der Verfasser auf einer Reise nach Kanada riesige Flächen toter Wälder. Laut dortigen Förstern waren wegen der warmen Winter die Schädlinge nicht mehr abgestorben und haben viele Millionen von Kiefern und Tannen befallen. Selbst noch grün aussehende grosse Wälder seien bereits zum Absterben verurteilt. Die abgestorbene Fläche soll derjenigen Schwedens entsprechen. Dazu kommen noch zehntausende von Quadratkilometern in den USA gestorbener Wälder.

Süsswasser wird knapp

Weltweit wird Trink- und Süsswasser knapp. Ohne Wasser gibt es keine Nahrungsmittelprodukt​ion. Fachleute glauben, Wasser werde zum häufigsten Kriegsgrund in diesem Jahrhundert. Heute gibt es deswegen da und dort schon ernste Spannungen.

Es gibt viele Gründe für die zunehmende Wasserknappheit: Ausfallende Regenfälle im Rahmen des Klimawechsels, Übernutzung, Erschöpfung, Verschmutzung und Vergiftung, Umleitungen und für Unterlieger störende Nutzung von Flüssen und Strömen durch Oberlieger.

Der Tschadsee, vor wenigen Jahrzehnten noch 25‘000 Quadratkilometer gross, ist inzwischen, je nach dem Ausmass des Regens auf noch ca. 1500 Quadratkilometer geschrumpft. Er ist überlebenswichtig für die Bevölkerung der 4 Anrainerstaaten Tschad, Niger, Nigeria und Kamerun. Wegen des Vordringens des Ufers habe Niger und Nigeria schon keinen direkten Zugang mehr zum Wasser des Sees. Ausgelöst wurde der Rückgang durch die Abholzung der dortigen Wälder und des darauffolgenden Ausbleiben des Regens sowie wegen der Übernutzung für Bewässerungen. Wegen des Rückgangs der Lebensmittel-produkti​on herrscht dort eine latente Hungersnot. 2.7 Millionen Menschen wurden schon in Flüchtlings-lager getrieben. Sie hoffen, bald nach Europa umziehen zu können. Ein chinesischer Konzern prüft gegenwärtig, ob der See durch die Umleitung des Ubangi, eines grossen Nebenflusses des Kongo, gerettet werden könnte. Aber selbst wenn das schon einmal abgelehnte gigantische Projekt zustande käme, würden Jahre vergehen, bis das Wasser in den See flösse. Was die Umleitung eines Flusses, der 5 mal grösser ist, als der Rhein bei Basel, für das betroffene Einzugsgebiet (19 x Fläche der Schweiz) bedeutet, steht auf einem anderen Blatt.

An gewissen Orten gibt es in Trockengebieten fossiles Grundwasser. Es wurde im Boden gespeichert, als vor vielen tausend Jahren dort ein anderes Klima herrschte. Es erneuert sich nicht. Es wird vielerorts für die Wasserversorgung verwendet. Saudi Arabien fing schon vor einigen Jahrzehnten an, mitten in der Wüste mit Grundwasser bewässerte riesige Farmen aufzubauen und dort z.B. mit bis zu 50‘000 hollän-dischen Hochleistungsmilchküh​en Milch zu produzieren. Aber durch diese intensive Nutzung ist der Grundwasserspiegel um viele hundert Meter abgesunken. Die Regierung hat nun angeordnet, diese Farmen aufzugeben, damit das Grundwasser noch etwas länger den Menschen zur Verfügung stehe.

