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Studiengebühren für ausländische Studierende anpassen

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Zweifelsohne: Bil­dungs­aus­ga­ben sind eine In­ves­ti­tion in die Schwei­zer Zu­kunft, wenn die Stu­die­ren­den nach Ab­schluss Ein­gang in den örtlichen Ar­beits­markt fin­den. Ty­pi­scher­weise ist dies je­doch bei ausländischen Stu­die­ren­den nicht der Fall. Sie ver­las­sen die Schweiz nach Ab­schluss ihrer Studien oft wie­der, womit der Schweiz ein volkswirtschaftli​ches In­ves­ti­ti­ons­de­f​i­zit ver­bleibt.

Je nach Fakultät und Fach kostet ein Studienjahr zwischen 10‘000 und 100‘000 Franken. In der Schweiz besteht zwischen den Kantonen ein Kostenausgleich. Pro Studierende in Fremdkantonen beteiligt sich der Heimatkanton des Studierenden an den anfallenden Kosten. Dies schafft einen Anreiz für die Bildungsinstitute mittels guten Angeboten und einer hohen Bildungsqualität möglichst viele Studierende an ihr jeweiliges Institut zu locken.

Bei ausländischen Studierenden ist das Gegenteil der Fall. Es besteht kein internationaler Kostenausgleich und die Studienkosten für ausländische Studierende trägt damit die Schweizer Uni oder Fachhochschule und schlussendlich der Steuerzahler. Nur ein Zehntel der effektiven Ausbildungskosten übernimmt der Bund, den Rest tragen die Kantone. Im Ausland sind viele Unis, insbesondere die qualitativ hochstehenden, längst dazu über gegangen, die ausländischen Studierenden stärker an den Ausbildungskosten zu beteiligen. Innerhalb der EU gibt es teilweise unterschiedliche Tarife für in- und ausländische Studierende, insbesondere für Nicht-EU-Ausländer wie die Schweizer.

Angesicht​s von knappen Mitteln und steigenden Bildungskosten muss man sich auch hier  Gedanken machen, wie die Schweizer Hochschullandschaft attraktiv gehalten werden kann ohne massive Mehrkosten. Das Problem ausländischer Studierender ist akut: Die Zahl ausländischer Studierender an in der Schweiz ist zwischen 1997 und 2009 von 12'400 auf 30'500 angestiegen. Die Zunahme ist kontinuierlich stark und eine Stabilisierung ist nicht absehbar. Die NZZaS machte Ende Januar eine Hochrechnung, wonach die ausländischen Studierenden Bildungskosten von 560 Mio. Franken verursachen.

In verschiedenen Nachbarstaaten sind die Unis überfüllt und haben oft ein schlechtes Bildungsniveau. Deshalb zieht es Tausende Studierender ins Ausland – Tendenz zunehmend. Ein Blick nach Österreich zeigt, wie dort die Universitäten mit deutschen und osteuropäischen Studierenden belastet werden. Die Kosten steigen, die Unis platzen aus allen Nähten und das Niveau sinkt. Dieses Szenario droht zunehmend auch der Schweiz.

Die ausländischen Studierenden bezahlen in der Schweiz praktisch die normalen Studiengebühren. Lediglich die Tessiner Uni USI macht einen deutlichen Unterschied. Hier kostet ein Semester für Inländer 4000 Franken und für Ausländer 8000 Franken jährlich. Insbesondere für Deutschland – aber auch für andere Staaten - werden wir weiterhin sehr attraktiv sein als Bildungsstandort, da dort eine höhere Abiturientenquote als in der Schweiz herrscht und die Hörsäle immer überfüllter sind. Auch das hohe Bildungsniveau der Schweiz und das Renommee vieler Schweizer Hochschulen tragen zur Attraktivität der Schweiz bei.

Höhere Studiengebühren für ausländische Studierende bringen einerseits direkt zusätzliche Mittel in die Unis und Fachhochschulen ein, welche zu einer Steigerung der Attraktivität und für eine Verbesserung der Betreuungsverhältniss​e oder für die Forschung eingesetzt werden können. Und wenn weniger ausländische Studierende – dafür qualifiziertere – kommen, so wird der Steuerzahler durch tiefere Bildungskosten auch ganz konkret entlastet.

Angesicht​s des guten Rufs der Schweizer Hochschullandschaft sind die heutigen Studiengebühren geradezu ein Schnäppchen. Es ist falsch, wenn heute Anreize geschaffen werden, die es für ausländische Studierende rein finanziell interessanter machen, in der Schweiz statt im Heimatland zu studieren. Zugegeben besteht international ein Konkurrenzkampf um die besten Master-Studierenden und Doktoranden, welche wertvolle Forschungsarbeit leisten. Aber die Besten lockt man nicht mit tiefen Gebühren, sondern mit herausragenden Rahmenbedingungen und einem hohen Bildungsstandard.


Kommentare von Lesern zum Artikel

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67%
(3 Stimmen)
Thomas Schmid sagte August 2013

Besten Dank für diesen Beitrag. Im Rahmen der aktuell gestarteten Petition, welche eine Erhöhung der ETH-Studiengebühren für ausländische Studierende verhindern möchte, ist dieser Beitrag eine gute, fundierte Lektüre. Er zeigt, dass eine Erhöhung der Gebühren gerechtfertigt ist und dass die Gebühren für Studierende aus dem Ausland noch immer massiv unter dem internationalen Standard liegen. Aktuell sind es bei der ETH 1'288 Fr. Verglichen mit dem MIT oder Standford, welche jährliche Gebühren von über 30'000 Fr. aufweisen, ist dies extrem günstig.