Auch Libyen ist ein extrem trockenes Wüstenland. Aber 3800 km im Süden, in der Sahara befinden sich fast 40‘000 Kubikkilometer reinen Grundwassers. Gaddafi wollte damit für die nächsten 100 Jahre das Wasserproblem lösen und begann unter dem Slogan „Wasser statt Waffen“ ein gigantisches Projekt. Mit 5 Rohrleitungen von 4 Metern Durchmesser sollte das Wasser an die Küste  gebracht werden. Dazu wurde eine Röhrenfabrik gebaut. Libyen wurde weltweit führenden in diesem Fachgebiet. Drei der 5 geplanten Leitungen waren bereits im Betrieb und die bewohnte Mittelmeerküste konnte mit genügend Trink- und Gebrauchswasser versorgt werden. Aber der Westen befand, wie so oft in Ländern, die sich seinen Vorstellungen nicht unterwerfen wollen, Gaddafi müsse weggebombt werden. Durch die grossen westlichen Luftangriffe wurden 2 der drei Leitungen und die Röhrenfabrik zerstört und die Wasserversor-gung der Hälfte der Bevölkerung schlagartig ausgeschaltet. UNO und Weltbank sollen in Betracht ziehen, das Projekt zu privatisieren. Die Wasserreserven in der Wüste sind ja noch da und könnten Konzernen grosse Gewinne bescheren.

Vor Jahrzehnten waren viele Fliessgewässer und Seen der Schweiz derart verseucht, dass die Menschen dort nicht mehr baden konnten. Durch den landesweiten Bau von Kläranlagen wurde das Problem behoben. Viele Länder befinden sich in einer noch schlechteren Lage, weil ihre Gewässer wesentlich stärker verschmutzt sind, als es unsere Gewässer waren. In China riechen viele Flüsse, auch solche, die durch grosse Städte fliessen, aber auch Seen wie Jauche. In vielen Ländern tragen die verschmutzten Flüsse tragen dazu bei, dass landwirtschaftliche Böden verseucht werden.

China soll 1990 noch über 50‘000 Flüsse mit einem Einzugsgebiet von mindestens 100 Quadratkilo-metern verfügt haben. 2011 waren es weniger als 23‘000.

Länder, die am Unterlauf von Strömen liegen und für ihre  Menschen und die Lebensmittelproduktio​n auf deren Wasser angewiesen sind, geraten in Not, wenn die Nachbarländer am Oberlauf das Wasser für ihre Zwecke stauen, für ihre Menschen brauchen, ihr Land bewässern und dort auf Wasser angewiesene Fabriken bauen, die ihrerseits mit ihren Abwässern die Flüsse verschmutzen. So ist Ägypten vom Sudan und Äthiopien, der Irak von Syrien und der Türkei, Syrien von der Türkei, Bangladesh von Indien, Brasilien von Peru usw. abhängig. Aber auch die Schweiz als Wasseschloss Europas liegt am Oberlauf der in ihre Nachbarländer fliessenden Flüsse. Sollten die Gletscher abschmelzen, das Wasser nicht mehr so reichlich fliessen, könnten die Unterlieger auch an uns Forderungen stellen.

Auch Trinkwasser wird knapp. Grosse Konzerne kaufen die Quellen auf und füllen es in Flaschen ab. Gegenwärtig werden jährlich 200 Milliarden Liter in Flaschen abgefüllt, das sind schon rund 27 Liter pro Mensch. Die Bewohner armer Gebiete geraten in Not, weil das Flaschenwasser für sie zu teuer wird und die Quellen von den Konzernen abgesaugt werden.

            Vermüllung

Was sehen wir, wenn wir in einen unserer glitzernden Supermärkte treten? Wir blicken in eine Müll-halde. Der Müll leuchtet zwar fröhlich in allen Farben und besteht aus den unterschiedlichsten Materialien. Aber das, was wir sehen, wollen wir ja gar nicht kaufen, sondern nur das, was im Müll auf den Gestellen verpackt ist. Seit kurzem werden sogar Einzelstücke von Gemüsen und Früchte in Plastik und Cellophan angeboten.