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67%
(6 Stimmen)
Alex Schneider sagte June 2011

Schweiz subventioniert ausländische StudentInnen: Einseitiger Europa-Vertrag!

Un​glaublich: Die Schweiz subventioniert jede ausländische Studentin und jeden ausländischen Studenten mit 8'000 – 15'000 CHF pro Jahr. Deren Herkunftsländer zahlen keinen Rappen. Was haben unsere Europa-Freunde wieder für einen einseitigen Vertrag ausgehandelt!



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28%
(25 Stimmen)
gugus dada sagte August 2010

eine andere sparmöglichkeit bei den universitäten wäre, die juristischen fakultäten abzuschaffen. diese produzieren sowieso nur schwachköpfe, die sich dann im nationalrat breitmachen.


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74%
(35 Stimmen)
Alexandra Weber sagte July 2010

Der Artikel ist hervorragend und ich danke L.Reimann, dass er dieses Thema aufgreift, endlich mal wird einiges gelüftet.
Doch es sind nicht nur die Semesterbeiträge sondern auch die billigen Wohngelegenheiten die unsren Schweizer-Studenten somit klar abhanden kommen.
Es sind auch die vielen *Bschisse* und Betrügereien die die Ausländer hier in der Schweiz produzieren.
Mit Schlichen, Mäzli und hinterlistigen Methoden - ja bis hin zur Korruption bestehen diese ihre Prüfungen und Dipl. Arbeiten.
Wir Schweizer sind solchen Betrügereien nicht gewachsen, sind es nicht gewohnt und Vertrauen viel zu viel - ja sind zu blauäugig.
Doch: Vertrauen ist gut und Kontrolle ist besser und je länger je mehr muss kontrolliert werden.
Mit mehr Kontrolle fallen 1/3 dieser Studenten wegen Betrug raus - das ist ein klarer Fakt.
Die Jahresgebühr für ein Studium im TI ist relativ gut doch auch noch zu tief.
Ein Semester Managerschule der Hotelerie in Marbella kostet 10 000 Euro.
Tja - da können die Schweizer nur lernen, denn die Schweizer arbeiten für ihr Geld und für die Schweiz und nicht damit Ausländer uns aushöhlen und ausbeuten.
aw



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75%
(28 Stimmen)
Georg Stamm sagte July 2010

Das was L. Reimann hier sagt ist eigentlich eine Selbstverständlichkei​t. Ausbildung ist ein wertvolles Gut und muss ihren Preis haben, so wie andere Güter auch. Es geht nicht an, dass Steuerzahler, die einen Lohn von wenigen 000 CHF/Mt. haben, späteren Millionären (Aerzte, Juristen, Oekonomen usw.), Ausländern oder Inländern, das Studium finanzieren. Das ist asozial. Bei Ausländern kommt noch dazu, dass sie oft in andere Länder oder ihr Heimatland entschwinden nach dem Studium.


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81%
(43 Stimmen)
Marc Meier sagte May 2010

Herr Alain Burlet
Sie haben Recht. Kompetenz zum Studieren misst sich nicht mit Geld. Und genau deshalb braucht es eine Gebührenerhöhung für Ausländer, es darf nicht sein, das man in die Schweiz studieren geht weil es vergleichweise billig ist. Dies schafft einen komplett falschen Anreiz. Und diesen Anreiz haben wir heute und es ist wichtig diesen Anreiz zu minimieren.


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52%
(46 Stimmen)
Alain Burlet sagte May 2010

Herr Reimann.
Es müsste Ihnen aber auch klar sein, dass eben die hohen Anforderungen (Abitur, Numerus Clausus...) schon eine klare Filterwirkung zeigt. Wenn man schon weniger Studenten an der Uni möchte, dann könnte man auch die Eintrittsbedingungen schwieriger gestalten.
Durch den Vorschlag höhere Studiengebühren zu verlangen, werden weniger Leute an die Schweizer Unis kommen, aber dafür vermehrt Wohlhabende.Das ist die falsche Filterwirkung, denn "Kompetenz zum Studieren" misst sich nicht mit Geld.


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76%
(41 Stimmen)
Ana Deuber sagte May 2010

Ist ja gut und recht, dass das jemand merkt! Was spricht gegen eine differente Studiengebür?? Von mir aus gesehen ist das schon lange fällig. Und da wir gerade beim Thema sind: Die Schweiz wird ja bei jeder Gelegenheit immer wieder wegen ihres im Vergleich mit der EU ungenügenden Abschneidens punkto Bildung vorgeführt... (und doch drängen alle??) Alles Schall und Rauch, eine der vielen zänkischne Aussagen ohne Hintergrund... Es scheint mir naheliegend...
Stehe​n wie doch einfach zu dem was wir haben, wir sind gut!! Und jemand der hier keine Steuern zahlt, soll einfach mehr 'Eintritt' zahlen...


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66%
(38 Stimmen)
James Mock sagte May 2010

Ich muss Herrn Reimann recht geben. Wir können doch nicht unser Geld in die Ausbildung von Menschen stecken, welche dann in ein paar Jahren zu unseren Konkurrenten werden. Und zu Herrn Vögelin: wenn wir immer sagen "erst muss dies und jenes geändert werden" , dann kommen wir gar nie vom Fleck.


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28%
(46 Stimmen)
Patrick Vögelin sagte May 2010

Herr Reimann das ist absoluter Blödisnn wie warum muss immer dort gespart wo schon nichts mehr zu holen ist. Und die Abzocker lässt man gewähren das ist doch Doppelzüngig. wenn man eine Bonisteuer einführt und die der Bildungsstätten zuführen würden so wäre der Steuerzahler entlastet.


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