In der Schweiz wird der Müll zwar noch einigermassen beherrscht und wieder verwertet, so ein Teil der 500 Millionen Milchflaschen pro Jahr. Gefährlicher Müll wird aus Europa, den USA, Australien exportiert. Der von elektronischen Geräten wird u.a. nach Accra, der Hauptstadt Ghanas verschifft, wo monatlich 100 Container ankommen. Dort ist inzwischen einer der grössten Elektronikmüllhaufen der Welt entstanden. Aber auch andere Schwellen- und Entwicklungsländer werden mit elektronischem, kontaminiertem oder giftigem Müll beliefert. Die Armen dort, oft auch Kinder, versuchen dann in diesen Müllbergen die wertvollen Rohstoffe in den Geräten zu gewinnen, Händlern zu verkaufen, die sie wieder in die entwickelten Länder liefern, wo sie im neuesten Smartphone oder Tablet-Computer verwendet werden. Die Menschen, die den elektronischen Müll so durchsuchten, tragen schwere gesundheitliche Schäden davon.

Auf den Inseln mit ihren Luxusresorts, z.B. auf den Malediven, wird der Müll eingesammelt und auf einer dafür reservierten, schon sehr vollen Insel abgeladen. Auch die Strände vor vielen Hotels in den Zielländern der Touristen werden regelmässig gereinigt, damit die Touristen glauben, die Welt sei noch in Ordnung. Überall auf der Welt, wo der Müll eingesammelt wird, z.B. auf griechischen Inseln, entste-hen grosse Müllberge. Vor nicht langer Zeit konnten wir hier lesen, dass im Süden Chinas an einem hohen Hügel aus Müll ein Erdrutsch stattfand, der mehrere Häuser zerstörte und Tote forderte. Die Müllberge, auch wenn sie am Schluss mit Erde bedeckt werden und wie Hügel aussehen, verseuchen das Wasser und den Boden. Auf dem Land der weniger entwickelten Ländern wird der Müll weggeworfen, vielleicht immer auf den gleichen Haufen, in Flüsse, Seen und das Meer. Früher, als alles noch aus pflanzlichen, tierischen und anderen natürlichen Materialien bestand, was das kein Problem. Aber heute blasen die Winde den Plastikmüll, Papier, Pet-Flaschen, Kartonschachteln, Stoffe u.a. über die Äcker und Felder. Man muss die Felder der Bauern in der Nähe grosser Städte in Afrika gesehen haben, um zu begreifen, was sich hier abspielt.

           ​ Überfischung und Verseuchung der Meere.

 Seit es Menschen gibt, beschaffen sie sich Nahrung im Meer. Es ist schon allgemein bekannt, dass     das Mittelmeer leer gefischt ist, zum Teil durch modernst ausgerüstete Fischfangflotten aus Asien. Jetzt sind sie vor der Küste Westafrikas am Werk.  Dort waren die Dörfer am Meer sehr stark vom Fischfang abhängig. In Teilen andere Meere versuchen die Anlieger, mit Fangquoten, Beschränkungen bei den zugelassenen Geräten und Methoden und andere Massnahmen die  Ausrottung der Fische zu verhindern.

 Der Müll, darunter Plastik, wird zum zusätzlichen grossen Problem. Vom mehrere hunderttausend Quadratkilometer grossen Plastikwirbel im Pazifik hat schon jeder gehört. Aber alle Meere sind davon betroffen. Immer mehr Fische und Seevögel fressen die zerfallenen Plastikfetzen und sterben daran. Aber der Plastik zersetzt sich weiter. Die winzigen Teilchen werden von den Lebewesens des Planktons   – dem Anfang der Nahrungskette - gefressen und gehen daran zugrunde. Die grösseren Arten, die vom Plankton leben, haben keine Nahrung mehr und gehen auch unter und so setzt sich das Sterben durch die Nahrungskette im Meer fort.

In vielen am Meer gelegenen Ländern wird der Müll ins Meer gekippt. Jeder, der mal mit Fähren im Mittelmeer unterwegs war, wurde schon Zeuge dieser „Entsorgung“. Die mit grossen Plastiksäcken ausgerüsteten Abfallcontainer auf den Schiffen wurden eine Stunde vor Ankunft im Zielhafen zusam-mengeschnürt und dann übers Heck ins Meer gekippt. Wie Perlen einer Kette lagen die Säcke im Kiel-wasser auf der Wasseroberfläche und fingen dann an, da aufgeplatzt, langsam zu sinken, umschwärmt von Luftflotten kreischender Möwen. Auch viele am Meer gelegene Orte kippen ihren Müll einfach über Steile Wände. Auch wenn es da und dort inzwischen umweltfreundlichere Methoden gibt, den Müll zu entsorgen, ist der Boden des Mittelmeers und wohl anderer Meere stellenweise von hohen Müllhaufen bedeckt. Ab so geht es in allen Meeren weiter. Auch die einsamen Strände, schöner unbewohnter Inseln sind übersät mit angeschwemmtem Müll.

 

Gotthard Frick, Bottmingen


Kommentare von Lesern zum Artikel

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25%
(4 Stimmen)
jan eberhart sagte November 2017

Wind of change: Europa kann sich nicht mehr wie früher auf den grossen Bruder USA verlassen.

Die Zeiten sind vorbei, wo die USA nach dem rechten schauten und den bösen Wolf Sowjetunion fernhielten.

Nachd​em unter Vormundschaft stand seit 1945, ist es Zeit, erwachsen zu werden.

Mag sein, dass die USA nun ein Militäretat von 700 mia. haben. Ein wesentlicher Anteil wird aber benötigt, um das bestehende zu unterhalten und warten. Am Sollbestand von ca. 1 mio. aktiver Soldaten wird sich nicht signifikantes ändern.

Eine grosse und moderne Armee braucht viel Geld, um das ganze in Schuss zu halten.

Was gerne verschwiegen wird: Gastgeber wie Deutschland und Japan bezahlen einen Löwenanteil der Kosten der US-Basen wie Ramstein. Mag sein, dass die Sowjets abezogen sind (aus der ex-DDR), die Amerikaner haben nicht vor, die Basen in Deutschland oder Japan aufzugeben.




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40%
(5 Stimmen)
Emil Huber sagte November 2017

Ein hervorragender Beitrag, mal etwas abseits von CO2 und Klimawandel, würden nur alle Politiker und auch das Volk es einsehen, dass es noch andere Umweltprobleme gibt als CO2 wo da und dort Konferenzen stattfinden wo es um nichts anderes mehr geht.

Auch die Erwähnung eines Politikers vom Wasserprojekt in Libyen verdient Hochachtung.
Aber ich frage mich, was kommen muss, bis man einsieht, dass es nicht immer so weiter gehen kann mit dem Raubbau an der Natur, welcher meist aus Unvernunft und Gier entsteht.
Braucht es zuerst Hungersnöte in den Industrienationen bis man endlich einsieht, dass man weder Geld, Dividenden noch Wirtschaftswachstum essen kann.

"Seit der Erschaffung des Geldes ging der eigentliche Reichtum eines Landes weitgehend in Vergessenheit, wie die fruchtbaren Böden, die grossen Wälder, die Berge, die Flüsse & Seen, die Artenvielfalt, Bodenschätze und Viehbestände, alles drehte sich nur noch um das Geld, dieses scheinbar höchste Gut, das jederzeit Mangelware war und dieser Zustand hält bis heute an.“


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60%
(5 Stimmen)
Helmut Barner sagte November 2017

Herr Frick, Sie vergessen den Raubbau und Diebstahl von Bodenschätzen in den Drittwelt-Ländern durch Schweizer Unternehmen!


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25%
(8 Stimmen)
Werner Nabulon sagte November 2017

Dann bauen wir weiter unsere Sozial Werke aus, Vaterschaftsurlaub, Kinderzulagen, Familienunterstützung​..

Spenden weiter für die 3te und 4te Welt, helfen dort human, holen weiter Flüchtlinge, ....

Und leisten dem Herr Erdogan und weiteren Islamisten einen Steilpass, das Ziel zu erreichen.


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